Die
seltsame Amtsauffassung von Oberstaatsanwalt Fred Apostel war ja schon öfter Thema auf Duckhome. Aber nun beginnen sich auch andere zu wundern.
Der stellvertretende Telekom-Aufsichtsratsvorsitzende und Ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder findet Worte, wie sie ein Oberstaatsanwalt wohl schon lange nicht mehr gehört hat:
Es ist nicht sehr plausibel, dass Mitarbeiter aus dem mittleren Management aus eigenem Antrieb damit angefangen haben sollen, große Mengen Telefondatensätze auszuwerten, Aufsichtsräte, Gewerkschafter und Journalisten zu bespitzeln. Damit haben sie sich nicht nur strafbar gemacht und die eigene Karriere aufs Spiel gesetzt, sie haben einen ganzen Konzern in Verruf gebracht.
Mit dieser Aussage entwertet er die Arbeit der Staatsanwaltschaft der vergangenen zwei Jahre und droht im weiteren auch damit, dass er sich nicht mit Klagen gegen Untergebene zufrieden geben wird. Ähnlich argumentieren die
Mitarbeiter der Wirtschaftswoche die von der Telekom bespitzelt wurden.
1. Wir sind der Auffassung, dass die Staatsanwaltschaft Bonn grobe handwerkliche Fehler gemacht hat. Bis heute hat es die Behörde nicht für nötig erachtet, uns als Betroffene zu unseren Erkenntnissen zu den Spitzel-Vorgängen überhaupt zu befragen. Auf unsere schriftlich bekundete Gesprächsbereitschaft hat die Behörde bis heute in keiner Weise reagiert.
2. Die Einstellung der Ermittlungen erfolgt jetzt, bevor wir die Möglichkeit hatten, Akteneinsicht zu erlangen, unser Wissen mit den Ermittlungsergebnissen der Staatsanwaltschaft abzugleichen und diese womöglich durch weiter gehende eigene Erkenntnisse ergänzen zu können.
Dieses laxe und unkooperative Verhalten der Staatsanwaltschaft Bonn bestärkt uns in dem Eindruck, dass die Behörde gar kein Interesse an einer vollständigen Aufklärung der Spitzelaffäre hat.
Das erschüttert uns zutiefst und stellt das Vertrauen in eine neutrale, unabhängige und unvoreingenommene Ermittlung nachhaltig in Frage.
Wir werden deshalb Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens gegen Klaus Zumwinkel und Kai-Uwe Ricke einlegen und hoffen auf den Aufklärungswillen einer höheren Instanz.
Wie schon öfter erwähnt hat der gleiche Staatsanwalt Apostel den wegen Dopings beschuldigten Radprofi Jan Ulrich mit absoluter Härte in einer schon gnadenlos zu nennenden Jagd verfolgt. Deshalb und vor allem deshalb ist es völlig unverständlich wenn der gleiche Mann Ricke und Zumwinkel mit billigen Argumenten davon kommen lässt. Würde er die beiden nur mit einem Viertel des Aufwandes verfolgen, mit dem er hinter Ulrich hinterher war, gäbe es kaum Irritationen. Aber so kann nur seine schnelle Ablösung und Versetzung in den Ruhestand gefordert werden. Gleichzeitig ist es notwendig seine Abhängigkeiten zur Telekom zu überprüfen.
Aber in Deutschland wird wohl nichts geschehen und Ricke und Zumwinkel werden davon kommen. In Deutschland verfolgt man eben nur die Kleinen und Schwachen. Die Großen lässt man laufen. Ackermann, Pierer, Hartz, Piech und andere beweisten dies ja immer wieder.