Mit SPIEGEL und Westerwelle zurück in dunkle Zeiten
Die vernichtende Kritik gegen Guido Hetzerwelle konnte der SPIEGEL natürlich nicht noch zusätzlich befeuern, sondern muss ihm jetzt auch mal zur Seite springen, indem man diesen unsäglichen Bericht zum Anheizen der Menschenverachtung abdruckt.
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Der Arbeitslose ist Ende 20, trägt Piercings und riecht ein wenig merkwürdig. Er hat eine zerrissene Hose an, seine Kleider sind alt und wurden schon lange nicht mehr gewaschen. Seit ein paar Tagen hat das Jobcenter seinen Hartz-IV-Satz gekürzt - weil der Mann so gar keine Bereitschaft zeigte, sich einen Job zu suchen. Deshalb sitzt er jetzt vor seiner Betreuerin. Er bittet um mehr Geld. Solche Szenen erleben die sogenannten Fallmanager bei der Arbeitsagentur immer wieder.
Ja, sehr schade, dass man solche jugendliche Rebellen nicht einfach in ein Umerziehungslager stecken kann, gell? Da waren die strengen Sitten in den Jahren 1935 bis 1945 doch deutlich effizienter.
Statt sich mit seiner Geschichte auseinanderzusetzen, wird lieber auf Äusserlichkeiten hingewiesen - und pauschal als "unwertes Leben" dargestellt. Woher kommt dieser Mensch? Was hat ihn dazu gebracht, so zu sein, wie er ist? Welche Erfahrungen hat er durchlitten? Was bringt ihn dazu, als "junger Toten Hosen-Sänger" aufzutreten? Nichts wird diesbezüglich hinterfragt.
Das sich in meinen Freundeskreis die Mädels gerne piercen, die Haare färben und ihren Gothic-Look nicht vollständig ablegen, aber sich dennoch ihren knochenfordernden Jobs als Krankenschwestern unterwerfen und im Inneren herzensgute Menschen sind, sei zusätzlich noch am Rande angemerkt. Der SPIEGEL allerdings beurteilt Menschen schon vom Äusseren, wertet sie ab und schürt damit Vorurteile, die den Propagandakünsten vergangener Zeiten kaum nachstehen. Einen grossen Applaus an den SPIEGEL für diese Einleitung.
Ach ja: Diejenigen, die den grösstmöglichen Schaden am Gemeinwohl anrichteten, tragen übrigens Anzug und Krawatte!
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Es gibt auch Geschichten von Familien, die sich über Generationen vom Staat ernähren lassen. "Wenn die Eltern schon von Sozialhilfe gelebt haben, kennen die Kinder nichts anderes", sagt eine Fallmanagerin aus Stendal in Sachsen-Anhalt.
Was natürlich einzig und allein NUR an den Menschen liegt - und niemals, hört ihr, NIEMALS an der Katastrophenpolitik, die hierzulande absichtlich Armut gesellschaftsfähig macht und gesamte Menschengruppen ausgrenzt, damit die Wohlhabenderen nochmal drüber hinwegplündern können.
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Wenn es zu Sanktionen und Kürzungen komme, reagiere manch einer ruppig, sagt die Frau. Es habe schon Tumulte gegeben. "Ich musste auch Hausverbote erlassen."
Joah, wenn man sogar Analphabeten die Leistungen komplett über mehrere Monate gestrichen werden, weil sie ja keine Bewerbungen schreiben, dann dürfte das sicherlich nicht jeder geduldig hinnehmen. Vor allem, wenn diese Menschen dann ins Obdachlosenheim abgeschoben werden, weil auch die Miete nicht mehr gezahlt wurde - wie die ARD-Doku "Abgestempelt - Das Leben mit HartzIV" zeigte.
Auch dass die Sozialbehörden eine strikte "Sparquote" erfüllen müssen und diese natürlich nur über willkürliche Kürzungen zu erreichen sind (die vor Gericht hunderttausendfach wieder zurückgenommen werden), kann durchaus in Mißmut enden.
In was denn bitteschön auch sonst??
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Es sind Berichte wie diese, die Guido Westerwelles umstrittene These zu bestätigen scheinen: Das Hartz-IV-Prinzip "Fördern und Fordern" ist grandios gescheitert. Weil sich Arbeiten aus Sicht vieler Hartz-IV-Empfänger einfach nicht lohnt.
