In Deutschland wirbt Nespresso in einer Broschüre, die an alle eingetragenen Kunden verschickt wurde, daß man die Kapseln mit gutem Gewissen in die gelbe Tonne werfen könne. Sie würden getrennt und wiederverwertet. Damit konnte die Abfallkrake, genannt Duales System, ihre Fangarme um eine neue Beute schlingen. Kleinvieh macht auch Mist.
Es ist kaum nachvollziehbar, wie das Duale System die paar Kapseln aus den Bergen von Verpackungsmüll, die sich in der gelben Gelben Tonne sammeln, herausfischen will. Beim Kaffesatz kann man mit guten Gewissen annehmen, daß er dann nicht mehr zur Aufzucht edler Vegetation taugt, sondern mit all dem, was unverwertbar ist, als Brennstoff an die Industrie abgesetzt wird.
Sortenrein erfaßt ist Wiederverwertung möglich, auch und gerade bei Luxusmüll, was die Kapseln von Nespresso und Co. nun einmal sind. Das ist eine alte Weisheit der Abfallwirtschaft, die aufs gröbste mißachtet wird. Wenn es nach den Strategen der Abfallwirtschaft geht, sollen wir demnächst das alte Handy oder die Stereoanlage in die Gelbe Tonne werfen. Ein wenig Tantal, Gold oder Silber läßt sich daraus immer abdestillieren und alle freuen sich über die ach so wegweisende Wiederverwertung.
Exakt vor 20 Jahren hatte ich unter dem Titel "Abfallwirtschaftliche Steinzeit" in dem leider wenig glückhaften linken Medienprojekt "Berlin Dienst" auf die Forderungen des "Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU)" hingewiesen. In einem unglaublichen Anflug von Radikalität verlangte dieser gar, daß nicht wiederverwertbare Stoffe schlicht zu verbieten seien.
Damals wurden in Berlin unter der Ägide einer rot-grünen Koalition die SERO-Annahmestellen der DDR abgewickelt und das Geschäft mit dem Müll für private Firmen freigegeben. In Berlin war das maßgeblich die Firma Alba, deren Profit das Sponsoring einer Basketballmanschaft erlaubt.
In den ersten Jahren unter dem neuem Etikett PDS begehrten die Genossen aus dem Osten noch nach einer Abfallwirtschaft in öffentlicher Hand, die den Umgang mit den knappen Ressourcen im Sinne der Daseinsvorsorge organisiert und nicht in erster Linie am Profit interessiert ist. Wohin das führt konnte man letztendlich bei der Geheimniskrämerei um die Verträge zum Berliner Wasser sehen.
Doch unter dem radikalen Putz bröckelte es schon in den 1990er Jahren als die PDS durch Bürgermeister und Stadträte in den Bezirken "Verantwortung" übernommen hatte. Und vollständig ignoriert wurde es, nachdem es die PDS zu Senatorenposten gebracht hatte. Gerade der Senator für Wirtschaft war in den Jahren davor, etwa beim Mediationsverfahren Abfallwirtschaft von den Umweltverbänden als der schwerwiegendste Hemmschuh für eine fortschrittliche Abfallpolitik identifiziert worden. Im Umweltressort gab man immer vor, guten Willen zeigen zu wollen, aber der böse Senator für Wirtschaft, meist CDU und verantwortlich für den kommunalen Abfallbetrieb BSR, wolle nicht mitspielen.
Wie wenig Sinn es macht, die Köpfe auszutauschen, sieht man an der roten Mogelpackung des Senators Harald Wolf. Kein einziges Konzept, keine einzige Idee von Anfang der 1990er wurde aufgegriffen, es ging im alten Trott weiter und mit des ehemaligen ALBA-Chefs Sprössling, der inzwischen auch Präsident der Industrie- und Handelskammer ist, verbindet ihn nun eine offen zur Schau gestellt Männerfreundschaft. Ausgerechnet ALBA, dem Unternehmen, das seit Jahrzehnten gegen eine kommunale Abfallwirtschaft Stimmung macht.
Abfallprobleme sollen durch Wiederverwertung gelöst werden. Eine Idee, die Mainstream-Medien wie der Spiegel in den 1970er Jahren als Antwort auf die Energie- und Rohstoffkrise propagiert haben. Aus bescheidenen Anfängen ist eine florierende Industrie geworden, die wachsen will, also immer mehr und immer wertvollere Abfallstoffe in die Hände bekommen will. An einer Verminderung der Verschwendung hat diese Industrie logischerweise keinerlei Interesse.
Alarmierende Meldungen, daß bestimmte Ressourcen knapp werden, gehen immer wieder durch die Medien. Aber oft konnte man, etwa bei Erzen, durch verbesserte Verfahren auch aus Material, das man vorher weggeworfen hatte, noch etwas herausholen. Das wird durch einen höheren Energieeinsatz erkauft und damit schließt sich der Kreis zu den bedrohlichen Klimaveränderungen.
Gefragt wäre eigentlich eine abfallarme, ressourcenschonende Lebensweise, was von der anderen Seite gerne als "Askese" diffamiert wird. Jeder erlebt es Tag für Tag, daß ein Akku, in Handy, Notebook oder Kamera eingebaut, viele hundert Wegwerf-Batterien ersetzen kann. Die Suche nach einer Steckdose für das Ladegerät gestaltet sich meist einfacher als die Suche nach einem Geschäft, das die passenden Batterien hat.
