Um dieses gesamte Debakel in der Öffentlichkeit etwas zu relativieren schob man dann ein Frau nach vorne, die eigentlich genau das Gegenteil öffentlich publik machte als das, was parteiintern vollzogen wurde. Einzig die Wähler zu halten war Zweck dieses Mittels. Gern hat man diese Entscheidung, Gesine Schwan erneut als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten aufzustellen, nicht unterstützt. Allein die Tatsache die man errechnen konnte -sie würde diese Kandidatur nicht gewinnen -reichte aus ihr zuzustimmen.
Erinnern Sie sich vielleicht noch an die glücklich strahlenden Gesichter vieler SPDler an jenem Tage, als sie Horst Köhler die Hand zur Wiederwahl beglückwünschend schüttelten?
Was man übersah, war eine andere Tatsache: Bis zur Bundestagswahl -wo man jene Menschen gebrauchen würde die eine Politik wie sie Gesine Schwan vorstellte -waren es noch Monate hin. Wo war denn Gesine Schwan zuletzt? Warum hat man sie wohl nicht zum Wahlkampf aus dem Hut gezaubert? Die Antwort ist denkbar einfach: Es ging und geht nicht um die propagierte soziale und menschliche Politik. Es ging einzig darum bis zur Wahl den rechten Flügel intern-politisch aufrecht zu erhalten -handlungsfähig zu belassen.
Mit einem nun bald ausscheidenden Franz Müntefering, dessen Nachfolger nur ein Namens- jedoch kein politischer Wechsel bedeutet, ist zwar erstmal der Pinscher aus den Reihen entfernt -was nutzt es aber, wenn der Rottweiler noch immer unter ihnen weilt? Neben dem Rottweiler stehen noch einige andere bissige Gestalten die an die Leine genommen werden müssten. Die Frage ist eben nur: Von wem? Wer ist noch da, der nicht nur den Mut aufbringt die Hunde anzuleinen, sondern auch die Kraft hat, die Leine kurz zu halten?
Eine Andrea Nahles wird dies nicht schaffen, hat sie doch schon vorzeitig das Handtuch geworfen und sich untergeordnet. Ein Sigmar Gabriel, der sich bei der nächstbesten Gelegenheit in die Windrichtung stellt aus der sie bläst? Oder ein anderer Minister oder eine Ministerin? Was haben diese ministerial positionierten Parteimitglieder denn vorzuweisen? Ein Herr Arbeitsminister Scholz, eine Gesundheitsministerin Schmidt, eine Zypries..
10 kleine Jägermeister, die nichts -aber auch gar nichts -für einen Sozialstaat Deutschland getan haben außer nach der Pfeife der CDU zu tanzen. Alles was sozial gewesen wäre wurde in den Hintergrund gedrängt und/oder als linksradikal, sozialistisch und/oder kommunistisch gebranntmarkt.
Aber es gibt sie -die Fähigen. Oder zumindest jene, die bereit wären eine SPD wieder zurück zu den alten Werten zu führen. Für sie ist JETZT die Zeit gekommen aufzustehen und endlich aufzuräumen. Verpassen sie diese Zeit, lassen sie sie ungeschehen vorüber ziehen, dann haben sich über 100 Jahre Arbeit schlußendlich in Luft aufgelöst.
Es liegt nicht am Wähler die SPD zu ändern. Änderung muß von innen heraus geschehen. Einmal kräftig durchspülen und vor allem, daß habe ich auch einst mit Frau Schwan besprochen: Die BürgerInnen wollen etwas mehr Ehrlichkeit, damit sich Vertrauen wieder entwickeln kann. Das sollte oberstes Ziel für die nächsten Jahre sein. Eine Frau Schwan kann dies alleine nicht schaffen. Noch hat sie die Hoffnung nicht aufgegeben. Diese Veränderungen, hin zu einer wieder sozialen Partei kostet Kraft, Zeit und vor allem erfordert es Mut von einigen Parteimitgliedern sich endlich geschlossen aufzulehnen, denn wie heißt es im Volksmund doch so schön: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er tausendfach die Wahrheit spricht.
Oder sieht sich Die Linke nicht dazu in der Lage an ihre Stelle zu treten?
Erinnert werden sollte an dieser Stelle auch, dass nach einer aufgrund von Werteverrat damals notwendig gewordenen Spaltung der Linken (USPD, Spartakusbund), sich eine rechtslastige SPD für zu fein gehalten hat, mit den Kommunisten zusammenzuarbeiten und so auch dazu beigetragen hat, den Teppich für die Braunen auszurollen.
Auf heute übertragen: ein momentan geschwächter Seeheimer Kreis wird Rache nehmen - sobald sie glauben wieder etwas Oberwasser zu bekommen bzw. wenn sie glauben dass sie jetzt genügend Zeit in der Ecke zugebracht haben.
Es ist bitter, es schmerzt! Aber eine SPD darf es nicht mehr brauchen - bei Strafe eines wieder ungefähr 12 Jahre währenden Traumas (Kohl hat auch nur wegen 1989 Verlängerung bekommen! Er war noch Anfang 1989 schon auf der Abschussrampe!).
Oder um es mit Kant zu sagen: Sapere Aude liebe Linken aller Bundesländer!