Nokia und Microsoft - Die Addition von Nullen ergibt auch Null
Nokia ist nun endlich dort angekommen, wohin die Gier es getrieben hat. Es war ja absehbar und begann mit der Schließung des Werkes in Bochum dem 2.300 Arbeitsplätze zum Opfer fielen, die von der EU, dem Bund und dem Land NRW hoch subventioniert worden waren. Aber da die Subvention langsam auslief, wollte Nokia neue Subventionen und das ging nach EU-Recht nur an einem neuen Standort. Deshalb wollte Nokia auch nicht über den Standort Bochum sondern schloss ihn ohne Rücksicht auf Verluste:
Das ist Nokias gutes Recht. Die müssen nicht verhandeln. Die haben ja die Subventionen abgegriffen und das reicht den Komikern. So kann man natürlich Geschäfte machen. Aber nicht mit mir.
Ich lasse auch nicht mit mir verhandeln. Ich werde jeden nie wieder ein Produkt der Firma Nokia kaufen. Mitarbeiter von Nokia haben ab sofort bei mir Hausverbot. Wer in meiner Gegenwart ein Handy von Nokia verwendet, wird von mir darüber belehrt, das er damit nur ein paar Subventionsbetrüger unterstützt.
Das schlimmste aber ist, das ich diese dämliche Europäische Gemeinschaft nicht daran hindern kann, neue Subventionen, für ein neues Werk irgendwo in Europa auszureichen. Deshalb sollten wir ernsthaft auch über Europa nachdenken.
Es sind unsere Steuergelder die Nokia hier genommen hat und dies sie morgen in Rumänien oder Bulgarien erneut haben wollen. Es ist der Vorstand und Aufsichtsrat von Nokia, der uns deutlich zeigt, wie verkommen diese ganze Wirtschaft ist. Sie wollen Subventionen aber keine Verantwortung. Sie müssen nicht diskutieren. Aber wir können diese Pfeifen für immer aus unseren Geschäften und Wohnungen heraushalten.
Nokia ist nur etwas für Leute ohne Charakter. Wer denen in Zukunft auch nur noch einen Cent gibt ist ein dummes Arsch. Jemand der sich selbst für wertlos erklärt. Wer Charakter hat kauft nie wieder bei denen und jagt deren Leute aus dem Land. Wer Aktien von Nokia hält soll doch bitte dann auch gleich dahin ziehen wo die produzieren und Deutschland verlassen.
Dann fraß Nokia die Firma Trolltech und damit QT und KDE:
ars technica zeigt am Beispiel Ogg das Nokia in Wirklichkeit nicht für freie Software steht, sondern mit aller Macht ihrer Milliarden propertieren Dreck an der Macht halten will. Freiheit ist genau das Gegenteil von dem was Nokia will. Natürlich begründet Nokia seine Bedenken anders. Aber wer Ohren hat zu hören, der möge auf die Zwischentöne achten.
Natürlich fällt auch anderen sofort der Vergleich zu Novell und SuSE ein, der ja in diesem Blog schon mehrfach ein Thema war. Ähnlich wie es bei Novell kein wirkliches Bedürfnis für offene Software sondern nur für einen Schulungsmarkt an Vollidioten gibt, liegen die Dinge auch bei Nokia. Das N810 baut auf GTK auf, weshalb also wollen die QT.
Die Antwort ist einfach. Es geht um die vielen Leute, die im OpenSource Bereich die eigentliche Entwicklungs- und Testarbeit für Trolltech geleistet haben. Nokia ist gerne bereit deren Abeit zu nehmen und jetzt und in Zukunft, nichts dafür zu geben. Wie eben auch in Bochum und in vielen vielen anderen Fällen. Das ist nicht nur der große Fisch, der den kleinen frisst. In diesem Fall habven wir es mit einem großen Fisch zu tun, dem es häufig ausreicht den kleinen einfach tot zu beißen und dann gelangweilt fallen zu lassen.
..
Der alte Richard Stallmann hatte doch recht. Wir hätten wirklich nicht mit diesen Schmuddelkindern spielen sollen. Spätestens seit heute, wissen wir das sie für völlig andere Ziele stehen.
Zunächst gab es ja auch noch ein paar positive Argumente für die Übernahme von Trolltech:
Den Trollen sind also die Kosten aus dem Ruder gelaufen, ohne das sie sich dafür wirklich mehr Marktanteil hätten kaufen können. Das macht den Verkauf verständlich. Nun hätte es ja ein Menge möglicher Interessenten geben können, warum also gerade Nokia.
