Aus der Domstadt zu Köln ist man einiges gewöhnt.
Der
kölsche Klüngel,
die Weisheit des kölschen Grundgesetzes,
ausgelassenes Zelebrieren von Traditionen.
Auch in den Zeiten, in denen das Narrentum seine Höchstphase erreichte, verlor man stets nicht die Zuversicht.
Nun reiht sich ein Skandälchen an das Andere.
Stahlkrampen gemopst und verscherbelt, Betonvolumen falsch berechnet, Lamellen nicht richtig verfüllt. Wer man nun ein Narr das Vertrauen nicht zu verlieren?
Uups wo ist der Beton geblieben...
Man stelle sich einmal vor, ein Laie begönne ein Haus zu bauen, Statik und die erforderlichen Restbaupläne seien vorhanden. Nun meint der Amateur, er wäre schlauer als alle Experten. Er ist gewillt Geld zu sparen. Also reicht die Hälfte der berechneten Rohstoffe. Fein, nach einer Weile steht das Haus. Es ist bezugsfertig.
Und soviel Geld ist eingespart, da reicht das Ersparte glatt noch für ein schickes neues Auto.
Wären da nicht die Risse, und die Absenkungen der Außenwände. Stirnrunzeln, Fragen über Fragen.
Zum Glück kann dieses Missgeschick und vermeintliche Knausern mit Geld einem Laien nicht passieren, dafür hat der Staat noch genügend fürsorgliche Kontrolleure.
Entspricht das Haus nicht den Plänen, dann wird der Bau dicht gemacht und träte die Frage der Sicherheit auf, wird dem Bauherrn das Benutzungsrecht kurzer Hand untersagt.
Nicht so in einer Stadt mit Weltruf. Hier ticken die Uhren anders. Eben noch überdachte man die Evakuierung des Waidmarkts, gleich darauf wurden die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen wieder fallen gelassen. Welches Interesse mag da wohl mehr gewogen haben, Schutz vor Einstürzen oder die schnöde Wirtschaftlichkeit des karnevalistischen Treibens?
Es ist nicht so, dass in der Vergangenheit keiner bezeugen konnte, dass der Kölner U-Bahnbau nicht einem Kamikaze-Unternehmen gliche. Schließlich versank vor gut einem Jahr das Gedächtnis der Stadt in Form des Stadtarchivs in die Senke der Kölner Unterwelt. Zu beklagen waren damals zwei tote Menschen.
Nun wird gemeißelt, gemessen, recherchiert.
Was aber passiert, wenn die Unkenrufe verstummen und die Ausbesserungen nichts weiter als leere Versprechungen sind?
Sollte der Betrieb der neuen U-Bahnstrecken einmal Realität werden, dann bleibt ein mulmiges Gefühl übrig:
— für Fahrgäste und Anwohner —.
Es wäre doch schade, gelänge es den Dilettanten beispielsweise ein Bauwerk wie den Dom – immerhin errichtete man diesen über Jahrhunderte – in wenigen Jahren wieder abzureißen. Denn wer weiß, wo die Pfuscher noch so gepfuscht haben und was sich in der Domstadt alles absenken wird - in Zukunft?