Natürlich gibt es haufenweise gute und tolle Gründe für die Verlagerung. Der Dollarkurs, das Lohnniveau, dass man lieber in den Märkten, in denen man verkauft, auch produzieren will und dergleichen Unsinnsgetöse mehr. Dabei ist auffällig, das wieder einmal als Experte der sogenannte Autopapst Ferdinand Dudenhöffer auftrat und die Verlagerung der Arbeitsplätze ins Ausland als zwingend beschrieb. Für ihn ist immer alles gut, was deutsche Arbeitsplätze abbaut und dem Kapital mehr Gewinn bringt.
Was dieser Typ niemals realisieren wird, ist das Daimler sich damit die Kundenbasis in der Welt zerstört. Die wollen nämlich deutsche Wertarbeit und keinen Pfusch von irgendwo her. Wer etwas über die anstehenden Qualitätsprobleme wissen will die in China und Südafrika zu erwarten sind, der sollte einmal VW fragen. Gute Qualität geht nicht mit Niedriglöhnen. Auch nicht in China und schon gar nicht in den USA.
Aber der wirkliche Grund für die Verlagerung, ist der langsame Abbau des Standortes Bremen. Offiziell sollen nach dem Wegfall des SL-Roadsters in Bremen 20 Prozent mehr C-Klasse gefertigt werden und es weder in Bremen noch in Sindelfingen zu Entlassungen kommen. Das ist natürlich Quatsch. Es wird, wenn auch zunächst behutsam, zu Entlassungen kommen.
Je besser und billiger die Standorte in USA, China und Südafrika produzieren, desto schneller werden, auch dann wieder mit tollen Begründungen und Dudenhöffers Lob, weitere Kapazitäten verlagert. Bremen wird ausgehöhlt, bis sich der Standort einfach nicht mehr lohnt. Daimler ist mit seiner Welt-AG bereits einmal gründlich gescheitert, jetzt will man sich mit eigenen Firmen diesen Status erarbeiten. Das dürfte jedoch schwer bis unmöglich sein.
Um den Arbeitsplatzabbau in Bremen zu rechtfertigen, reicht es einen Blick auf die Erwartungen der bundesdeutschen Automobilbauer zu werfen. Offiziell sollen laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) die Zulassungszahlen weltweit zwischen 1,0 und 3,0 Prozent steigen, aber in Deutschland sollen sie zwischen 21 und 28 Prozent einbrechen.
Matthias Wissmann, der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), war schon als Bundesminister für Forschung und Technologie und als Bundesminister für Verkehr eine absolute Lachnummer. Wenn er sich heute ein Wachstum des internationalen Autoabsatzes vorrechnet, sollte der vielleicht verraten wo dieser herkommen soll.
Aber der lustige Fachmann weiß sogar noch mehr. Betroffen von den deutschen Zulassungverlusten, sollen vor allem Kleinwagen sein, während es den Premium-Herstellern viel besser gehen soll. Nun ja. Mitten in der Weltwirtschaftskrise, mit eingebildeter und tatsächlicher Kreditkrise ist das ein typischer Wissman. Ein Lacher eben. Die C-Klasse von Mercedes ist die Einstiegsklasse, sie zu verlagern ist ein Signal. Ein falsches Signal.
Wer gleichzeitig in der Formel 1 den Rennstall Brawn GP kauft und Unsummen in die Motorenentwicklung steckt, aber sein Brot- und Butterauto im Ausland fertigen lässt, der hat sich vom Standort Deutschland verabschiedet, egal was Herr Zetsche beteuert. Dies ist die dritte und wohl auch endgültig letzte Welle mit der Daimler sich nach Edzard Reuter und Jürgen Schrempp zu einer Welt AG entwickeln will. Auch dieser Versuch wird scheitern.
Heute vernichten sie Bremen und morgen die ganze Daimler Welt.
Dazu beitragen wird noch eine weitere Entwicklung. Die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt fallen dramatisch. Schwacke rechnet für Ende 2010 mit einem Einbruch bis zu 20 Prozent. Im Premiumsegment dürfte dies eher noch untertrieben sein. Damit fallen nicht nur viele Gebrauchtwagenbesitzer als Neukunden aus, weil sie viel mehr Geld für einen Neuwagen investieren müssen, als geplant. Diese Kunden waren eigentlich immer sichere Käufer.
Gleichzeitig bricht das Leasinggeschäft ein, weil die geringeren Gebrauchtwagenwerte bei den Leasingkosten berücksichtigt werden müssen. Eine ganze Reihe von Autohändlern wird an den Verlusten aus Leasingrücknahmen zerbrechen. Da wo wie bei Daimler die Hersteller helfen wollen, wird es für die Hersteller teuer, ohne dass Absatz generiert würde.
Notwendig wäre die Quadratur des Kreises, die aber niemand leisten kann. Nur ein hoher Mindestlohn und der sofortige Verzicht auf Auslagerung von Arbeit ins Ausland könnte helfen, aber das würde ja Disziplin, Verantwortung und Verstand voraussetzen. Es wird also weiter abwärts gehen.
Autos kaufen keine Autos ...
In Zeiten von gewaltigen Überkapazitäten und (selbst herangezogener) qualitativ hochwertiger Billig-Konkurrenz greift das nicht; der Binnenmarkt wirft eh nix mehr ab.
Was die hohen Herren alle versäumt haben, ist schlicht und einfach die Erstellung von "Plan B"!