Der Bergbau ist Perus wichtigste Wirtschaftssektor, doch immer öfter kommt es zu Konflikten zwischen den Interessen der großen Minengesellschaften für die Peru ein El Dorado ist und den Gemeinden. Wasser ist dabei ein wesentlicher Streitpunkt. Seferin Zambrano Yopla breitet seine Unterlagen, die eine Menge von Stempeln und Unterschriften tragen, auf dem Konferenztisch aus.
Beglaubigte Dokumente, die helfen sollen Recht zu bekommen. Recht für dreihundert Bauern und ihre Familien, die etwa eine Stunde entfernt von Cajamarca in dem Dorf Porcón Baja leben.
„Wir vermuten, dass die Mine dafür verantwortlich ist“, sagt er und ein Wassergutachten soll Klarheit bringen. Dafür kämpft Severin Zambrano Yopla. Er hat gemeinsam mit den Anwälten der Umweltorganisation Grufides Anträge erstellt, ist zur nationalen Wasserbehörde nach Lima gereist, nachdem er von den Behörden in Cajamarca weggeschickt wurde, und wird wieder nach Lima reisen, um nachzuhaken.
Die begann 1992 mit der Exploration und die Bauern von Pajuela gehörten zu den ersten, die einen Teil ihrer Grundstücke in gutem Glauben an den ökonomischen Aufschwung und die Zukunft der Region verkaufte. „Allerdings weiter unter Preis“, so Mirtha Vásquez. Von dem Erlös konnten sich die Bauern nicht wie erhofft Grundstücke in der Nähe der Stadt Cajamarca kaufen – also kehrten sie zurück auf den Rest ihres Landes und leben nun direkt unter den Augen des Werkschutzes von Yanacocha.
Der ist dem kleinen Dorf alles andere als wohlgesonnen, so dürfen die Bewohner nicht einmal die Straße des Bergbauunternehmens nutzen, die das private Gelände der Gemeinde in zwei ungleiche Hälften teilt. „Selbst ihr Wasser müssen die Bauern auf Umwegen in ihr Dorf bringen, weil eine nahe gelegene Quelle schwermetallbelastet ist“, schildert Mirtha Vásquez die Situation der Dorfbewohner. Siebzig der ehemals dreihundert Dorfbewohner halten in ihrem Dorf trotz des Fehlens von Wasser und Stroms noch aus und würden nur zu gern ihren Grund an die Mine verkaufen.
Die bietet aber gerade 2000 Soles, umgerechnet noch nicht mal 600 Euro, pro Hektar an. Ein Hohn von einem Angebot für die goldhaltigen Flächen, denn die Verantwortlichen der Mine wissen, dass das Leben unter den Augen des Wachschutzes alles andere als lebenswert ist. Für die letzten Bewohner ein niederschmetterndes Angebot, denn schließlich hatte die Mine einst Arbeit, ein sicheres Auskommen und Wohlstand für die Region versprochen, so berichten Bewohner der Gemeinde wie die Familie Flores. Kein Einzelfall in Peru und die riesige Goldmine Yanacocha, die sich durch die Berge in der Umgebung der Stadt frisst, ist ein Paradebeispiel für viele Versprechen und wenig dahinter.
„Gold kann man nicht Essen!“
Das Departamento Cajamarca, in etwas so groß wie das Bundesland Nordrhein-Westfalen, ist ein Hot Spot des Goldbergbaus und das internationale „Who is Who“ der Bergbaukonzerne drängt in die von Armut geprägte Region. Nicht weniger als neun Unternehmen haben Bergbaukonzessionen erworben, einige davon liegen sogar in direkter Nähe von Nationalheiligtümern wie den „Baños de Inca“, den Thermalbädern der Inka, berichtet der katholische Pater und Umweltschützer Marco Arana.
„In Peru ist nichts heilig, wenn es um wertvolle Industrie- und Edelmetalle geht“, kritisiert der 47-jährige Geistliche. Dann darf überall geschürft werden, zumindest wenn es nach der Regierung in Lima geht. Die hat für große Teile des Landes Bergbaukonzessionen erteilt – auch in Regionen, wo empfindlichen Ökosystemen der Garaus durch den Bergbau droht. Ein Beispiel ist die Region um die Provinzstadt Tambogrande, eine andere die um Huancabamba. Beide Städte liegen hoch im trockenen Norden Perus an der Grenze zu Ecuador und sind von der Landwirtschaft geprägt. Während rund um Tambogrande Mangos, Melonen und Avocados angebaut werden, sind es Mais, Getreide, Kartoffeln und diverse Früchte, die rund um das von Bergen geprägte Huancabamba angebaut werden.
„Agro Sí“ steht an vielen Fassaden in den beiden Städten, die sich erfolgreich gegen die Ansiedlung von Bergbaukonzernen gewehrt haben. „Eine Consulta vecinal, ein Referendum, haben wir in Tambogrande durchgeführt und unsere Erfahrungen an die Leute in Huancabamba weitergegeben“, erklärt Fernando Ojeda. Der ehemalige Bürgermeister von Tambogrande hat zwischen 2002 und 2004 den Widerstand der Bauern gegen die Aufnahme des Goldbergbaus in der Grenzregion koordiniert.
„Wir Bauern hatten schlicht Angst, dass die Mine unseren Wasserhaushalt aus dem Gleichgewicht bringen und für die Verschmutzung von Luft und Wasser sorgen würde“, erklärt der 56-jährige Mann, der ein Bein nachzieht. Gutachten sollten zwar das Gegenteil belegen, aber wie wasserintensiv der Goldbergbau ist, zeigt das Beispiel Yanacocha nur zu gut. Das hatten auch die Bauern aus Carmen de la Frontera, Ayabaca und Pacaipampa vor Augen als sie 2007 gegen den Bergbau in der Region stimmte.
„Ein riesiges Kupferbergwerk sollte in der Region entstehen und den endemischen Trockenwald in der Region genauso wie die Land-wirtschaft gefährden“, erklärt Audilio García Cortez. Er ist Repräsentant einer lokalen Bauernvereinigung, einer ronda campesina, die die Interessen der Bauern vertreten und darüber wachen, dass aus den Bergbauplänen nicht eine Mine wird. Ein Vorgehen, dass in Peru Schule macht, denn der Bergbau steht dort längst nicht mehr für Entwicklung wie die Regierung gebetsmühlenartig betont, sondern für anhaltende Armut und Wasser- und Umweltkonflikte.
Das belegen verseuchte und sterbende Bergbaustädte wie La Oroya oder Cerro de Pasco genauso wie die überaus profitable Mine Yanacocha. Von dem Gold ist bei der Bevölkerung kaum etwas hängen- geblieben und selbst um das einst reichhaltige Wasser muss man heute kämpfen. So wie Seferin Zambrano Yopla, der seinen Antrag auf ein Wassergutachten erneut vorlegen wird. Ob es ihm helfen wird, steht allerdings in den Sternen. [ © Knut Henkel/ womblog.de]
Über den Autor:
Knut Henkel ist freier Journalist mit einem Lateinamerikaschwerpunkt, arbeitet für die tageszeitung, Spiegel-Online oder das amnesty journal und bereist den subkontinent und vor allem die Andenländer und Kuba regelmäßig.













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