Eliten, Exzellenzen, Hochwohlgeborene und Schwerreiche, wo man hinsieht. Elitesoldaten bei der Bundeswehr, ein bißchen Quälerei muss man da schon hinnehmen. Den Zöglingen der Elite blüht in den entsprechenden Schulen auch so manch Schreckliches. In der Literaturelite gewöhnt man sich derweil ans Arschficken, das ja neuerdings zum guten Ton gehört. Und selbst die LINKE gebiert für ihre Elite noch schnell ein paar Think Tanks, obwohl doch lälngst Abschreiben statt selbst Denken angesagt ist. Die bürgerliche Elite krönt sich wieder sehr gerne mit gutem deutschen Adel. Und die Geldelite – naja, ihr wißt schon, zeigt sich gerade selber an. Aber man gewährt ihnen großzügig Amnestie. Und trotzdem ist es eine Zumutung. Denn der neueste Schick besteht gerade darin, freiwillig Steuern zu zahlen, bzw. noch viel besser: Geld in Form von Spenden, Stiftungsbeiträgen und anderen Wohltaten unters Volk zu bringen. Man ist nämlich kein Unmensch, und das zeigt man auch gerne bei passender Gelegenheit!
Also, dann haltet doch endlich eure Fresse, blöde Bürger. Es gibt sie doch, staatliche weiterführende Schulen für eure Kinder, seid doch froh. Wie, da sitzen mehr als 30 Kinder in einer Klasse. Na und? Muß man halt ein wenig aussieben. Ein bißchen Rattenrennen muß schon sein. Ohne Sch(w)eiß kein Preis. Guckt doch, wie es in der Bundeswehr zugeht. Oder in den Elite-Gymnasien. Da heißt es Maulhalten und Aushalten, wenn man weiter dazugehören wollt, zur Elite. Ihr beschwert euch über autoritäre Erziehungsmethoden, über Notendruck und Streß? Kein Mittagessen? Dreckige Klos? Ausfallende Heizungen? Ja, woher soll es denn kommen, das Geld? Von den Reichen? Die sollen ihr Geld aus dem Ausland zurückholen, heim ins Vaterland? Damit es der Staat womöglich für sozialen Ausgleich einsetzt, - das müffelt doch nach Ethik, Humanität, Anstand, Vernunft, ja sogar Verstand? Womöglich kommen demnächst die Roten an die Regierung und machen auch noch ernst damit. Schauderhaft, diese Vorstellung alleine.
Eigentlich hat bisher alles gut geklappt. Das gemeine Volk hält man so knapp wie möglich und darüberhinaus verbietet man alles, was das Leben ein wenig auflockert. Das mit dem Rauchen zum Beispiel war ein echter Clou! Wenn bloß das mit dem Arschficken nicht so durchgeschlagen hätte. Da ist was schief gelaufen. Zuviele Schwule in den Eliten. Selbst die höhere Literatur liebt den Rundumanalsex und ungebremst zynische Showmaster laden sich junge Publizistinnen ein, sobald sie einmal laut Arschficken gesagt haben! Helene, hast Du nicht ein paar nette Freunde, mit denen Du Deine Freizeit verbringen kannst, anstatt dich mit zu alten Herren abzugeben? - möchte man ihr zurufen. Aber sie waren schneller. Das ist ihr Geschäft.
Soviel können uns Regierung und Medien gar nicht für dumm verkaufen: ich glaube nicht mehr daran, dass die dargestellte deutsche „Elite“ noch irgendwas Konstruktives für dieses Land hervorbringen wird. Sie haben es gründlich verbockt. Rauchen verboten, Arschficken hip!
Ich glaube an geistige, kreative und emotionale Kraft. Und ich glaube an die Bodenständigen. In Berlin geht der Trend übrigens wieder zur Currywurst, während sich die aufgehübschten Lokale mittlerweile nachmittags in Stillcafes verwandeln, und wo abends bei gediegener rauchfreier Atmosophäre die teure Jakobsmuschel gegessen wird. Der gemeine Currywurst-Esser geht auch manchmal ins Lokal, zu irgendeiner richtigen Wirtin, mit Boulette, Billard und Zigarettenrauch. Er geht auch gerne mal ein großes Wiener Schnitzel essen oder ein Steak, oder auch mal was Italienisches, Pizza oder was mit Nudeln und lecker Sahnsesauce. Gott sei Dank hat sich der Berliner Prolet niemals beeindrucken lassen von den Angebern. Warum auch. Im Grunde gehört das ganze Berlin denen, die es nach dem Krieg wieder aufgebaut haben. Stein für Stein. Und das waren keineswegs die Angeber!
Übrigens. Die Männer und Frauen in den schicken Klamotten reihen sich auch ein in den Schlangen vor den Currywurstbuden. Sie tun so, als wäre das hip. In Wahrheit wollen sie sich ein wenig entspannen, glaube ich. Könnte man es ihnen verdenken? Wenn man sein ganzes Leben in den besseren Kreisen verbringen muß? In dieser Welt der Verlogenheit, wo Neid und Mißgunst regieren? Wo der Schein mehr zählt als alles andere? Wo die letzte gültige Wahrheit stets lautet: Geld regiert die Welt! Irgendwann nehmen wir ihnen ihr Geld ab. Bis dahin gönnen wir ihnen ihre kleinen Fluchten in die Welt des Berliner Urgesteins, mit und ohne Migrationshintergrund. Mensch! Beinahe hätte ich das Pendant zur Currywurst vergessen! Also, zum Ausgleich gehen wir nächstes Mal ganz schick Türkisch essen. Ich weiß, wo es einen exzellenten Döner gibt!
Wo der Schein mehr zählt als alles andere?
Was für ein wirklich fundierter Artikel, ich habe ihn mit Begeisterung gelesen. Der Schein, als monitäre Skrupellosigkeit gesehen: Ja, da droht er scheinbar zum Schein-wert-Los zu werden. Der Kapitalismus frisst sich selbst auf. Sicher bin ich davon überzeugt..man wird sich das Geld von diesen Bonzen und Möchtegernjuppis ohne Nachhaltigkeitsbewusstsein irgendwann zurückholen wollen und müssen. Aber ich befürchte, dass es dann nicht mehr da ist.
das ist ein exzellenter Artikel, der das Qualitätsdrama auf den Punkt bringt.
Leider machte ja der Hoffnungsträger mit Neubeurer Exzellenzausbildung 'rüber' und muß jetzt mit seinem Kopf für die Rennratten und Kampfeliten herhalten, fällt also aus dem Denkkanister der höheren Keks-Töchter zwangsläufig irgendwann heraus, und der gutherzige Müllermeister mit dem bayrischen Akzent bzw. sein tagesaktuelles Brüderle machen's uns ja vor: je weniger Kompetenzkompetenz, desto hip(p)er!
Mir scheint, das Glashaus (s. Öttinger-Auftritte) bekommt Risse, obwohl noch gar keiner mit Steinen wirft.
Da lobe ich mir eine mafiafreie Pizza um die Ecke oder eine Melange aus dem Café Eiles (ich war dort!), und brauchbare Dönerbuden gibt es sogar im tiefen Süden der Republik gleich neben den Zwiebeltürmchen!
Einen herzlichen Gruß nach Berlin,
Pit