SOWISIFF
Neues aus Reiters Westlicher Wissenschaft: Talmisoziologie.
Über Kreativklasse & Postdemokratie, Modesoziologie & Oberflächenpolitologie
Richard Albrecht
Zehnte Flaschenpost aus dem Innern des Landes
SOWISIFF
Wissenschaft? Forschung? Wissenschaftliche Forschung? Forschende Wissenschaft?
„Eine Festung der Engstirnigkeit … Benutzbarkeit wird zum Kriterium … Was nicht ins Bild paßt, wird ausgesperrt. Die großen Vernachlässiger. Die Kurvenanpassung mit Korrekturgliedern. Das Denken mit unverrückbaren Ausgangspunkten, und von da an wird immer ein wenig geschwindelt. Die Naturverwüstung kommt in zweiter Linie, zuerst die Menschenverwüstung, Verkarstung des Bewußtseins. Erfolg als Kriterium für Richtigkeit.“[1]
I.
In meinem (subjekt)wissenschaftlichen Verständnis von Wissenschaft im allgemeinen und Sozialwissenschaft im besonderen geht es – so Werner Hofmann (1968) zum Allgemeinen – zunächst formal um "methodische (d.h. systematische und kritische) Weise der Erkenntnissuche" und inhaltlich "ihrem allgemeinen Inhalt nach gerichtet: 1. auf das Erscheinungsbild der Wirklichkeit (als sammelnde, beschreibende, klassifizierende Tätigkeit, als Morphologie, Typologe usw.); 2. als theoretische Arbeit auf Zusammenhang, Bedeutung, Sinngehalt der Erscheinungen, auf wesentliche Grundsachverhalte, auf Gesetze der Wirklichkeit. Die Erschließung des Erfahrungsbildes der Welt arbeitet der theoretischen Deutung vor; sie begründet deren empirische Natur und die Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse. Die Theorie aber stiftet erst die Ordnung des Erfahrungsbildes; sie erst gibt der empirischen Analyse ihren Sinn und nimmt die Erscheinungssicht vor der bloßen Form der Dinge in Hut. In diesem dialektischen Widerspiel von Erfassung und Deutung der Wirklichkeit ist konstitutiv für Wissenschaft die Theorie. Nicht immer verlangt das Verständnis von Wirklichkeit nach Theorie; doch erst mit der Theorie hebt Wissenschaft an."[2]
Genauer und zum Besonderen eines Handlungssinnverstehen sozialwissenschaftlichen Kernbereichs und seines Handlungssinnverstehens mit Theodor Geiger (1949):
"Die Soziologie kann sich nicht mit dem bloßen Registrieren menschlicher Handlungsweisen begnügen, sondern muß auch versuchen, die ihnen zugrundeliegenden subjektiven Prozesse aufzudecken und zu beschreiben."[3]
Damit ist ein wesentlicher Aspekt eines Anspruchsrahmens offengelegt. Man(n) könnte auch sagen: Geiger und Hofmann folgend, geht es im folgenden um SoWiSiff, um öffentlich als Sozialwissenschaftler und mit entsprechenden Stellen, Mitteln und Titeln versorgte Akademiker, die im Sinne des pars-pro-toto, also als Teil des Ganzen und seit Mitte des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert fürs Ganze stehn: Es geht im speziellen um die, (sozial-) wissenschaftlich bewertet, ephemeren Texte eines US-amerikanischen Modesoziologen und eines UK-englischen Oberflächenpolitologen: um die Creative Class von Professor Richard Florida (né 1957)[4] und um die Postdemokratie von Professor Colin Crouch (né 1944)[5].
II.
Wenn sich „die Nachgeborenen“, die sich mit dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts und seinen PromiSoWi´s beschäftigten, werden sie auf die Professoren Florida und Crouch als zwei nicht nur in Ganzdeutschland, sondern weltweit bekannte Namen stoßen. Ob diese Nachgeborenen beide für bedeutsam genug halten werden, um sich mit ihnen ephemeren publizistischen Absonderungen ideologie-kritisch auseinanderzusetzen, darf bezweifelt werden.
Anders die Lage des ideologie-kritischen Zeitgenossen, der in Richard Florida den fortschreitenden Identitätstyp des Soziologen ohne Gesellschaft vermutet. Floridas These (von) der Kreativen Klasse (Creative class) soll als „Wirtschaftstheorie“, so zusammenfassend das deutschsprachige Netzlexikon de.wikipedia, erkannt haben, "dass die kreativen Köpfe einer Gesellschaft und die von ihnen ausgehenden Innovationen entscheidend für das ökonomische Wachstum von Regionen sind. Zugehörige der Kreativen Klasse sind in allen Bereichen der Arbeitswelt zu finden, entscheidend ist ihr "kreativer Output" und die daraus entstehenden Innovationen."[6]
Und weiter:
"Florida geht davon aus, dass kreativer Output der wichtigste Faktor für Wirtschaftswachstum ist. [...] Fest steht, dass jeder Mensch ein kreatives Potential hat, jedoch muss er auch innerhalb eines Systems leben, das diese Kreativität fördert und zur Entfaltung bringt. (Florida. 2002. S. 56-57). Lange Zeit gingen die Innovationen von wenigen Einzelnen aus, die große Masse der Menschen arbeitete, ohne über ihre Arbeit nachzudenken. Dies traf besonders auf die Zeit der fordistischen Wirtschaftsordnung zu. Entstanden im frühen zwanzigsten Jahrhundert, teilte sie Wertschöpfungsprozesse in einzelne vordefinierte Schritte ein. Das Fliessband wurde zum Herzschlag der Produktion (Florida. 2002. S. 62-66). Jedoch wurde dieses System ungefähr seit den Achtziger Jahren großen Veränderungen unterworfen, ausgehend unter anderem von japanischen Unternehmen wie Toyota, welche erkannten, dass die Arbeiter einer Fabrik weit wichtiger für den Wertschöpfungsprozess waren als die benutzten Maschinen. Durch die härter gewordene globale Konkurrenz, gestiegenen Zeitdruck, durch kürzere Produktzyklen sowie die einhergehende Erkenntnis, dass diese Wirtschaftsordnung mit ihren vertikalen Organisationen und Hierarchien zu starr war, um diese Herausforderungen wirksam und erfolgreich zu bewältigen, entwickelten sich neue Formen der Wirtschaftsordnung. Flexibilisierung von Unternehmen, u.a. durch das Abflachen von Hierarchien, größere Verantwortungsbereiche für Angestellte, Partizipation aller Beteiligten des Produktionskreises am Innovations- und Problemlösungsprozess. Dies führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt. Arbeitende, die früher kein Teil des Innovationsprozesses waren, wurden nun miteingebunden, ihr kreatives Potenzial genutzt. Durch diese Entwicklung wuchs die Zahl der „Kreativen“ in der Wirtschaft beständig. In den USA beispielsweise betrug der Anteil der kreativen Klasse an den Beschäftigten etwa 10 % im Jahr 1900, und vergrößerte sich nach einem mäßigen Wachstum auf 20 %, bis zu den Jahren 1970-1980 auf 30 % im Jahre 2000 (Florida. 2002. S. 72-77). Auch der starke Anstieg der kreativen Arbeitsplätze Mitte der Achtziger Jahre ist zu erkennen."
Schließlich noch:
"Arbeitende werden aufgrund der Art ihrer Tätigkeit der kreativen Klasse zugeordnet, wobei Menschen aus allen Bereichen der Arbeitswelt der kreativen Klasse zugeordnet werden können, solange der Inhalt ihrer Arbeit einen kreativen Prozess in sich führt. Hierbei unterteilt Florida die kreative Klasse in zwei Gruppen: Dem Supercreative Core gehören diejenigen an, deren Profession und Hauptaufgabe es ist, etwas zu erschaffen und Neues zu produzieren. Diese Innovationen manifestieren sich z.B. in neuen Produkten, optimierten Prozessen oder neuem Gedankengut. Mitglieder des Supercreative Cores arbeiten in wissensintensiven Bereichen, z.B. Wissenschaftler, Künstler, Professoren, Lehrende, Designer und auch Unternehmer. Die zweite Gruppe ist diejenige der Creative Professionals, welche sich auch hauptsächlich mit wissensintensiver Arbeit beschäftigt. Es ist jedoch nicht die Hauptaufgabe ihrer Beschäftigung, etwas Neues zu erschaffen, jedoch erfordert ihre Profession eigenständiges Denken und kreative Problemlösungen. Mitglieder dieser Gruppe sind u.a. Anwälte, Manager, Facharbeiter, Ärzte etc."
