Der kleine Oskar war nicht mit der Blechtrommel erschienen. Er kam zum Neujahrsempfang der LINKEN im Saarland im angemessenen dunklen Anzug, aber er kam als Sieger. Bodo Ramelow und Dieter Bartsch sind Themen der Vergangenheit. Der Anpasserflügel der LINKEN ist erheblich geschwächt und Oskar brachte gleichzeitig die Vorgaben für das neue Parteiprogramm mit. Seine Rede
"Zur Strategie der LINKEN nach der Bundestagswahl 2009" enthielt zwar viele altbekannte Positionen, aber auch wichtiges neue Gedanken.
Ein wichtiges Element ist die Ursachenerforschung zur Finanzkrise und die klare Benennung von Gegenmaßnahmen:
Zu den Ursachen, die zur weltweiten Finanzkrise geführt haben, gehört nicht nur die Dere-
gulierung der Finanzmärkte, sondern auch die von Jahr zu Jahr zunehmende ungleiche Ver-
teilung der Vermögen und Einkommen. Diese Ursache der Finanzkrise wird leider auch von
denen übersehen, die wie wir in der Deregulierung eine entscheidende Fehlentwicklung se-
hen. Der Satz Rosa Luxemburgs: "Ohne Sozialismus keine Demokratie und ohne Demokratie
kein Sozialismus " sagt nichts anderes, als dass es ohne eine gerechtere Vermögensvertei-
lung keine Demokratie gibt, weil eine ungerechte Vermögensverteilung zu undemokrati-
schen Machtstrukturen führt. DIE LINKE wirft als einzige politische Kraft die Frage auf,
was wem warum gehört. Sie will eine Gesellschafts- und Rechtsordnung, in der das Eigentum
dem zugesprochen wird, der es erarbeitet und geschaffen hat. Deshalb fordern wir bei grö-
ßeren Produktionsunternehmen, den Zuwachs des Betriebsvermögens denen zuzuschreiben,
die es erarbeitet haben. Dieses Belegschaftsvermögen bleibt im Betrieb und sichert den Be-
legschaften die Rechte der Anteilseigner. Nur so kann die Wirtschaft Schritt für Schritt de-
mokratisiert werden und eine Gesellschaftsordnung entstehen, in der sich die Interessen der
Mehrheit durchsetzen.
Lafontaine setzt damit auf den sozialistischen Kern der LINKEN und ist damit gut beraten. Auch er wendet sich von den
sozialdemokratischen Träumen ab und weist immer wieder auf die sozialistische Tradition hin, auf der aufgebaut werden kann und aufgebaut werden muss. Den Simpel Gedanken, dass Opposition nur Mist sei, weist er weit von sich:
Ich bin für Regierungsbeteiligungen, wenn wir
im Sinne unserer Programmatik die Politik verändern. Wer aber behauptet, nur durch die
Regierungsbeteiligung könne eine Partei Politik und Gesellschaft verändern, verkennt die
Wirkungsweise des parlamentarischen Regierungssystems. Die Sozialgesetze Bismarcks
waren beispielsweise nicht das Ergebnis der Einsicht des Eisernen Kanzlers, sondern sie
verdanken ihre Entstehung der Absicht, das Erstarken der SPD zu verhindern. Die umlagen-
finanzierte Rente und die Einführung der paritätischen Mitbestimmung wurden von Konrad
Adenauer auf den Weg gebracht, um eine Regierungsbildung durch die SPD zu verhindern.
Die Grünen haben die Programme der anderen Parteien verändert, ohne an der Regierung
beteiligt zu sein. DIE LINKE hat auch nach dem Urteil ihrer schärfsten Kritiker die Agenda
der deutschen Politik in der zurückliegenden Wahlperiode mitbestimmt. Nach unserem Er-
folg bei der Bundestagswahl überbieten sich, wie bereits erwähnt, die anderen Parteien da-
mit, Strategien zum Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan zu entwickeln und Verbesse-
rungen in der Arbeitslosen- und Rentenversicherung vorzuschlagen. Es zeigt sich: Je stär-
ker DIE LINKE, umso sozialer das Land.
Es ist eben das alte Prinzip des Schafehütens. Ein Schäfer mit zwei bis drei Hunden kann hunderte von Schafen hüten, wenn er seine Kräfte sinnvoll und durchdacht einsetzt. Dann glauben die Schafe sogar, sie würden ihrem eigenen Willen folgen und spielen fröhlich mit. Der beste Schäfer ist derjenige der praktisch kaum noch eingreifen muss. Tatsächlich treibt eine LINKE mit klaren und vor allem gehaltenen Positionen die anderen Parteien vor sich her.
