Es geht um den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft. Es geht um Landschafts-, Umwelt- und Tierschutz. Es geht um uns und die Qualität unserer Ernährung, ohne Gentechnik. Es geht um Ernährungssicherheit, weltweit.
Fest steht, dass die Bauern sich auf bemerkenswerte Weise international solidarisiert haben und sich auf einen sehr schwierigen Kampf eingelassen haben. Denn es wird ja wohl niemand glauben, sie würden leichtfertig das Lebensmittel, das sie produzieren, vernichten. Von allen beteiligten Seiten wird das Problem anerkannt, dass der Milchpreis ruinös niedrig ist. Doch bisher haben weder Eu- noch nationale Politik, weder Landwirtschaftskammern noch Bauernverbände Vorschläge zur Besserung präsentiert. Nur die Parallelorganisationen, die Verbände, die die Bauern selbst gegründet haben, und ihre europäischen Zusammenschlüsse haben wirksame Konzepte entwickelt. In Zusammenarbeit mit Umwelt- und Tierschutzverbänden und noch weiteren Organisationen, wie es der Komplexität der Thematik entspricht. Gleichzeitig ist damit eine Alternative zur herrschenden neoliberalen Wirtschaftsweise entstanden und damit auch ein Ausweg aus der Krise! Und ein Zukunftsentwurf.
Das alles muß ihnen erstmal jemand nachmachen. Wie wäre es mit den europäischen Industriearbeitern und ihren mächtigen Gewerkschaften?
"Mengenproblem auf dem europäischen Milchmarkt erkannt, dennoch keine durchschlagenden Lösungsvorschläge von der Kommission" heißt es in der
Presseerklärung des EMB vom 18.9.09. Und weiter: "Der Aufstand der Milchbäuerinnen und -bauern wegen der katastrophalen Milchpreise nimmt in allen Länder Europas täglich zu. Dennoch hat die EU-Kommissarin Mariann Fischer Boel in ihrer Rede vor dem EU-Parlament die Anliegen der Milchbauern mit wenigen Ausnahmen ignoriert. „Damit provoziert die Agrarkommissarin die Milcherzeuger in Europa, die ausgehend von Frankreich seit vergangenen Donnerstag mit Protesten und einem Milchlieferstopp begonnen haben“, gibt die Niederländerin Sieta van Keimpema, Vizepräsidentin des European Milk Board (EMB), zu bedenken. "Trotzdem verbuchen wir es als Erfolg, dass das Thema Milch überall in der Politik auf den ersten Platz der Tagesordnung gerutscht ist“, sagt Pascal Massol von der französischen Milcherzeugerorganisation APLI. Daniel Condat von der französischen OPL ergänzt: „Der Druck auf die Politik durch den großartigen Milchstreik in Europa wächst offensichtlich.“
Auch wenn das bei weitem nicht ausreicht, um vom Wendepunkt in Richtung einer anderen Politik ist zu sprechen, wie es im Forderungspapier des EMB formuliert ist. Aber die Entscheidungsträger in Brüssel geben zumindest zu, dass sie die Anliegen der Bauern nicht weiter ignorieren können. Immerhin. „Es ist positiv, dass die EU-Kommissarin das Mengenproblem am Markt anerkennt“, sagt Romuald Schaber, Präsident des European Milk Board (EMB) aus Deutschland. Dennoch bleibt das Kernproblem, die Menge dauerhaft flexibel steuern zu können (wollen) weiterhin unangetastet. Ich denke, man wird die neuen Möglichkeiten nutzen, ohne die weiter reichenden Forderungen aus den Augen zu verlieren.
In einem Freibeuter-Heft von 1980 fand ich einen sehr selbstkritischen Beitrag von Lothar Baier "Der Bauer stund auf im Kopfe". Es war die Zeit nach Whyl und Gorleben, Ökologiedebatte und Alternativbewegung. Man hatte den Bauern wiederentdeckt. Bloß, - war er nun reaktionär oder revolutionär, der Bauer? "Gegen Landkommunen können sich die Einheimischen notfalls selbst wehren" schreibt Lothar Baier, und berichtet von ein paar Freaks, die zwecks Abschaffung des Eigentumsfetischismus Zäune niederreissen wollten. "Wehrlos ausgeliefert dagegen sind die Bauern und Landbewohner der Besetzung ihrer Welt durch die Phantasien, die wir produzieren und zu deren Objekten wir die Bauern machen. Wir wollen vor allem, scheint mir, deshalb so wenig Genaues über das Landleben wissen, damit das Land eine unbeschriebene Fläche bleibt, auf die wir ungehindert unsere Wunsch- und Wahnbilder projizieren können. Diese Bilder, die wir so gerne als dokumentarisch ausgeben, sagen jedoch nichts über das Land, aber alles über unsere städtische Kaputtheit."
Was projizieren wir heute: der Bauer als neoliberaler Kapitalist, dem Tier und Acker egal sind und der stattdessen den ganzen Tag an seine Subvention denkt? Während wir die begnadeten Ökologen und Tierschützer sind, möglichst ungeprüft durch die Praxis? Gleichzeitig träumen wir von der Revolution, die uns eine gerechtere Welt bringen wird? Oder so ähnlich. Weniger Projektion und mehr Information wären für den Anfang zweckdienlich. (Praktische Umsetzung können wir ja dann von den Bauern lernen.)