Scott Wheeler sieht den Grund nicht darin, das die Trolle ein Profitcenter innerhalb von Nokia werden können, er weist vielmehr darauf hin, das anders als Novell beim SuSe und Ximian Deal, Nokia kaum eine Last zu schultern hat und Gewinne und Verluste der Trolle kaum eine meßbare Größe im Vergleich darstellen. Das ganze betrifft also eher die Portokasse. Der Hauptgrund für den Kauf liegt für ihn an anderer Stelle:
Qtopia could become their answer to Android, Trolltech might become their WebKit gurus, who knows. Nokia may even have a few ideas they're planning to try out to see how to integrate Trolltech's technology into the company and keep the ones that work, and write off the others.
Genau darauf dürfte es hinauslaufen. Nokia nimmt sich die wenigen Teile die sie brauchen und machen den Rest gnadenlos dicht, nicht ohne dem OpenSourceBereich soviel Steine wie möglich in den Weg zu legen, weil das einfach die Art von Nokia ist. Die hinterlassen gerne verbrannte Erde.
Nachdem Nokia seine Fabriken in Rumänien mit erneuten Milliardensubventionen hatte, wollte es die Arbeitnehmer noch ein wenig mehr ausbluten lassen und arbeitete an einer Änderung des rumänischen Arbeitsgesetzes um praktisch die Sklaverei wieder einführen:
Das wahre Gesicht von Nokia zeigt sich in Rumänien schneller als es auch die argwöhnischsten Beobachter befürchtet hatten. Kaum ist die Handyfabrik eröffnet und die Steuersubventionen auf lange Zeit sicher, reicht es den Finnen nicht mehr, die Menschen selbst weit unter rumänischem Durchschnitt zu bezahlen. Nein Nokia hält sich nirgendwo mehr mit der Vorrede auf. Nokia will auch dem schnellsten Weg die Arbeiter in Rumänien ausbluten und aussaugen:
Der rumänische Gewerkschaftsbund Cartel Alfa hat dem finnischen Handy-Hersteller Nokia vorgeworfen, in seiner neuen Fabrik im rumänischen Jucu die Arbeitszeit über das in Rumänien zulässige Maß hinaus verlängern zu wollen.
Dies wäre «eine neue Form der Sklaverei», sagte der Präsident von Cartel Alfa, Bogdan Hossu, am Dienstag, wie die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax berichtete.
..
Nokia wolle über eine Änderung des rumänischen Arbeitsgesetzes erreichen, dass die Arbeiter in Jucu für 60 bis 70 Stunden pro Woche zur Arbeit verpflichtet werden dürfen, sagte Hossu weiter. Derzeit seien höchstens 48 Stunden zulässig. Rumäniens Arbeitsminister Paul Pacuraru hatte vor einigen Tagen erklärt, Nokia habe bei ihm eine Änderung des Arbeitsgesetzes mit dem Ziel beantragt, dieses «flexibler» zu machen. Einzelheiten wurden nicht genannt.
Dieser Dreck aus Finnland, der langsam aber sich auch von der finnischen Regierung gestoppt werden müsste, hat es wahrscheinlich deshalb so eilig mit der Ausbeutung der rumänischen Arbeiter, weil in wenigen Jahren, das gleiche gemeine und raffgierige Spiel am nächsten Standort beginnen sollen
Wie erwartet zeigte sich dann bei KDE auch ganz schnell, dass ein vernünftiges Arbeiten nicht mehr möglich war, aber Nokia ging dafür in seinen Gemeinheiten noch einen Schritt weiter und schaffte es in Finnland ein Schnüfffel- und Überwachungsgesetz über eine reine Erpressung durchzusetzen:
Die kleine schmutzige Handybude aus Finnland, die erst in Bochum mit der Anzahl der Mitarbeiter betrog, dann die Subventionen einstrich und nach Rumänien aufbrach, um dort die Arbeiter in die Lohnsklaverei zu pressen, hat in Finnland erneut zugeschlagen.
Mit der Drohung, die Werke in Finnland zu schließen, erpresste Nokia vom finnischen Staat ein Gesetz, das es finnischen Unternehmen erlaubt, ohne konkreten Verdacht Empfänger, Zeitpunkt und die Größe eventueller Dateianhänge von geschäftlich versandten E-Mails zu ermitteln und daraus angeblich auf Industriespionage zu ermitteln. Offiziell bleiben die Inhalte der Mails zwar unberührt, aber das kommt wahrscheinlich in der nächsten Runde.
