Was hat der Bischofsstab mit dem gewöhnlichen Besen gemeinsam? Warum beschimpfen wir jemand als "Schweinepriester"? Warum hatten die Römer so schreckliche Angst vor den Wäldern der nördlichen Regionen? Was passierte, als die Christen anfingen, die Wälder abzuholzen? Auf diese und viele weitere interessante Fragen wird meine heutige Leseempfehlung Antworten bieten.
Der europäische Raum war vor der Einführung der christlichen Weltenordnung eine Welt der vielen Völker, Stämme und Sippen, mit dauernden Wanderbewegungen. Kulturen begegneten und vermischten sich permanent. So dass das Bild vom genetisch festgelegten blonden Germanenvolk einach nur lächerlich ist. Das Gegenteil trifft nämlich zu. Unsere moderne Angst vor fremden Einflüssen ist noch lächerlicher. Denn zur Menschheit gehört die Unterschiedlichkeit und das Wandern wie der Wind zum Himmel und die Wellen zum Wasser. Das Leben ist Bewegung. Alles Festhalten ist kindische Illusion.
Unser bißchen "Multikulti" ist Pipifax im Vergleich zu den Völkerwanderungen der Vergangenheit. Ohne Konflikte wird es damals auch nicht zugegangen sein. Aber statt Fremdenhass dominierten sicher die Vorteile. Man profitierte von den anderen, ihren Erfahrungen und Kenntnissen. Auch manch mitgewanderte Gottheit wurde geprüft und für gut befunden. Kein Problem, denn man pflegte selbstverständlich die Verehrung mehrerer Gottheiten und ihrer Hilfskräfte!
Und wir sitzen nun da mit unserer patriarchalischen christlichen Religion und der Reduzierung auf einen einzigen männlichen Gott. Schöne Bescherung.
Die Christen zerstörten mit aller Macht die Glaubenswelt der Germanen und Kelten. Nur noch der Eine Gott sollte Gültigkeit behalten. Der strenge und kalte Monotheismus hielt Einzug in die Welt. Er nahm die Menschen mit Angst gefangen und ließ ihnen einen fernen Trost im Jenseits. Das irdische Leben selbst wurde trostlos. Doch manches Zugeständnis konnten die Menschen ihnen dennoch abtrotzen.
Maria tritt als Erbin der matriarchalen, keltischen und germanischen Gesellschaft die Macht an. Eigentlich war sie nicht vorgesehen. Frauen sollten in der patriarchalen Ordnung aus allen Kulten verschwinden und nur noch dienende Gläubige sein. Doch da machten die Frauen nicht mit, die eine Zeit der Verehrung und des Respekts noch im Rücken hatten. Anstatt Freya zu feiern, sollten sie Gott anbeten? Anstatt mit ihren Sorgen zur Holla und zur Percht zu kommen, sollte dieser Gott alles regeln? Keine Chance.
Eines ist sicher: Die Macht, die die Frauen in der frühen christlichen Zeit hatten, lässt sich schon daran erkennen, dass 600 nach Christus Maria in die Religion eingeführt wurde, die Mutter Gottes, die Muttergöttin. Sie erhielt alle Symbole der Göttinnen. Sie hatte die Haspel und das Spinnrad der Nornen, sie hielt den Zauberstab, hier Zepter, den Reichsapfel, die Frucht der Göttin. (...)
Die Kirche konnte die Macht der Frauen nicht brechen.
Zitat aus: Luisa Francia, "Die Göttin im Federkleid. Das weibliche Universum bei Kelten und Germanen.", Verlag Nymphenburger, gerade frisch erschienen.
Luisa Francia berichtet hier auf wunderbar fließende und entspannte Weise, gehaltvoll und fundiert von unseren Vorfahrinnen. Liebevoll werden Details aneinander gereiht, besprochen, interpretiert und oft vom Müll der gängigen Geschichtsschreibung befreit. Analog zur schwierigen archäologischen Arbeit, die auf die wenigen Zeugnisse, die aus der Zeit vor der Christianisierung noch zu finden sind, angewiesen ist. Umso verblüffender ist die Wucht ihrer Stärke!
Kein Wunder also, dass die römischen Invasoren ihre Not hatten mit uns "Wilden" des Nordens. Und kein Wunder auch, dass sie mit aller Gewalt tabula rasa machten. Das dauerte viele Jahrhunderte lang, und ist eigentlich bis zum heutigen Tag nicht abgeschlossen. Göttin sei Dank! - Denn immer noch erscheinen uns die klerikalen Herren mit ihrer seltsamen Tracht, die an Frauenkleider erinnert, sehr oft als aufgeblasene Wichtel. Umgeben von Prunk und Weihrauchdunst ... Immer noch brauchen sie ihre diversen Showeinlagen, um größer zu erscheinen, als sie eigentlich sind.
Allen Frauen, die mal wieder zu sich selbst zurück finden möchten (und müssen!), sei dieses Buch wärmstens empfohlen. Und all jenen, die sich für die Geschichte, die Kultur und das tägliche Leben unserer germanischen und keltischen Vorfahren interessieren auch. Für diese Geschichtsschreibung der beglückenden Art ein ganz dickes Dankeschön an Luisa Francia.
Wussten Sie, daß der Schwarzwald noch von den Römern (Caesar&Co) Monte Abnobea genannt wurde?
Abnobae war die keltische Göttin für Quellen, die im Schwarzwald sehr zahlreich und gesund sind. Die lateinische Bezeichnung Silva Nigra stammt von der christlichen Kirche, die wohl nicht Klöster in einem Gebiet nach Heidnischen Göttern aufbauen wollte.
Viele Grüsse Wulf