Alice Miller verdanke ich die Idee, dass wir der Anwalt des Kindes sein können. Des Kindes, das wir mal waren und das immer noch in uns drin steckt. Wir können das einstmals vielleicht vernachlässigte, misshandelte oder schlicht zu wenig geliebte Kind an der Hand nehmen, es verstehen, trösten, lieben.
Viel später kommt dann vielleicht auch mal das Verzeihen der Täter ins Spiel. Oder auch nicht. Das ist dann aber gar nicht mehr so wichtig. Weil wir durch den Dialog mit dem inneren Kind in uns endlich begreifen, dass es um uns geht! Und eben nicht um die Täter und ihr Gewissen. Die können gern zum Beichten in die Kirche gehen. Vielleicht funktioniert der alte Handel ja noch. Die ganz große Abrechnung kommt ja eh erst danach. Schauen wir mal.
Wer möchte, kann sich auf Alice Millers homepage umsehen. Bloß schade, dass sie nun keine Leserpost mehr beantwortet.
Es gab immer wieder Menschen mit außerordentlichen Fähigkeiten zum liebevollen Umgang mit Kindern. Im Vergleich zu ihnen schrumpeln heutige Pädagogen, die sich für Elite halten, ganz schnell in sich zusammen und machen den Blick frei für richtige Vorbilder und Leitfiguren. Wenn schon, denn schon!
Kennt ihr Janusz Korczak? Sein bekanntestes Werk heißt "Wie man ein Kind lieben soll", erschienen 1919. Von all gegenwärtigen Schlägen und Watschn ist hier nicht die Rede! Viel mehr plädiert er für Achtung vor Kindern, und steht für eine "Fröhliche Pädagogik". Janusz Korczak kümmerte sich zuletzt um Kinder im Warschauer Ghetto und begleitete sie 1942 freiwillig auf ihrem Abtransport nach Treblinka, weil er sie in ihrem sicheren Gang in den Tod nicht im Stich lassen wollte.
Und wußtet ihr, dass der große Antonio Vivaldi 30 Jahre lang Musiklehrer in einem Venezianischen Waisenhaus war? Dem Ospedale della pietà. Das muß man sich mal vorstellen. Diese weltberühmte Musik, die wir als Venezianischen Barock kennen, stammt von einem Mann, der ein Orchester eines Waisenhauses leitete und für das er den Großteil seiner Musik komponierte. - Ich liege ihm zu Füßen!!!
Vivaldi soll ja ein recht fröhlicher und lebenslustiger Mitmensch gewesen sein. Trotzdem folgt nun der eher schwermütige Winter aus den Vier Jahreszeiten. Ein wenig Tristezza aus der Serenissima zum Abschied von Alice Miller.
Nochmal der Winter, in drei Einzeilteilen, aber diesmal vom genialen Nigel Kennedy. Ein Muß für Vivaldi-Liebhaber!