Ich habe seit Mai immer wieder Beiträge zum Protest der MilchbäuerInnen und zur Situation der Milchbauernhöfe gepostet, mit vielen nützlichen links, und dabei selbst eine Menge dazu gelernt. Das Thema, um das es hier geht ist sehr vielschichtig und sehr weitgreifend! Für alle, die sich informieren möchten (gerne auch vorm Kommentare schreiben!) und dabei auf meine Beiträge zurückgreifen möchten, liste ich sie hier nochmal auf.
Milchbäuerinnen wollen Kanzlerin sprechen, 16.5.09
Merkel setzt Prioritäten, 18.5.09
Wenn der Bauer mit dem Traktor ..., 25.5.09
Sonnleitners Bauern kommen zu uns bloggern, 13.6.09
Fairer Milchpreis anstelle von Subventionen, 20.6.09
Aktuelles zur Lage der Milchbauernhöfe, 6.9.09
Klappt prima, die Milchpolitik der EU!, 7.9.09
Im Milchzirkus, 9.9.09
Danach kommen die Milch-Ticker 1-6 (die findet Ihr selbst!)
Die in der Landwirtschaft Tätigen schließen sich mit den übrigen Werktätigen auf kurzem Weg zusammen und produzieren alles, was man zum Leben braucht - ganz ohne multinationale Konzerne, Banker, Politiker und sonstige Mitfresser und Absahner, die niemand wirklich braucht.
Wir könnten mit durchschnittlich weniger Arbeitszeit als heute einen sehr viel höheren Lebensstandard erzeugen als heute. Die Menschen sind nur zu blöd (verblendet) dazu.
Dieser Zustand mit seinen nicht auszudenkenden Folgen ist sehr besorgniserregend und ich bitte Sie darum einen öffentlichen Aufruf zu verfassen, ein Bündnis der Selbstversorger auf Basis reiner Selbsthilfe und Eigeninitiative zu gründen.
Vielleicht darf ich mich mit allem was ich habe an diesem Bund beteiligen.
Sie kennen sicher die einzelnen Ansprechpartner.
Vielen herzlichen Dank dafür.
Ich besitze eine Meerwaserentsalzungsanlage mit einer durchschnittlichen Leistung von 250 Litern pro Stunde.
Natürlich braucht jedes funktionierende System viele Tausend kleiner "Rädchen" wie dieses eine und deshalb kann ich eben allein so gut wie nichts tun.
So wie die Aufgabe jedes Einzelnen-, kann ich mit meiner Arbeitskraft für Funktion und Zuverlässlichkeit in meinem Einsatzbereich garantieren.
Ist Ihnen die " Kattara-Utopie von Mascolo Antonio " ·schon bekannt?
http://www.kattara-utopie.de/
Dieser Leitfaden, zu finden im Internet, ist sehr zu empfehlen.
Im Bewußtsein der vielen grossen Hindernisse und Schwierigkeiten, die noch vor uns liegen, haben wir doch heute einen notwendigen Schritt getan.
In der kommenden Zeit überleben nur die unabhängigen Selbstversorger und deshalb ist mir eine zuverlässige Zusammenarbeit in friedlicher Absicht besonders wichtig.
Sollte jemand das hinkriegen, werde ich das unterstützen, so gut ich kann.
Dazu ist der intensive Einsatz gefragt und es hängt von Jedem Einzelnen ab.
Schon der öffentliche Aufruf bereitet einige Schwierigkeiten.
Vielleicht geben Sie mit einer Veröffentlichung in Duckhome erste Hilfe dazu.
mit freundlichen Grüssen
NnK
lindabrentt@Yahoo.de
ich bin zu 100 % für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft.
Nichts gegen Subsistenzwirtschaft, - stellt für mich aber nur ein Randphänomen dar.
Gruß Luise
"Das alles muß ihnen erstmal jemand nachmachen.
Wie wäre es mit den europäischen Industriearbeitern und ihren mächtigen Gewerkschaften?"
von den mächtigen Gewerkschaften konnte man u. a. das lesen:
"Wir werden gegen die Schließung kämpfen.« So hatte Klaus Franz noch am Montag in bezug auf die geplante Stillegung der Opel-Fabrik im belgischen Antwerpen getönt. Doch wer dachte, der Gesamtbetriebsratschef des Autobauers sei vom Co-Manager zum Klassenkämpfer mutiert, sah sich bereits am Folgetag eines besseren belehrt."
(vollst: "Staatlicher Jobabbau" K. Neumann, jw)
Die Gewerkschaften fallen ihren Beitragszahlern mächtig in den
Rücken.
Autor Neumann meint weiter unten:
"Arbeitszeitverkürzung bleibt das effektivste Mittel, das die Gewerkschaften gegen [...] kapitalistische Logik ins Feld führen können."
Ich schließe eine Doppelfrage an:
"Seit wann, mit welcher Begründung hat sich die DGB-Spitze von dieser Forderung entfernt? Weiß es hier noch jemand?
Vielleicht erinnert sich noch jemand an die vollmundige ankündigung von wer.die? das ISTAF dazu nutzen zu wollen, per Streik auf die Situation des ÖPNV, insbesondere der S-Bahn, aufmerksam zu machen, und, wie man kurz vorher brav zurück gerudert ist, selbst die Formulierung des Berl. Senats aufgreifend gestammelt hat, nicht
'den Spielverderber' geben zu wollen?
Sag's mit Heine: "Denk ich an Deutschland bei der Nacht..."
PS: Ich bin zwar aus der Oberpfalz, aber ich bin nicht die Regensburger Fürstin von Thurn und Taxis. Auch nicht entfernt verwandt. Wirklich nicht.