Wer sich mit dem Thema Wehrpflicht und Zivildienst beschäftigt muss zurück in die Anfänge der Bundeswehr. Nach der Niederlage der Nazideutschland im Mai 1945 verfügte Deutschland natürlich noch über eine starke militärische Kaste, die zwar nicht direkt mit Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht werden konnte und sollte, oder einfach nicht für zivile Aufgaben zu verwenden war.
Gleichzeitig bestand ein reges Interesse der deutschen Wirtschaft, die ja praktisch noch auf Kriegsproduktion lief, weiterhin Produkte für das Militär zu erzeugen, da der Staat als Auftraggeber schon immer ein leicht zu betrügendes Opfer war. Diese Situation sah das internationale Großkapital genau so.
Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung eine Wiederbewaffnung ablehnte, und Gustav Heinemann sogar als Minister aus dem Kabinett des Kriegstreibers Adenauer austrat, war von Anfang klar, dass es eine neue Bundeswehr geben musste. Auch die Westallierten wollten sie und die Sowjetunion wollte in ihrem Bereich auch das gleiche. So schoben sie sich gegenseitig die Schuld zu und die Bundeswehr kam.
Allgemeine Wehrpflicht war da noch kein Problem. Jeder wollte irgendwie in Arbeit und ans Geld. Aber als die Bundeswehrdoktrin klar war, wurden immer mehr Soldaten gebraucht. Vereinfacht gesagt ging es um eine Panzerarmee, die in der norddeutschen Tiefebene die Russen aufhalten sollte, bis mit dann mit dem Amerikanern richtige Soldaten kamen.
Dazu waren viele Fußsoldaten als Panzerjäger und Pioniere nötig. Sehr viele. Deshalb störten die wenigen Menschen mit Gewissen, die den Wehrdienst verweigerten. In der DDR wurden die Bausoldaten eingeführt und ohne Ende geschliffen, in der BRD gab es das Kriegsdienstverweigerungsrecht, bei dem vor Ausschüssen in erniedrigenster Art und Weise um das Recht den Wehrdienst mit der Waffe zu verweigern gerungen werden musste.
Die Bundeswehrheinis verstiegen sich sogar darin von einem Ehrendienst an der Waffe zu reden und ihre Handlanger waren der mieseste Nazidreck den man überhaupt nur zusammensammeln konnte. Franz Josef Degenhardt hatte die Vorgehensweise noch sehr freundschaftlich geschildert.
Zivildienst war dann die Strafe für diejenigen, die ein Gewissen hatten. Natürlich sollte dieser Zivildienst so unangenehm wie möglich sein. Bettschüsselallee und bis zum Hals in der Scheiße stehen, waren die Zielvorgaben und die sogenannten caritativen Vereine, die nach außen so taten, als handelten sie nur aus Menschenliebe, waren willig bei der Quälerei der Zivis dabei.
Dann aber wurde diesen Vereinen klar, dass die Zivis ein tolles Geschäft waren. Vollwertige Arbeitskräfte zu Hungerlöhnen. Schon entbrannte der Kampf um die Zivis. Sie wurden sogar beraten, um durch die Gewissensprüfungen zu kommen. Die gesamte Pflege- und Betreuungsbranche setzte auf die Zivis. Die bekamen zwar immer noch Hungerlöhne für echte Arbeit, aber sie wurden zumindest vordergründig als wichtig erachtet. Wichtig war natürlich nur der wirtschaftliche Vorteil den sie brachten.
Mittlerweile haben sich die Anforderungen der Bundeswehr an ihr Personal, wie auch die Aufgaben geändert. Es geht nicht mehr um Panzerkriege in Norddeutschland, sondern um imperialistische Angriffskriege im Auftrag der USA rund um die Welt. Dumm und stark ist da nicht mehr gefragt. Man braucht weniger, aber besser ausgebildete Leute die hochkomplexe Waffensysteme bedienen und warten können.
Wenn aber nur Bruchteile der wehrpflichtigen Männer gezogen werden können und von denen auch nur wenige einen sinnvollen Einsatz finden und angeblich emanzipierte Frauen überhaupt nicht dienen müssen, wird es kritisch. Die sogenannte Wehrgerechtigkeit ist zutiefst verletzt. Wer verweigert wird sicher Zivi, wer die Dinge laufen lässt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit überhaupt nicht behelligt.