Auch die Diskussi-
on in Brandenburg verlief nicht nach dem Muster Regierungsbeteiligung ja oder nein. Viel-
mehr ging es um den Arbeitsplatzabbau im öffentlichen Dienst. Ich hätte den Koalitionsver-
trag so nicht unterschrieben, weil unsere Haltelinien: Kein weiterer Sozialabbau, kein wei-
terer Personalabbau im öffentlichen Dienst und keine weitere Privatisierung Voraussetzung
einer Regierungsbeteiligung sein müssen. In einer Zeit, in der im vereinten Deutschland
weniger öffentlich Beschäftigte arbeiten als in der ehemaligen Westrepublik, halte ich einen
weiteren Arbeitsplatzabbau im öffentlichen Dienst nicht für vertretbar. Hätten wir in
Deutschland den gleichen Anteil öffentlicher Beschäftigter an der Gesamtbeschäftigung wie
in Schweden, dann gäbe es je nach Rechnung fünf bis sieben Millionen zusätzliche Ar-
beitsplätze im öffentlichen Dienst.
Es wäre an dieser Stelle schön gewesen, wenn man noch erwähnt hätte, dass sich die LINKE ihre Personalentscheidungen nicht von anderen Parteien vorschreiben lassen darf. Sonst macht es nämlich überhaupt keinen Sinn eigene Personalentscheidungen zu treffen. Dafür aber wird er dann in der Programmatik wirklich konkret:
Das parlamentarische Regierungssystem muss deshalb durch Elemente direkter Demokratie
ergänzt werden. Der Volksentscheid ist das geeignete Mittel.
Parteispenden von Unternehmen, Unternehmerverbänden, Banken und Versicherungen
müssen gesetzlich verboten werden. Die Millionenspende an die FDP als Belohnung für die
Mehrwertsteuerreduktion im Hotelgewerbe spricht Bände.
Kein Parlamentsmitglied darf während der Ausübung des Mandats auf der Lohnliste eines
Unternehmens oder Wirtschaftsverbandes stehen.
Der politische Streik ist für DIE LINKE, wie in vielen Staaten Europas, ein Mittel um
Fehlentscheidungen des Gesetzgebers wie Rente mit 67 oder Hartz IV zu korrigieren.
DIE LINKE nimmt keine Spenden von großen Unternehmen und Wirtschaftsverbänden und
verlangt von ihren Mandatsträgerinnen und Mandatsträgern während der Ausübung des
Mandates nicht auf der Lohnliste von Unternehmen und Wirtschaftsverbänden zu stehen.
Für wichtige politische Fragen und Richtungsentscheidungen sieht die Satzung den Mit-
gliederentscheid vor.
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Krieg ist kein Mittel der Politik. Das Völkerrecht ist die Grundlage der Außenpolitik.
Die Eigentumsfrage ist die Grundfrage der Demokratie. Das Eigentum soll dem zugespro-
chen werden, der es geschaffen hat. Das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) legt fest: "Wer durch
Bearbeitung oder Umbildung eines oder mehrerer Stoffe eine neue bewegliche Sache her-
stellt, erwirbt das Eigentum an der neuen Sache. " Die Mitarbeitergesellschaft ist das Unter-
nehmen der Zukunft.
Alle Bürgerinnen und Bürger sind vor dem Gesetz gleich. Der Rechtsstaat muss sozial wer-
den. Ein Gerichtsverfahren über einen höheren Streitwert kann die Mehrheit der Bevölkerung
wegen der geltenden Gebührenordnung nicht bezahlen. Heute gilt: Das unerlaubte Aufessen
eines Brötchens führt zur Kündigung, die Veruntreuung von Milliarden wird mit Millionen-
abfindungen belohnt.
Die sozialen Sicherungssysteme müssen in staatlicher Regie bleiben. Die Beitragsbemes-
sungsgrenzen sind aufzuheben. Generaldirektor und Pförtner müssen von ihrem Einkommen
prozentual den gleichen Beitrag zur Sozialversicherung leisten.
Das Steuerrecht muss sozial werden. Beispiel: Pendlerpauschale. Wir fordern eine zu ver-
steuernde Direktzahlung an alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, um auch die Niedrig-
verdiener zu unterstützen, die keine Steuern zahlen.
Besonders wichtig ist die Forderung, dass der politische Streik, also auch der Generalstreik endlich auch in Deutschland erlaubt wird, der in vielen anderen Demokratien Europas schon lange üblich ist. Wenn die LINKE jetzt auch noch konsequent ist, ruft sie in diesem Frühjahr noch zu Generalstreiks für genau diese Erlaubnis auf. Es reicht nicht, Programmpunkte in einer Agenda oder einem Programm zu haben. Sie müssen mit Leben erfüllt werden.
besonders wichtig finde ich, das mal jemand einen generalstreik ausruft, ganz egal, ob erlaubt oder nicht...
das recht dazu steht doch schon im grundgesetz, das jeder bürger geradezu die pflicht hat, sich gegen die zunehmende faschistische entwicklung zu wehren...
Kommentar mus nicht freigeschaltet werden, dafür besser Sache in Ordnung bringen !
Ich hab eh schon zu viel zitiert.
Der normale Politiker will nämlich, wie die meisten Menschen, nur Posten, Macht und Pfründe. Lasst uns deshalb alles tun, damit Oskar uns noch lange erhalten bleibt.