Die finnische Polizei hatte sehr deutlich vor einem solchen Gesetz gewarnt, weil es nur der Schnüffel- und Kontrollsucht eines Unternehmens wie Nokia dient und die so gewonnenen Daten keine Aussagekraft haben. Aber darum geht es Nokia ja gerade nicht und es geht auch nicht um Industriespionage: Nokia hat das Problem, dass immer mehr Mitarbeiter erkennen, wie sehr sie ausgenutzt und betrogen werden.
Deshalb möchte Nokia soviel Kommunikationshoheit wie eben möglich. Gewerkschafter berichten unter der Hand darüber, dass bereits Mitarbeiter verwarnt wurden, weil sie am Werkstor mit Journalisten gesprochen haben sollen oder gar sich privat mit Journalisten getroffen haben. Nokia möchte das Bild nach außen wieder geraderücken, welches eigentlich mit der aktuellen Führung und dem aktuellen Stil von Nokia nicht mehr geradezurücken ist.
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Nokia noch mehr Kontrolle will - und diese Kontrolle wird nicht an den Werktoren haltmachen. Sie wird sich über die Nokia-Produkte bis in die letzte Ecke der Welt erstrecken. Nokia kennt kein Maß und kein Gesetz mehr. Wie das Beispiel Finnland zeigt, ist ein kleiner Nationalstaat nicht mehr in der Lage, sich mit solch einem Unternehmen anzulegen.
Aber immer wenn solch ein gieriges und kontrollsüchtiges Unternehmen glaubt mit allem durchzukommen, dann wird es von der eigenen Gier gefressen. Zum einen scheint es bis heute immer noch ein gewisses Maß an Boykott von Nokia zu geben, zum anderen haben sie alle Innovationen im eigenen Haus abgewürgt, weil sich die Geschäftsleitung ja für die Größten hielt und man allgemein meinte unbesiegbar zu sein.
Das Handybetriebssystem von Trolltech namens Qtopia, schrumpfte auf Qt Extended und ist heute ein Teil von Qt Mobility und da Nokia nun Windows Phone 7 als Betriebssystem einsetzen will, wird Nokia in Zukunft auf Silverlight als Entwicklungsplattform setzen, was das Ende von QT Mobility und über kurz oder lang auch von QT insgesamt und damit auch von KDE bedeutet. Witzigerweise beinhaltet der Vertrag mit Microsoft, dass die zukünftigen Nokia Benutzer auch die völlig unbrauchbare Suchmaschine Bing von Microsoft benutzen müssen. Vermutlich damit sie nicht erkennen welchen Quark sie sich haben andrehen lassen. Weissgarnix hat nicht nur eine schöne Verschwörungstheorie sondern auch eine klare Aussage über das Ergebnis dieser Zusammenarbeit:
Eine Verschwörungstheorie, so titelt die FTD: “Im September lässt Microsoft seinen Manager Stephen Elop an die Konzernspitze von Nokia ziehen. Dann legt Windows Phone 7 einen schwachen Marktstart hin. Und nun zwingt Elop dem weltgrößten Handykonzern die Plattform auf. Zufall? ”
Der Aktienkurs gab daraufhin heute Morgen 10% nach. Ich habe bereits auf Twitter hingewiesen: Wer an die Story glaubt, dass Nokia mit Windows7 den Markt erobert, der kann sich jetzt die Aktie zu einem Spotpreis ins Depot legen. Sollte die Zusammenarbeit zwischen Nokia und Microsoft nicht aufgehen, verkauft Nokia in ein paar Jahren wieder Gummistiefel.
Der neue Nokia-Chef Stephen Elop hatte ja bereits vor wenigen Tagen in einem internen Memo, das eher einem Brandbrief glich seinen Laden mit einer brennenden Ölplattform verglichen, von der man nur springen kann, wenn man nicht verbrennen will. Die meisten Ölplattformen sind allerdings so hoch, dass die Wasseroberfläche wie eine Betonplatte wirkt und man auch getötet wird.
Es geht also bei Nokia nur noch um die Art des Todes und nicht mehr darum den Tod zu verhindern. Allerdings scheint Elop zumindest einen guten Drogenlieferanten zu haben, denn er hat wohl noch süße Zukunftsträume:
Nokia-Chef Stephen Elop sagt, er habe auch mit Google über eine Android-Partnerschaft gesprochen, sich dann aber doch für Microsoft als Partner entschieden. Aus seiner Sicht hätte Nokia es schwer gehabt, sich aus der Masse verschiedener Hersteller von Android-Telefonen hervorzuheben - und wäre auch später als andere auf einen fahrenden Zug aufgesprungen. Zusammen mit Microsofts Windows Phone sehe er eher die Chance, den Markt von hinten aufzurollen.
