Ich will jetzt mal nicht meckern, so nach dem Motto, bloß weil Wahlkampf ist, würden die Politiker jetzt mit Versprechungen kommen. Nehmen wir diesen Umstand ruhig als positiven Umstand, der Anschub liefert.
Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Seehofer will den Koalitionsvertrag mit der neuen Bundesregierung nur dann unterschreiben, wenn die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern geschützt wird. Oha. Nun gut, "helfen" will Sonnleitner vom Bauernverband auch, (wem?). Über das Wie gibt es allerdings deutlich konträre Vorstellungen. Kanzlerin Merkel spricht jetzt von einer „bedrückenden Situation“, wie sie mehrfach zitiert wird, - schön übrigens, dass die Großen jetzt auch auf einmal berichten - ,doch wer weiß, was sie sich vorstellt, außer Hilfen durch die EU. Von der Milchquote hielt sie bisher jedenfalls nicht viel.
Etwas deutlicher der französische Regierungschef: „Sarkozy hatte öffentlich erklärt, dass eine Regulierung des Milchmarktes sowie anderer landwirtschaftlicher Märkte notwendig sei“ heißt es in der Presseerklärung des
European Milk Board (EMB) und weiter:
„Für 5. Oktober Sondertreffen der EU-Agrarminister zur Milch einberufen. Sarkozy, Merkel und Barroso außerdem zugesagt, sich um katastrophale Lage auf Milchmarkt zu kümmern – werden Versprechen nicht eingehalten wird Milchlieferstopp wieder aufgenommen.“
„Die Politik bewegt sich. Wir werden eine Komponente des Aufstandes - den Milchlieferstopp - vorerst unterbrechen, ihn aber sofort wieder aufnehmen, wenn keine klaren politischen Entscheidungen gefällt werden, um die schlimme Lage am Milchmarkt zu überwinden“, so Pascal Massol, Präsident der französischen Milcherzeugerorganisation APLI.
In Deutschland, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, und Italien werden die Milcherzeuger angesichts politischer Zusagen auf nationaler und europäischer Ebene die Milchlieferungen ebenfalls vorerst wieder aufnehmen. „Die Milch wird zwar wieder geliefert, die Protestaktionen in den Ländern werden aber unvermindert weitergehen“, betont Daniel Condat von der französischen OPL.
Der Präsident des EMB, Romuald Schaber bekräftigt die Notwendigkeit einer europäischen politischen Regelung: „Der Milchmarkt braucht eine flexible Mengenregulierung auf europäischer Ebene; eine Ausbalancierung zwischen Angebot und Nachfrage, denn der Preis muss fair für Milcherzeuger und Verbraucher gleichermaßen sein.“
Zur Entwicklung in Deutschland heißt es:
„Endlich auch in Deutschland Bewegung auf der obersten politischen Bühne“
„Die immensen Kraftanstrengungen, insbesondere auch der französischen Milcherzeuger, zeigen endlich auch in Deutschland entsprechende Wirkung. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei einem Telefongespräch mit Romuald Schaber die Einberufung eines Spitzengspräches für nächste Woche zugesagt. Sie folgt damit den Beispielen der Regierungschefs in Frankreich, Belgien, Luxemburg und Österreichs.“
„In Deutschland wird nach der sonntäglichen Bundestagswahl bei den Koalitionsverhandlungen das Milchmarktthema ebenfalls eine zentrale Rolle spielen. Aufgrund der von uns Milcherzeugern geschaffenen Öffentlichkeit dieser Problematik kommt kein politischer Entscheidungsträger mehr darum herum.“
Na, da sind wir ja alle sehr gespannt. Einstweilen viel Glück Euch Bauern und uns Essern!
Erste Aktionen planen zwischenzeitlich die französischen Getreidebauern, denen es ähnlich an den Kragen gehen soll wie den Milchbauern, mon dieu ...
Aber, ich befürchte, dass der Schwung für dieses Jahr erst mal raus ist.
D.h. es könnte sein, dass am 5. Oktober z.B. etwas entschieden wird, was den Bauern in den verschiedenen EU-Ländern unterschiedlich große Vorteile bringt. Damit könnten sie sich untereinder streiten anstatt gemeinsam weiter zu kämpfen.
Die EU-Kommissarin hat doch den schwarzen Peter erst einmal an die Länder zurückgeschoben in dem sie glaube ich etwas von Quotenaufkauf durch die EU-Länder vorschlug.
Aber weder eine Quotensenkung noch eine Rinderschlachtprämie wurde in Aussicht gestellt obwohl beide Maßnahmen doch das Problem lösen könnten!
Warum auch immer diese Politik verfolgt werden soll - sie hat zur Folge, dass alle "kleinen" Milchbauern Pleite gehen werden.
Und klein sind heute schon Milchbauern mit 120 Stück Vieh. Ich kenne nämlich einen solchen in der Nähe von Stuttgart, der jetzt einen leeren Stall hat und völlig fertig mit der Welt ist.
Die europäischen Bauern hätten wenigstens bis Sonntag (zur Bundestagswahl) noch durchhalten sollen. Es gibt von oben keine Sozialtaten mehr (ging alles für die Rettung der Bank(ster)en drauf) und vor allem wird da oben wahrscheinlich auch befürchtet, dass immer mehr Menschen Gefallen am Streik finden bzw. erkennen welche Macht sie haben wenn sie gemeinsam etwas tun (siehe das Beispiel Brent Spar).
Die Milchbauern in Deutschland hätten letztes Jahr im Juni solange streiken sollen bis eine vernünftige Menge Geld bei jedem auf dem Konto eingegangen wäre (Nachzahlung für 24 Montate: Die Differenz vom ausgezahlten Literpreis zu 40 Cent pro Liter), dann bräuchten die europäischen Bauern jetzt wahrscheinlich gar keine Aktion mehr.
Letztes Jahr wurde doch der Streik auch beendet weil man dachte, dass man jetzt von der Politik besser behandelt wird.
Und dann?
Es wurde noch schlimmer.
Tschechische Bauern liefern für 9 Cent nach Deutschland (Bayerischer Wald) auch wenn das für sie wenig ist, aber aufgrund der Inflation in der Tschechei sind sie froh wenn sie wenigstens das bekommen.
Im Norden ist der Preis inzwischen bei 18-19 Cent pro Liter.
Und ich Idiot kaufe mehrere Kisten Milch (eine für die Nachbarn). Das war für die Katz. Das werde ich nicht mehr machen.