Das ist der Kern dessen, so ein Frankfurtistischer Floridafan, was „der amerikanische Soziologe Richard Florida präsentiert [als] eine überzeugende Theorie, was Städte attraktiv und lebenswert macht.“[7]
Zugegeben: als ich dies las und nachlas[8] und weiterlas[9] – dachte ich zunächst und spontan an soziale Flora an dem Ort, der NMB oder Neue Mitte Berlin genannt wird, und an politische Fauna in Gestalt verflossener westlicher Staatenlenker wie Gerhard Schröder (SPD) und Anthony Blair (New Labour). Ich hätte auch denken können an im letzten Sommer (2010) taz-bedauerte, von ihren „creative class“-Männchen verlassene und alleinerziehende „Macchiato-Mütter“[10], die – so Ulrich Becks dichte Beschreibung einer Folge entwickelter kapitalischer „Arbeitsmarkt-Individualisierung“ – „oft nur ´einen Mann weit´ von der Armut entfernt“ sind[11] oder an die melancholische Autothematisierung oder Selbstdarstellung einer Musikerin, die sich als Protagonistin metropolischer Kreativbohème nur mittels eines „komplexen Jobcocktails über Wasser“ halten – vulgo überleben - kann und die weiß, daß und warum diese zeitgenössiche Bohème „kein klassenfreier Raum“ ist[12]. Und freilich hätte auch an das, was sich heuer ganzdeutsch als neue „digitale Bohème“[13] wähnt, sich öffentlich als kreativ ausruft und doch nur sozioparasitäre „theatralische Kulissenkultur“ (Hannah Arendt) hervorbringt, gedacht werden können …
Daß eine anglophone class mit einer gesellschaftlichen Klasse - etwa im Marx´schen Sinn - nichts an der Hutkrempe hat[14] sei ebenso nur angemerkt wie der so auffällige wie inflationäre Gebrauch von creative und creativity wenn es doch nicht um künstlerisches Schaffen[15], sondern um kapitalistisch verwertbare wirtschaftliche Neuerer oder ökonomische innovations und innovators geht. Nicht nachgesehen werden jedoch kann dem creative-class-heroe antisoziologisches (Un-) Verständnis von Gesellschaft als strukturellem soziokulturellen Zusammenhang[16] mit innovativer „Handlungsklasse“[17]. Insofern verbreitet der Verfasser sozialwissenschaftlichen Dummsinn und lockt seine Leser/innen auf (s)einen „Holzweg der Holzwege“ (Joseph Dietzgen). Dieser kann bestenfalls zu Wunschdenken oder wishful thinking und Luftschlössern oder castles in the air führen, entspricht freilich herrschender Wachstumsideologie. Damit wird hier die schon von Georg Lukács (1954)[18] grundlegend untersuchte Zerstörung der Vernunft in doppelter Weise und zur Tertiärexploitation[19] weitergetrieben. Der in der dumdumdum-Metapher tittytainment ausgedrückten Vorstellung des Fünftels, das den großen Rest einer Metropolengesellschaft unterhält, entspricht der Mythos (von) der Kreativklasse:
Gesellschaft kann jedoch als soziominoritäre Veranstaltung in keiner Weise funktionieren, weil Gesellschaft erstens immer einen allgemein-übergreifenen Handlungszusammenhang als Ensemble meint. Gesellschaft ist zweitens immer eine grundlegend organisierte – und damit auch alternativ organisierbare – Kollektivveranstaltung[20], genauer: Gesellschaft besteht nicht aus atomistisch „vereinzelten einzelnen“ und auch „nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehn“[21]. Das meint organisiert „handelnde Menschen in sich verhaltenden Gruppen“[22]. Und drittens, noch genauer: Gesellschaftsrelevant sind für jede Bürgergesellschaft oder civil society im besonderen immer intermediäre Gruppen als intermediary organizations[23]. Ihre Aufgabe besteht darin, „das Vakuum zwischen staatlicher Organisation und atomisierten einzelnen mit Strukturen zu füllen, die dem Zusammenleben der Menschen Sinn geben.“[24]
III.
Die als originell daherkommende poli(tologi)sche These von der Postdemokratie rückbezieht sich wohl auf den institutionellen Charakter des im allgemeinen stets „Demokratie“ genannten besonderen „Parlamentarismus“ als eine seiner Formen - will aber von jeder tieferlotenden Beschreibung oder weiterführenden Analyse, ganz zu schweigen von Kritik an „Parlamentarismus“[25] und/oder „Demokratie“, so verdammt gar nichts wissen … grad so als hielte der Verfasser seinen EinPunktHinweis für eine eigne Erfindung und wär´ noch stolz auf seine Ignoranz als eindimensionaler Flachdenker[26].
Crouch´ „Postdemokratie“ wird seit Jahren von ganzdeutschen Politbildner/innen aller Farben & Richtungen, Formate & Schattierungen und insonderheit denen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) nachgeplappert[27].
Im wenn ich´s recht verstand 2004 als Buch veröffentlichtem Crouch´schen “Hauptwerk”[28] des nun auch ganzdeutsch wirkenden britischen Politikwissenschaftler geht es unter den bekannten Stichworten „Politikverdrossenheit, Vertrauensverlust der Wähler, sinkende Wahlbeteiligung und nachlassende Bereitschaft zum politischen Engagement“ um „die Demokratie in einer Krise“[29]:
„Der Politikwissenschaftler Colin Crouch widmete sich […] auf einer Konferenz der Politischen Akademie in Berlin der Frage, ob Deutschland auf dem Weg in die ´Postdemokratie´ sei. Nach Crouchs Definition der ´Postdemokratie´ sind die Instutionen der parlamentarischen Demokratie formal gesehen vollkommen intakt, aber im Innern wird der demokatische Prozess stetig ausgehöhlt. Der Einfluß privilegierter Eliten auf die Politik steigt, die Interessen großer Wirtschaftsungternehmen treten in den Vordergrund. Parteien transformieren sich in Apparate zum Stimmenfang. Mediale Inszenierung ist wichtiger als Inhalt, charismatische Persönlichkeiten ersetzen Programmatik. Die Bevölkerung fühlt sich zunehmend nicht mehr durch die Parteien repräsentiert, sondern sieht die kleinen, zivilgesellchaftlichen Gruppen als ihre Interessenvertreter.“
Abgesehn von der sowohl logischen als auch empirischen Unmöglichkeit, daß „die Bevölkerung […] die kleinen, zivilgesellschaftlichen Gruppen als ihre Interessenvertreter“ ansieht – zitierte Kernaussagen sind zwar nicht grundfalsch, auszeichnen sich aber vor allem durch nachhaltig-wissenschaftliche Oberflächlichkeit und gesellschaftliche Ignoranz. Da weder hier noch sonstwo Nachhilfe in Form „gratiser Privatarbeit“ (Karl Marx) gegeben wird – ausreichen zur Begründung dieser Kritik wenige Stichworte … etwa diese:
Bereits Ende der 1950 Jahre wurde die „Politik der Massengesellschaft“ politiksoziologisch kritisiert, Anfang der 1960er Jahre war von „catch all parties“ und in Deutschland von „Allerweltsparteien“ die öffentliche Rede, 1967 wurde in (West-) Deutschland unterm Stichwort „Transformation der Demokratie“ (Johannes Agnoli) die Rückbildung oder „Involution“ demokratischer Staatsorgane kritisiert. Anfang der 1980er Jahre schließlich wurde auch sozialwissenschaftlich die Übermacht großer “corporative actors“ (James Coleman) als strukturbestimmendes Moment der Machtverschiebung zuungunsten der einzelnen und ihrer demokratischen Teilhabemöglichkeiten öffentlich an- und ausgesprochen.
Zur speziellen Crouch-Ignoranz der zunächst bundes-, seit zwanzig Jahren ganzdeutschen Verhältnisse kann auf eigene Studien und Fachveröffentlichungen verwiesen werden: etwa die sich schon in den 1980er Jahren hierzulande andeutende defizitäre „Politik von unten“ als fehlende „basisdemokratische Erneuerung“[30] des gesamten politisch-institutionellen Systems. Verwiesen werden kann auch auf an der von Rudolf Wildenmann (1921-1993) geleiteten Forschungsstelle für gesellschaftliche Entwicklung (Research Unit for Societal Development) 1989/91 erarbeitete Publikationen aus dem damaligen Arbeitsfeld zeitdiagnostischer politischer Soziologie: etwa auf die in kritischer Rezeption der Individualisierungsthese (die in Ulrich Becks 1986 erschienenem soziologischen Besteller „Risikogesellschaft“ als „Arbeitsmarkt-Individualisierung“ beschrieben wurde), vor allem aber auf die in Auseinandersetzung mit der rechtssozialdemokratisch-gouvernementalen „late modern age“-Ideologie von Baron Anthony Giddens[31] entwickelte Grundthese vom doppelten demokratischen Defizit im gegenwärtigen Deutschland: einmal gäbe es in den „neuen“ Mittelschichten „erweiterte Ansprüche auf aktive politische Teilhabe (Partizipationsansprüche)“; zum anderen wären innerhalb „alter“ Arbeitergruppen „erweiterte Ansprüche auf politische Vertretung (Repräsentationsansprüche)“ erkennbar. Beide Aspekte bildeten als „basale demokratische Mängellagen“ ein (als DDD-Syndrom bezeichnetes) grundlegendes soziopolitisches Defizit[32].
Es bedarf weder hier noch andernorts eines weiteren gesonderten, aufwändig argumentierenden Nachweises, daß einer so eindimensional-ignorantische Oberflächenpolitologie wie der von Crouch propagierten „Postdemokratie“ das, was durchaus als sinnhaftes soziales Handeln aufscheinen kann – Nichtwählen – wissenschaftlich unzugänglich sein und bleiben muß[33].
IV.
