Es wird mal wieder Zeit darauf hinzuweisen, denke ich.
Über
Buschkowsky,
Sarrazin,
RTL und so manch einem
kommentierten Artikel braucht man nichts mehr sagen. Es ist alles gesagt worden. Erich Fromm hat es in seinen abschließenden Worten
bei der Geheimrätin deutlich gemacht; die die mit dem Strom schwimmen, werden die ersten im kalten großen Ozean sein. Denen die allein zurückbleiben wird keiner helfen. Sie müssen sich selbst ans Ufer retten.
Es folgt ein
Ausschnitt aus
‚Die Linkskurve’ vom Oktober 1929:
Moritat vom Kinde im Abort
Und der Volksstaat, der braucht Kinder.
Kinder kriegen, das ist Pflicht.
Und der Staat, der ist ein Vater,
doch zu essen gibt er nicht.
Und der Volksstaat, der braucht Nachwuchs,
registriert vom Standesamt,
für Fabriken und Kasernen.
Doch die Unzucht bleibt verdammt.
Und verdammt ist, wer geboren
und zur Welt kommt im Abort.
Denn für einen zarten Säugling
ist das kaum der rechte Ort.
Und die Leute lesen oftmals
in der Zeitung diesen Fall:
Dass ein Mädchen hat entbunden,
in der Grube hinter'm Stall.
Und die Mutter bleibt verschwunden,
und das Kind ertrank im Kot,
und sie ließ den Wurm im Stiche,
weil sie selber war in Not.
Und der Säugling ward gefunden
mit 'nem Knutschfleck am Popo.
Und die braven Leute meinen:
Solche Mütter, die sind roh.
Und vielleicht war es nur Liebe,
die das Kind dem Tode ließ?
Mutterangst vor diesem Leben,
die das Kind zur Tiefe stieß?
Doch die Bürger denken anders,
rufen nach der Polizei,
als ob hier mit Staatsanwälten
etwas noch zu machen sei.
Gebt den Menschen nur zu essen,
bisschen Liebe und ein Bett,
und kein Weib wird mehr gebären
ihre Leibesfrucht im Klosett.
Ja, der Volksstaat, der braucht Kinder,
Kinder kriegen, das ist Pflicht.
Und der Staat, der ist ein Vater,
doch zu essen gibt er nicht.
‚Die Linkskurve’ vom Oktober 1929.
Als Texter war dort Franz Hackel angegeben. Als musikalische Vorlage diente Kurt Weills Melodie zu Bert Brechts Macki Messer aus der Dreigroschenoper.