„An der rollbahn nach Minsk,
wo wind und richtung sich trennen,
läßt der blonde herr aus Deutschland
männlein und weiblein im feuer brennen.
Die winde wehen von nord,
und die flamme, die steigt steil,
an der rollbahn salutiert der schöne herr dem mord,
die marketenderin hält gelbe äpfel feil.
Es ist ein geruch nach fleisch und rauch
an der rollbahn nach osten,
die griffe der flammen am bauch
fragen drei den tod, was die schmerzen kosten.
Drei ruthenische juden, gebraten in fett,
ungespickt wie hammel und schwein,
und der hauptmann dabei ist frisch und adrett,
und die fahne weht in den himmel hinein.
3 juden, 2 mann, 1 frau,
die steppe ist weiß, der himmel grau,
die flamme war deutsch und so heiß wie genau,
sie fraß die 3 juden, 2 mann, 1 frau .
Der hauptmann entkam, er ging in den westen
und lebt in ziviI, vermögend und nett,
der krieg ist vorbei, der herr hauptmann fett,
man sagt, er sei noch einer der besten.“
[Die Ballade fußt auf eigenhändigen Erfahrungen des Autors beim Ausgraben jüdischer Massaker-Opfer im Jahr 1944. Die Erstfassung wurde 1948 bei Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft zusammen mit anderen Papieren konfisziert. Eine Zweitfassung erschien als Erstdruck Anfang der fünfziger Jahre in einer DDR-Zeitschrift, wahrscheinlich im Aufbau. Die hier abgedruckte Fassung wurde der Zeitschrift
der ruf vom Juni 1963 entnommen, den offensichtlich antifaschistischen »Gemeinschaftsbriefen der fkk-Jugend«, denen ich verdanke, daß die 24 Zeilen nicht ganz abhanden kamen. (GZ) . –
Letztdruck: junge Welt 7. Juli 2005: 12, Feuilleton. Gerhard Zwerenz erlaubte mir 2009, seine Ballade als gemeinfreien Text („copyleft“) ins Netz zu stellen ->
http:/ /ricalb.files.wordpress.com/2009/09/holzhaufenballade.pdf [ra])