Über Westerwelles Verständnis von „spätrömischer Dekadenz“ und deren Bezug zu Sozialhilfeempfänger ist in den vergangenen Tagen ausreichend diskutiert worden. Anstatt nun seine fehlerhafte Geschichtsbetrachtung im stillen Kämmerlein zu überdenken, legt der in die Jahre gekommene Liberale nach. In einem Interview mit dem DLF beschwört er gar die
„Neuausrichtung des Sozialstaates“
Was er auch immer mit Treffsicherheit in diesem Rahmen meint.
Sozialpolitik vermengt er mit Bildungspolitik. Von seiner eigenen Geschichte geschwängert (vom Realschüler zum Abiturient) träumt er eine Geschichte, dass Bildung der Wegweiser zum Aufstieg sei.
Westerwelle lernt einfach nicht den Mund zu halten
Irgendwie bekommt man langsam Mitleid mit dem
„Historiker“ und „Realist“ Westerwelle. Erst präsentiert er sein rudimentäres Geschichtswissen, dann beschwört er einen sozialdemokratischen Traum des Aufstiegs durch Bildung,
Sollte man Guidos Welt durch seine Brille betrachten, um zu erahnen, in wie weit dieser Mensch sich der normalen Realität entfremdet hat?
Er als Außenminister und Vizekanzler, über welche monatlichen Gelder vermag er verfügen?
Tätigt er jemals selber seine Einkäufe? Hat er überhaupt eine Ahnung wie sehr sich das Leben nach Einführung des Euros für die meisten bundesrepublikanischen Haushalte verteuert hat?
Ihm kann es egal sein, ob ein Laib Brot nun 2, 3 oder 5 Euro kostet, vermutlich tangiert ihn auch nicht, wie viel eine durchschnittliche Familie für Energiekosten im Monat alleine aufwenden muss.
Als
Nichtvater hat er auch keine Ahnung, was ein normaler Schulalltag für ein Kind heute an Kosten produziert: Bücher, Hefte, Stifte, Klassenkasse, Kopiergeld, Klassenfahrten, Ausflüge etc. Es ist keineswegs so, dass alleine die schulischen Materialen gratis zu Verfügung ständen.
Leider haben sich die Zustände im Lebensraum Schule kontinuierlich verschlechtert als verbessert. Mit Einführung des Turboabiturs und der Reduzierung der gymnasialen Schulzeit auf 12 Jahre, lernen die Kinder im Schweinsgalopp. Zeit für die Vertiefung von Wissensinhalten? Davon kann keine Rede mehr sein. Kinder in jungen Jahren dazu zu verdammen 8 oder 9 Stunden im Bildungsapparat eingesperrt zu sein, still zu sitzen und anschließend zu Hause noch mal 2 bis 3 Stunden Hausaufgaben zu erledigen, was ist das eigentlich für eine Auffassung von Bildungspolitik? Da mag es nicht verwundern, wenn steigende Aggressivität und ADS die Begleiterscheinungen der heutigen Schulgeneration sind.
Das Thema Nachhilfeunterricht ist ebenso geldverschlingend wie die anderen schulischen Erfordernisse. Denn in dem Tempo wie Wissensinhalte vermittelt werden, ist die schulische Zeit schlichtweg zu kurz als das ein Nachbearbeiten nicht erforderlich sei.
Nein, Westerwelle ist nicht dazu angehalten, sich mit den alltäglichen Problemen auseinander zu setzen. Er lebt isoliert und fern in seiner Berliner Klausur.
Da ist es einfach in die Mottenkiste des Populismus zu greifen und sich mit Hilfe von markigen Sätzen ins Bewusstsein der Bevölkerung zurück zu bringen.
Sein erneuter Versuch, sich als Anwalt des „hart arbeitenden Bevölkerungsteils“ auszugeben, ist nichts anderes als den bevorstehenden Wahlkampf in NRW einzuläuten. Die Umfragewerte der Liberalen sind im Keller, es ist ungewiss, ob die Gelben noch einmal in die Regierungsgeschäfte in Düsseldorf eingreifen werden. 4 Jahre Demontage des Landes NRW hat ausgereicht, die Unglaubwürdigkeit der Liberalen in NRW zu bekräftigten.
Eines ist Guido immer bewusst gewesen, wenn die Partei ins Bodenlose droht zu fallen, dann erhält er mit seinem öffentlichen Auftreten die Aufmerksamkeit, die er braucht, um die Partei wieder ins Geschäft zu bringen. Eine andre strategische Kriegsführung hat er sich allerdings aus der Geschichte entliehen, ob nun von Julius Cäsar, wie einige Historiker mutmaßen oder von den Chinesen:
DIVIDE et IMPERA.
