Etwas Geschichte zur Entstehung des Sozialstaates? Warum der Sozialstaat viel mit Kapitalismus zu tun hat, und wenig mit Wohltätigkeit? Und dass man drei Typen des "Welfare Capitalism" unterscheidet? Dann empfehle ich beim
Freitag reinzusehen und Georg Fülberths "Zwei wirklich nette Schwestern" zu lesen.
Heftig umkämpft ist zur Zeit der zweite Typus: der korporatistische. Westerwelle will ihn durch die marktradikale Form ersetzen. Es ist im Interesse der Exportwirtschaft und der Finanzdienstleistungsbranche ökonomisch rational. Der Erfolg einer solchen Rosskur ist aber nicht verbürgt. Senkung der Lohnstück-Kosten forciert die Ausfuhr und riskiert den Einbruch der Konjunktur, wenn die importierenden Länder durch eine Beggar-my-neighbour-Politik (mach’ Deinen konkurrierenden Nachbarn arm) in den Ruin getrieben werden und als Abnehmer ausscheiden. Dann fallen Arbeitsplätze weg und mehr Ausgaben für Hartz IV an. Westerwelles Aufschrei richtet sich somit gegen die Folgen der von seiner Partei mit verursachten Politik. Der Schleifung der letzten Reste des rheinischen, des korporatistischen Kapitalismus-Typs könnte somit die branchenübergreifende Räson des Gesamtsystems im Wege stehen. Vielleicht wie einst bei Bismarck und Adenauer.
Der rheinische Kapitalismus soll, auch mithilfe von Herrn Dr. iur. Guido Westerwelle von der F.D.P., zum schweinischen Kapitalismus werden.
So drückt das aus, wer sich weder dummstudiert hat noch je im Staatsdienst als Professor oder beschäftigt sonstwas war.
Und so verstehn das, was gemeint ist, auch viele ... die Leut sind ja meist nicht dumm,
sondern solln dumm gehalten ("cverdummt") werden
"Senkung der Lohnstückkosten": Das Problem der auf Export ausgerichteten Wirtschaft (Exportweltmeister) führte dazu, daß der deutsche Binnenmarkt darniederliegt. Da sind wir wieder bei HartzIV: Deutschland hat den ausgeprägtesten Niedriglohnsektor (working poor)inerhalb der EU - dieser ist inzwischen auf amerikanischem Niveau. Dies war mit HartzIV beabsichtigt. Deshalb fehlt Nachfrage nach Gütern und Dientleistungen.
"Staatsräson wie bei Adenauer und Bismarck":
Deutschland hat seinen Wilhelminismus, der auch zu Auschwitz führte, nie aufgearbeitet. Es war das große innenpolitische Versagen Adenauers (wahrscheinlich aus machtpolitischen Gründen), denn Deutschland ist nach wie vor das Kernland des Untertanen.
Meiner Meinung nach verkürzt der Autor die Sachlage derart, dass es zwangsläufig, neben den üblichen Ungenauigkeiten, zu Fehlinterpretationen kommt.
Etwas mehr Genauigkeit wäre also angesagt. Was z.B. die "Folgen von Hartz IV" mit der FDP- Politik gemein haben, dass erschließt sich eher wenig, woher die "Weisheit" über das "Wollen Westerwelles" genommen wird, bleibt ebenso im Dunkeln.
Auch die Schlussfolgerungen "Westerwelle will ihn durch die marktradikale Form ersetzen. Es ist im Interesse der Exportwirtschaft und der Finanzdienstleistungsbranche ökonomisch rational. Der Erfolg einer solchen Rosskur ist aber nicht verbürgt. Senkung der Lohnstück-Kosten forciert die Ausfuhr und riskiert den Einbruch der Konjunktur, wenn die importierenden Länder durch eine Beggar-my-neighbour-Politik (mach’ Deinen konkurrierenden Nachbarn arm) in den Ruin getrieben werden und als Abnehmer ausscheiden. Dann fallen Arbeitsplätze weg und mehr Ausgaben für Hartz IV an." sind weder belegt noch, zumindest in diesem Zusammenhang, wirtschaftswissenschaftlich nachvollziehbar.
Hier wird meines Erachtens einfach alles in einen Topf geworfen und dann kräftig gerührt.
So löst man keine Probleme.
Einzige Erkenntnis kann hier fast nur sein: Der "Kapitalismus" ist halt seit je her klever genug, sich seine Machtgrundlage zu sichern, was der "Sozialismus" nicht geschafft hat.
Woran mag das nur liegen?
Ach, wäre Wirtschaft doch so einfach!
1. Sie haben die Globalisierung und zur Verbesserung der Angebotsbedingungen auf dem Weltmarkt gilt es, die Lohnstückkosten weitestgehend zu senken, ohne die Produktqualität einzuschränken
2. Antagonist dazu: Mit sinkenden Lohnstückkosten bei gleichbleibendem Produktionsvolumen ( BIP ist das bewertete Produktionsvolumen ) senken Sie die Kaufkraft. Mit sinkender Kaufkraft sinkt die Binnennachfrage. Mit sinkender Binnennachfrage reduzieren Sie den Binnenmarkt auf das Notwendigste.
3. Antagonist aller: fehlende Innovationen mit volkswirtschaftlichem Breitenvolumen einerseits, Sättigungsgrad der Ausstattungen der Privathaushalte andererseits: https://www-genesis.destatis.de/genesis/online;jsessionid=B02965F8E575C0E513DCE41B8ACD2651.tcggen1?operation=abruftabelleAbrufen&levelindex=0&levelid=1267951592333&index=1
4. Der Umbau der Wirtschaft zu einer Exportorientierung hat uns den Verleihmarkt und einen massiven Kaufkraftschwund gekostet. Ich will konzidieren, dass man in der Politik geglaubt hatte, durch Stärkung des Exportes die wegbrechende Binnennachfrage wegen Sättigung kompensieren zu können.
Man muss aber klar der Politik gegenüber den Vorwurf machen, nachdem sie erkannt haben, dass ihre Rechnung nicht aufgeht, hätte sie gegensteuern müssen!
5. Die EU ist in diesem "Spiel" nicht unbedeutend: sie hat die Strategie vorgegeben, dass die Staaten umgebaut werden sollten zu Dienstleistungsgesellschaften. Diesen Megaschwachsinn konnte eine amerikanische Universität nachweisen! Der Konsum einer Volkswirtschaft wächst/bleibt nur, wenn das Nachwachsen gesichert ist. Dienstleistung ist aber "linke Tasche - rechte Tasche" und bewirkt nichts, rein gar nichts.