Das gleiche gilt natürlich auch für China, bei denen schon der Begriff Parlament wohl doch etwas weit hergeholt ist. Fest steht auf jeden Fall, dass China nicht nur wirtschaftlich sinnvolle Eisenbahnlinien wie nach Kirgisistan, Usbekistan und Kasachstan baut, sondern auch die Linien über den Alataw-Pass nach Zentralasien nach Zentralasien weiter ausbaut. Völlig unverständlich ist jedoch auf den ersten Blick, dass in Richtung der transsibirischen Eisenbahn und auf deren Nebenstrecken, wie auch in andere Grenzgebiete zu Russland ein ständiger Ausbau stattfindet.
Wenn Li Zhaoxing erklärt, dass die 2,3 Millionen Soldaten der Volksbefreiungsarmee, die damit zahlenmäßig die größte Armee der Welt ist, nur zu defensiven Zwecken gehalten wird, dann stellt sich die Frage wer sollte China angreifen. China besitzt offiziell 240 für den Erstschlag geeignete Atomwaffen, die zwar gegen die 12.000 Atomwaffen Russlands und den 9.400 der USA lächerlich wirken, aber ausreichen, um jeden denkbaren Gegner in den konventionellen Bereich abzudrängen.
China baut auch seine Seestreitkräfte aus. Aber selbst noch so gute Antischiffsraketen werden am Kräfteverhältnis im Pazifik nichts ändern. Dort dominiert die USA mit ihren sechs Trägerverbänden derart, dass alleine der Gedanke an eine Auseinandersetzung mit den USA oder die Eroberung Taiwans lächerlich ist. Chinas Seestreitkräfte können bestenfalls mal böse nach Taiwan schauen und auch Japan dürfte sich eher scheckig lachen, als China militärisch ernst zu nehmen.
Das China nicht die USA erobern will, dürfte auch klar sein. Von so etwas handeln nicht einmal Chinas kühnste Träume. Süd- und Nordkorea würden Chinas Probleme nur vergrößern und einmal abgesehen davon, dass Australien und Neuseeland von den USA und England streng bewacht werden, wäre ein Angriff auf Australien auch gleichbedeutend damit, dass China Krieg mit Inden führen müsste, die in Australien auch eigene Interessen verfolgen.
Chinas Rüstung kann sich also nur gegen Russland richten. Sibirien hat all das, was China braucht. Bodenschätze und Raum. Nein, China ist noch nicht auf dem Kriegspfad. Aber es könnte sich schon sehr bald dazu gezwungen sehen. China hat versucht sich langfristig an Rohstoffkonzernen zu beteiligen und wollte dafür viel Geld ausgeben. Jeder dieser Versuche wurde bisher im wesentlichen abgeschmettert. Ohne eine sichere Rohstoffbasis, baut die China Wirtschaft ohne jedes Fundament auf einen Sumpf.
Selbst wenn China jetzt beginnt, sich aus den US-Schatzanleihen zurückzuziehen, würde es unter vernünftigen Bedingungen rund 20 Jahre dauern bis dieser Rückzug abgeschlossen wäre. China muss zusehen, wie die Schulden aus den Schatzbriefen weginflationiert werden und wie gleichzeitig die Rohstoffpreise steigen. Es ist China trotz allem Bemühen nicht gelungen sich genügend Rohstoffe zu sichern. Das bedeutet, dass China sich auf sinkende Exporte gefasst machen muss, die nicht nur aus der Weltwirtschaftskrise kommen, sondern auch langfristig durch zu hohe Importkosten für Rohstoffe festgeschrieben werden.
Aber nur ein sehr großes Wachstum ermöglichst es der chinesischen Regierung die Bevölkerung durch Teilhabe ruhig zu halten. Dafür braucht das Land ständig neues Geld. Zur Zeit scheint China aber auf eine andere Entwicklung zu setzen. Während China offiziell Rüstungsausgaben von 78 Milliarden US-Dollar zugibt, gehen Experten davon aus, dass real zwischen 105 und 150 Milliarden US-Dollar ausgegeben werden. Der Mehrbedarf wird einfach aus anderen Töpfen bestritten.
So werden zum Beispiel die in China selbst gefertigten Rüstungsgüter unter anderem aus den Konjunkturpaketen und der Förderung von Arbeitsplätzen bezahlt. So ist es auch zu erklären, dass in China in einigen Gebieten Arbeitskräfte zur Mangelware geworden sind. Aber selbst dies betrifft natürlich nur ein Minimum der Wanderarbeiter, die durch die Weltwirtschaftskrise ihren Job verloren haben.
Es wäre an der Zeit vernünftig, ehrlich und offen mit China zu reden. Aber das ist schwer. China will sein Gesicht nicht verlieren und den möglichen Verhandlungspartnern fehlt es an Ehrlichkeit. Russland jetzt alleine zu lassen, könnte ein fürchterlicher Fehler sein, der die Welt um Jahrzehnte zurückwirft.
Daneben gibt es wirklich eine Menge zu tun für die Marine - z.B. Sicherung der Handelswege gegen von den USA tolerierte Piraten - und die im Aufbau befindliche chinesische Rüstungsindustrie - nämlich vor allem, pro-chinesischen Regierungen dabei zu helfen, nicht von den USA weggeputscht zu werden.
Ich denke, bei der in absoluten Zahlen und am Wirtschaftswachstum gemessen fast moderaten Steigerung der Rüstungsausgaben wird es dann auch darum gehen, die neuaufgelegte "Prompt Global Strike" Strategie der USA zu kontern.
Wenn die USA in beliebigen Teilen der Welt Blitzkrieg führen können, muss China in der Lage sein, seine Rohstofflieferanten in aller Welt - besonders Afrika dürfte da demnächst immer wichtiger werden - dagegen zu verteidigen, oder es läuft Gefahr, bald ohne diese Rohstofflieferanten dazustehen.
Die Militärpolitik macht durchaus Sinn, auch wenn China, wie es zu erwarten ist, seiner lange gepflegten Tradition der auf Zurückhaltung bedachten Außenpolitik treu bleibt.
China wird seine Interessen in Afrika nicht schützen können. Dafür wäre eine Flugzeugträgermarine in amerikanischen Dimensionen nötig und die ist realistisch gesehen unbezahlbar.
Selbstverständlich sind die gescheiterten Einstieg in Rohstoffförderer auch ein geschickter Schachzug der USA.
Die auf Ausgleich geprägten Beziehungen sind nicht im Sinne der USA, die es lieber sähen, dass sich China und Russland in Konflikten schwächen. Selbstbewusste Länder wie China und Russland stören die amerikanische Hegemonialpolitik. Verschwörungstheorie? Das es keine ist, kann bei Zbigniew Brzeziński der grauen Eminenz der US-Globalstrategen nachgelesen werden.
150 Milliarden Dollar Militärausgaben und 2,3 Millionen Soldaten sind angesichts von 1,2 Milliarden Einwohnern zu relativieren, aber in Anbetracht des allgemeinen Lebensstandards der einfachen Bevölkerung zu viel.
macht nix, kann vorkommen.