Eine mir gut bekannte alte Berliner Dame gehörte zu den Frauen, die bei Karstadt am Hermannplatz plündern gingen, als die russischen Panzer 1945 schon die Hermannstraße runterkamen. Sie taten das aus Not und sie waren extrem mutig! Ich habe mir die Geschichte schon etliche Male erzählen lassen.
Heute sind ganz andere Plünderer am Werk, alle im feinen Anzug und mit reichlich krimineller Energie ausgestattet. Und feige versteckt innerhalb von Strukturen, wie Banken und Konsortien. Sie handeln aus Habgier. Pfui Teufel!
Das ganze Pack gehört vor Gericht. Das einzige was mich beruhigt, ist, dass man endlich damit angefangen hat, deren Straftaten zu verfolgen. Von Middelhoff angefangen, bis hin zu einer Reihe ehrenwerter Herren, die der Insolvenzverwalter dem Staatsanwalt anvertraut hat.
Hier eine kleine Aufzählung.
Und Berggruen hat absolut recht, wenn er dem Highstreet-Konsortium nicht nachgibt. Peinlich genug, dass man auf einen einzelnen Mann warten muß, der aus der großen weiten Welt kommt, um uns Deutschen zu sagen, dass der Karstadt Konzern was wert ist, dass man ihn mitsamt seinen Mitarbeitern erhalten muß. Und dass man dazu von Grund auf ausmisten muß. Der wäre ja bekloppt, wenn er die Machenschaften der Jahre vorher einfach annehmen und en passant legalisieren würde. (Bei ttt diese Woche Porträt über
Nicolas Berggruen).
Was hat Bergguren zu verlieren? Gar nichts. Er kann doch das Projekt Karstadt sausen lassen und sein Geld woanders investieren.
Was hat Highstreet zu verlieren? Sichere Mieteinnahmen. Was würden sie denn machen, wenn Karstadt als Mieter ihrer Immobilien ausfallen würde? Oder denken sie man kann aus dem KaDeWe einen Hühnerstall machen?
Perdu wären deutsche Standorte und deutsche Arbeitsplätze. Und was sagt Brüderle, der Held der deutschen Wirtschaft, auf die Bitte von Berggruen, sich für das Gelingen der Karstadt-Übernahme stark zu machen, - ach nein, das möchte er nicht, sagt er. Peinlich, peinlich, peinlich.
Wo man hinguckt, stolpert man über die verbrecherischen "Verträge" der letzen 15 Jahre. Karstadt oder das Berliner Wasser sind nur zwei Beispiele. Überall blockieren diese nun ein Weiterkommen. In Übergangszeiten geht es naturgemäß holprig zu. Aber das muß man in kauf nehmen. Und man muß es aushalten, dass man nicht einfach lospreschen kann, sondern unter Umständen, wie jetzt bei Karstadt, lange Phasen hat, wo der Fluß blockiert ist und wo man sich die Zeiten nehmen muß, um große Brocken aus dem Weg zu räumen. Schön ist das nicht, aber vernünftig.
Auf die Politik kann man nicht mehr zählen. Hoffentlich gibt es genug Leute, die den Mut haben, die feine Bande vor die Gerichte zu zerren. Und hoffentlich gibt es genug Staatsanwälte und Richter, die ihre Arbeit noch ernst nehmen. Sie scheinen im Moment die letzte Gewähr zu sein, damit Deutschland nicht vollständig in verbrecherischen Strukturen versinkt. Ich werde das Gefühl nicht los, dass es jetzt um die Wurst geht.
Die Karstadt-Beschäftigten dürfen sich womöglich bald selber kündigen...
(etwas ausführlicher hier: http://www.missetaeter.info/?p=307
Hierzu sollte mehr publiziert werden, damit der letzte Depp in diesem Lande begreift, was passiert wenn er für ein paar Taler sein Geld anlegt.
Gruß Det