In den USA kommt nach Fannie Mae und Freddie Mac nun nach Einschätzung von Edward Pinto vor dem Repräsentantenhaus, der nächste große Schlag bei der Federal Housing Administration (FHA), die Kredite für den Erwerb und Bau von Eigenheimen versichert. Dort peilt Pinto in der ersten Runde einen Fehlbetrag von 54 Milliarden Dollar an. Natürlich widerspricht ihm die FHA, aber da sie ihren Marktanteil innerhalb eines Jahres von 24, auf über 63 Prozent gesteigert hat, sind die Risiken genauso extrem mitgestiegen.
Natürlich gibt es gute Zahlen vom Häusermarkt. Wieder einmal ist beim Preisrutsch eine kurze Pause und sogar ein minimaler Anstieg zu verzeichnen. Diesem Anstieg aber fehlt die Breite. Es scheint sich nur um Käufer zu handeln, die Angst haben, den preislichen Tiefstpunkt zu verpassen. Die steigende Arbeitslosigkeit wird den Druck auf den Markt erhöhen. Der Markt für Gewerbeimmobilien sinkt weiter kräftig.
In Deutschland ist zwar aus Politikermund immer noch Konjunkturerholung, wenn nicht gar Aufschwung angesagt, aber die realen Daten sagen etwas anderes. Die Umsätze im Handwerk sind im 2. Quartal um 6,9 Prozent eingebrochen. Beim Handwerk für den gewerblichen Bedarf waren es sogar 22,1 Prozent, was deutlich macht, wie sehr das Gewerbe selbst Reparaturen schon einschränkt. Dafür stieg die Zahl der Insolvenzen im Juli gegenüber dem Vorjahr um 10,4 Prozent, während die Umsätze im verarbeitenden Gewerbe in August um 16,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr fielen.
Nachdem in den letzten Monaten die Wiederauffüllung von Lagern und die Konjunkturprogramme weltweit den Export aufrecht erhalten hatten, brach der Export im September um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat ein und bestätigt damit die Befürchtungen. Die Großhandelspreise in Deutschland gaben ebenfalls um 8,1 Prozent nach. Selbst das ZEW Konjunkturbarometer musste sich der Wahrheit stellen und zeigt nun um 1,7 Punkte kleineres Ergebnis wo doch allgemein eine weitere Steigerung erhofft worden war. Die Hoffnung auf eine schnelle Konjunkturbelebung ist damit tot.
Aber was schert die Konjunktur die Banken, die von den Notenbanken ja mit Geld zugeworfen werden. Die Banken in den USA werden in diesem Jahr Rekordboni auszahlen. 140 Milliarden Dollar werden es alleine für die 23 Top-Investmentbanken, Hedgefonds und Broker. Aber auch Deutschland will nicht zurückstehen.
Der Aufsichtsratsvorsitzende, der HSH-Norbank,
Hilmar Kopper - ja der Mr. Peanuts - entwickelt ein neues Vergütungsmodell, das es ihm erlauben soll, auch weiterhin seinem Vorstandsvorsitzenden Dirk Nonnemacher Boni zu bezahlen, die weit über den gesetzlichen Regelungen liegen. Das ist besonders fein, weil ja gerade herausgekommen ist, das Nonnenmacher für den Verlust von 500 Millionen verantwortlich ist, die aus einem anrüchigen
Geschäft mit dem Tarnnamen Omega stammen. Der muss einfach belohnt werden. Wäre er eine Verkäuferin würde er entlassen.
Artur P. Schmidt hat sich in seinem Artikel
"Tombstone im Bankensektor" mit der weltweiten Situation des Bankenunwesens befasst und weist noch einmal nachdrücklich auf die tickende Peta-Zeitbombe mit einem Derivatevolumen von 800.000 Milliarden USD hin, die jederzeit platzen kann. Sie wird platzen genau wie die Kreditkartenblase und das deutsche Pfandbriefsystem.
Auch wenn die Banken für das dritte Quartal noch einmal Gewinne ausweisen werden, schlagen bei einigen die platzenden Kredite für Gewerbeimmobilien schon gefährlich zu Buche. Citigroup und UBS brauchen wohl eine sehr kreative Buchhaltung um nicht mit roten Zahlen auftreten zu müssen. Aus den Mortgage servicing rights (MSR) in den USA bei denen es um Dienstleistungen rund um die Hypotheken geht, droht ein Abschreibungsbedarf von 55 Milliarden Dollar, da sie um Bilanzkosmetik zu betreiben viel zu hoch bewertet wurden, obwohl sie niemand handelt.
