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Vielleicht erleben wir einen gewaltigen Kulturumschwung (Revolution?), der das altbekannte "Anführer"-Prinzip auflöst, so dass wir uns daran gewöhnen müssen, selbst und unspektakulär die Wege zu finden. Vielleicht sind wir längst dabei, das zu tun.
Schön wärs, oder?
das Einzige was die Menschen bisher wunderbar gezeigt haben ist "verbaler Widerstand" - und das tatsächlich gegen den Ist-Zustand. Sie machen sich Gedanken und wünschen sich eine bessere Welt, eine bessere Gesellschaft. Greifen imaginäre Strohhalme bei Gelegenheiten und stellen fest: nichts geschieht; und wenn dann doch etwas geschieht sehen sie nach einer Weile: bleibt alles anders (als erhofft). Zustimmung, Übereinkunft mit anderen Verbalrevolutionisten ist ja schon mal eine feine Sache, fördert aber keineswegs eine reale Revolution. Der Fehler der immanent ist liegt bei uns selbst, doch wer ist schon gern bereit diese erkennen und dann auch noch ändern zu wollen? Die Wenigsten. Die große Revolution beginnt bei jedem Einzelnen. Schaffen es Einzelne über ihren Hochmut und ihre Rechthaberei hinauszuwachsen, beides at acta zu legen, dann kann daraus eine tatsächlich reale Revolution werden. Davon sind wir jedoch weit entfernt, weil es immer Menschen geben wird die sich als was Besseres den Anderen gegenüber sehen oder sein wollen. Ergo, wird es nie eine Revolution geben können. Es ist und bleibt ein leeres Wort; vielleicht allerhöchstens eine Möchte-Gern-Steigerung des Wortes "Widerstand". Mehr jedoch nicht.
Ich hoffe auf Impulse, die irgendwie "in der Luft liegen", also weniger von einzelnen erdacht und realisiert werden. Aber einzelne sind es wohl, die solche Impulse frühzeitig wahrnehmen und auch weiterverarbeiten. In der Regel sind dies aber eher künstlerische Menschen, und weniger politische.
Man sagt doch "die Zeit war reif" für dieses und jenes. Daher kommt meine eher optimistische Grundstimmung. Aber ich gebe Dir recht: auf die "Revolution" möchte ich auch nicht warten müssen, da können wir lange warten. Und revolutionäre Umbrüche waren in der Vergangenheit übrigens auch nicht gerade lustig! :) L.
> Zustimmung, Übereinkunft mit anderen Verbalrevolutionisten ist ja schon mal eine feine Sache,
> fördert aber keineswegs eine reale Revolution. Der Fehler der immanent ist liegt bei uns
> selbst, doch wer ist schon gern bereit diese erkennen und dann auch noch ändern zu wollen?
> Die Wenigsten. Die große Revolution beginnt bei jedem Einzelnen.
Mein aktueller Stand des Irrtums ist: Die Revolution beginnt mit der Information. Also angenommen, es haben genug Menschen die Fresse von was auch immer dick, wird - vor allem in der um uns herum aufgebauten Gesellschaft - noch immer keine Revolution ausbrechen *können*, da die Individuen schlicht nicht voneinander wissen. Gerade unsere Gesellschaft steckt uns in kleine, betonierte Einzelzellen, deren Fenster durch moderierte Außenkameras ersetzt wurden, so wird dem Einzelnen gezielt die Möglichkeit genommen, z.B. am "tatsächlichen" Mainstream mitzuwirken, wenigstens aber teilzuhaben. Oder aber, durch Identifikation weiterer, ähnlich interessierter Einzelpersonen aus -zig einzelnen Tröpfchen überhaupt einen (Main)Stream zu erzeugen.
"Die Aktuelle Kamera sagt, alle finden die Aktion der IDF legitim, nur ich finde das irgendwie scheiße - also stimmt doch mit mir was nicht."
Genauso ist das Gesprächsthema in der Kantine häufig, was BILD schreibt oder Anne Will sagt, als was der Einzelne davon hält. (Wie aber auch bei dem insgesamt (un)vermittelten Weltbild)
Die "große Revolution" kann eben nur dann beginnen, wenn die Beteiligten überhaupt voneinander wissen und schließlich durch die Feststellung, dass man ja schon "viele" ist. Wir haben zwar das Internet, um diese Information effektiver zu verbreiten, als beispielsweise die Menschen zur Zeit der Französischen Revolution, allerdings hatten damals die Bewahrer des Status Quo auch noch kein Hirnwäsche-TV, Fußball-WM oder LED-Reklametafeln. Das Prinzip ist immer noch dasselbe, nur die Mittel haben sich technologisch/psychologisch entwickelt.
Ist in meiner Stadt ein interessanter Flashmob angekündigt, es gibt aber außer der Idee in einem semibesuchten Blog nur noch eine StudiVZ-Gruppe mit 2 Mitgliedern, werde ich mich wohl kaum dahin bewegen. Rauscht das aber nur so durch die Twitter-Channels, wird's bestimmt ein Hammer und ich lasse mich da blicken. Herdentrieb eben.
Von daher bin ich der Meinung, dass die verbale Revolution in Kommentarbereichen von Blogs, Online-Magazinen und Foren die Grundlage für eine reale Revolution in unserer abgetöteten Gesellschaft ist. Irgendwann kommt der unbestimmbare Punkt, an dem - wie in dem (zugegebener Maßen nicht realen) Experiment mit der Affenpopulation auf der verstrahlten Pazifikinsel - der Knoten platzt, und ich vermute, dieser Punkt liegt nicht in unabsehbarer Zeit.
Ich bin ein begeisterter Konsument von Kommentarbereichen jeglicher Couleur. Die Artikel selbst sind eher "nach Erwarten", spannend wird dann imho die Reaktion und vor allem die Weiterentwicklung des im Artikel geäußerten Gedankens. Was dort alleine auf SpOn und ähnlichen Plattformen passiert, ist extrem bemerkenswert und meiner Erfahrung nach mit einer exponentiellen Beschleunigung am Werk.
(Im Gegenzug beschleunigt sich natürlich auch die heftige "Gegenpropaganda", wird dadurch aber gerade immer durchschaubarer - auch für "unbedarfte" Leser, die sich erst frisch mit den Themen unserer Zeit fernab von Botox, Sportauspuff und Lena beschäftigen)
Am Wahrscheinlichsten ist aber, dass ich damit reichlich daneben liege. Gut aber, das mal aufzuschreiben, dann kann man es besser über den Haufen werfen..
Nachtrag: verdammt. Doch so viel. Laberflash FTW!!1
http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=16806