Damals. Als ich noch jung war. Da war nicht nur der Schnee noch weißer und die Menschen viel besser, da gab es in dem Tal, in dem ich aufwuchs noch ein Schwimmbad. Ein gemauertes Becken. Auf der einen Seite für die Nichtschwimmer etwas flacher, auf der andern so tief, das man vom Block springen konnte. In jenem türkisgrün gestrichen, das seitdem glücklicherweise nicht mehr angemischt wird.
Die Umkleide war eine Holzbaracke. Dazu ein Donnerbalken. Nach Geschlecht getrennt. Umkleide wie Donnerbalken.
Das Wasser kam aus dem Bach. Es war kalt. Saukalt. Wahrscheinlich viel zu kalt für Bakterien. Wenn im Steinbruch oberhalb der Badeanstalt gesprengt wurde, war das Wasser weiß.
Es war kein öffentliches Schwimmbad in dem Sinne, das einfach Steuergelder verheizt wurden. Nein, es gehörte dem Schwimmverein. Der Schwimmverein wurde von den Honoratioren getragen. Mein Vater und meine Onkel waren auch dabei. Dazu gab es einen Kiosk. Die Einnahmen des Kiosk, die Einnahmen vom Eintrittsgeld und die Fördergelder der Honoratioren mussten alle Kosten erbringen.
Wesentlichster Kostenpunkt war ein Bademeister. Eigentlich war es ein kombinierter Job. Eintrittskartenverkäufer, Kioskbetreiber, Papierkorbleerer, Reinigungskraft, Gärtner und Bademeister. Eine Multifunktionskraft. Das was heute überall vorausgesetzt wird. Dazu kamen noch hohe moralische Anforderungen. Er sollte nicht in die Damenumkleide linsen. Das Bier verkaufen, aber nicht selbst austrinken und über die lockere Moral der Jugend wachen, die neben rauchen und trinken, gerade auch das andere Geschlecht entdeckte.
Der Mann war wirklich ausgelastet. Weil aber die Bezahlung so gering war, musste er zudem auch noch Rentner sein, damit er nicht verhungerte. Auch das wird heute ja wieder gefordert.
Natürlich hatte der Mann auch noch eine zusätzliche Aufgabe. Er erteilte Schwimmunterricht und nahm Schwimmprüfungen ab. Er war beeindruckend. Meist trug er mausgraue kurze Hosen und ein weißes Rippunterhemd, das in Richtung der maximalen Bauchauslage auch immer grauer wurde. Dazu sportliche Filzpantoffeln.
Für den Schwimmunterricht wurden die Zöglinge mit einer Korkschwimmhilfe umwickelt, dann wurde ihnen eine Stange mit einem Ring vorgehalten, hinter dem sie herschwimmen sollten und an dem sie sich im Notfall auch festhalten konnten. Der Anblick war einfach riesig. Leider nicht so häufig wie wir uns gewünscht hätten. Die meisten von uns mussten Schwimmen lernen ohne derartig fachliche Anleitung. Besonders schön war immer die Abteilung Trockenschwimmen, in der die für das Schwimmen notwendigen Körperbewegungen auf dem Trockenen vollführt wurden.
Trockenschwimmen gab der Gute gerne. Zum einen konnte er da mehrere Schüler gegen Entgelt gleichzeitig betreuen, zu anderen musste er sich nicht am Beckenrand mit der Stange abquälen. Er war überhaupt nicht gerne am Beckenrand. Im Becken haben wir ihn nie gesehen.
Es dauerte nicht lange und in uns keimte ein Verdacht. Von uns ließ er sich nicht leimen, egal wie oft wir auch die Ertrinkenden mimten. Er drohte uns mit Rauswurf und Badeverbot für den Sommer. Ein Sommer ohne Blick in die Damenumkleide, nicht mit uns. Also überredeten wir die gute brave Susanne. Sie stürzte verabredungsgemäß ins Becken und rief um Hilfe.
Unser Bademeister war eifrig, er warf Rettungsringe, fuchtelte mit der Stange und rief schließlich, das er nicht schwimmen könne. Daraufhin rettete ich die gute Susanne und begründete damit die Liebe zweier Sommer.
Es wäre aber falsch jetzt zu glauben, das der Bademeister abgelöst worden wäre. Der Vorstand des Schwimmvereins befand, das dies ein Mangel sei, den man dem guten Manne nicht zum Vorwurf machen könne und schließlich sei doch nie etwas passiert.
Etwas ähnliches gilt für die tollen Beiträge zum Thema Erziehung und Elternverantwortung die wir zur Zeit von Leuten hören die keinen Elternalltag kennen. Sie wollen anderen das Schwimmen / Erziehen beibringen, das sie selber nicht können. Aber wie bei dem Bademeister ist das ein entschuldbarer Mangel. Die Natur hat ja dafür gesorgt, das sie nicht wirklich in die Erziehungsverantwortung kamen und Trockenschwimmen schadet nicht. Aber Trockenerziehen ist eine Kunst die keiner kann.
... und deshalb ist es auch nicht schlimm, dass Wulff noch schnell eine Ministerin in Niedersachsen eingesetzt hat, die keine Ahnung von niedersächsischer Kultur haben kann?
... deshalb brauchen wir Bürger auch nicht sauer sein, wenn alles gegen unseren Willen geschieht?
... und deshalb wird das Volk auch nur noch zum Ausbeuten (Versklavung) gebraucht?
.. und deshalb sollen wir den Mund halten, weil den Verantwortlichen langsam die Gegenargumente ausgehen?
... und deshalb ertragen wir jedes polische Übel? NEIN, die Aufgewachten nicht!
Der September wird heiß, da wird demonstriert. Gerecht geht anders! AKW`s abschalten! Stop für A22! Wir zahlen nicht für eure Krise! Stop für Stuttgart 21! Urlaubsstreichung nicht mit uns! Rente ab 67 - nein!
usw. usw.