Meine Katze fährt gerne Auto. Überall hin, nur nicht zum Tierarzt. Normalerweise bewegt sie sich frei im Auto, aber in der Nähe des Tierarztes muss sie im Katzenkorb sein. Leider ist die Öffnung des größten Katzenkorbes genau drei Zentimeter kleiner als die Gesamtspreizweite unserer Katze. Ich werde sauer die Katze wird sauer. Es ist ein Graus.
Also nicke ich frenetisch und bejahe etwas, was ich noch nie ausprobiert habe. Dann erhalte ich drei Pillen. Klein weiß und unschuldig. Ich verfrachte eine weitgespreizte Katze in die zu kleine Boxenöffnung. Dabei ist das ein Transportkorb für mittelgroße Hunde. Meine Katze beschimpft mich im Auto noch auf das Übelste, aber bald haben wir die Bundesstraße erreicht und ich lasse sie wieder frei. Sie beruhigt sich und lässt es auch gnädig zu, das ich ihr auf dem Hof die Tür öffne. Hoch erhobenen Hauptes und Schwanzes tänzelt sie an mir vorbei. Ich bin Luft für sie.
Ich verfrachte den Transportkorb in den Stall und greife in die Jackentasche. Drei Pillen. Morgen, übermorgen und überübermorgen. Die Katze steht wie ein Racheengel auf ihrem Katzenbaum. Kein Wasser, kein Katzenfutter. Das ist typisch für schlechte Tage. Ein gelangweilter Leonberger erreicht stehend meine 1,93. Wo soll da das Katzenfutter sicher sein. Der Hund wedelt freundlich die Unschuld vom Lande mimend und ich gebe der Katze neues Wasser und Futter. Nein so nicht. Sie betrachtet das Futter, als ob ich sie vergiften wolle, sieht mich schief an und wandert zu den Hundenäpfen. Pfft. Wer braucht dich schon, du katzeneinsperrender Mensch.
Wieder fallen mir meine drei Pillen ein. Das kann ja heiter werden. Abends hat die Katze ihrer Meinung nach genug mit mir gemeckert und außerdem gönnt sie den Hunden die Extrastreicheleinheiten die sie mangels Katze erhalten auch nicht. Also darf ich ihr den Pelz kraulen und Unfug mit ihr anstellen. Sie geht sogar soweit, das sie ein wenig Leberwurst von meinem Finger nimmt. In der Nacht brüte ich einen Plan aus.
Am frühen Morgen, als selbst Hund und Katze nichts anderes als schlafen wollen, geistere ich bereits durch die Wohnung. Ich nehme die Leberwurst aus dem Kühlschrank, die Pillen aus der Jacke und gehe in die Sattelkammer. Dort zerreibe ich die drei Pillen nacheinander im Mörser und packe zwei davon weg. Die dritte mische ich mit Leberwurst zu einer kleinen Kugel. Oh was bin ich schlau.
Ich bin sogar noch schlauer. Etwas später am Tage als die Damen und Herren Hunde und die weibliche Katze mit dem schönen Namen Fridolin sich für ihre Umwelt interessierten, habe ich die Hunde ganz geheimniskrämerisch zu mir gerufen und ihnen etwas Leberwurst als Leckerli gegeben. Dabei achtete ich sehr sorgfältig darauf, dass die Katze nichts sehen konnte. Sie fand das Spiel lustig obwohl sie sicher längs gerochen hatte um was es ging. Auf jeden Fall nahm sie huldvoll die Leberwurstkugel mit der zerdrückten Pille. Eins zu null für mich.
Den ganzen Tag über ging ich wie auf Wolken. Ich hatte gesiegt. Ich war der Katze überlegen. Welch ein Fest. Ich war nahe daran mir einen Lorbeerkranz zu kaufen.
Allerdings schwand mein Hochgefühl am nächsten Morgen. Ich war etwas später aufgestanden. Meine Katze folgte mir auf dem Fuße. Als ich die bereits zerdrückte Pille auf eine Untertasse umfüllte um sie mit der Leberwurst zu vermengen, sprang die Katze auf das Sidebord, schob mit ihrem Kopf meine Hand weg und leckte wie selbstverständlich die Pille auf um dann energisch pillenfreie Leberwurst zu fordern.
Am nächsten Tag lief es genauso. Die Katze hat von da an jede Pille problemlos als Pulver genommen. Sie war mir einfach über. Ich vermisse sie immer noch.
Als Katzenbesitzerin kenne ich natürlich Einiges selbst nur zu gut. Ich habe aber mit meinem Kater und Tabletten seinerzeit mal was echt Scharfes erlebt: Der Kater hatte damals ebenfalls Würmer und auch ich war dann am überlegen wie ich ihm die Tabletten applizieren soll. Also Kühlschrank auf, Stück Schinken abgezweigt, Tablette eingewickelt und dem Kater vorgehalten. Der packt die Tablette aus, frisst den Schinken, lässt die Tablette liegen und guckt mich nur doof an. Ich halt daraufhin dem Kater einfach nur die Tablette nochmal hin, ohne eigentlich ernsthaft zu erwarten, dass er sie wirklich nimmt. Zu meiner eigenen Überraschung aber hat er sie tatsächlich von mir genommen, es machte einmal 'knack' und weg war sie.
Dem hat es wohl einfach nicht gepasst, dass ich ihm was unterjubeln wollte und seitdem hatte ich auch keine Probleme mehr ihm irgendwelche Tabletten zu verabreichen...