Selbst Deutsche Bank Chef Josef Ackermann gibt zu, dass das Schlimmste wohl erst noch kommen wird und spricht von massiven Kreditausfällen. Aber er wäre nicht Josef Ackermann wenn er sich nicht zu gleich gegen jede Aufsicht wehren würde, die seine komischen Geschäfte beeinträchtigt. Deshalb möchte er keine Steuern und natürlich auch keine starke Bankenaufsicht. So wie es für ihn und seine Bank gelaufen ist, hat er damit natürlich recht. Er lässt den Steuerzahler bluten und ihn durch seinen Kettenhund Walter auch noch beschimpfen.
Allerdings dürfte Ackermann wohl bald Geschichte sein, denn schon bald werden seine Bilanzen zeigen, dass der Kaiser nicht nur nackt sondern bereits ein Skelett ist. Allerdings hofft er wohl, dass es vorher zu großen Knall beim Dollar kommt, der auch den Euro mit in den Abgrund reißen könnte. Diese Sorge treibt ja auch China, Russland, Japan Frankreich und die Golfstaaten, die nur allzu gerne eine eigene Ersatzwährung gegen Dollar aufstellen würden und wohl auch eifrig am verhandeln sind.
In den USA gibt es bei der FED zwei unterschiedliche Richtungen. Die eine möchte die Zinsen erhöhen um den Dollar zu retten, die anderen wollen versuchen die Schulden wegzuinflationieren und haben momentan die Macht. Sollte ihr Versuch misslingen, wird eben der Amero wieder aus der Schublade geholt und die Dollarschulden erledigen sich automatisch.
Auf den Devisenmärkten geht die Angst um. Es gibt einfach viel zu viel Dollar und dies bei niedrigen Zinsen. Da ist es kein Wunder wenn alle Wert sich im billigen Dollar verschuldet um mittels "Carry Trades", durch Kreditaufnahme in den USA, das Geld in Hochzinsländern anzulegen. Noch sind die Anleger verdächtig ruhig, aber es könnte die Ruhe vor dem Run sein. Kommt es zu einer Stampede ist der Dollar verloren und vermutlich würde der Euro mitgerissen.
China hätte in diesem Fall alles verloren was es sich in den letzten Jahren erarbeitet hat und würde vermutlich zerfallen. Auch wenn der Traum einer neuen goldgestützten Währung so golden und sicher er auch erscheint, ist keine Lösung. Eine Lösung sind nur strenge Regeln auf den Finanzmärkten, die verhindern, dass sich solche Blasen bilden können. Niemand braucht Derrivate. Sie sind reines Glücksspiel.
Was nicht heisst dass ich unbegrenztes Vertrauen in diese (oder irgend eine andere einzelne) Währung habe ...
mal wieder ein sehr guter und treffender Artikel von dir.
Nur in einem Punkt bin ich etwas anderer Meinung und zwar was China betrifft.
Es ist zwar richtig, dass China über 2 Billionen Dollar in amerikanischen Staatsanleihen angehäuft hat, aber seit Anfang des Jahres 2009 kaufen sie fast keine Anleihen mehr auf, dafür weltweit mit ihren Anleihen Rohstoffe (alle die sie kriegen können!) und Industrieanlagen ein.
Eine Schätzung die ich in einem Artikel darüber gelesen habe (in welchem Blog das war weiß ich gerade nicht mehr) gingen schon im Juni von verkauften Staatsanleihen im Wert von bis zu 700 Milliarden Dollar aus.
Wahrscheinlich haben sie mittlerweile schon über 1 Billionen der Staatsanleihen abgeworfen und werden in spätestens ein paar Monaten den Berg soweit reduziert haben, dass sie einen Ausfall (auch wenn das immer noch heftig für China ist) verkraften können.
Danke nochmal für den Artikel, ich les sie jedesmal sehr gerne. :)
grüße
Worin besteht der Sinn des Wirtschaftens?
Börsen, Immobilien oder Boni sind die Nebelkerzen mit denen heute von der eigentlichen Fragestellung abgelenkt wird. Die Boni der Bankmanager sind die Knochen die dem Volk zum aufregen hingeworfen werden. Sie lenken von den eigentlichen Problemen ab. Die Frage nach dem Sinn des Wirtschaftens bleibt außen vor.
Jeder möchte etwas Gutes auf dem Teller, ein Dach über dem Kopf, ein bisschen Vergnügen und die Zuversicht das das es den Kindern in der Zukunft gut geht. Diese einfachen Anforderungen können durch das gegenwärtige Wirtschaftssystem nicht erfüllt werden. Sie werden sogar ständig in Frage gestellt.