Wenn man früher zur Arbeit ging, hat man Geld verdient. Sprich: man hat sich auf sein Geschäft konzentriert. Heute holt man sich eine schlimme Telefon-Schulter, analog zum "Tennis-Arm" der Freiberufler, und muss regelmäßig zum Physiotherapeuten.
Callcenter. Der nächste freiwerdende Mitarbeiter ist gleich für sie da. Service-Hotline. Bleiben Sie in der Leitung. Wartelschleife. Drücken Sie die 2. Ich verbinde Sie weiter.
Ich soll alles an die workflow-retail-e-mail-Adresse schicken.
Früher hatte ich persönliche Ansprechpartner. Heute telefoniere ich den ganzen Tag mit extrem netten Leuten. Das Wetter in Saarbrücken, ein Feiertag im Rheinland, Neues aus Hamburg - ich bin stets bestens informiert. Vielleicht sollte ich mal fragen, was man in Indien zu Mittag ißt? Bloß das Anliegen meines Kunden habe ich immer noch nicht geklärt.
Persönlicher Ansprechpartner? Wo leben Sie denn! Rufen Sie die Service-Hotline an. Okay, ist ja gut, ist ja gut. Sie können ja auch nichts dafür, die netten Leute am Telefon.
Die Jungen haben den Dreh raus: die holen sich wenigstens keine Telefon-Schulter. Die machen alles über ihr Headset. Ob sie Anliegen klären müssen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich nicht. Eine Generation ohne Anliegen, aber mit schöner neuer Technik, die sie im übrigen beherrschen.
Geld verdienen geht anders. Das jedenfalls weiß ich genau.



