Abfallvermeidung, richtig organisiert, schafft Lebensqualität und schützt das Klima. Ein funktionierender und preiswerter öffentlicher Nahverkehr läßt tausende Tonnen Stahl erst gar nicht auf die Straße. Stahl, der nicht in energiefressenden und Kohlendioxid ausstoßenden Hochöfen erschmolzen werden muß. Von den Legierungselementen und seltenen Erden in einem modernen Auto nicht zu reden.
Wir hatten mal die Illusion, daß die Metropole Berlin hier beispielgebend vorangehen könnte. Aber weder rot-grün, noch rot-rot haben das zu ihrem Thema gemacht. Sie verteilen weiterhin Placebos und propagieren Scheinlösungen.
Danke, Roland. Wir konnten die Karrieristen zwar nicht aufhalten, aber uns gibt es immer noch. Zum Glück! Und sie wissen das.
für korrosionsfreie und haltbare Autokarosserien eben nicht, obwohl schonmal von Panhard-LeVassor realisiert. Bringt halt zuwenig Profit.
Wählt: UNGÜLTIG
die Linke kann man inzwischen auch abschreiben, there´s no alternative
Zwar bin ich kein Müllfachmann, bin aber Ingenieur und habe in den letzten Jahren immer wieder mal mit Interesse einen Bericht zum Thema im Fernsehen gesehen oder einen Artikel dazu gelesen und mir dabei folgendes zusammenklamüsert (per Suchmaschine praktisch nicht auf die Schnelle ermittelbar):
Die deutsche Abfallwirtschaft/-industrie ist heute hervorragend ausgerüstet, um Hausmüll effektiv zu sortieren und aufzubereiten. Metalle kann man mit Hilfe seiner Eigenschaften und mit verschiedenen physikalischen Verfahren trennen:
Für magnetische Metalle (nicht Alu) gibt es den guten alten Elektromagneten. Metall ist schwerer als Papier oder organisches Material und sinkt in einem Wasserbad zu Boden, auch ausgelutschte Alu-Pads (Dichte = 2,7 g/ccm; Dichte von Wasser = 1,0 g/ccm). Eine andere Möglichkeit ist das Trennen mit Hilfe von Luft (auch da wirkt die größere Dichte von Alu gegenüber anderen Stoffen). Und dann gibt es noch die sogenannten Rüttelrutschen, wo auch die Dichte eine Rolle spielt.
So werden z.B. alte Handys etc. aus dem Restmüll oder dem Gelben Sack geholt.
Metallschrott benötigt wesentlich weniger Energie beim Schmelzen als Eisenerz. Bei Alu ist die Differenz noch größer.
Teilweise setzt man am Anfang der Sortierung im Sortierwerk auch auf die manuelle Bearbeitung.
Das Duale System ist eigentlich überflüssig (das war's glaube ich bereits in den 90ern), weil man heute den Restmüll sehr gut aufbereiten kann. D.h. da wird eigentlich der Verbraucher völlig unnötig zusätzlich abgezockt (Grüner-Punkt-Abgabe auf Verpackungen).
Im Wikipedia-Artikel Recycling steht davon überhaupt nichts drin:
http://de.wikipedia.org/wiki/Recycling
Hier ist ein guter Artikel der NZZ zu dem Thema wo zumindestens einiges drin steht (ich habe ihn nur überflogen):
Der grosse Recycling-Report
...
Technisch ist es heute möglich, die in Heimarbeit betriebene Abfalltrennung ganz abzuschaffen. Vollautomatische Sortieranlagen sind in der Lage, den zuvor geschredderten Müll nach Papier, Kunststoffen, Metallen und Glas zu separieren. Was sich davon auch wirtschaftlich umsetzen lässt, wird zurzeit im deutschen Kassel erprobt. Seit einem Jahr müssen die Bewohner eines Quartiers nur noch zwischen zwei verschiedenen Tonnen unterscheiden, nass für Windeln oder Speisereste, trocken für den Rest, von der Aludose bis zum Bügeleisen. Ob sich der Einsatz von Sortiermaschinen lohnt, hängt davon ab, welcher Erlös sich mit dem Verkauf der separierten Stoffe erzielen lässt. Dies zu berechnen, ist aufwendig, weshalb der Test in Kassel verlängert werden musste.
http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showarticle/a0f43dcc-9d07-4c25-9475-95217664e2fe.aspx
Sehr viel Sinn aus energetischer Hinsicht würde die Vermeidung von Gläsern und Dosen bringen, weil da jeweils Unmengen an Energie drin stecken, die man täglich einfach so wegschmeißt (das Problem ist die Subventionierung von Strom: Ca. 7-8 Cent Netto pro kWh für Großverbraucher wie Glashütten, Papierfabriken oder Gießereien):
Z.B. bringt man für Gurken sein ausgespültes Glas mit und füllt es bei einem Gurkenfass im Supermarkt oder noch besser beim Tante-Emma-Laden um die Ecke wieder. Die Reinigungsmittel bei Pfandflaschen sind sehr aggressiv.