Mit dem Unterschied, dass Guido Hetzerwelle daraus das Fazit ableitet, dass die Sozialleistungen unter das verfassungsgemässe Existenzminimum zu setzen sind. Um damit dann die nächste Lohnspirale nach unten anzutreiben, so dass dann auch irgendwann 150 Euro Hartz4-Geld mehr sind, als das menschenverachtende Gehalt in einer der vielen Ausbeutungskonzernen.
Dagegen - und nur dagegen richtet sich die Kritik. Denn man weiss, wohin das führt. Die "moderne" Agenda-Reformpolitik hat nämlich eindrucksvoll bewiesen, wie die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht und uns in alte Zeiten von "Adel und Unterschicht" zurückschleudert, wenn man erkämpfte Sozialleistungen derartig abwrackt, wie es Gerhard Schröder tat (und Merkel fortsetzt).
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Der polemische Tonfall Westerwelles mag fehl am Platz sein. Doch tatsächlich geht es im Kern um ein Problem, das Betreuer von Arbeitslosen kennen. Warum soll sich ein Arbeitslosengeld-II-Empfänger dem oft deprimierenden Bewerbungs- oder Qualifizierungsmarathon stellen, wenn er mit einem Vollzeitjob genauso viel oder nur wenig mehr Geld verdienen würde wie mit Hartz IV?
Ist das bitteschön ein Problem der arbeitslos gewordenen Menschen bei z.B. Karstadt, Opel, Siemens, Nokia, Quelle und Co.? Was bitte können denn diese 7 Millionen Arbeitslosen dafür, dass ihnen nur 400.000 offene Stellen gegenüberstehen und DESHALB jeder "Bewerbungsmarathon" automatisch deprimierend enden muss? Wobei über die Qualität der "offenen Stellen" noch nichts gesagt ist. Und ist es ein Problem der Arbeitslosen, dass die Politik nicht einmal im staatlichen Bereich für Jobs sorgen will, die bei Pflege, Bildung und Sozialarbeit dringend nötig wären? Ja dass die Politik sogar Mindestlöhne ablehnt, damit Arbeit wieder so entlohnt wird, dass es ÜBER dem verfassungsgemässen Existenzminimum läge?
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Eine alleinstehende 45-Jährige mit zwei Kindern und geringer Qualifikation, die in Ostdeutschland früher im Dienstleistungssektor tätig war, bringt es demnach mit Arbeitslosengeld II alles in allem auf 1498 Euro im Monat. Hat die Frau nebenbei noch einen 400 Euro-Job, dürfte sie davon weitere 160 Euro behalten.
Warum Ostdeutschland und geringe Qualifikation? Fehlt nur noch der "Migrationshintergrund" und "Alkoholfreudig", um das Vorurteil auch geschmacklich nach ganz unten hin abzurunden, gell? Das alles kann man aber auch OHNE entwürdigenden Nebenkennzeichnungen schreiben, liebe SPIEGEL-BILD. Zum Beispiel mit einer alleinstehenden 45-Jährige mit zwei Kindern und HOHER Qualifikation, die in Bochum früher im IT-Sektor bei Nokia tätig war. Denn 85 Prozent aller Arbeitslosen haben einen Schulabschluss und/oder Ausbildung. 15 Prozent sogar Abi und/oder Fachhochschulreife!
Was soll das?
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Einer ihrer Kollegen aus einem anderen Bundesland sagte nüchtern: "Ginge es nur ums Geld, gäbe es im Osten keine Friseurinnen mehr." In manchen ostdeutschen Ländern verdienen Angestellte in Haarsalons nur wenige Euro pro Stunde. In Köln wurden vom Hauptzoll bei einer Untersuchung sogar Stundenlöhne von 1,50 Euro aufgedeckt.
Und nicht nur das, ihr Hetzer von SPIEGELBILD: Tausende engagieren sich in Ehrenämtern, bekommen dafür keinen eizigen Cent und halten doch die Infrastruktur aufrecht. Tausende engagieren sich ohne Bezahlung bei der Ausgabe an Suppentafeln, Sozialkaufhäusern oder in kirchlichen Bereichen, um die grösste Armut abzufedern. Diese Hunderttausende von Leuten machen es damit sogar möglich, dass die Politik die Steuern zugunsten der Reichen NOCH WEITER senken kann, weil es ja so viele "nützliche Idioten" dort draussen gibt, die den sozialen Frieden ohne Entgeltforderung aufrecht halten. Oder sogar Geld dazugeben!!
