Alleine schon die Fragestellung scheint in Deutschland undenkbar zu sein. Zum Glück stammt sie vom
Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, so dass sie ohne Furcht vor der Antisemitismuskeule aufgegriffen und beantwortet werden kann.
Kramer ist wütend darüber, dass Deutschland zum ersten Mal eine israelische Militäroperation, nämlich den völkerrechtswidrigen Piratenangriff auf die Gaza-Flottille zum Anlass nahm, um in einem fraktionsübergreifenden Appell des Deutschen Bundestages die Aufhebung der Sperre um den Gazastreifen zu fordern.
Dieser Appell verändert zwar nichts, an der deutschen Außenpolitik, die immer noch nur darin besteht Israel möglichst kostenlos mit Waffen zu versorgen und jedes Völkerrechtsverbrechen das Israel begeht, zu ignorieren und damit gut zu heißen. Aber es ist natürlich ein Anfang.
Das Vorgehen des Staates Israel gegen die Palästinenser entspricht einer ethnischen Säuberung und ist ein Zeichen eines tief verwurzelten Rassismus. Ein Deutschland das sich heute noch zu recht für den Holocaust schämt, kann nicht hinnehmen, was der Staat Israel den Palästinensern antut. Denn so wie die Juden in Deutschland und der Welt damals Opfer der Deutschen und internationalen Rassisten waren, sind es heute die Palästinenser in Israel und überall da wohin der Arm Israels reicht.
Selbstverständlich gibt es auch in Israel Widerstand gegen diese Verbrechen und auch unter den deutschen Juden, gibt es laute und leisere Stimmen dagegen. Aber wenn Leute wie Henryk Marcin Broder oder Michael Wolffsohn, die beide ein Leben in Israel nicht aushalten konnten und deshalb in Deutschland aus Scham über ihre Unfähigkeit in Israel zu leben, immer heftiger die verbale Kriegspauke schlagen, dann wäre es Zeit, dass aus dem Zentralrat der Juden zumindest eine Abgrenzung gegen diese Leute erfolgt.
Tatsächlich ist das Ganze ein sehr weit verbreitetes Problem. Patriotismus ist immer dann am meisten ausgeprägt, wenn Menschen im Ausland leben und gar nicht die Absicht haben zurückzukehren. Schweizer, Deutsche oder Österreich in Südamerika liefern da herrliche Beispiele, aber auch die Engländer und Franzosen in Asien sind nicht ohne. Man übertreibt den Patriotismus, zu einem guten Teil aus Scham darüber, dass man in Wirklichkeit in dem gelobten Heimatland gar nicht leben will, oder es wirtschaftlich auch nicht könnte.
Menschen sind nun einmal so und es gibt eigentlich nichts schöneres als das Menschen überall leben können. Unabhängig von Nationalität, Hautfarbe und Religion. Überall wo das nicht möglich ist müssen Demokraten die Zustände zum Thema machen. In Israel, aber natürlich nicht nur in Israel herrscht solch ein Zustand. Es herrscht offener Rassismus und totale Rechtlosigkeit der Palästinenser. Dies können Demokraten nicht dulden.
Man kann und muss den Demokraten in Deutschland vorwerfen, dass sie in der Zeit von 1933 bis 1945 zuwenig getan haben. Dies gilt auch weite Teile der Demokraten in anderen Ländern. Allerdings kann das Warschauer Ghetto nicht die Rechtfertigung für die Ghettos im Gazastreifen und sonst in Israel sein.
Tatsächlich macht es keinen Sinn wenn die Juden in Deutschland, Israel die Solidarität aufkündigen würden. Wichtiger wäre es, wenn sie als aufrechte Demokraten die Untaten Israels verurteilen würden. Noch schöner wäre es, wenn sie der Anfang eines Dialoges wären, der ein seinen Nachbarn gegenüber friedliches und im inneren ohne ethnische oder religiöse Grenzen funktionierendes Israel wären.
Wer Israel so weiter machen lässt wie bisher, wird dadurch irgendwann die Zerstörung Israels hervorrufen. Die USA werden diesen Untergang nicht verhindern können. Nur ein friedliches Israel hat eine dauerhafte Chance.
Ergänzend könnten Sie den Bericht lesen, der sehr interessant ist.
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Gegen die Verdrängung
Hungerstreik im Grunewald:
Der Palästinenser Firas Maraghy kämpft für sein Recht, mit seiner Familie in Ostjerusalem leben zu dürfen. Israels Botschaft stellt sich quer
Von Rolf Verleger
• die israelische Besatzungspolitik nicht länger zu tolerieren
• kurzfristig den Boykott der Palästinensischen Autonomiebehörde zu beenden
• endlich die Verwirklichung eines lebensfähigen palästinensischen Staates ernsthaft anzustreben, in Gaza und dem gesamten 1967 besetzten Westjordanland einschließlich Ost-Jerusalems, mit voller Souveränität und freiem Verkehr.
Diese Aktion ist allerdings in den Medien ziemlich totgeschwiegen und von der Bundesregierung natürlich ignoriert worden.