Ich weiß zwar genau, wie ich heute auf den unsäglichen Heinrich von Treitschke gekommen bin, aber das ist ein Thema das ich im Moment nicht näher erläutern möchte. Heinrich von Treitschke prägte den genauso dummen wie bösen Satz: "Die Juden sind unser Unglück!". Der Satz ist dumm, weil es nur den Juden oder die Jüdin gibt, aber niemals die Juden.
Es gibt auch nicht die Deutschen und nicht die Engländer. Ich bin übrigens Preuße von meiner Abstammung her und Westfale, was kein Widerspruch ist. Ich bin zwar deutscher Staatangehöriger, aber ob ich mich mit den Bayern und den Hessen unter dem Begriff Deutscher abklassifizieren lassen muss, stelle ich doch mal in Frage.
Vorurteile sind immer leicht. Bei uns gab es den stehenden Witz:
Es war ein große Fest. Alle sind gekommen. Jeder hat was mitgebracht. Der Hesse hat seinen Bruder mitgebracht.
Damit sollte gesagt werden, das der geizige Hesse, seinen Bruder anstelle eines Schinkens mitgebracht hatte, damit der sich auch mal satt essen könne. Ich habe nie solche Hessen kennengelernt. Aber der dumme Spruch hat meine Jugend begleitet. Es gibt "die" nicht. Auch nicht "die" Muslime.
Heinrich von Treitschke entwickelte sich vom Liberalen zum streng Konservativen und endete als Rassist und Faschist:
Von Treitschke stammt der Satz Die Juden sind unser Unglück, der später das Schlagwort des nationalsozialistischen Hetzblattes Der Stürmer wurde. Treitschke formulierte diesen Satz in dem aufsehenerregenden Aufsatz Unsere Aussichten (1879) als angeblichen parteiübergreifenden Konsens seiner Zeitgenossen „wie aus einem Munde" und erhob darin Forderungen nach Zurückdrängen des gesellschaftlichen Einflusses der Juden.
Der Aufsatz löste den Berliner Antisemitismusstreit aus, der die deutsche Öffentlichkeit landesweit beschäftigte, bis 1881 anhielt und den Antisemitismus gesellschaftsfähig machte. Der Kern der Polemik Treitschkes ist gegen den Willen der Juden gerichtet, ihre eigene Identität und ihren kulturellen Zusammenhang zu behaupten, während sie an dem Leben der Nation teilnehmen können.
Der Weg der Assimilation, den er für eine Lösung hielt, sei von einzelnen wie Gabriel Rießer und Felix Mendelssohn schon betreten worden. In seiner politischen Theorie ging er davon aus, dass ein Jude, der den Willen zur vollen Bejahung seiner Umwelt habe, die Fähigkeit besitze, deutsches Wesen in sich aufzunehmen und das jüdische Wesen abzustreifen.
Eine Bekehrung zum Deutschtum mit allen seinen spirituellen Werten sei möglich. Alles, was an Gutem an den Juden sei, wäre aus der Anpassung an die deutsche Welt geschöpft, das Judentum selbst sei keine positive Kraft, sondern ein überlebtes Relikt mit der gefährlichen Kraft, eine säkularisierte internationale Gesellschaft zu bilden. Die gesunde Haupttendenz der Geschichte läge im modernen Nationalstaat mit christlicher Tradition. Das Judentum dürfe nie gleichberechtigte Konfession werden, da sonst keine nationale Einheit möglich sei und nur die Vertreibung aller Juden bliebe.
Die Rassenlehre als Grundlage der Nationalidee, die damals Antisemiten wie Wilhelm Marr und bald darauf Karl Eugen Dühring propagierten, lehnte Treitschke ab; aber auch er sprach von „Blutvermischung" und „Mischcultur" als „zersetzendem" Faktor, auf den das gesunde germanische Volksempfinden mit Abwehr reagieren müsse.
Die damals verbreitete Antisemitenpetition hat er nicht unterschrieben, stand den Aktionen seiner Studenten zur Unterschriftensammlung aber wohlwollend gegenüber und distanzierte sich erst auf Drängen seines Kollegen Theodor Mommsen davon (November 1880). Seine Schriften und Vorlesungen an der Berliner Universität haben erheblich dazu beigetragen, in der gebildeten Welt eine Betrachtungsweise einzuführen, durch die das Judentum der nationalen Einigung wesensfremd erschien.
Treitschke grenzte sich zwar vom „Radau-Antisemitismus" ab, sah diesen aber als berechtigte Folge des angeblich übergroßen Einflusses der Juden an. Er sah sich aber selbst nicht als Antisemiten und verwies auf seine Kontakte zu Juden (z.B. hielt er die Grabrede auf seinen jüdischen Bundesbruder Oppenheim). Seine Schriften waren jedoch radikal nationalistisch, wobei sein Verständnis von Nation die Juden als Fremde sah und ausgrenzte.
Das Treitschke Grenzen ziehen wollte zu der Rassenlehre und auch zum Radau-Antisemitismus erscheint vielleicht ehrenhaft, befreit ihn aber nicht von dem Vorwurf, ein Wegbereiter und Anführer der Rassisten gewesen zu sein.
Der Begriff der arischen Rasse tauchte zuerst bei Arthur de Gobineau auf und erst Julius Streicher führte Treitschkes Satz und de Gobineaus Gedanken der arischen Rasse 1927 in der Zeitung "Der Stürmer" zusammen. Treitschke war da schon 31 Jahre tot. Aber sicher nicht seiner Verantwortung enthoben.
Sätze sind Waffen und in den Händen dummer oder bösartiger Menschen, sind Waffen immer eine Gefahr. Wer die Dummen und die Bösartigen bewaffnet trägt zumindest die Mitschuld für deren Handeln.
Julius Streichers "Der Stürmer" blieb lange ein unwichtiges Blättchen mit einer Auflage von wöchentlich unter 25.000 Exemplaren. Später, nach der Machtübergabe an Hitler, kam sie dann täglich auf über eine halbe Million Exemplare.
Wenn man sich überlegt, das PI heute schon über 10.000 Besucher täglich hat, ohne die beiden Publikationen direkt miteinander in Verbindung bringen zu wollen und ohne Berücksichtigung dessen, das sie zur Zeit nicht zu erreichen sind, dann wird einem schnell klar, wie groß eine denkbare, wen vielleicht auch im Moment nicht allzu reale Gefahr ist.
Man muss nicht Wegbereiter sein um Wege zu bereiten. Es reicht bestimmte Gedanken, als erster laut auszusprechen oder in ständiger Wiederholung zu predigen. Die Geschichte wiederholt sich nicht eins zu eins. Aber sie wiederholt sich in Ähnlichkeiten.
Julius Streicher gehörte zu den 24 im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof angeklagten Personen und wurde am 1. Oktober 1946 in einem von zwei Anklagepunkten schuldig gesprochen und zum Tod durch den Strang verurteilt.
Das war ziemlich genau 6 Millionen jüdischer und 30 Millionen anderer Leben zu spät.
Die Muslime sind nicht unser Unglück! Die Juden waren es auch nicht!























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