Die öffentlich-beredt vorgetragenen Meinungen & Behauptungen, Einlassungen & Thesen von Florida und Crouch erinnerten mich an Hinweise des österreichischen Wissenschaftstheoretikers Paul Feyerabend. In seiner "Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie" kritisierte Paul schon 1976 öffentlich „Cliquen von intellektuellen Parasiten, die ihre miserablen Projekte auf Kosten der Steuerzahler ausarbeiten und der jüngeren Generation als ´fundamentale Erkenntnisse´ einbläuen“ und „die […] ganze Universitätsinstitute in Besitz nehmen und bestimmen, wer in ihren Kreis aufgenommen wird und in den Genuß von Steuergeldern kommt“[34]. Und Feyerabend polemisierte 1984 so enragiert wie zutreffend gegen intellektuell verzwergte „akademische Rotznasen“, die „mit Wohlgefallen ihre großen Gehälter einkassieren, ohne Dankbarkeit, ohne ein Gefühl der Verpflichtung jenen Menschen gegenüber, die ihr Vertrauen in sie setzten, ohne einen Sinn für Perspektive.“[35]
Was ich bisher am Beispiel zweier weltweiter und www-SoWi-Promis knapp und polemisch kritisierte, nenne ich sowohl belanglosen akademischen Ideologiemüll als auch scheinwissenschaftlichen SoWiSiff. Damit ist weniger Bedauern als vielmehr Verachtung für diese Form intellektueller Mehrfachverkommenheit ausgedrückt. Freilich weiß auch ich: Man(n) muß weder politisch „links vom Möglichen überhaupt“ (Walter Benjamin) lagern noch Sinologie studiert haben und schon gar kein Maoist gewesen sein, um der altchinesischen Spruchweisheit zuzustimmen: im platten Land wirkt selbst der Hügel wie ein Berg. Dies aber auch nur dann und nur insofern, wenn auch im SoWi-Bereich im Sinne nachhaltig wirksamer Verkehrungsprozesse[36] wirklichlichkeitsbezogene sozialwissenschaftliche Analysen auf MMTSGR-Basis [money-makes-this-science-go-round] nach dem DEAD-Muster [Diffamieren – Einschüchtern – Ausgrenzen – Denunzieren] zunehmend unterdrückt und/oder dauerhaft in publizistische Nischen abgedrängt oder/und nachhaltig ignoriert werden.
Ob - und wenn dies wann - Teile der „Nachgeborenen“ später einmal verwundert fragen mögen, was denn zu Beginn des 21. Jahrhunderts aus in den 1970/80er Jahren öffentlich breit publizierten kritisch-sozialwissenschaftlichen Ansätzen wie etwa dem von Louis Althusser zu repressiven und ideologischen „Staatsapparaten“[37] oder dem von Pierre Bourdieu über besondere subjektbezogene Handlungstrategien systemreproduktiver Machtsicherungsprozesse[38] oder von (damals noch) Bob Connell über (an der australischen Gesellschaft herausgearbeiteten) Studien zum Zusammenhang von Klassenherrschaft und Kultur[39] geworden ist – kann ich heute, Mitte Februar 2011, nicht wissen. Ich sehe heute nur diese doppelte Regression auch als Audruck eines sozialen Zerfallsprozesses: anstatt Studien wie die letztgenannte weiterzuführen und auszuweiten auf Ruling Media – Ruling Science ist in dieser Richtung nicht nur nichts geschehen. Vielmehr scheint es so als habe es empirische Ansätze wie Ruling Class – Ruling Culture und linksmarxistische Kritik am Staatsfetisch nie gegeben und als wäre Pierres Herrschafts- und Systemkritik auf sein Ende 1997 öffentlich vorgebrachtes politisches Credo contre la précarité[40] reduzierbar. Und mehr noch: gegenüber dieser Modesoziologie und Oberflächenpolitologie à la Florida und Crouch erscheinen selbst begrenzt-kritische Hinweise etwa des ehemaligen SPD-Vordenkers Peter Glotz (1939-2005) aus den späten 1980er Jahren zum „nur von passiver Zustimmung getragenen“ (bundes-) deutschen Parteiensystem[41] einerseits und zur Bedeutung von Großstädten als „Laboratorien der Modernisierung“[42] andererseits als politiksoziologischer Fortschritt. Insofern steht die weltweitverbreitete Oberflächenpolitologie und Modesoziologie der Crouch und Florida weit unterhalb allen seinerzeit zutreffend kritisiertem feuilletonistischen „Gewäsches“[43].
V.
Aus meiner Sicht drückt der hier nur exemplarisch angesproche „schwerwiegende partielle Denkverlust“ (Hans Kilian) etwas aus, das ich als nachhaltigen gesellschaftlichen Involutionsprozeß bezeichnen möchte. Dieser geht über die historisch bekannte operettenhafte „theatralische Kulissenkultur“ der „Kulturberufe“[44] hinaus und hat, wie gezeigt, nun auch das sozialwissenschaftliche Feld erreicht, um es umzupflügen. Thesenhaft verallgemeinert: zum einen ist unter postmodern(istisch)en Vorzeichen im allgemeinen höchste Vorsicht geboten mit Blick auf das (angebliche oder wirkliche) Fachwissen dieser Leute in wirtschaftlicher und/oder sozialer oder/und zeitgeschichtlicher Hinsicht; zum anderen verlohnt es typischerweise nicht, sich (fach-) wissenschaftlich en détail damit auseinanderzusetzen[45]: Ideologie-Kritik reicht aus.
Auffällig schließlich - und vermutlich im Rezeptionsbereich empirisch nachweisbar - daß postmodern(isch)e Ideologie wie die Florida´sche Kreativklasse und die Crouch´sche Postdemokratie heuer besonders gut ankommt in der ganzdeutschen Gegenwartsgesellschaft im allgemeinen und bei ihrer Lumpenelite nebst aggregierter Medienstricherei im besonderen. Unverkennbar ist grad hier der medienkulturelle Drang in die wohlige „Kuhstallwärme“ (Theodor Geiger) im neuen ganzdeutschen „establishment“: den weiland Klaus Staeck, Uwe Timm und Peter Sloterdijk folgten nun die Franz Sommerfeld, Michael Thalheimer und Hendrik M. Broder als Neo-„Fanatiker der Obrigkeit“ und sozial korrumpierte „Büttel der Herrschenden“, die an deren „Besitzständen und Machtstrukturen schmarotzend“ teilhaben durch ihre „klägliche Infamie der bürgerlichen Mitte mit angeschlossener Kleinkrämerei“[46].
Und sofern´s dort noch Freiplätze gibt werden gewiß weitere Medienideologen aus dem breiten Feld der Ruling Media einer nun ganzdeutsch organisierten Ruling Class als dienende Kopflanger folgen wollen … was scheinbar alle selbstbewußte und politparteien-unabhängige linksalternative, mediale Gegenöffentlichkeit (LAMGÖ) schwächt – dialektisch gesehn jedoch die Erfordernis, diese herauszubilden, zu festigen und zu entwickeln verdeutlichen und insofern auch durchaus Kräfte für diese Große Arbeit freizusetzen vermag.
[1] Walter E. Richartz, Reiters Westliche Wissenschaft. Roman. Zürich 1980: 212
[2] Werner Hofmann, Wissenschaft und Ideologie; in: ders., Universität, Ideologie, Gesellschaft. Beiträge zur Wissenschaftssoziologie. Frankfurt/Main ²1968: 49-66
[3] Theodor Geiger, Über Soziometrik und ihre Grenzen; in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 1 [1948/49]: 292-302
[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Florida
http://www.rotman.utoronto.ca/facbios/viewFac.asp?facultyID=florida http://www.creativeclass.com/richard_florida/
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Florida
http://www.thing-net.de/cms/docs/stbeck-florida-lesen01-fn01.pdf
[5] http://www.wbs.ac.uk/faculty/members/colin/crouch
http://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Crouch [in en.wikipedia.org nicht verzeichnet]
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Kreative_Klasse
[7] http://www.thing-net.de/cms/docs/stbeck-florida-lesen01-fn01.pdf
[8] Richard Florida, The Rise of the Creative Class. And How It's Transforming Work, Leisure Community and Everyday Life (Basic Books, 2002)
[9] Richard Florida, Cities and the Creative Class (Routledge, 2005)
[10] http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-verlassenen-macchiato-muetter/
[11] Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/Main 1986: 183
[12] http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2003/06/20/a0124
[13] Sascha Lobo; Holm Friebe, Wir nennen es Arbeit. München ²2006
[14] Richard Albrecht, Alte Armut - Neue Armut. Theoretische und empirische Aspekte des Pauperismus; in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 42 (2006) 2/3: 145-161; online http://www.forced-labour.de/wp-content/uploads/2008/10/alte-neue-armut-dra-2008-23-p.pdf ; zusammenfassend ders., Subjektmarxismus; in: soziologie heute, 3 (2011) 15: 20-23
[15] Wilma Ruth Albrecht, „Wer von den Produktionsverhältnissen nicht reden will, sollte vom malerischen Schaffen schweigen …“ Illustrierte These zur Malerei als Prolegomena einer speziellen Soziologie der Künste; in: soziologie heute, 3 (2010) 15: 18-23
[16] Dieter Claessens, Das Heraustreten aus der Masse als Kulturarbeit. Zur Theorie einer Handlungsklasse – „quer zu Bourdieu“; in: Klassenlage, Lebensstil und kulturelle Praxis […]. Pierre Bourdieus Klassentheorie. Hg. Klaus Eder. Frankfurt/Main 1989: 303-340
[17] Claessens, op.cit., 305: eine „heterogene Subkultur von Menschen“ als „´Motoren der Gesellschaft´“
[18] Georg Lukacs, Die Zerstörung der Vernunft. Der Weg des Irrationalismus von Schelling zu Hitler [1954]. Berlin/Weimar 1984; ideologie-kritisch weiterführend: Hartmut Krauss, Das umstrittene Subjekt der „Post-Moderne“; in: Gescheiterte Moderne? Zur Ideologiekritik des Postmodernismus. Essen 2002: 93-121
[19] Richard Albrecht, Tertiäre Ausbeutung; Zukunftsperspektive(n): historisch materialistische Realanalysen des 21. Jahrhunderts; in: Kultursoziologie, 16 (2007) II: 133-150
[20] Emil Lederer, Die sozialen Organisationen. Leipzig ²1922; James S. Coleman, The Asymmetric Society (Syracuse University Press, 1982)
[21] Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie [Rohentwurf 1857/58], Berlin 1974: 176
[22] Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben [1958]; München-Zürich 1987: 42
[23] William Kornhauser, The Politics of Mass Society (The Free Press, 1959)
[24] Ralf Dahrendorf, Der modern soziale Konflikt. Stuttgart 1992: 44
[25] http://www.forced-labour.de/archives/1285
http://www.saarbreaker.com/2009/09/parlamentarismus-kritik
http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Parlamentarismuskritik.pdf
[26] http://ricalb.files.wordpress.com/2009/08/eindimensionalitaet.pdf