Er hetzt gnadenlos einzelne Bevölkerungsgruppen aufeinander.
Einerseits beklagt er das Schrumpfen der Mittelschicht, andererseits ist er nicht bereit, die Ursachen zu bekämpfen. Löhne, die nicht zur Lebensführung ausreichen, müssen angehoben werden, das wäre eine notwendige Konsequenz des wirtschaftlichen Desasters vieler Billiglohnempfänger. Stattdessen klagt er diejenigen an, die im Abseits des gesellschaftlichen Geschehens stehen. Als wenn ein Regelsatz von 325 Euro irgendeinen verlockte, sich dem Nichtstun zu widmen. Hinzu kommen die Drangsalierungen der Agentur für Arbeit. Es ist traurig für wie dumm er seine Mitmenschen hält. Es gibt eigentlich nichts Aufregenderes als einen Antrag für Hartz IV zu stellen. Mit dem Ausfüllen eines solchen Antrags ist die Privatsphäre aufgehoben.
Mit dem Eintreten für mehr Bildung ist die bundesrepublikanische Misere nicht aufgehoben. Es müssten mehr Arbeitsplätze geschaffen und weniger abgebaut werden. Gerade Westerwelle mit seinem Glauben von Befristung von Arbeitsverträgen und Aufhebung des Kündigungsschutzes konterkariert sein formuliertes Bildungsbewusstsein. Was nützt es einem jungen Menschen, wenn er sich in westerwellischer Manier verhalten hat und am Ende sein Leben in befristeten Arbeitsverhältnissen fristet oder gar von einem unbezahlten Praktikum zum anderen hechelt? Die bloße Leistungsbereitschaft wird nicht honoriert im Alltagsarbeitsleben.
Westerwelle kennt ebenso wenig die Misere, die 300. Bewerbung versendet zu haben und die 100. standardisierte Absage zu erhalten. Sein Selbstbewusstsein ist ungeschmälert, bezeichnet er sich selbst doch als
GLÜCKSKIND
Aufmerksamkeit um jeden Preis und wenn es eine Negative ist. Schade, dass uns in der politischen Alltagswelt nicht mehr geboten werden kann, als die Unerträglichkeit eines Phrasen dreschenden Guidoleins. Inhaltslos – perspektivfremd und unnötig.
Die Menschen, die er mit seiner Polemik angreift, können nichts erwidern, sie sind sprachlos angesichts einer solchen herabwürdigenden Gewalt, die er mit seinen Äußerungen ihnen gegenüber vertritt.
Wenn er ausruft, dass derjenige, der arbeitet zum
Deppen der Nation werde,
dann hat er vermeintlich nicht Unrecht. Denn in einer Deppenrepublik ist jeder irgendwie ein….
Hätten sich sonst 14% der Wahlberechtigten für ihn ausgesprochen?
Vor dem System-Zusammenbrach wollen einige für sich noch retten, was zu retten ist.
Leider machst du da mit. Man muß nicht jahrelang diskutieren "über dieses und jenes", als demokratischer Prozess.
Sagt doch einfach mal, was Masse ist und ein Teil macht mit und der andere Teil haut euch deswegen weg. Oder umgekehrt.
Kann sich dieses System noch "Sozial-Staat" leisten oder nicht?
Einfache Frage - Einfache Antwort.
Die Konsequenz wird nach der Beantwortung gezogen. Ganz einfach.
Ich hetze zumindest niemanden gegen den anderen auf. Und zu retten hätte ich auch nichts. Ich habe gelernt, man kann nichts mitnehmen, deshalb brauche ich auch keinen Belast aufzubauen.
Das ist Revolution. Da werden viele Krachen gehen, die seit Jahren anders denken.
Sonst überlebt keiner.
http://desparada-news.blogspot.com/2010/02/hartz-iv-debatte-offener-brief-herrn.html
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Wahlen kann man doch auch manipulieren, oder etwa nicht? Wohl ein Terrorist, wer sich Böses denkt ...
Das die Wahl tatsächlich manipuliert war/ist?
Man kann sich als Wahlhelfer betätigen, wenn Du die Stimmen dann auszählst, übrigens per Hand, dann stellst Du leider, leider fest, dass die Menschen, die den Weg zur Wahlurne gefunden haben, tatsächlich so gewählt haben.
Bist wohl zu feige, deine raushängen zu lassen?
Deine Meinung steht wohl immer, weil zu kurz zum hängen.