Wenn man zusammenfasst vom Totalzusammenbruch der Berliner S-Bahn bis zu Waggontüren die sich während der Fahrt öffnen oder gar wie beim ICE einfach herausfliegen, vom Radreifen der absprang bis zum Bremsversagen dann kann nur festgestellt werden, dass das Bahnmanagement nicht in der Lage ist die Bahn zu führen.
Zwar hat man Mehdorn gefeuert, aber sein Nachfolger Grube macht genau so weiter wie es Mehdorn tat. Die Bahn hat in den letzten 20 Jahren ihr Schienenetz um 17,4 Prozent , also um ein Sechstel gekürzt. Das verbleibende Schienennetz und die Bahnhöfe wurden genau wie Brückenbauten weitgehend dem Verfall preisgegeben. Überall darf nur noch langsam gefahren werden.
Für die Bahn ist es nämlich billiger auf die Wartung der Schienen zu verzichten, bis sie total ruiniert sind, weil dann der Staat die Reparatur bezahlt, die Wartung aber zu Lasten der Bahn ginge. Das nennt man allgemein hin Betrug oder Neoliberalismus. Auf jeden Fall ist es für das Personal und die Fahrgäste gefährlich.
Das Geld das die Bahn aus Fahrpreisen und von den Ländern für die Aufrechterhaltung des Bahnverkehrs bekommt, wird nicht in Deutschland angelegt, sondern überall auf der Welt werden marode Bahnlinien gekauft, die dann der deutsche Steuerzahler unterhalten darf. Zuletzt wurde für 2,7 Milliarden Euro das englische Bahnunternehmen Arriva gekauft, bei dem der Name allerdings nicht Programm ist. Häufig werden die Ziele nämlich nicht erreicht und der Wartungsstand ist hundsmiserabel. Der Wert dürfte ungefähr bei Null liegen.
Aber der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn AG hat lobend zugestimmt. Gleichzeitig nimmt der gleiche Aufsichtsrat mit einem Lächeln der Überlegenheit zur Kenntnis, dass die Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven nicht finanzierbar ist, weil der Staat seine Stützungszusagen zurückgezogen hat.
Das ist eine schlaue Entscheidung gegen Deutschland. Denn in Wilhelmshaven wird mit riesigem Aufwand an Staatsgeldern der sogenannte Jade-Weserport gebaut, der dann vielleicht Deutschlands leistungsfähigster Hafen ist, aber von der Bahn nicht erreicht werden kann, weil Grube, sein Vorstand und der Aufsichtsrat das Geld der Bahn in England verpulvert.
Das die Gewerkschaftsmitglieder im Bahnaufsichtsrat lieber in England als in Deutschland investieren wundert niemanden mehr der sich an Herrn Hansen erinnern kann, der als Gewerkschaftler ja sogar niedrigere Löhne erkämpfen wollte und ziemlich offensichtlich gekauft war. Wer sich für diese Entscheidung bei den Mitgliedern des Aufsichtsrates aus Gewerkschaftskreisen bedanken will, der darf das bei den folgenden Leuten tun.
