Qualitätsjournalismus vom allerfeinsten
Immer wieder behaupten ja die Zeitungsverleger, dass die bösen Blogger ihre Texte aufnehmen und für eigene Texte verwenden. Daran ist durchaus etwas wahres, weil Blogger normalerweise alle verfügbaren Informationsquellen zu einem Thema untersuchen und dann auch meistens die Quellen verlinken und Zitate bringen, einander gegenüberstellen, kommentieren und in neue Zusammenhänge setzen. Bürgerjournalismus vom wirklich allerfeinsten.
Weniger fein ist eine Geschichte die Markus Werning in der Leipziger Volkszeitung brachte:
Eigentlich eine nette Geschichte. Zwar würde ein Blogger sicherlich noch darauf hinweisen, dass der Bundesrechnungshof die Fusion von Krankenkassen entgegen der geltenden neoliberalen politischen Meinung nicht mehr für sinnvoll hält:
Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ein "Journalist" der Systemmedien einen solchen Hinweis nicht bringt, denn seine Aufgabe ist ja das System zu bejubeln und die Flächen rund um die Werbung in seinem Blättchen als Jubelperser mit Buchstaben zu verzieren, die auch nicht unbedingt wahr sein müssen. Es geht eben um Propaganda. Das kann man Markus Werning nicht vorwerfen und so wäre dieser Artikel auch nicht entstanden, wenn es für seinen Artikel auch nur eine minimale Grundlage gegeben hätte. Dem war aber nicht so. Er produzierte eine dicke fette Ente die wohl eher die Größe einer sehr großen Gans erreichte:
Vielleicht ist er ja auf einen falschen Informanten hereingefallen, vielleicht hat er auch einfach kein Geld mehr auf seiner Telefonkarte gehabt und konnte die beiden angeblichen Fusionisten nicht anrufen. Vielleicht ist es aber auch bei den "Qualitätsjournalisten" nicht mehr üblich auch nur ansatzweise zu recherchieren. Als Blogger, der weiß wie weit die beiden Firmen in ihrer Haltung zum Versicherten auseinanderliegen, bekam man sofort die Antwort, das nichts an der Meldung dran sei. Nun macht es keinen Sinn auf die Enten der Herren und Damen "Qualitätsjournalisten" Zeit zu verschwenden und Artikel zu schreiben. Die werden es doch nie mehr lernen und schon bald wohl eher nur noch eine Randerscheinung sein.
Aber dieser Fall ist anders. Er zeigt in schönster Art und Weise wie die "Qualitätsmedien" Nachrichten produzieren und weitgeben. Praktisch jedes Käseblatt hat die Ente übernommen und ungeprüft weiter gegeben. All die tollen "Qualitätsjournalisten" haben einfach abgeschrieben und gehofft, an der Nachricht werde wohl etwas dran sein. Die nur kurz gegoogelte Liste ist ein toller Querschnitt durch die Medienlandschaft:
Handelsblatt
Reuters Deutschland
Deutsche Welle
Welt
und viele andere mehr, die jeder selbst googeln kann.
Witzigerweise geben nur die wenigsten an, woher sie die Nachricht haben. Es könnte ja jemand auf den Gedanken kommen, andere Medien seien besser und dorthin wechseln. Es wird meist nur von einer Zeitungsmeldung gesprochen, aber der Text der Leipziger Volkszeitung im Wortlaut voll zitiert. Für Blogger und Bürgerjournalisten ein unvorstellbares Vorgehen aber bei den "Qualitätsjournalisten" in den "Qualitätsmedien" scheinbar üblich.
Einen kleinen Scherz am Rande lieferte auch noch die Zeit, die unbedingt etwas neues zu Ägypten sagen wollte, der aber so recht nichts einfiel. Dann brachte Lenz Jacobsen endlich den ersehnten Knüller. Er wärmte die Suezkrise von 1956 wieder auf und konnte doch nur feststellen, dass sich die Rahmenbedingungen so geändert haben, dass der Suezkanal heute in erster Linie für Ägypten von wesentlicher wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Natürlich lieferte er auch keinen Grund für eine mögliche Krise am Suez. Die hatte nämlich schon vorher der Investor Verlag geliefert und sich mal eben islamophob ausgerotzt:
Oh welch dramatische Situation. 60 Äppelkähne täglich, die um die Hälfte langsamer ankommen würden. Angesichts der weltweit sinkenden Frachtraten wäre das geradezu ein Konjunkturprogramm für die Seeschifffahrt und könnte einige Schifffonds noch vor der Pleite retten. Aber tatsächlich ist das ganze Szenario natürlich Blödsinn. Ägypten braucht den Ertrag des Suez Kanals und Israel muss mit einer neuen ägyptischen Regierung zusammenarbeiten um nicht sofort unterzugehen.
