Natürlich will keiner von denen zu Hitlers Erben gehören. Sie haben ja alle edle Ziele. Sie wollen den Terrorismus bekämpfen, indem sie Zivilisten töten. Sie wollen den Weltfrieden retten, indem sie sich die Bodenschätze der anderen Staaten zuschanzen. Sie mögen sich nicht als Hitlers Erben fühlen, aber auch Hitlers Eroberungszüge galten Rohstoffen und auch er stempelte Menschen mit Begriffen wie Untermensch, Jude oder Zigeuner ab.
Das moderne Wort Taliban oder Terroristen unter dem all das, was den imperialen Kräften nicht gefällt subsumiert wird, sind ähnliche Begriffe die andere Menschen abqualifizieren sollen. Die Taliban und ihre Ansichten mögen den aufgeklärten Menschen des Westens archaisch erscheinen, aber sie genauso ein Recht auf ihre Lebens- und Denkart wie alle anderen Menschen auch.
Natürlich ist die Rolle der Frau in Afghanistan nichts, was man unterstützen müsste. Aber die Bezahlung von Frauen in Deutschland ist eine genau so große Schande. Erst wenn in Deutschland alles in Ordnung ist, sollte man in anderen Ländern etwas ändern. Und auch dann ist Gewalt kein Mittel. Handel und Mittel zum Wiederaufbau des gequälten Landes helfen, allen Menschen und damit auch den Frauen und Mädchen dort. Hilfe gegen die Freiheit der Frauen ist ein durchaus ethisches Geschäft.
Statt dessen werden weitere Soldaten gefordert. US-Kommandeur Stanley McChrystal spricht ganz offen in der Washington Post von einer in Kürze drohenden Niederlage gegen die Taliban und sagt: "
Die Taliban seien stark und intelligent, in afghanischen Gefängnissen würden sie systematisch Kämpfer rekrutieren." Er erkennt, dass das afghanische Regime zutiefst korrupt ist und ruft nach neuen Strategien und vielen neuen Soldaten.
Er wollte ja schon vor der Bundestagswahl nach Berlin kommen um energisch weitere Soldaten zu fordern. Britische Militärs in Afghanistan wollen 2.000 weitere Soldaten um die Zivilbevölkerung im Süden besser vor den Taliban schützen zu können. Das ist natürlich Quatsch aber die Briten ertragen eben keine weitere Niederlage in Afghanistan.
Das schlimmste aber ist, dass es keine glaubwürdige Strategie für Afghanistan gibt. Man hat das Land zerbombt, viele Zivilisten ermordet und sich letztendlich in Lager verschanzt, die man nur verlässt um sich kleinen Partisanengruppen mit zweifelhaftem Erfolg in den Weg zu werfen. Der Krieg in Afghanistan ist längst verloren.
Heute von gemäßigten Taliban zu reden, ist weitgehend Unfug. Man muss die Paschtunen einfach nur anständig an der Macht beteiligen und sie nicht zu Outsidern in ihrem eigenen Land machen. Aber niemand würde den Eroberern der Nato und USA auch nur noch ein Wort glauben. Der US-Imperialismus der zu diesem Krieg führte, führte auch gleichzeitig zur totalen Niederlage. Es kann jetzt nur noch darum gehen, die Soldaten heil aus dem Schlamassel zu holen und die Kriegstreiber vor den internationalen Gerichtshof in Den Haag zu stellen.
Bush, Fischer, Schröder, Struck, Merkel, Jung und andere müssen bestraft werden. Dieser Weg allerdings ist lang, weil diese Herrschaften ja noch die Macht in der Hand halten oder gut geschützt werden. Aber die Zeiten müssen ja nicht so bleiben. Wer heute die LINKE wählt, tut zumindest einen Schritt in die richtige Richtung. Wer Schwarz/Gelb unterstützt baut den Krieg aus und treibt Deutschland in weitere Kriege.
Irgendwann werden die Opfer dieser Kriege dann auch in Deutschland zurückschlagen. Deutschland kann keine Schonung verlangen, wenn es selbst keine gewährt. Frieden erfordert immer zwei die ihn einhalten und Deutschland ist zur Zeit nicht friedlich.
Mr. Wong
In Zeiten, in denen ein Prinz schon mal Prügel-Prinz oder Pinkel-Prinz gescholten wird, ist es schön, dass der Adel auch mal wieder reüssiert. Der neue Wirtschaftsminister heißt mit vollem Namen Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Er ist verheiratet mit Stephanie Gräfin von Bismarck- Schönhausen, der Tochter des Andreas Graf von Bismarck-Schönhausen und dessen zweiter Gattin Charlotte Kinberg. In erster Ehe war der Graf von Bismarck-Schönhausen mit Olivia Gräfin Larisch von Moennich verbunden. Der Großvater des neuen Wirtschaftsministers war Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg und war Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeskanzleramt, als Kurt Georg Kiesinger regierte. Die Großmutter des neuen Wirtschaftsministers hieß Rosa Sophie Prinzessin von Arenberg. Im Juli 1946 kam ihr Sohn Georg Enoch Freiherr von und zu Guttenberg zur Welt, der spätere Vater des neuen Wirtschaftsministers. Dessen Mutter ist Christiane Henkell-von Ribbentrop, die ihrerseits die Tochter des Jakob Graf und Edler Herr von und zu Eltz gen. Faust von Stromberg und der Ladislaja Freiin Mayr von Melnhof ist. Leider hat der neue Wirtschaftsminister seinen Großonkel Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg, verheiratet mit Therese Prinzessin zu Schwarzenberg, nicht kennengelernt. Karl Ludwig wurde in der Nacht zum 24. April als Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten von der Gestapo ermordet. Nachdem die Ehe der Eltern 1977 geschieden wurde, ist seit 1985 Adolf von Ribbentrop der Stiefvater des neuen Wirtschaftsministers. Zu erwähnen ist noch die Urgroßmutter des neuen Wirtschaftsministers, die Elisabeth Johanna Freifrau von und zu Guttenberg, eine geborene Elisabeth Freiin von und zu der Tann- Rathsamhausen und spätere Komturdame der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Des weiteren der Johann Gottfried Freiherr von Guttenberg, der am 6. November 1645 auf Schloss Marloffstein in Mittelfranken zur Welt kam und später keine Freiin, Gräfin oder Edle ehelichte, sondern als Fürstbischof des Hochstiftes Würzburg dem Herrn diente und vom Kupferstecher Johann Salver porträtiert wurde.
Das Casting für den neuen Wirtschaftsminister hätte Bernhard Victor Christoph-Carl von Bülow gen. Loriot nicht erhabener gestalten können.Helmut Schümann (bürgerlich)
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 11.02.2009)