Die CDU-Regierung unter Konrad Adenauer hatte in den Jahren nach dem Ende der Nazi-Diktatur offenbar keine großen Probleme damit, zahlreiche alte Blut- und Mordrichter schnell wieder in Amt und Würden zu verhelfen. Oft mit der Hilfe und Unterstützung wiedereingesetzter Nazi-Polizeiführer - gerade in Berlin - fand eine gnadenlose und hysterische politische Strafjustiz gegen Kommunisten bis in die späten 1960er Jahre statt. 1950 wurde von der CDU-Regierung unter Konrad Adenauer das "1. Strafrechtsänderungsgesetz" erlassen, das die Verfolgung kommunistisch Gesinnter ermöglichte. 1.500 Mitglieder der "Freien Deutschen Jugend" wurden zum Teil zu langjährigen Haftstrafen für ihre politische Gesinnung verurteilt.
Im Mai 1952 demonstrierten 30.000 Menschen verschiedener Organisationen und Kirchen während der GRUGA in Essen gegen die Wiederaufrüstung Deutschlands. In einem massiven Prügel-Einsatz der Polizei wurden zahlreiche Demonstranten zum Teil schwer verletzt. Während des Schusswaffeneinsatzes aufgrund von
"Adenauers Schießbefehl" in der Zeit des Kalten Krieges wurde der 21jährige Schlosser Philipp Müller von einem Polizisten von hinten in den Rücken geschossen, kurz darauf starb er. Zwei weitere Demonstranten wurden ebenfalls von hinten in die Hüfte oder den Oberschenkel geschossen. Verurteilt wurde keiner der Täter.
Im November 1954 begann das Hauptverfahrens zum Verbot der KPD, während im übrigen Europa kommunistische Parteien völlig normal zum demokratischen Alltag gehörten. Der KPD-Landtagsabgeordnete Jupp Angenfort gehörte damals zum Vorstand der FDJ und beteiligte sich im April 1951 an einer Volksbefragung zur Wiederbewaffnung Deutschlands. Angenfort wurde zu fünf Jahren Haft wegen Hochverrats verurteilt, zu weiteren fünf Jahren dauerhafter Überwachung durch die Polizei, zu lebenslangem Verlust der Möglichkeit ehrenamtlicher Tätigkeit und zu Reiseverbot. Erst nach einem halben Jahr durfte er durch seine Ehefrau besucht werden, der geraten wurde, sich von ihm scheiden zu lassen.
Der Journalist Timpe kritisierte in einer Zeitung damals das FDJ-Verbot und wurde 1955 vors Gericht gezerrt. Der Vorwurf: Beleidigung des Bundeskanzlers und Unterstützung einer feindlichen Organisation. Das Urteil: Ein Jahr Gefängnis ohne Bewährung, drei Jahre Berufsverbot und Führerscheinentzug. Am Verfahren waren alte Nazis beteiligt: Staatsanwalt Karl Heinz Ottersbach als ehemaliger Vorsitzender des NS-Sondergerichts Kattowitz. Der Richter Dr. Konrad Lenski hatte am Reichskriegsgericht als
"Henker des Gaulistischen Widerstandes" in Straßburg zahlreiche französische Widerstandskämpfer zum Tode verurteilt.
Beispiele aus dem WDR-Film
"Als der Staat rot sah" aus dem Jahr 2006 machen deutlich, wie es tausenden Gesinnungshäftlingen in der Zeit der Kommunistenjagd ergangen war um die es in Jan Kortes Buch
"Instrument Antikommunismus" auch geht. Zwischen 1951 und 1968 gab es weit über 150.000 staatsanwaltliche Ermittlungen, 6.758 Personen wurden verurteilt.
"Eine europäische Einmaligkeit, von faschistischen Diktaturen wie Spanien einmal abgesehen", so Korte. Schon wieder wurden die Menschen wegen ihrer politischen Gesinnung verfolgt, nachdem viele von ihnen bereits von den Nazis verfolgt und misshandelt wurden oder im KZ gelandet waren. Besonders verwerflich war, dass diesen Opfern des Nazi-Terrors durch die Adenauer-Regierung die Wiedergutmachungszahlungen versagt wurden oder sie diese zurückzahlen mussten.
Die Geschichte der BRD ist also keine "rein engelhafte" und sollte daher in einer Zeit, in der die DDR als Unrechtsstaat in Bausch und Bogen verurteilt wird, immer wieder neu bewertet werden. Die Angst vor demokratischer Veränderung und sozialer Emanzipation, vor der Arbeiterbewegung und Umsturzbewegungen durch Menschen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen wollten, erzeugen bis heute das Feindbild dazu. Der Jurist Heinrich Hannover erinnert sich daran, dass in seiner Kindheit Kommunisten als das Böse schlechthin betrachtet wurden. Die Frage ist nur, wieso ausgerechnet der Hass auf die linke Intelligenz, die energisch gegen Krieg, Nationalismus und Menschenfeindlichkeit anschrieb, den Hass von Konservativen und Rechtsaußenvertretern auf die Linke insgesamt auf sich ziehen konnte?
Erschreckend ist für Buchautor Jan Korte auch, dass offenbar immer noch zwanghaft wie vor 60 Jahren in den Medien veröffentlicht und im Deutschen Bundestag unter Ignoranz der Realitäten diskutiert wird. Immer noch herrsche in vielen Köpfen
"Sozialismus gleich DDR, Mauer und Stacheldraht". Noch heute werde Linken die DDR vorgeworfen, die aber schon vor 20 Jahren untergegangen ist. Und Fundamentalkritik der Linken am Stalinismus werde einfach nicht zur Kenntnis genommen.
Quelle: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=14896
Instrument Antikommunismus
Autor: Jan Korte
Dietz-Verlag, Köln
128 Seiten
9,90 EUR
ISBN 978-3-320-02173-3