Natürlich sind solche Artikel keine Enten, aber sie bauen ein Szenario auf, für das es keine reale Grundlage gibt. Selbstverständlich müssen die Blättchen ihre Seiten voll bekommen und brauchen Texte rund um die Werbung. Allerdings hat das ganze mit "Qualitätsjournalismus" oder gar "Qualitätsmedien" nichts zu tun. Da sind die Blogger, Twitterer und Bürgerjournalisten durchaus auf einem besseren Weg, auch wenn es ihnen manchmal an Handwerkskunst fehlen mag.

Topthema
Techniker Krankenkasse und KKH-Allianz verhandeln über Fusion zur neuen Nummer eins
Markus Werning
Leipzig. In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bahnt sich eine der bisher größten Übernahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte an. Die Techniker Krankenkasse (TK) und die KKH-Allianz verhandeln über einen Zusammenschluss, heißt es aus gut informierten Kreisen der Kassen und der Politik.
Die Vorstände von TK und KKH hätten sich bereits geeinigt. Die Aufsichtsgremien – die Verwaltungsräte mit Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber – würden schon in ihrer nächsten Sitzung im März über die Übernahme beraten. Durch den Zusammenschluss würde die größte gesetzliche Krankenkasse Deutschlands entstehen.
Die Techniker hat 7,6 Millionen Versicherte, die KKH-Allianz 1,86 Millionen, nachdem sie 2010 durch die Einführung eines Zusatzbeitrages von acht Euro monatlich knapp 190 000 Versicherte verlor. Bisher ist die Barmer GEK mit 8,6 Millionen Versicherten die Nummer eins.
Eigentlich eine nette Geschichte. Zwar würde ein Blogger sicherlich noch darauf hinweisen, dass der Bundesrechnungshof die Fusion von Krankenkassen entgegen der geltenden neoliberalen politischen Meinung nicht mehr für sinnvoll hält:
Der Zusammenschluss von gesetzlichen Krankenkassen bringt meist wirtschaftliche Nachteile. Das berichtet FOCUS unter Berufung auf ein Gutachten des Bundesrechnungshofs (BRH) für Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Die Rechnungsprüfer erschüttern damit einen Grundsatz aus Zeiten der großen Koalition, wonach 30 bis 50 Kassen in Deutschland völlig ausreichen sollten. Eine Fusionswelle folgte. Die Zahl der gesetzlichen Krankenkassen verringerte sich von 1367 im Jahre 1992 auf aktuell 148.
In dem Rechnungshofbericht heißt es, Fusionen bänden „erhebliche zeitliche und personelle Ressourcen“, führten „zu keinen deutlichen Synergieeffekten“ und seien „mit erheblichen, zum Teil dauerhaften zusätzlichen Aufwendungen verbunden“. Dem stünden „nur geringe Einsparungen gegenüber“.
Es ist nicht weiter verwunderlich, dass ein "Journalist" der Systemmedien einen solchen Hinweis nicht bringt, denn seine Aufgabe ist ja das System zu bejubeln und die Flächen rund um die Werbung in seinem Blättchen als Jubelperser mit Buchstaben zu verzieren, die auch nicht unbedingt wahr sein müssen. Es geht eben um Propaganda. Das kann man Markus Werning nicht vorwerfen und so wäre dieser Artikel auch nicht entstanden, wenn es für seinen Artikel auch nur eine minimale Grundlage gegeben hätte. Dem war aber nicht so. Er produzierte eine dicke fette Ente die wohl eher die Größe einer sehr großen Gans erreichte:
Die Techniker Krankenkasse (TK) hat einen Medienbericht zurückgewiesen, wonach sie eine Fusion mit der KKH-Allianz plane.
Berlin (dts Nachrichtenagentur) - "Der Bericht ist falsch. Es gibt keine Fusionsverhandlungen und es hat auch in der Vergangenheit keine Verhandlungen über einen Zusammenschluss gegeben", erklärte ein TK-Sprecher am Freitag. "Es finden keine Fusionsverhandlungen zwischen den beiden Krankenkassen statt", erklärte auch die KKH-Allianz.
Die "Leipziger Volkszeitung" hatte berichtet, die Vorstände beider Kassen hätten sich bereits auf einen Zusammenschluss geeinigt.
Vielleicht ist er ja auf einen falschen Informanten hereingefallen, vielleicht hat er auch einfach kein Geld mehr auf seiner Telefonkarte gehabt und konnte die beiden angeblichen Fusionisten nicht anrufen. Vielleicht ist es aber auch bei den "Qualitätsjournalisten" nicht mehr üblich auch nur ansatzweise zu recherchieren. Als Blogger, der weiß wie weit die beiden Firmen in ihrer Haltung zum Versicherten auseinanderliegen, bekam man sofort die Antwort, das nichts an der Meldung dran sei. Nun macht es keinen Sinn auf die Enten der Herren und Damen "Qualitätsjournalisten" Zeit zu verschwenden und Artikel zu schreiben. Die werden es doch nie mehr lernen und schon bald wohl eher nur noch eine Randerscheinung sein.