http://www.saarbreaker.com/2009/09/kritik-des-eindimensionalen-denkens
[27] Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 38/09, 14. September 2009, 40 p.: „Parlamentarismus“; APuZ 51/09, 14. Dezember 2009, 40 p.: „Bundestagswal 2009“; APuZ 1-2/2011: 3. Januar 2011, 48 p.: “Postdemokratie?”; APuZ 4/2011, 24. Januar 2011, 48 p.: “Parlamentarismus“
[28] Colin Crouch, Post-democracy. Themes for the 21st Century (Polity Press, 2004)
[29] Zitate nach FES INFO 3/2010. Hg. Friedrich-Ebert-Stiftung: 16
[30] Wilma R. Albrecht, Politik von unten; in: Neue Politische Literatur, 32 (1987) 1: 75-92
[31] Anthony Giddens, The Consequences of Modernity (Polity Press, 1990); kritisch rezensiert von Richard Albrecht: Communications, 16 (1991) 3: 396-398
[32] Forschungsstelle für Gesellschaftliche Entwicklung (Hg.), Orientierung – Design – Personen – Projekte. Mannheim 1989: 12; dies./ebenda 1990: 41; Richard Albrecht, Umbruchslagen. Materialien zur Theorie und Methodologie des beschleunigten gesellschaftlichen Wandels. Mannheim: FGE, 1990, 220 p. [unpublizierter Forschungsbericht]; ders., Der unbewältigte Wandel. Über Risiken und Chancen der modernen Moderne; in: Kurswechsel, 4/1990: 70 ff.; ders., Differenzierung - Pluralisierung -Individualisierung. Umbruchsprozesse der bundesrepublikanischen Gesellschaft; in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 41 (1990) 8: 503 ff.; [unkorrigierte Netzversion: http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1990/1990-08-a-503.pdf ]; ders., Das doppelte demokratische Defizit; in: Recht und Politik, 28 (1992) 1: 13 ff.; zusammenfassend ders., http://ricalb.files.wordpress.com/2009/07/politische-soziologie.pdf; marxistisch weiterführend: Ellen Meiksins Wood, Democracy against Capitalism. Renewing Historical Materialism (Cambridge University Press, 1995)
[33] Aktuell anstatt weiterer vgl. diese Beiträge des Autors [2009/10]:
http://www.saarbreaker.com/2009/09/falschwhler/#more-3043http://www.forced-labour.de/archives/1248
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/09/flachdenkerorgie2.pdf
http://www.kritiknetz.de/staatskritik
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/10/regierungsmehrheit10.pdf
http://www.forced-labour.de/archives/1307#more-1307
http://www.forced-labour.de/archives/1315
http://www.saarbreaker.com/2009/09/pisakrppel-whlen-politkrppel-oder-aller-guten-dinge-sind-dre
http://ricalb.files.wordpress.com/2010/05/quorieren2.pdf
http://www.forced-labour.de/archives/1384
http://www.saarbreaker.com/2010/05/quorieren/#more-3488
http://www.duckhome.de/tb/archives/8595-MEHRHEITSLEGENDEN.html
http://www.duckhome.de/tb/archives/8864-REGIERUNGSFARCE.html
[34] Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie. Frankfurt/Main 1976: 17, Anmerkung 6
[35] Paul Feyerabend, Wissenschaft als Kunst. Frankfurt/Main 1984: 1
[36] Richard Albrecht, SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert. Aachen 2008
[37] Louis Althusser, Lénine et la Philosophie. Paris 1969; erweiterte englische Ausgabe udT. Lenin and Philosophy and other Essays (Monthly Review Press, 1971, esp. 121-176)
[38] Pierre Bourdieu et. al., La reproduction […]; Paris 1970; Les stratégies de reconversion […]; in: Social Science Information, 5/1973: 61-113; P.B., La production de la croyance […]; in: actes de la recherches en sciences sociales, 13/Février 1977: 3-43; Homo academicus. Paris 1984; La Noblesse d´état. Paris 1989
[39] Robert W. Connell, Ruling Class – Ruling Culture. Studies of Conflict, Power & Hegenomy in Australian Life (Cambridge University Press, 1977)
[40] http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/prekaer/bourdieu.pdf
[41] Peter Glotz, Die Parteien auf dem Prüfstand; in: Bertelsmann Briefe, 124/Juni 1989: 5-10
[42] Peter Glotz, Modernisierung als Schlüsselbegriff der Linken; in: Republikanische Kulturnotizen, 9/Juni 1989: 11-18
[43] Ernst Bloch, Zerstörte Sprache – Zerstörte Kultur [Juni 1939]; in: ders., Vom Hazard zur Katastrophe. Politische Aufsätze 1934-1939. Frankfurt/Main 1972: 403-427; historisch weiterführend: Richard Albrecht, „Zerstörte Sprache – Zerstörte Kultur“ - Ernst Blochs Exil-Vortrag vor siebzig Jahren: Geschichtliches und Aktuelles; in: Bloch-Jahrbuch 13 (2009): 223-240
[44] http://www.duckhome.de/tb/archives/8511-KULISSENKULTUR.html
http://soziologisch.wordpress.com/2010/10/12/theatralische-kulissenkultur/
Ausführlicher mit weiteren Nachweisen Richard Albrecht, „Das totalitäre Phänomen“: Zur politischen Soziologie des Totalitarismus der deutsch-jüdischen Autorin Hannah Arendt; in: soziologie heute, 3 (2010) 12: 32-35; 13: 36-38
[45] http://www.duckhome.de/tb/archives/8826-DIE-WAHRHEITSLUEGE.html
http://www.saarbreaker.com/2011/02/die-wahrheitslge/
[46] Gerhard Zwerenz, Der plebejische Intellektuelle. Essays. Frankfurt/Main 1973: 7-33
Anhang (010311)
-RicAlb, 19. Februar 2011
e-Brief an: apuz
Betreff: -> Dr´es Öztürk & Golz <- AutText
"Sehr geehrte/r Frau; Herr Doktor, Sie finden anbei (als doc+pdf) meinen Kürzestessay. Den ich Ihnen hiermit als "Miszelle" zum E r s t druck in APuZ anbiete. Betrachten Sie diese Veröff. bitte als Chance. Für Sie als verantwortl. Redaktors APuZ. Einfach deshalb, weil diese APuZ-Veröff. meines Beitrags empirisch belegen würde: Die APuZ veröffentlichte damals nicht nur belanglosen akademischen Ideologiemüll und scheinwissenschaftlichen SoWiSiff [...] "
-Antwort, 01. März 2011
"Sehr geehrter Herr Dr. Albrecht, vielen Dank für Ihr Angebot. Leider haben wir zurzeit keine passende Themenausgabe in der Planung, so dass ich Ihnen leider keine Publikationsmöglichkeit anbieten kann. Mit freundlichen Grüßen Asiye Öztürk"
-Notiz (Autorenklade)
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Richard Albrecht, PhD. (1976: Cultural Studies), Dr.rer.pol.habil. (1989: Politikwissenschaft) ist Sozialwissenschaftler & Wissenschaftspublizist, Autor & Editor (unter anderem der unabhängigen Netzmagazine http://www.rechtskulturaktuell.de: 2002/07, http://www.mozart1.de: 2007/09 [und] http://eingreifendes-denken.net: 2009/10). Als historisch arbeitender Sozialforscher beschäftigte sich Richard Albrecht in seinem letzten großen Forschungsprojekt (2005-2009) mit Genozidpolitik im 20. Jahrhundert und veröffentlichte drei Bände (Aachen: Shaker [= Allgemeine Rechtswissenschaft], Bd. 1: Völkermord(en) 2006, ISBN 978-3-8322-5055-3; Bd. 2: Armenozid 2007, ISBN 978-3-8322-5738-5; Bd. 3: Hitlergeheimrede 2008, ISBN 978-3-8322-6695-0) und zahlreiche Zeitschriftenbeiträge: http://ricalb.files.wordpress.com/2010/10/auswahlbibliographie.pdf. - Weitere Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen (seit 2006, unter anderem): Alte Armut - Neue Armut. Theoretische und empirische Aspekte des Pauperismus; Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 42 (2006) 2/3: 145-161; http://www.forced-labour.de/wp-content/uploads/2008/10/alte-neue-armut-dra-2008-23-p.pdf; Zukunftsperspektiven: (I) Denkauslöser, Realitäten, planende Kreativität bei Marx; (II) Arbeitslosigkeit – Subjekt- und Realanalyse; Forum Wissenschaft, 23 (2006) 4: 51-52; 24 (2007) 1: 61-63; http://www.forced-labour.de/archives/957; „Demoskopie als Demagogie“ – Kritisches aus den achtziger Jahren“ (= Sozialwissenschaft). Aachen: Shaker, 2007 [mit CD-Rom], ISBN 978-3-8322-6324-9; StaatsRache - Justizkritische Beiträge gegen die Dummheit im deutschen Recht(ssystem). München: GRIN Verlag für akademische Texte, ²2007, ISBN 978-3638705011; Crime/s Against Mankind, Humanity, and Civilisation, München: GRIN, 2008, ISBN 978-3638888639; Bürgerrechte – Staatspflichten – Rechtsprechung – Bürokratie (= Justizkritik 1). München: GRIN, 2008, ISBN 978-3638889261; ´Beleidigung´ – Materialien zur Kritik eines justiziellen Phantomdelikts (= Justizkritik 2). München: GRIN, 2008, ISBN 978-3638889629; Such Linge. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert. Aachen: Shaker (= Sozialwissenschaft), 2008, ISBN 978-3-8322-7333-0; „Weltmacht Habermas“: Tönnies-Forum, 18 (2009) 2: 5-25, „Zerstörte Sprache - Zerstörte Kultur“ - Ernst Blochs Exil-Vortrag vor siebzig Jahren: Bloch-Jahrbuch 13 (2009) 223-240; „Zerstörte Sprache“ – Zum 125. von Ernst Bloch: soziologie heute, 3 (2010) 11: 24-26; „Einmal Emigrant - immer Emigrant“ - René König; soziologie heute, 3 (2010) 10: 30-33; „Das totalitäre Phänomen“: Zur politischen Soziologie des Totalitarismus der deutsch-jüdischen Autorin Hannah Arendt; soziologie heute, 3 (2010) 12: 32-35; 13: 36-38; Subjektmarxismus; soziologie heute, 3 (2011) 15: 20-23. - Richard Albrechts literarische post-68er-Textanthologie HELDENTOD. Kurze Texte aus Langen Jahren (Aachen: Shaker Media, 2011, 98 p., 10.90 €, ISBN 978-3-86858-613-8) soll Anfang März 2011 erscheinen. Im www sind neben weiteren Texten kostenfrei zugänglich Richard Albrechts Forschungsbericht zur internationalen vergleichenden Völkermordforschung http://ricalb.wordpress.com/2009/07/murdering-people, seine Projektskizze zur Völkermordverhinderung / Genozidprävention http://www.kritiknetz.de/neuerechte/521-vergleichende-voelkermordforschung-als-beitrag-zur-genozidpraevention und seine Polemik gegen die Phalanx führender ganzdeutscher Ideologen, die nach wie vor als Zeitgeschichtler anerkannt sind, udT. Die WahrheitsLüge http://www.saarbreaker.com/2011/02/die-wahrheitslge/ [und] http://www.duckhome.de/tb/archives/8826-DIE-WAHRHEITSLUEGE.html . - Nach Abschluß seiner Recherchen zu „Textsoziologie als praktische JustizKritik – am Beispiel des deutschen Familien- und Jugendrechts(systems)“ [=> JustizKritik 3], „Rosenholtz – Geschichte einer Fälschung“ und seiner sozialwissenschaftlichen Zeitdiagnose „Open Access, Pisadeutsche & mehr“ arbeitet der Autor sowohl an einer Buchreihe mit Beiträgen zur reflexivhistorischen Sozialforschung (-> http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost) als auch an Theaterprojekten.