Wo bitteschön bleiben die grossen Berichte in unseren Kampagnenzeitungen, die sowas mal beleuchten? Eben dass es hunderttausende Menschen mit sozialem Gewissen gibt, die selbstlos in diese Bresche springen und die Verelendung aufgrund der katastrophalen Politik nicht mitleidslos mit anschauen mögen? Diese Leute sind viel viel mehr, als diejenigen, die mit voller Absicht niemals Arbeit suchen. Sie hätten auch vergleichsweise viel viel mehr Artikel verdient, als diese überzogenen und üblen Kampagnen gegen Hartz4.
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Viele Kritiker von Hartz IV fordern deshalb eine Erhöhung der Sätze. Dann jedoch würde sich das Problem verschärfen - und der Anreiz, auch gering bezahlte Jobs anzunehmen, noch niedriger werden. Im schlimmsten Fall würden so noch mehr Menschen in die Hartz-IV-Falle getrieben, sagt Boss.
Der unweigerliche Weg in die 20:80-Gesellschaft ist nur abzumildern, indem man Arbeitszeiten drastisch kürzt und die weniger gewordene Arbeit auf mehrere Köpfe verteilt. Das erfordert als schnellste Ziele die Einführung einer 30-Stunden-Woche und ein flexibler Renteneinstieg ab 60 Jahren. Andernfalls werfen wir (gerade in der aktuellen Krise) haufenweise Jahrgänge ins Abseits. Denn kaum ein ausgelernter Schüler, Lehrling oder Studienabgänger findet zur Zeit eine Arbeitsstelle. Dieser Jahrgang wird vollständig in die Nutzlosigkeit abgeschoben - und der nächste Jahrgang steht schon vor der Tür, der ebenfalls nicht benötigt wird. Jedenfalls dann, wenn nicht gegengesteuert wird.
Wieviel uns die absehbaren Folgen noch kosten werden, wenn sich diese gesellschaftliche Entwicklung destruktiv entladen sollte, mag ich mir gar nicht vorstellen.
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Der Ökonom hat einen Lösungsansatz, der auf den ersten Blick geradezu wahnwitzig erscheint: "Ich bin dafür, den Regelsatz zu kürzen und gleichzeitig von einem Zuverdienst mehr übrig zu lassen." Sollte der Arbeitslose selbst keine Arbeit finden, sei zum Beispiel eine Tätigkeit für die Kommune denkbar. "So könnte das Einkommen mindestens auf das jetzige Leistungsniveau erhöht werden." Er ist überzeugt: "Jeder kann beschäftigt werden, wenn man auch sehr niedrige Löhne zulässt."
Es könnte sogar JEDER beschäftigt werden, wenn man um die "Tätigkeit in der Kommune" einen Zaun macht und über dem Eingangstor einen "Arbeit
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Ähnliche Vorschläge hatten zuvor schon andere Wissenschaftler gemacht, unter anderem vom Münchner Ifo-Institut - politisch durchsetzbar sind sie wohl kaum.
Was zeigen würde, dass man in Deutschland zumindestens ein kleines bisschen aus den schlimmen Folgen der dunklen Jahre gelernt hätte. Allerdings bin ich diesbezüglich doch sehr sehr skeptisch, solange sich Massenmedien wie SPIEGEL, BILD und Komplizen derart vehement für die Wiedereinführung diverser Instrumente aus düsterer Zeit stark machen.
Tags für diesen Artikel: arbeitsdienst, arbeitslose, der spiegel, hartz iv, kampagne, mindestlohn, sozialabbau, westerwelle
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Kann das das die Richtung beeinflussen?
Hetze in Reinform, von den alten Faschisten nicht zu unterscheiden..
Hier ein sehr gutes Lied über den Schmiergel von "Die Bandbreite":
http://www.youtube.com/watch?v=xhMJ3wvYip4
grüße
Vor allem, weil der widerliche Plan, sich zuerst eine genervte Niedriglohnschicht zu schaffen, die einerseits Angst hat, selbst zum "Schmarotzer" zu werden und deshalb gleichzeitig gegen die Schmarotzer anstatt gegen ihre wahren Blutsauger zu pöbeln, verflucht gut aufgeht.
Ich hatte per Zufall mal in einem Chatroom eine Frau kennengelernt, die sich begeistert als Sachbearbeiterin der Arge outete. Das Menschenbild von Ihr war erschreckend,.. das Gleiche wie hier zitiert wird. Möglicherweise bekommen dort die Angestellten eine Gehirnwäsche bevor sie zu Arbeitslager Aufseher und Spionen ausgebildet werden.