In der Printausgabe der Berliner Zeitung wird heute berichtet, dass der ehemalige Leiter des Internats Schloss Salem den anderen Weg wählte, wenn ihm Missbrauch gemeldet wurde: "Die verantwortlichen Lehrer seien daraufhin sofort entlassen worden, sagte Bueb, der von 1974 bis 2005 an der Spitze der privaten Internatsschule stand. Er habe unmittelbar die Staatsanwaltschaft eingeschaltet". Offenheit und klare Schuldzuweisung mit den entsprechenden Konsequenzen - so geht das! Anstatt jahrelang zu vertuschen und betroffene Kinder in der einsamen Hölle von Schuld und Scham sitzen zu lassen, verdammt nochmal!
Von anderer Seite, hauptsächlich von Forensikern und Gerichtspsychologen (wo sind eigentlich die anderen???) kommen jetzt auch Annäherungen zum Thema Pädophilie. Wir erfahren, dass die wenigsten Täter tatsächlich pädophil sind, im Gegenteil sei dieses Phänomen sehr selten. In der Mehrheit der Fälle spielt eher Machtmißbrauch, der sich in den sexuellen Bereich verlagert, die Hauptrolle. Macht in Verbindung mit Sex ist ja auch unter Erwachsenen ein beliebtes und weithin anerkanntes Aphrodisiakum. Die Schwelle zum ausgewachsenen Sadismus ist da schnell erreicht. Hören wir also auf, uns scheinheilig zu wundern.
Lassen wir die Pädophilie den Experten und wenden uns lieber einem verwandten Phänomen zu: der Verkindlichung erwachsener Körper und warum es sexuelle Anziehungskraft haben soll, wenn weibliche Körper zaundürr sind, oder zumindest um jeden Preis "schlank" (was stereotyp jede Frau in Kontaktanzeigen beteuert), oder warum die Entfernung sekundärer Geschlechtsmerkmale (Haare) so groß in Mode ist. Ist das ein Trend zur Jungfrau, - kindlich, naiv, unbedrohlich? Oder in einer weiteren Steigerung zum Präpubertären - und dann ist auch schon egal ob Junge oder Mädchen? Daran schließt sich dann die Frage an, wie schwul ein typischer Täter sein muß, der Jungs mißbraucht. Wahrscheinlich nicht besonders.
Ich denke, wir sollten uns mit unseren eigenen Vorstellungen von Sexualität befassen und auf diese Art Licht ins Dunkel bringen. Das würde nicht zuletzt den Mißbrauchsopfern ein hohes Maß an Entlastung und Befreiung bringen. Und könnte ihnen zeigen: sie sind nicht allein. Es wimmelt nur so von Betroffenen und Verwirrten.