DNB-Link -> http://d-nb.info/gnd/132522934
Bio-Bibliographie -> http://ricalb.files.wordpress.com/2011/01/cv1.pdf
GRIN-Autorenlink -> http://www.grin.com/profile/6760/richard-albrecht
Dies ist die duckhome-Textversion der gleichnamigen WissenschaftsKritik aus dem neuen e-Archiv des Autors EINGREIFENDES DENKEN -> http://ricalb.files.wordpress.com/2011/02/flaschenpost6.pdf [Zehnte Flaschenpost an die Nachgeborenen]
(c) Autor (2011)
„Eine Festung der Engstirnigkeit … Benutzbarkeit wird zum Kriterium … Was nicht ins Bild paßt, wird ausgesperrt. Die großen Vernachlässiger. Die Kurvenanpassung mit Korrekturgliedern. Das Denken mit unverrückbaren Ausgangspunkten, und von da an wird immer ein wenig geschwindelt. Die Naturverwüstung kommt in zweiter Linie, zuerst die Menschenverwüstung, Verkarstung des Bewußtseins. Erfolg als Kriterium für Richtigkeit.“[1]
I.
In meinem (subjekt)wissenschaftlichen Verständnis von Wissenschaft im allgemeinen und Sozialwissenschaft im besonderen geht es – so Werner Hofmann (1968) zum Allgemeinen – zunächst formal um "methodische (d.h. systematische und kritische) Weise der Erkenntnissuche" und inhaltlich "ihrem allgemeinen Inhalt nach gerichtet: 1. auf das Erscheinungsbild der Wirklichkeit (als sammelnde, beschreibende, klassifizierende Tätigkeit, als Morphologie, Typologe usw.); 2. als theoretische Arbeit auf Zusammenhang, Bedeutung, Sinngehalt der Erscheinungen, auf wesentliche Grundsachverhalte, auf Gesetze der Wirklichkeit. Die Erschließung des Erfahrungsbildes der Welt arbeitet der theoretischen Deutung vor; sie begründet deren empirische Natur und die Überprüfbarkeit ihrer Ergebnisse. Die Theorie aber stiftet erst die Ordnung des Erfahrungsbildes; sie erst gibt der empirischen Analyse ihren Sinn und nimmt die Erscheinungssicht vor der bloßen Form der Dinge in Hut. In diesem dialektischen Widerspiel von Erfassung und Deutung der Wirklichkeit ist konstitutiv für Wissenschaft die Theorie. Nicht immer verlangt das Verständnis von Wirklichkeit nach Theorie; doch erst mit der Theorie hebt Wissenschaft an."[2]
Genauer und zum Besonderen eines Handlungssinnverstehen sozialwissenschaftlichen Kernbereichs und seines Handlungssinnverstehens mit Theodor Geiger (1949):
"Die Soziologie kann sich nicht mit dem bloßen Registrieren menschlicher Handlungsweisen begnügen, sondern muß auch versuchen, die ihnen zugrundeliegenden subjektiven Prozesse aufzudecken und zu beschreiben."[3]
Damit ist ein wesentlicher Aspekt eines Anspruchsrahmens offengelegt. Man(n) könnte auch sagen: Geiger und Hofmann folgend, geht es im folgenden um SoWiSiff, um öffentlich als Sozialwissenschaftler und mit entsprechenden Stellen, Mitteln und Titeln versorgte Akademiker, die im Sinne des pars-pro-toto, also als Teil des Ganzen und seit Mitte des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert fürs Ganze stehn: Es geht im speziellen um die, (sozial-) wissenschaftlich bewertet, ephemeren Texte eines US-amerikanischen Modesoziologen und eines UK-englischen Oberflächenpolitologen: um die Creative Class von Professor Richard Florida (né 1957)[4] und um die Postdemokratie von Professor Colin Crouch (né 1944)[5].
II.
Wenn sich „die Nachgeborenen“, die sich mit dem ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts und seinen PromiSoWi´s beschäftigten, werden sie auf die Professoren Florida und Crouch als zwei nicht nur in Ganzdeutschland, sondern weltweit bekannte Namen stoßen. Ob diese Nachgeborenen beide für bedeutsam genug halten werden, um sich mit ihnen ephemeren publizistischen Absonderungen ideologie-kritisch auseinanderzusetzen, darf bezweifelt werden.
Anders die Lage des ideologie-kritischen Zeitgenossen, der in Richard Florida den fortschreitenden Identitätstyp des Soziologen ohne Gesellschaft vermutet. Floridas These (von) der Kreativen Klasse (Creative class) soll als „Wirtschaftstheorie“, so zusammenfassend das deutschsprachige Netzlexikon de.wikipedia, erkannt haben, "dass die kreativen Köpfe einer Gesellschaft und die von ihnen ausgehenden Innovationen entscheidend für das ökonomische Wachstum von Regionen sind. Zugehörige der Kreativen Klasse sind in allen Bereichen der Arbeitswelt zu finden, entscheidend ist ihr "kreativer Output" und die daraus entstehenden Innovationen."[6]
Und weiter:
"Florida geht davon aus, dass kreativer Output der wichtigste Faktor für Wirtschaftswachstum ist. [...] Fest steht, dass jeder Mensch ein kreatives Potential hat, jedoch muss er auch innerhalb eines Systems leben, das diese Kreativität fördert und zur Entfaltung bringt. (Florida. 2002. S. 56-57). Lange Zeit gingen die Innovationen von wenigen Einzelnen aus, die große Masse der Menschen arbeitete, ohne über ihre Arbeit nachzudenken. Dies traf besonders auf die Zeit der fordistischen Wirtschaftsordnung zu. Entstanden im frühen zwanzigsten Jahrhundert, teilte sie Wertschöpfungsprozesse in einzelne vordefinierte Schritte ein. Das Fliessband wurde zum Herzschlag der Produktion (Florida. 2002. S. 62-66). Jedoch wurde dieses System ungefähr seit den Achtziger Jahren großen Veränderungen unterworfen, ausgehend unter anderem von japanischen Unternehmen wie Toyota, welche erkannten, dass die Arbeiter einer Fabrik weit wichtiger für den Wertschöpfungsprozess waren als die benutzten Maschinen. Durch die härter gewordene globale Konkurrenz, gestiegenen Zeitdruck, durch kürzere Produktzyklen sowie die einhergehende Erkenntnis, dass diese Wirtschaftsordnung mit ihren vertikalen Organisationen und Hierarchien zu starr war, um diese Herausforderungen wirksam und erfolgreich zu bewältigen, entwickelten sich neue Formen der Wirtschaftsordnung. Flexibilisierung von Unternehmen, u.a. durch das Abflachen von Hierarchien, größere Verantwortungsbereiche für Angestellte, Partizipation aller Beteiligten des Produktionskreises am Innovations- und Problemlösungsprozess. Dies führte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Arbeitswelt. Arbeitende, die früher kein Teil des Innovationsprozesses waren, wurden nun miteingebunden, ihr kreatives Potenzial genutzt. Durch diese Entwicklung wuchs die Zahl der „Kreativen“ in der Wirtschaft beständig. In den USA beispielsweise betrug der Anteil der kreativen Klasse an den Beschäftigten etwa 10 % im Jahr 1900, und vergrößerte sich nach einem mäßigen Wachstum auf 20 %, bis zu den Jahren 1970-1980 auf 30 % im Jahre 2000 (Florida. 2002. S. 72-77). Auch der starke Anstieg der kreativen Arbeitsplätze Mitte der Achtziger Jahre ist zu erkennen."