Aber dieser Fall ist anders. Er zeigt in schönster Art und Weise wie die "Qualitätsmedien" Nachrichten produzieren und weitgeben. Praktisch jedes Käseblatt hat die Ente übernommen und ungeprüft weiter gegeben. All die tollen "Qualitätsjournalisten" haben einfach abgeschrieben und gehofft, an der Nachricht werde wohl etwas dran sein. Die nur kurz gegoogelte Liste ist ein toller Querschnitt durch die Medienlandschaft:
Handelsblatt
Reuters Deutschland
Deutsche Welle
Welt
und viele andere mehr, die jeder selbst googeln kann.
Witzigerweise geben nur die wenigsten an, woher sie die Nachricht haben. Es könnte ja jemand auf den Gedanken kommen, andere Medien seien besser und dorthin wechseln. Es wird meist nur von einer Zeitungsmeldung gesprochen, aber der Text der Leipziger Volkszeitung im Wortlaut voll zitiert. Für Blogger und Bürgerjournalisten ein unvorstellbares Vorgehen aber bei den "Qualitätsjournalisten" in den "Qualitätsmedien" scheinbar üblich.
Einen kleinen Scherz am Rande lieferte auch noch die Zeit, die unbedingt etwas neues zu Ägypten sagen wollte, der aber so recht nichts einfiel. Dann brachte Lenz Jacobsen endlich den ersehnten Knüller. Er wärmte die Suezkrise von 1956 wieder auf und konnte doch nur feststellen, dass sich die Rahmenbedingungen so geändert haben, dass der Suezkanal heute in erster Linie für Ägypten von wesentlicher wirtschaftlicher Bedeutung ist.
Natürlich lieferte er auch keinen Grund für eine mögliche Krise am Suez. Die hatte nämlich schon vorher der Investor Verlag geliefert und sich mal eben islamophob ausgerotzt:
Der Suez-Kanal ist 163 Kilometer lang und verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer. Er ist eine der meistbefahrenen Seestraßen. Denn er ist die entscheidende Abkürzung der Schifffahrtwege zwischen Asien und Europa. Ohne diese Abkürzung durch den Suezkanal müssten die Schiffe den gesamten afrikanischen Kontinent nämlich komplett umfahren.
Die Zeitersparnis für die Redereiunternehmen liegen zwischen Westeuropa und Asien zwischen 30 bis 42%! Das ist eine gigantische Zeitersparnis. Deshalb schippern durchschnittlich 60 Frachtschiffe und Tanker pro Tag den Suezkanal (und spülen dadurch Milliarden Dollar in die ägyptische Wirtschaft).
Wenn diese, für den Welthandel absolut entscheidende Seepassage unter die Kontrolle islamischer Fundamentalisten geraten würde - das wäre ein Risikofaktor mit dem sowohl die westlichen Länder als auch die asiatischen Regierungen nicht leben wollen. Deshalb gehe ich davon aus, dass das in der Presse schon hochgejubelte Horrorszenario eines „zweiten Iran" in Nordafrika nicht eintreten wird.
Ganz zu schweigen von Israel. Das Land würde dann in eine noch bedrohlichere geographische Lage geraten. Das wird Israel nicht zulassen.
Oh welch dramatische Situation. 60 Äppelkähne täglich, die um die Hälfte langsamer ankommen würden. Angesichts der weltweit sinkenden Frachtraten wäre das geradezu ein Konjunkturprogramm für die Seeschifffahrt und könnte einige Schifffonds noch vor der Pleite retten. Aber tatsächlich ist das ganze Szenario natürlich Blödsinn. Ägypten braucht den Ertrag des Suez Kanals und Israel muss mit einer neuen ägyptischen Regierung zusammenarbeiten um nicht sofort unterzugehen.
Natürlich sind solche Artikel keine Enten, aber sie bauen ein Szenario auf, für das es keine reale Grundlage gibt. Selbstverständlich müssen die Blättchen ihre Seiten voll bekommen und brauchen Texte rund um die Werbung. Allerdings hat das ganze mit "Qualitätsjournalismus" oder gar "Qualitätsmedien" nichts zu tun. Da sind die Blogger, Twitterer und Bürgerjournalisten durchaus auf einem besseren Weg, auch wenn es ihnen manchmal an Handwerkskunst fehlen mag.

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Anonym am
02/07/11 um 04:21
Aufgelesen und kommentiert 2011-02-06
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Der Hintergrund könnte folgender sein:
Die Barmer macht Werbung damit, die größte Krankenkasse Deutschlands zu sein und würde durch eine solche Fusion ihren Claim verlieren. Durch das gezielte Streuen dieses Gerüchts provoziert sie ein Dementi und kann ihren Claim sichern.