"Wer nicht alles verändert, der verändert gar nichts" (Mercedes Sosa)
Nicht mehr. Nicht weniger.
Wenn die PDL-Politmehrheit damit Probleme haben sollte ist sie selbst das Politproblem
ym
Zusammenführung aller progressiven Kräft wichtiger denn je, ohne nachtragend über den
einen oder anderen irgendwann gesprochenen Satz
zu sein. Es hat sich nichts geändert: Einigkeit
macht stark! Und Autarkie verdoppelt die Stärke!
ich mag Oskar nicht besonders, aber gut, das er wieder da ist. auch wenn ich die LINKE vorerst nicht mehr wähle - verräter!
"Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" ...
... ist bei einigen leider wieder weit in die Vergessenheit verdrängt.
Folgendes Szenario: Morgen ist Neuwahl, die "Linke" hat 55% ...
(wer auch immer: Bewahre uns vor dieser Schmach !!!, dann doch lieber 99,98% :))) - das hatten wir wenigstens schon ein Mal)
... was dann???
Recht auf politischen Generalstreik?
Reichtum für alle?
Etwa gar politische Mitbestimmung?
DAS ICH NICHT LACHE !!!
Ein Demagoge macht noch keine Politik, schon gar nicht eine solche, die auf Demokratie und Mitbestimmung setzt.
"Das Ossi" war bereits mehr als ein Mal in politischer Verantwortung, er hatte mehr als ein Mal die Gelegenheit, seine Utopien zu verwirklichen, er hat es mehr als ein Mal unterlassen, dieses auch nur im Ansatz umzusetzen.
ALSO: Wer es glaubt, werde selig :).
Ach so: "Kennt jemand einen, der selig geworden ist persönlich?"
Nein, wir nehmen den kleinen Faden den Oskar uns da gegeben hat und werden entweder die Linke daran in den Krieg gegen die Unterdrücker ziehen, oder sie einfach aufhängen.
nicht WIR heiraten immer wieder,
nicht WIR greifen nach dem "kleinen Faden" ohne ihn auf Festigkeit und "faire Herstellung" zu prüfen
und
nicht WIR hängen "Unterdrücker" auf,
... weil WIR (wer auch immer WIR ist) Demokraten sind,
weil WIR die Internationale kennen und wissen:
Es rettet uns kein höh'res Wesen,
kein Gott, kein Kaiser noch Tribun
(auch kein "Ossi" oder keine Partei)
Uns aus dem Elend zu erlösen
können wir nur selber tun!
SELBER !!! Jochen, SELBER !!! TUN !!!
http://generalstreik09.wordpress.com/
Auf jedenfall muss etwas passieren und ich glaube, wenn ein Generalstreik ausgerufen wird,werden mehr Menschen auf die Strasse gehen, als wir es uns zum jetzigen Zeitpunkt vorstellen können.Das Volk wird diese Ausbeuterei nicht mehr lange durchhalten können.Mich graut,was dieses Jahr noch alles auf uns zukommt.Wir sind schon mittendrin in einer Diktatur und jeder,egal wie mühsam es ist,muss sein Umfeld darauf aufmerksam machen und mobilisieren.Das schlimmste für mich ist,meine Freiheit und Selbstbestimmung zu verlieren.
es wird PDL hin oder her und ob mit LaFo oder ohne ihn dran erinnert, daß das Volk Lange Zunge und Spitze Ohren hat (wie schon Bert Brecht meinte).
Das zeigte sich am 27. September 2009 bei der letzten Bundestagswahl:
Knapp 30 Prozent NichtwählerInnen.
Lafontaine ist wieder da
Jetzt ist er weg, - die Kultfigur hinsichtlich Bundespolitischer Ebene. Er gibt den Bundesvorsitz ab. Das ist traurig aber wahr. Herr Lafontaine wird zwar weiter machen, aber nur als Fraktionsvorsitzender der Linken im Saarländischen Landtag. Herr Gysi wird ordentlich zu kämpfen haben. Natürlich wird es jetzt Herr Bisky richten müssen.
Ich hoffe, dass DIE.LINKE ALS REITZ-PARTEI UND HOFFNUNGSTRÄGER ERHALTEN BLEIBT. Wir brauchen DIE.LINKE um die derzeitige Regierung vor uns her treiben zu können. Über Sinn und Unsinn möchte ich gar nicht diskutieren. Wir brauchen etwas im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten mehr als Widerstand, damit sich in Deutschland etwas bewegt.
Wenn DIE.LINKE absäuft, ist Schluss mit Lustig im Ländle Germany. Aber wo auch Schatten ist, ist auch Licht. Nicht das Licht am anderen Ende des Tunnels, der angebliche Zug, welcher uns zu überrollen droht, sondern:
die Systemmedien sind genau dafür geeignet, sehr geehrter Herr Hoff, weil diese darüber heftigst schreiben werden.
Einen Sinn haben die Systemmedien dann doch, oder? - zumindestens im Fall Fafontaine.