Im Grunde genommen wäre das der Moment von einer Wehrpflichtarmee auf eine Berufsarmee umzuschalten. Über den Bürger in Uniform muss nicht mehr geredet werden. Den hat es nie gegeben. Das Offizierskorps wird von Berufsoldaten gestellt, die Traditionen der Naziarmeen blitzen allen Ecken und Kanten immer wieder auf und mit Oberst Klein hat Deutschland auch schon wieder einen Kriegsverbrecher, der als solcher nicht verfolgt und schon bald für seinen Massenmord in Afghanistan weiterbefördert wird.
Deutschland hat keine Bürgerarmee, die Bundeswehr ist dem Volk nicht verantwortlich und deshalb kann sie ruhig eine Berufsarmee sein. Das geht aber nicht, weil die Pfegewirtschaft ja die billigen Zivis braucht. Deshalb wird die Wehrdienstzeit verkürzt. Gleichzeitig wurde versucht Hartz IV Empfänger als neue Billiglöhner in die Pflege zu zwingen um dem dort investierten Kapital die Renditen zu sicheren. Das hat aber nicht geklappt.
Deshalb wird es noch für einige Zeit Zivis geben. Vielleicht entsteht auch eine allgemeine Zivildienstpfllcht für junge Menschen, von der sich reiche junge Leute mit einer bescheidenen Summe freikaufen können, während alle anderen ihre Leistung für das Kapital in der Pflegebranche erbringen müssen.
Deutschland brauchte keine imperialistische Armee. Eine Armee zur Heimatverteidigung käme mit Wehrpflichtigen beiderlei Geschlechtes aus. Aber die da die deutsche Politik International Krieg führen will um die Interessen des Kapitals und der Waffenindustrie zu stützen, wird es anders kommen.
Wehrpflicht, Zivildienst, Berufsarmee und die Interessen des Kapitals
Von Jochen Hoff | Duckhome Wer sich mit dem Thema Wehrpflicht und Zivildienst beschäftigt muss zurück in die Anfänge der Bundeswehr. Nach der Niederlage der Nazideutschland im Mai 1945 verfügte Deutschland natürlich noch über eine starke militärische K... ...
#1
v.Altzheimer sen., Bonn
am
05/20/10 um 12:27
[Antwort]
"Die Interessen des Kapitals", sehr geehrter Herr Hoff, kann´s auch im neuen Ganzdeutschland nicht geben: Auch "das Kapitel" ist in sich vielfältig entsprechend verschiedenen Interessen gegliedert, z.B. nach unterschiedlicher "organischer" Zusammensetzung, Selbst/Fremdfinanzierungsformen, Rohstoffabhängigkeiten, D-Binnenmarkt-, EU- oder weitergehender Exportausrichtung, Konsum- und Investitionswarenproduktion etc. usw. - weshalb es auch Kapitalfraktionen im Unternehmerlager gibt und "das Kapital" empirisch kein Monoblock ist.
Kapitalistischen Interessensgruppierungen wurden von marxistischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, z.B. Kurt Gossweiler, damals DDR, und Reinhard Opitz, damals Alt-BRD, in bis heute grundlegenden Studien der 1960er und 1970er Jahre, die auch in Buchform veröffentlicht wurden, untersucht.
Vor jedem gedankenlosen Publizieren anbietet sich eine aufs jeweils abgehandelte Problemfeld - hier Wehrpflicht - Berufsarmee in Ganzdeutschland - bezogene konkrete Interessensstrukturanalyse.
Ich hoffe, dieser Hinweis überfordert Ihren Blog(ger)horiziont nicht.
Sehr geehrter Her Alzheimer, sie sollten den Konsum von Artikeln nicht auf die Titelzeile beschränken. Das wesentliche befindet sich innerhalb des Textes.
Aber vielleicht ist auch nur ihr Name schon das gesamte Programm.
#2
v.Altzheimer sen., Bonn
am
05/20/10 um 05:43
[Antwort]
So ist es, Herr Hoff, und "wir Lateiner" nennen´s nomen est omen;-)
Kapitalistischen Interessensgruppierungen wurden von marxistischen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, z.B. Kurt Gossweiler, damals DDR, und Reinhard Opitz, damals Alt-BRD, in bis heute grundlegenden Studien der 1960er und 1970er Jahre, die auch in Buchform veröffentlicht wurden, untersucht.
Vor jedem gedankenlosen Publizieren anbietet sich eine aufs jeweils abgehandelte Problemfeld - hier Wehrpflicht - Berufsarmee in Ganzdeutschland - bezogene konkrete Interessensstrukturanalyse.
Ich hoffe, dieser Hinweis überfordert Ihren Blog(ger)horiziont nicht.
Mit freundlichem Gruß
v.A.
Aber vielleicht ist auch nur ihr Name schon das gesamte Programm.
Gruß v.A.