..
Eine starke Position im Handy-Markt hat Microsoft derzeit definitiv nicht. In den vergangenen Jahren rutschte der Windows-Riese kontinuierlich ab und hielt zuletzt auch mit dem neuen Betriebssystem Windows Phone sieben gerade einmal drei Prozent des Smartphone-Marktes. Microsoft hofft jedoch, dass Nokias noch vorhandene Marktmacht den Windows-Telefonen einen Schub geben kann. Und Nokia muss nicht mehr so viel Kraft für die Entwicklung eines eigenen Betriebssystems aufwenden.
Ach ja und so wird aus zwei Einbeinigen ein Rennläufer. Viel realistischer ist das, was zur Zeit bereits passiert. Nokia-Chef Stephen Elop hat bereits massive Stellenkürzungen angekündigt und aus der Gerüchteküche ist zu hören, dass auch in Finnland mehr als 1.200 Stellen von den zur Zeit 19.800 Mitarbeiten gehen müssen. Da aber in Finnland alleine 6.300 Mitarbeiter in einer ziemlich ergebnislosen Forschung und Entwicklung arbeiten, dürfte der Stellenabbau in Finnland insgesamt wohl deutlich höher liegen. Weltweit könnten im ersten Zug wohl rund 12 Prozent der insgesamt 132.000 Stellen entfallen.
Den besten Kommentar zum Zusammenschluss von Nokia und Microsoft lieferte Google-Manager Vic Gundotra auf Twitter:
Zwei Truthähne ergeben keinen Adler
Die Addition von Nullen ergibt eben Null. Die Multiplikation von Nullen übrigens auch.

Tags für diesen Artikel: betrug, bochum, gier, handy, innovation, microsoft, nokia, qt, rumänien, subvention, trolltech, überwachung
Artikel mit ähnlichen Themen:
Trackbacks
Anonym am
09/30/11 um 09:26
Nokia - eine schnelle Genugtuung
Bereits gestern Abend gab es eine Meldung, die allen erklärten Nokia-Feinden die Freude ins Gesicht trieb: "Nokia schließt das Handywerk in Rumänien". Natüŕlich bezieht sich die Freude nicht auf die 2.200 Rumänen die nun arbeit ...
Bereits gestern Abend gab es eine Meldung, die allen erklärten Nokia-Feinden die Freude ins Gesicht trieb: "Nokia schließt das Handywerk in Rumänien". Natüŕlich bezieht sich die Freude nicht auf die 2.200 Rumänen die nun arbeit ...


















Schönes Wochenende Dir
"Nokia - Strategy w/o Vision"
http://ow.ly/3UUb4
"On a burning Platform - For some Years now!!!"
http://ow.ly/3UUb5
Sie können auch in der Höheren Mathematik mit diesen NULLEN viel machen, z.B. POTENZIEREN oder mit UNENDLICH multiplizieren ... kommt doch immer nur NULL raus;-)
Gruß
RicAlb/130211
hallo Herr Albrecht.
Mann muß die höher Mathematik anwenden um ein Ergebniss zu bekommen.
Voreilende Nullen? Immer an der Spitze dieser Unternehmen.
Diese können nur die Betriebswirtschaftlichen Rechnungen )Fälschungen) und die Subventionskalkulation. Innovation = Marketing-Gags. Fertig
Die nacheilenden Nullen können nun ans Betriebsergebniss angehängt werden.
Nachhilfe für Aktionäre:
Wenn ihr vorne viele Nullen habt (Vorstand) und hinten nur noch eine 1 (Werkstatt), dann könnt ihr auch Monopoly spielen - ist sinnvoller und schädigt die restlichen arbeitslosen 1 weniger.
Prost und viel Spass beim Schlampus an der Jahreshauptversammlung.
Wo zum Teufel bliebt Bakunin?
Gruß aus Baden.
ich verstehe nicht so ganz den ausdruck ihres ergusses.
nokia kassiert fördermittel und wenn es nichts
mehr gibt geht es halt weiter.
stinknormaler kapitalismus, westerwelles traum wird wahr, mehr nutto vom bretto.
grüße aus oldenburg