Ihr erinnert Euch an den Protest der Milchbäuerinnen vor dem Kanzleramt im Mai (Duckhome berichtete), dem die gemeinsame Fahrt nach Brüssel folgte. Es geht nach wie vor um den viel zu niedrigen Milchpreis, die Erhöhung/Senkung der Milchquote, und auch um die sehr umstrittene Politik des Bauernverbandes, von dem sich die Milchviehhalter nicht mehr repräsentiert fühlten und deshalb ihren eigenen Verband gründeten. - Nach wie vor ist der Milchpreis derartig niedrig, dass rund zwei Drittel der Milchbauernhöfe in Deutschland existenzgefährdet sind.
„Die Bundesregierung versagt in der Milchpreiskrise“, lesen wir auf der homepage des
Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, und weiter: „Die Krise auf dem Milchmarkt spitzt sich immer weiter zu und die Bundesregierung spielt nur den Zuschauer am Rande“, so der Vorsitzende des BDM, Roumuald Schaber. „Es ist eine Enttäuschung für die deutschen Milchviehhalter, dass sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel, als auch der Vize-Kanzler Frank-Walter Steinmeier ihre Versprechen nicht einhalten“. Beide hatten immer wieder Unterstützung zugesagt, jedoch nationale Möglichkeiten zur Bekämpfung der Krise nie eingeleitet.“
Dann muß man sich Verbündete suchen!
In der gemeinsamen Presseerklärung vom 4.9.09 erfahren wir: „Ein neues gesellschaftliches Bündnis aus Landwirtschafts-, Umwelt-, Tierschutz-, Menschrechts- und entwicklungspolitischen Organisationen hat die aktuelle Milchpolitik in Deutschland und der EU scharf kritisiert und rasche politische Änderungen gefordert. Die akute Krise am Milchmarkt sei nicht nur ein Problem für die Milcherzeuger sondern habe dramatische Folgen für Umwelt und Naturschutz, Tiergesundheit und Tierschutz, Arbeitsplätze im ländlichen Raum, entwicklungspolitische Ziele und die qualitative Vielfalt an Milcherzeugnissen in der EU“. Zu den insgesamt neun Organisationen gehört unter anderem der BUND und der Deutsche Tierschutzbund.
„Mittel- und langfristig muss die europäische Milcherzeugung vor allem am Bedarf innerhalb der EU ausgerichtet werden, um ein Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage und damit einen fairen Milchpreis zu gewährleisten“, so Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. „Die Milchbauern und -bäuerinnen müssen ihre Interessen gegen eine stark konzentrierte Milchindustrie marktwirksam bündeln“.
Sich verbünden geht auch auf europäischer Ebene!
Am 1.9.09 übergab das
European Milk Board (EMB) dem EU-Rat und der EU-Kommission ein Forderungspapier „Systemwechsel aus Vernunftsgründen – Beschränkung statt Ausweitung“. Auch hier geht es im Kern um eine Mengenregulierung gemäß der Nachfrage auf dem europäischen Markt, mit den vielfältigen Konsequenzen in Bezug auf Ernährungsfragen, Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft, Natur- und Tierschutz, Futtermittelerzeugung, Export/Import, EU-Subventionen und einiges mehr. Und zum Schluß heißt es: „Die Proteste der Milcherzeuger mehren sich. In ganz Europa machen die Milchbauern deutlich, dass sie bereit sind, für ihre Betriebe zu kämpfen“.
Na, dann haben ja Ministerin Aigner und ihre europäischen Amtskollegen auf ihrer Sitzung am Montag in Brüssel Substanzielles zu besprechen! Und wir Verbraucher auch. Und wir Wähler.
Fest steht, dass die Bauern sich auf bemerkenswerte Weise international solidarisiert haben und sich auf einen sehr schwierigen Kampf eingelassen haben. Denn es wird ja wohl niemand glauben, sie würden leichtfertig das Lebensmittel, das sie produzieren, v ...