Frau? Nein, heute nicht. Wir spielen heute mal Bauer sucht Subvention! Ernste Sorgen ziehen am Horizont hinter dem Acker auf: wenn der neue EU-Agrarkommissar Ciolos die Subventionen quer durch Europa neu verteilen will, dann werden die drei Länder, die bisher am meisten abfaßten, nämlich Frankreich, Deutschland und Spanien, in Zukunft Einbußen hinnehmen müssen. Ministerin Aigner wirkt beunruhigt. Unseren Bauern soll es doch besser gehen - nicht schlechter!
Nun ist aber die Welt der Agrarsubvention eine voller Geheimnisse. Wer kriegt denn nun eigentlich wieviel, und wofür? Ach wie gut, dass niemand weiß ... Nein, im Ernst. Seit kurzem haben wir eine Transparenz eingeführt in ganz Europa. Das heißt, jedes Land muß seine Empfänger offenlegen. Und nun haben wir alle Gelegenheit, nachzulesen, wo diese 55 Milliarden Euro jährlich, das entspricht immerhin 40 % des gesamten EU-Haushaltes, landen.
Farmsubsidy.org, eine NGO aus England, präsentiert folgende Zahlen (wir bleiben in Deutschland): die Liste der Top 20 wird angeführt von
Fleischwerk EDEKA Nord GmbH - knapp 19 Millionen Euro
Wheyco GmbH - fast 14 Millionen Euro
Land Schleswig-Holstein - über 12 Millionen Euro
und so geht das dann weiter, ein Konzern folgt dem nächsten. Und wo sind die Bauern, fragt man sich?
Bauern gibt es natürlich auch unter den Subventionsempfängern. Nehmen wir mal den Bauern Fürst Albert von Thurn und Taxis. Er hat es zum Agrarmillionär gebracht - aber erst 2009. Das Jahr zuvor hat er nur 575.000 Euro erhalten. Wie das denn, fragt man sich? Der Fürst ist ganz einfach der größte Privat-Großgrundbesitzer Deutschlands und nebenbei der größte Waldbesitzer Europas. Das reicht offensichtlich bisher um Subentionsmittel fließen zu sehen.
Und die echten Bauern? Die können lange suchen (um nochmal Bezug auf meine Überschrift zu nehmen!) Die kriegen auch was. Aber nur ganz wenig. Je kleiner desto proportional weniger. Die letzten in der Rangordnung müssen dann halt ihren Hof aufgeben. So schaut´s aus.
Mich hätte mal eine Zahl interessiert, die Aufschluß darüber gibt, wieviel von den Subventionen denn eigentlich in der echten Landwirtschaft angelangt. Habe ich aber nicht gefunden. Also merken wir uns einfach, dass der große Batzen an die verarbeitende Industrie geht. Wieviel an Exporte gekoppelt ist, kann ich leider auch nicht sagen. Wird aber auch nicht wenig sein.
Also, hier die Preisfrage - wie groß sollten die Sorgen sein, die wir uns um die Bauern machen müssen, wenn die Subventionen heruntergefahren werden? Oder anders gefragt: um wen oder was sorgt sich die Ministerin Aigner, der Präsident des "Bauern"verbands und Lobbyist Sonnleitner, und andere, deren gesamte Existenz am Subventionstopf hängt?
Die europäischen Milchbauern, die sich im European Milk Board zusammengefunden haben, arbeiten längst dafür, von Subventionen unabhängig zu werden. Sie fordern eine Regulierung der Produktionsmengen, mit dem Focus auf die Versorgung der Region anstatt ausufernder Überproduktion, und sie fordern "faire Preise", das heißt realistische Marktpreise, - und auch die brauchen eine Regulierung im europäischen Binnenraum.
Ich bin gespannt, welche Entwicklung die EU-Agrarpolitik in den nächsten Monaten einschlagen wird. Klug wäre es, wenn Europa auf eine solide Versorgung mit eigenen landwirtschaftlichen Gütern setzt. Klug, wenn eine noch existierende Lebensmittel-erzeugende Landwirtschaft erhalten und geschützt wird. Wünschenswert für uns alle, wenn je nach regionalen Besonderheiten, eine großflächige Anbauweise und eine bäuerliche Landwirtschaft nebeneinander existieren können. - Dumm wäre es, wenn wir weiterhin Lebensmittel für den Export produzieren, dem Profit zuliebe, und gleichzeitig Produkte minderer Qualität importieren, ebenfalls dem Profit zuliebe.
Mich stört es nicht, wenn die EU 40 % ihres Etats für die Landwirtschaft ausgibt. Besser als für Waffen, oder? Würde man aufhören, die großen Konzerne damit vollzustopfen und stattdessen in eine hochwertige Lebensmittelproduktion fließen lassen, auch in den Ausgleich zwischen den verschiedenen europäischen Regionen, könnten wir uns alle glücklich schätzen. Es geht schließlich um das, was wir täglich essen!