Alexander Kirchner
Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates
Vorsitzender der TRANSNET Gewerkschaft, Runkel
Jörg Hensel
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates DB Schenker Rail Deutschland AG
Vorsitzender des Spartenbetriebsrats DB Mobility Logistics AG, Hamm
Klaus Dieter Hommel
Bundesvorsitzender der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Frankfurt am Main
Wolfgang Joosten
Mitglied des Gesamtbetriebsrates DB Fernverkehr AG, Lünen
Günter Kirchheim
Vorsitzender des Konzernbetriebsrates DB AG
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates DB Netz AG. Essen
Helmut Kleindienst
Spartenbetriebsratsvorsitzender Geschäftsfeld Dienstleistungen
Betriebsratsvorsitzender DB Dienstleistungen GmbH, Eppstein/Taunus
Vitus Miller
Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates Regio/Stadtverkehr, Stuttgart
Ute Plambeck
Konzernbevollmächtigte der DB AG für die Länder Hamburg/Schleswig-Holstein,
Hamburg
Mario Reiß
Mitglied des Betriebsrates DB Schenker Rail Deutschland AG NL Süd-Ost, Süptitz
Regina Rusch-Ziemba
Stv. Vorsitzende TRANSNET Gewerkschaft GdED, Hamburg
Aber natürlich haben auch die Herren des Bundes dafür gestimmt, im Ausland, statt in Deutschland zu investieren. Diese Herren müssen dafür sogar noch vom Steuerzahler alimentiert werden, weil sie sonst nämlich niemand ernähren würde. Aber selbstverständlich haben auch die nach besten Wissen und Gewissen entschieden und wurden nicht gekauft. Ob sie an ihre Altersversorgung gedacht haben, werden wir wissen, wenn sie ihre nächsten Pöstchen bekommen. Bedanken kann man sich bei:
Dr. Hans Bernhard Beus
Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, Berlin
Patrick Döring
Mitglied des Deutschen Bundestages, Hannover
Dr. Bernhard Heitzer
Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Alfter
Prof. Klaus-Dieter Scheurle
Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Bonn
Selbstverständlich sind auch die Vertreter des Großkapitals vorhanden. E.ON, RWE, Deutsche Bank, und SMS Group vertreten. Bedanken darf man sich bei:
Christoph Dänzer-Vanotti
Mitglied des Vorstandes E.ON AG, Essen
Dr.-Ing. Dr. h.c. Jürgen Großmann
Vorsitzender des Vorstandes RWE AG, Essen
Dr. Jürgen Krumnow
Ehem. Mitglied des Vorstandes Deutsche Bank AG, Königstein/Taunus
Dr. Knut Löschke
Unternehmer-Berater, Leipzig
Dr.-Ing. E.h. Dipl.-Ing. Heinrich Weiss
Vorsitzender der Geschäftsführung SMS GmbH, Hilchenbach-Dahlbruch
Besonder erwähnenswert ist der Aufsichtsratsvorsitzende der vermutlich die Positionen von JP Morgan Chase & Co, also die Interessen Amerikas vertritt und logischerweise haben die Interessen von amerikanischer Hochfinanz nichts mit deutschen Interessen zu tun. Interessant wäre eine Untersuchung in wie weit, von den Bahnkäufen JP Morgan Chase & Co. direkt oder indirekt profitieren. Aber trotzdem darf man sich beim Aufsichtsratsvorsitzenden bedanken.
Prof. Dr. Dr. Utz-Hellmuth Felcht
Vorsitzender des Aufsichtsrats, Partner One Equity Partners Europe GmbH, München
Es ist schon ein wenig auffällig, das in diesem illustren Kreis niemand ist der Erfahrung in der Führung eines Unternehmens im Bereich öffentlichen Personenverkehrs hat, aber das alle das neoliberale Wirtschaftssystem preisen und die Bahn unbedingt an die Börse bringen wollen. Es geht diesen Herrschaften nicht darum Bahn zu produzieren, sondern um Spekulation.
Öffentlicher Personenverkehr gehört nicht in die Hände von solchen Leuten. Es ist übrigens nicht nur der Fisch, der am Kopf zu stinken beginnt. Vorstand und Aufsichtsrat der Bahn riechen auch schon sehr kräftig nach Verwesung. Auch da hilft nur eine radikale Verstaatlichung des Netzes und ein Rauswurf der Leute die die Bahn zugrunde richten wollen. Vielleicht wäre ja auch mal ein mutiger Staatsanwalt gefragt. Aber da besteht wohl keine Hoffnung. Überhaupt gar keine.
Ers einmal in die Materie einlesen...
Hallo Matthias. Da hat Herr Hoff sogar noch etwas vergessen! Es werden auch Kinder inmitten der Nacht aus Züge geworfen, das Personal in Stasimanieren überwacht, welche Herr Mehdorn zu verantworten hätte. Was ist bisher in unserem angeblichen Datenschutzfreundlichen Deutschland passiert? Genau Matthias, Sie wissen das schon: nix. Was ist mit den Hinterbliebenen von Eschede? Da wurde vor lauter Geldgier an diverse Kontrollmaßnahmen gespart. Die Bahn hat sich bis heute noch nicht bei allen Hinterbliebenen persönlich entschuldigt.
Aber gerne würde ich Ihre Meinung dazu hören, da Sie sich in die Materie eingelesen haben. Für Fachartikel ist Duckhome mit Sicherheit dankbar.