Schließlich noch:
"Arbeitende werden aufgrund der Art ihrer Tätigkeit der kreativen Klasse zugeordnet, wobei Menschen aus allen Bereichen der Arbeitswelt der kreativen Klasse zugeordnet werden können, solange der Inhalt ihrer Arbeit einen kreativen Prozess in sich führt. Hierbei unterteilt Florida die kreative Klasse in zwei Gruppen: Dem Supercreative Core gehören diejenigen an, deren Profession und Hauptaufgabe es ist, etwas zu erschaffen und Neues zu produzieren. Diese Innovationen manifestieren sich z.B. in neuen Produkten, optimierten Prozessen oder neuem Gedankengut. Mitglieder des Supercreative Cores arbeiten in wissensintensiven Bereichen, z.B. Wissenschaftler, Künstler, Professoren, Lehrende, Designer und auch Unternehmer. Die zweite Gruppe ist diejenige der Creative Professionals, welche sich auch hauptsächlich mit wissensintensiver Arbeit beschäftigt. Es ist jedoch nicht die Hauptaufgabe ihrer Beschäftigung, etwas Neues zu erschaffen, jedoch erfordert ihre Profession eigenständiges Denken und kreative Problemlösungen. Mitglieder dieser Gruppe sind u.a. Anwälte, Manager, Facharbeiter, Ärzte etc."
Das ist der Kern dessen, so ein Frankfurtistischer Floridafan, was „der amerikanische Soziologe Richard Florida präsentiert [als] eine überzeugende Theorie, was Städte attraktiv und lebenswert macht.“[7]
Zugegeben: als ich dies las und nachlas[8] und weiterlas[9] – dachte ich zunächst und spontan an soziale Flora an dem Ort, der NMB oder Neue Mitte Berlin genannt wird, und an politische Fauna in Gestalt verflossener westlicher Staatenlenker wie Gerhard Schröder (SPD) und Anthony Blair (New Labour). Ich hätte auch denken können an im letzten Sommer (2010) taz-bedauerte, von ihren „creative class“-Männchen verlassene und alleinerziehende „Macchiato-Mütter“[10], die – so Ulrich Becks dichte Beschreibung einer Folge entwickelter kapitalischer „Arbeitsmarkt-Individualisierung“ – „oft nur ´einen Mann weit´ von der Armut entfernt“ sind[11] oder an die melancholische Autothematisierung oder Selbstdarstellung einer Musikerin, die sich als Protagonistin metropolischer Kreativbohème nur mittels eines „komplexen Jobcocktails über Wasser“ halten – vulgo überleben - kann und die weiß, daß und warum diese zeitgenössiche Bohème „kein klassenfreier Raum“ ist[12]. Und freilich hätte auch an das, was sich heuer ganzdeutsch als neue „digitale Bohème“[13] wähnt, sich öffentlich als kreativ ausruft und doch nur sozioparasitäre „theatralische Kulissenkultur“ (Hannah Arendt) hervorbringt, gedacht werden können …
Daß eine anglophone class mit einer gesellschaftlichen Klasse - etwa im Marx´schen Sinn - nichts an der Hutkrempe hat[14] sei ebenso nur angemerkt wie der so auffällige wie inflationäre Gebrauch von creative und creativity wenn es doch nicht um künstlerisches Schaffen[15], sondern um kapitalistisch verwertbare wirtschaftliche Neuerer oder ökonomische innovations und innovators geht. Nicht nachgesehen werden jedoch kann dem creative-class-heroe antisoziologisches (Un-) Verständnis von Gesellschaft als strukturellem soziokulturellen Zusammenhang[16] mit innovativer „Handlungsklasse“[17]. Insofern verbreitet der Verfasser sozialwissenschaftlichen Dummsinn und lockt seine Leser/innen auf (s)einen „Holzweg der Holzwege“ (Joseph Dietzgen). Dieser kann bestenfalls zu Wunschdenken oder wishful thinking und Luftschlössern oder castles in the air führen, entspricht freilich herrschender Wachstumsideologie. Damit wird hier die schon von Georg Lukács (1954)[18] grundlegend untersuchte Zerstörung der Vernunft in doppelter Weise und zur Tertiärexploitation[19] weitergetrieben. Der in der dumdumdum-Metapher tittytainment ausgedrückten Vorstellung des Fünftels, das den großen Rest einer Metropolengesellschaft unterhält, entspricht der Mythos (von) der Kreativklasse:
Gesellschaft kann jedoch als soziominoritäre Veranstaltung in keiner Weise funktionieren, weil Gesellschaft erstens immer einen allgemein-übergreifenen Handlungszusammenhang als Ensemble meint. Gesellschaft ist zweitens immer eine grundlegend organisierte – und damit auch alternativ organisierbare – Kollektivveranstaltung[20], genauer: Gesellschaft besteht nicht aus atomistisch „vereinzelten einzelnen“ und auch „nicht aus Individuen, sondern drückt die Summe der Beziehungen, Verhältnisse aus, worin diese Individuen zueinander stehn“[21]. Das meint organisiert „handelnde Menschen in sich verhaltenden Gruppen“[22]. Und drittens, noch genauer: Gesellschaftsrelevant sind für jede Bürgergesellschaft oder civil society im besonderen immer intermediäre Gruppen als intermediary organizations[23]. Ihre Aufgabe besteht darin, „das Vakuum zwischen staatlicher Organisation und atomisierten einzelnen mit Strukturen zu füllen, die dem Zusammenleben der Menschen Sinn geben.“[24]
III.
Die als originell daherkommende poli(tologi)sche These von der Postdemokratie rückbezieht sich wohl auf den institutionellen Charakter des im allgemeinen stets „Demokratie“ genannten besonderen „Parlamentarismus“ als eine seiner Formen - will aber von jeder tieferlotenden Beschreibung oder weiterführenden Analyse, ganz zu schweigen von Kritik an „Parlamentarismus“[25] und/oder „Demokratie“, so verdammt gar nichts wissen … grad so als hielte der Verfasser seinen EinPunktHinweis für eine eigne Erfindung und wär´ noch stolz auf seine Ignoranz als eindimensionaler Flachdenker[26].
Crouch´ „Postdemokratie“ wird seit Jahren von ganzdeutschen Politbildner/innen aller Farben & Richtungen, Formate & Schattierungen und insonderheit denen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) nachgeplappert[27].
Im wenn ich´s recht verstand 2004 als Buch veröffentlichtem Crouch´schen “Hauptwerk”[28] des nun auch ganzdeutsch wirkenden britischen Politikwissenschaftler geht es unter den bekannten Stichworten „Politikverdrossenheit, Vertrauensverlust der Wähler, sinkende Wahlbeteiligung und nachlassende Bereitschaft zum politischen Engagement“ um „die Demokratie in einer Krise“[29]:
„Der Politikwissenschaftler Colin Crouch widmete sich […] auf einer Konferenz der Politischen Akademie in Berlin der Frage, ob Deutschland auf dem Weg in die ´Postdemokratie´ sei. Nach Crouchs Definition der ´Postdemokratie´ sind die Instutionen der parlamentarischen Demokratie formal gesehen vollkommen intakt, aber im Innern wird der demokatische Prozess stetig ausgehöhlt. Der Einfluß privilegierter Eliten auf die Politik steigt, die Interessen großer Wirtschaftsungternehmen treten in den Vordergrund. Parteien transformieren sich in Apparate zum Stimmenfang. Mediale Inszenierung ist wichtiger als Inhalt, charismatische Persönlichkeiten ersetzen Programmatik. Die Bevölkerung fühlt sich zunehmend nicht mehr durch die Parteien repräsentiert, sondern sieht die kleinen, zivilgesellchaftlichen Gruppen als ihre Interessenvertreter.“
Abgesehn von der sowohl logischen als auch empirischen Unmöglichkeit, daß „die Bevölkerung […] die kleinen, zivilgesellschaftlichen Gruppen als ihre Interessenvertreter“ ansieht – zitierte Kernaussagen sind zwar nicht grundfalsch, auszeichnen sich aber vor allem durch nachhaltig-wissenschaftliche Oberflächlichkeit und gesellschaftliche Ignoranz. Da weder hier noch sonstwo Nachhilfe in Form „gratiser Privatarbeit“ (Karl Marx) gegeben wird – ausreichen zur Begründung dieser Kritik wenige Stichworte … etwa diese:
Bereits Ende der 1950 Jahre wurde die „Politik der Massengesellschaft“ politiksoziologisch kritisiert, Anfang der 1960er Jahre war von „catch all parties“ und in Deutschland von „Allerweltsparteien“ die öffentliche Rede, 1967 wurde in (West-) Deutschland unterm Stichwort „Transformation der Demokratie“ (Johannes Agnoli) die Rückbildung oder „Involution“ demokratischer Staatsorgane kritisiert. Anfang der 1980er Jahre schließlich wurde auch sozialwissenschaftlich die Übermacht großer “corporative actors“ (James Coleman) als strukturbestimmendes Moment der Machtverschiebung zuungunsten der einzelnen und ihrer demokratischen Teilhabemöglichkeiten öffentlich an- und ausgesprochen.
