In der EU gibt es einen Wirtschaftsbereich, der praktisch eine heilige Kuh darstellt. Die Land-, Forst- und Fischwirtschaft. Da wird immer wieder das Ideal des Landschaftsschützer in der bäuerlichen Kleinfamilie gepredigt, den es in dieser Form nirgendwo mehr gibt. Der Landwirt ist ein Bürokrat geworden. Er füllt Subventionsformulare aus, gegen die eine Steuererklärung ein Witz ist.
Dabei muss er sich auf Flächenangaben verlassen, die teilweise schon Jahrzehnte alt sind oder noch nie geprüft wurden. Wird ihm per Satellit nachgewiesen das er Mist gebaut hat, zahlt er. Es wird ihm vorgeschrieben wieviel Milch er erzeugen darf und über die Subvention bekommt er vorgeschrieben was er anbauen oder ob er Flächen stilllegen soll. Planwirtschaft in Reinkultur. Natürlich auch mit dem Ergebnis das Planwirtschaft immer mit sich bringt. Entweder wird zu viel oder zu wenig produziert.
Ertranken wir einst in Milchseen und mussten mühsam Butter- und Getreideberge unter Lebensgefahr erklimmen, stehen wir heute vor dem Mangel, der die Preise steigen lässt. Natürlich sind die Preise für den Erzeuger seit langem viel zu mies. Das ist keine Frage. Aber wie wir an den jetzt geplanten Preiserhöhungen sehen bekommt der Landwirt vielleicht 6 Cent mehr während sich die Lebensmittelindustrie und der Handel die Taschen vollstopfen.
Das funktioniert aber nur, weil wir in unserem Kontrollwahn, mittelständische Molkereien, mittelständische Schlachtbetriebe mit immer neuen Anforderungen überzogen haben, um sie zur Aufgabe zu zwingen. Heute wird in Großbetrieben ein geschmackloser Einheitsbrei erzeugt, bei dem es nur darauf ankommt, dem Verbraucher das Geld mit Marketingtrick aus der Tasche zu ziehen.
Ein weiteres Problem ist die Steuerthematik. Ein moderner Betrieb braucht heute eine effiziente Kostenkontrolle. Deshalb sind die angeblich aus Vereinfachungsgründen geschaffenen pauschalisierten Verfahren unnötig und widersinnig. Es gibt keinen Grund einen landwirtschaftlichen Betrieb anders als einen Bäcker oder Klempner zu behandeln.
Wenn wir etwas für die Verbraucher und die Landwirte tun wollen, dann müssen wir zunächst die Subventionen für Stilllegungen, die Milchquote und die besondere Mehrwertsteuerregelung abschaffen. Gleichzeitig sollten die Anforderungen an Weiterverarbeitungsbetriebe auf ein europäisches Niveau gesenkt werden, um wieder kleine und mittelständische Qualitätserzeugung regional möglich zu machen. Die CMA ist ersatzlos zu streichen.
Alle anderen Subventionen müssen jährlich nach der Rasenmähermethode um 10 Prozent gekürzt werden. Alle Einschränkungen für die Produktion von lokalen Spezialitäten wie Rohmilchkäse und den Vertrieb von Rohmilch oder besonderen Früchten sind aufzuheben. Der Fläche muss wieder ein eigenständiges Brennrecht zugewiesen werden, das nicht übertragbar ist.
Viele unterschiedliche Abnehmer bedeuten für den Landwirt bessere Preise, weil die Nachfrage den Markt bestimmt. Viele interessante und unterschiedliche Produkte bedeuten ebenfalls bessere Preise für den Erzeuger. Der Durchschnittspreis auf dem Massenmarkt wird hingegen nur geringfügig steigen, da er in direkter Konkurrenz zu Qualitätsprodukten steht. Es braucht nur etwas Mut. Leider aber auch eine Regierung die ihre Kontrollsucht aufgibt.
Um den Bioanbauern einen Vorteil zu gewähren, könnten ihnen die Mehrwertsteuer die sie abführen müssten, für die nächsten 10 Jahre erlassen werden. Auch und gerade wenn sie sich als Energiebauern betätigen. In Deutschland komplett erzeugter Biosdiesel oder Biosprit muss von Kraftstoffsteuern freigehalten werden, weil sonst in anderen Ländern der Raubbau an der Natur subventioniert würde.