Echte Spontaneität, sagt Erich Fromm in "Die Furcht vor der Freiheit" (1941), erleben wir am ehesten bei Künstlern und Kindern. Oder wenn "die Liebe zu einem anderen Menschen plötzlich in uns aufquillt" - dann haben wir vielleicht "eine Ahnung davon, was das menschliche Leben sein könnte". Durch spontanes Tätigsein tritt der Mensch zur Welt in Beziehung und hört auf ein einsames Geschöpf zu sein.
"Visionäre Denker des 19. Jahrhunderts haben die Lage, in der sich der einzelne heute befindet, bereits vorausgesehen. Kierkegaard beschreibt das hilflose, von Zweifeln geplagte und zerrissene Individuum, ... Nietzsche hält uns den aufkommenden Nihilismus vor Augen, ... Franz Kafka hat das Thema der Machtlosigkeit des Menschen in seinem Werk auf höchst präzise Weise zum Ausdruck gebracht."
Fromm beschreibt die Fluchtversuche des einzelnen: ins Autoritäre, ins Destruktive oder ins Konformistische. Aber der Sieg über autoritäre Systeme kann nur gelingen, wenn die Demokratie die Offensive ergreift, "mit dem Glauben an das Leben und an die Wahrheit und an die Freiheit als der aktiven und spontanen Verwirklichung des individuellen Selbst."
"Wie haben in diesem Buch die These vertreten, daß die Freiheit für den modernen Menschen eine zweifache Bedeutung besitzt: daß er sich von den traditionellen Autoritäten befreite und zu einem "Individuum" wurde, daß er aber gleichzeitig auch isoliert und machtlos und zu einem Werkzeug für Zwecke außerhalb seiner selbst wurde, sich selbst und anderen entfremdet. Wir sahen, daß dieser Zustand das Selbst unterminiert, es schwächt und mit Angst erfüllt und daß er den Menschen bereit macht, sich einer neuen Art von Knechtschaft zu unterwerfen. Andererseits führt die positive Freiheit zur vollen Verwirklichung der dem Menschen eigenen Möglichkeiten und befähigt ihn aktiv und spontan zu leben. Die Freiheit hat einen kritischen Punkt erreicht, wo die ihr eigene Dynamik die Gefahr mit sich bringt, daß sie in ihr Gegenteil umschlägt.
Die Zukunft der Demokratie hängt von der Verwirklichung des Individualismus ab, der seit der Renaissance das Ziel des modernen Denkens ist. Die kulturelle und politische Krise unserer Zeit liegt nicht daran, daß es zuviel Individualismus gibt, sondern daß das, was wir für Individualismus halten, zu einer leeren Schale geworden ist. Der Sieg der Freiheit ist nur möglich, wenn die Demokratie sich zu einer Gesellschaftsform entwickelt, wo der einzelne Mensch mit seinem Wachstum und seinem Glück Ziel und Zweck der Kultur ist, wo das Leben keine Rechtfertigung durch Erfolg oder irgend etwas anderes braucht."
Steinmeier hat in den ersten Stint gesagt. Er will Mindestlöhne etc. Also links - links wird kommen, da bin ich mir sicher.
Der Steinmeiner ist voll bei Gysi und Lafontaine :-).