Zur speziellen Crouch-Ignoranz der zunächst bundes-, seit zwanzig Jahren ganzdeutschen Verhältnisse kann auf eigene Studien und Fachveröffentlichungen verwiesen werden: etwa die sich schon in den 1980er Jahren hierzulande andeutende defizitäre „Politik von unten“ als fehlende „basisdemokratische Erneuerung“[30] des gesamten politisch-institutionellen Systems. Verwiesen werden kann auch auf an der von Rudolf Wildenmann (1921-1993) geleiteten Forschungsstelle für gesellschaftliche Entwicklung (Research Unit for Societal Development) 1989/91 erarbeitete Publikationen aus dem damaligen Arbeitsfeld zeitdiagnostischer politischer Soziologie: etwa auf die in kritischer Rezeption der Individualisierungsthese (die in Ulrich Becks 1986 erschienenem soziologischen Besteller „Risikogesellschaft“ als „Arbeitsmarkt-Individualisierung“ beschrieben wurde), vor allem aber auf die in Auseinandersetzung mit der rechtssozialdemokratisch-gouvernementalen „late modern age“-Ideologie von Baron Anthony Giddens[31] entwickelte Grundthese vom doppelten demokratischen Defizit im gegenwärtigen Deutschland: einmal gäbe es in den „neuen“ Mittelschichten „erweiterte Ansprüche auf aktive politische Teilhabe (Partizipationsansprüche)“; zum anderen wären innerhalb „alter“ Arbeitergruppen „erweiterte Ansprüche auf politische Vertretung (Repräsentationsansprüche)“ erkennbar. Beide Aspekte bildeten als „basale demokratische Mängellagen“ ein (als DDD-Syndrom bezeichnetes) grundlegendes soziopolitisches Defizit[32].
Es bedarf weder hier noch andernorts eines weiteren gesonderten, aufwändig argumentierenden Nachweises, daß einer so eindimensional-ignorantische Oberflächenpolitologie wie der von Crouch propagierten „Postdemokratie“ das, was durchaus als sinnhaftes soziales Handeln aufscheinen kann – Nichtwählen – wissenschaftlich unzugänglich sein und bleiben muß[33].
IV.
Die öffentlich-beredt vorgetragenen Meinungen & Behauptungen, Einlassungen & Thesen von Florida und Crouch erinnerten mich an Hinweise des österreichischen Wissenschaftstheoretikers Paul Feyerabend. In seiner "Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie" kritisierte Paul schon 1976 öffentlich „Cliquen von intellektuellen Parasiten, die ihre miserablen Projekte auf Kosten der Steuerzahler ausarbeiten und der jüngeren Generation als ´fundamentale Erkenntnisse´ einbläuen“ und „die […] ganze Universitätsinstitute in Besitz nehmen und bestimmen, wer in ihren Kreis aufgenommen wird und in den Genuß von Steuergeldern kommt“[34]. Und Feyerabend polemisierte 1984 so enragiert wie zutreffend gegen intellektuell verzwergte „akademische Rotznasen“, die „mit Wohlgefallen ihre großen Gehälter einkassieren, ohne Dankbarkeit, ohne ein Gefühl der Verpflichtung jenen Menschen gegenüber, die ihr Vertrauen in sie setzten, ohne einen Sinn für Perspektive.“[35]
Was ich bisher am Beispiel zweier weltweiter und www-SoWi-Promis knapp und polemisch kritisierte, nenne ich sowohl belanglosen akademischen Ideologiemüll als auch scheinwissenschaftlichen SoWiSiff. Damit ist weniger Bedauern als vielmehr Verachtung für diese Form intellektueller Mehrfachverkommenheit ausgedrückt. Freilich weiß auch ich: Man(n) muß weder politisch „links vom Möglichen überhaupt“ (Walter Benjamin) lagern noch Sinologie studiert haben und schon gar kein Maoist gewesen sein, um der altchinesischen Spruchweisheit zuzustimmen: im platten Land wirkt selbst der Hügel wie ein Berg. Dies aber auch nur dann und nur insofern, wenn auch im SoWi-Bereich im Sinne nachhaltig wirksamer Verkehrungsprozesse[36] wirklichlichkeitsbezogene sozialwissenschaftliche Analysen auf MMTSGR-Basis [money-makes-this-science-go-round] nach dem DEAD-Muster [Diffamieren – Einschüchtern – Ausgrenzen – Denunzieren] zunehmend unterdrückt und/oder dauerhaft in publizistische Nischen abgedrängt oder/und nachhaltig ignoriert werden.
Ob - und wenn dies wann - Teile der „Nachgeborenen“ später einmal verwundert fragen mögen, was denn zu Beginn des 21. Jahrhunderts aus in den 1970/80er Jahren öffentlich breit publizierten kritisch-sozialwissenschaftlichen Ansätzen wie etwa dem von Louis Althusser zu repressiven und ideologischen „Staatsapparaten“[37] oder dem von Pierre Bourdieu über besondere subjektbezogene Handlungstrategien systemreproduktiver Machtsicherungsprozesse[38] oder von (damals noch) Bob Connell über (an der australischen Gesellschaft herausgearbeiteten) Studien zum Zusammenhang von Klassenherrschaft und Kultur[39] geworden ist – kann ich heute, Mitte Februar 2011, nicht wissen. Ich sehe heute nur diese doppelte Regression auch als Audruck eines sozialen Zerfallsprozesses: anstatt Studien wie die letztgenannte weiterzuführen und auszuweiten auf Ruling Media – Ruling Science ist in dieser Richtung nicht nur nichts geschehen. Vielmehr scheint es so als habe es empirische Ansätze wie Ruling Class – Ruling Culture und linksmarxistische Kritik am Staatsfetisch nie gegeben und als wäre Pierres Herrschafts- und Systemkritik auf sein Ende 1997 öffentlich vorgebrachtes politisches Credo contre la précarité[40] reduzierbar. Und mehr noch: gegenüber dieser Modesoziologie und Oberflächenpolitologie à la Florida und Crouch erscheinen selbst begrenzt-kritische Hinweise etwa des ehemaligen SPD-Vordenkers Peter Glotz (1939-2005) aus den späten 1980er Jahren zum „nur von passiver Zustimmung getragenen“ (bundes-) deutschen Parteiensystem[41] einerseits und zur Bedeutung von Großstädten als „Laboratorien der Modernisierung“[42] andererseits als politiksoziologischer Fortschritt. Insofern steht die weltweitverbreitete Oberflächenpolitologie und Modesoziologie der Crouch und Florida weit unterhalb allen seinerzeit zutreffend kritisiertem feuilletonistischen „Gewäsches“[43].
V.
Aus meiner Sicht drückt der hier nur exemplarisch angesproche „schwerwiegende partielle Denkverlust“ (Hans Kilian) etwas aus, das ich als nachhaltigen gesellschaftlichen Involutionsprozeß bezeichnen möchte. Dieser geht über die historisch bekannte operettenhafte „theatralische Kulissenkultur“ der „Kulturberufe“[44] hinaus und hat, wie gezeigt, nun auch das sozialwissenschaftliche Feld erreicht, um es umzupflügen. Thesenhaft verallgemeinert: zum einen ist unter postmodern(istisch)en Vorzeichen im allgemeinen höchste Vorsicht geboten mit Blick auf das (angebliche oder wirkliche) Fachwissen dieser Leute in wirtschaftlicher und/oder sozialer oder/und zeitgeschichtlicher Hinsicht; zum anderen verlohnt es typischerweise nicht, sich (fach-) wissenschaftlich en détail damit auseinanderzusetzen[45]: Ideologie-Kritik reicht aus.
Auffällig schließlich - und vermutlich im Rezeptionsbereich empirisch nachweisbar - daß postmodern(isch)e Ideologie wie die Florida´sche Kreativklasse und die Crouch´sche Postdemokratie heuer besonders gut ankommt in der ganzdeutschen Gegenwartsgesellschaft im allgemeinen und bei ihrer Lumpenelite nebst aggregierter Medienstricherei im besonderen. Unverkennbar ist grad hier der medienkulturelle Drang in die wohlige „Kuhstallwärme“ (Theodor Geiger) im neuen ganzdeutschen „establishment“: den weiland Klaus Staeck, Uwe Timm und Peter Sloterdijk folgten nun die Franz Sommerfeld, Michael Thalheimer und Hendrik M. Broder als Neo-„Fanatiker der Obrigkeit“ und sozial korrumpierte „Büttel der Herrschenden“, die an deren „Besitzständen und Machtstrukturen schmarotzend“ teilhaben durch ihre „klägliche Infamie der bürgerlichen Mitte mit angeschlossener Kleinkrämerei“[46].
Und sofern´s dort noch Freiplätze gibt werden gewiß weitere Medienideologen aus dem breiten Feld der Ruling Media einer nun ganzdeutsch organisierten Ruling Class als dienende Kopflanger folgen wollen … was scheinbar alle selbstbewußte und politparteien-unabhängige linksalternative, mediale Gegenöffentlichkeit (LAMGÖ) schwächt – dialektisch gesehn jedoch die Erfordernis, diese herauszubilden, zu festigen und zu entwickeln verdeutlichen und insofern auch durchaus Kräfte für diese Große Arbeit freizusetzen vermag.
[1] Walter E. Richartz, Reiters Westliche Wissenschaft. Roman. Zürich 1980: 212
[2] Werner Hofmann, Wissenschaft und Ideologie; in: ders., Universität, Ideologie, Gesellschaft. Beiträge zur Wissenschaftssoziologie. Frankfurt/Main ²1968: 49-66
[3] Theodor Geiger, Über Soziometrik und ihre Grenzen; in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 1 [1948/49]: 292-302
[4] http://en.wikipedia.org/wiki/Richard_Florida
http://www.rotman.utoronto.ca/facbios/viewFac.asp?facultyID=florida http://www.creativeclass.com/richard_florida/
http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Florida
http://www.thing-net.de/cms/docs/stbeck-florida-lesen01-fn01.pdf
[5] http://www.wbs.ac.uk/faculty/members/colin/crouch
http://de.wikipedia.org/wiki/Colin_Crouch [in en.wikipedia.org nicht verzeichnet]
[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Kreative_Klasse
[7] http://www.thing-net.de/cms/docs/stbeck-florida-lesen01-fn01.pdf
[8] Richard Florida, The Rise of the Creative Class. And How It's Transforming Work, Leisure Community and Everyday Life (Basic Books, 2002)
[9] Richard Florida, Cities and the Creative Class (Routledge, 2005)
[10] http://www.taz.de/1/leben/alltag/artikel/1/die-verlassenen-macchiato-muetter/
[11] Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/Main 1986: 183
[12] http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2003/06/20/a0124
[13] Sascha Lobo; Holm Friebe, Wir nennen es Arbeit. München ²2006
[14] Richard Albrecht, Alte Armut - Neue Armut. Theoretische und empirische Aspekte des Pauperismus; in: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 42 (2006) 2/3: 145-161; online http://www.forced-labour.de/wp-content/uploads/2008/10/alte-neue-armut-dra-2008-23-p.pdf ; zusammenfassend ders., Subjektmarxismus; in: soziologie heute, 3 (2011) 15: 20-23
[15] Wilma Ruth Albrecht, „Wer von den Produktionsverhältnissen nicht reden will, sollte vom malerischen Schaffen schweigen …“ Illustrierte These zur Malerei als Prolegomena einer speziellen Soziologie der Künste; in: soziologie heute, 3 (2010) 15: 18-23
[16] Dieter Claessens, Das Heraustreten aus der Masse als Kulturarbeit. Zur Theorie einer Handlungsklasse – „quer zu Bourdieu“; in: Klassenlage, Lebensstil und kulturelle Praxis […]. Pierre Bourdieus Klassentheorie. Hg. Klaus Eder. Frankfurt/Main 1989: 303-340
[17] Claessens, op.cit., 305: eine „heterogene Subkultur von Menschen“ als „´Motoren der Gesellschaft´“
[18] Georg Lukacs, Die Zerstörung der Vernunft. Der Weg des Irrationalismus von Schelling zu Hitler [1954]. Berlin/Weimar 1984; ideologie-kritisch weiterführend: Hartmut Krauss, Das umstrittene Subjekt der „Post-Moderne“; in: Gescheiterte Moderne? Zur Ideologiekritik des Postmodernismus. Essen 2002: 93-121
[19] Richard Albrecht, Tertiäre Ausbeutung; Zukunftsperspektive(n): historisch materialistische Realanalysen des 21. Jahrhunderts; in: Kultursoziologie, 16 (2007) II: 133-150
[20] Emil Lederer, Die sozialen Organisationen. Leipzig ²1922; James S. Coleman, The Asymmetric Society (Syracuse University Press, 1982)
[21] Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie [Rohentwurf 1857/58], Berlin 1974: 176
[22] Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben [1958]; München-Zürich 1987: 42
[23] William Kornhauser, The Politics of Mass Society (The Free Press, 1959)
[24] Ralf Dahrendorf, Der modern soziale Konflikt. Stuttgart 1992: 44
[25] http://www.forced-labour.de/archives/1285
http://www.saarbreaker.com/2009/09/parlamentarismus-kritik
http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Parlamentarismuskritik.pdf
[26] http://ricalb.files.wordpress.com/2009/08/eindimensionalitaet.pdf
http://www.saarbreaker.com/2009/09/kritik-des-eindimensionalen-denkens
[27] Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 38/09, 14. September 2009, 40 p.: „Parlamentarismus“; APuZ 51/09, 14. Dezember 2009, 40 p.: „Bundestagswal 2009“; APuZ 1-2/2011: 3. Januar 2011, 48 p.: “Postdemokratie?”; APuZ 4/2011, 24. Januar 2011, 48 p.: “Parlamentarismus“
[28] Colin Crouch, Post-democracy. Themes for the 21st Century (Polity Press, 2004)
[29] Zitate nach FES INFO 3/2010. Hg. Friedrich-Ebert-Stiftung: 16
[30] Wilma R. Albrecht, Politik von unten; in: Neue Politische Literatur, 32 (1987) 1: 75-92
[31] Anthony Giddens, The Consequences of Modernity (Polity Press, 1990); kritisch rezensiert von Richard Albrecht: Communications, 16 (1991) 3: 396-398
[32] Forschungsstelle für Gesellschaftliche Entwicklung (Hg.), Orientierung – Design – Personen – Projekte. Mannheim 1989: 12; dies./ebenda 1990: 41; Richard Albrecht, Umbruchslagen. Materialien zur Theorie und Methodologie des beschleunigten gesellschaftlichen Wandels. Mannheim: FGE, 1990, 220 p. [unpublizierter Forschungsbericht]; ders., Der unbewältigte Wandel. Über Risiken und Chancen der modernen Moderne; in: Kurswechsel, 4/1990: 70 ff.; ders., Differenzierung - Pluralisierung -Individualisierung. Umbruchsprozesse der bundesrepublikanischen Gesellschaft; in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 41 (1990) 8: 503 ff.; [unkorrigierte Netzversion: http://library.fes.de/gmh/main/pdf-files/gmh/1990/1990-08-a-503.pdf ]; ders., Das doppelte demokratische Defizit; in: Recht und Politik, 28 (1992) 1: 13 ff.; zusammenfassend ders., http://ricalb.files.wordpress.com/2009/07/politische-soziologie.pdf; marxistisch weiterführend: Ellen Meiksins Wood, Democracy against Capitalism. Renewing Historical Materialism (Cambridge University Press, 1995)
[33] Aktuell anstatt weiterer vgl. diese Beiträge des Autors [2009/10]:
http://www.saarbreaker.com/2009/09/falschwhler/#more-3043http://www.forced-labour.de/archives/1248
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/09/flachdenkerorgie2.pdf
http://www.kritiknetz.de/staatskritik
http://ricalb.files.wordpress.com/2009/10/regierungsmehrheit10.pdf
http://www.forced-labour.de/archives/1307#more-1307
http://www.forced-labour.de/archives/1315
http://www.saarbreaker.com/2009/09/pisakrppel-whlen-politkrppel-oder-aller-guten-dinge-sind-dre
http://ricalb.files.wordpress.com/2010/05/quorieren2.pdf
http://www.forced-labour.de/archives/1384
http://www.saarbreaker.com/2010/05/quorieren/#more-3488
http://www.duckhome.de/tb/archives/8595-MEHRHEITSLEGENDEN.html
http://www.duckhome.de/tb/archives/8864-REGIERUNGSFARCE.html
[34] Paul Feyerabend, Wider den Methodenzwang. Skizze einer anarchistischen Erkenntnistheorie. Frankfurt/Main 1976: 17, Anmerkung 6
[35] Paul Feyerabend, Wissenschaft als Kunst. Frankfurt/Main 1984: 1
[36] Richard Albrecht, SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert. Aachen 2008
[37] Louis Althusser, Lénine et la Philosophie. Paris 1969; erweiterte englische Ausgabe udT. Lenin and Philosophy and other Essays (Monthly Review Press, 1971, esp. 121-176)
[38] Pierre Bourdieu et. al., La reproduction […]; Paris 1970; Les stratégies de reconversion […]; in: Social Science Information, 5/1973: 61-113; P.B., La production de la croyance […]; in: actes de la recherches en sciences sociales, 13/Février 1977: 3-43; Homo academicus. Paris 1984; La Noblesse d´état. Paris 1989
[39] Robert W. Connell, Ruling Class – Ruling Culture. Studies of Conflict, Power & Hegenomy in Australian Life (Cambridge University Press, 1977)
[40] http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/prekaer/bourdieu.pdf
[41] Peter Glotz, Die Parteien auf dem Prüfstand; in: Bertelsmann Briefe, 124/Juni 1989: 5-10
[42] Peter Glotz, Modernisierung als Schlüsselbegriff der Linken; in: Republikanische Kulturnotizen, 9/Juni 1989: 11-18
[43] Ernst Bloch, Zerstörte Sprache – Zerstörte Kultur [Juni 1939]; in: ders., Vom Hazard zur Katastrophe. Politische Aufsätze 1934-1939. Frankfurt/Main 1972: 403-427; historisch weiterführend: Richard Albrecht, „Zerstörte Sprache – Zerstörte Kultur“ - Ernst Blochs Exil-Vortrag vor siebzig Jahren: Geschichtliches und Aktuelles; in: Bloch-Jahrbuch 13 (2009): 223-240
[44] http://www.duckhome.de/tb/archives/8511-KULISSENKULTUR.html
http://soziologisch.wordpress.com/2010/10/12/theatralische-kulissenkultur/
Ausführlicher mit weiteren Nachweisen Richard Albrecht, „Das totalitäre Phänomen“: Zur politischen Soziologie des Totalitarismus der deutsch-jüdischen Autorin Hannah Arendt; in: soziologie heute, 3 (2010) 12: 32-35; 13: 36-38
[45] http://www.duckhome.de/tb/archives/8826-DIE-WAHRHEITSLUEGE.html
http://www.saarbreaker.com/2011/02/die-wahrheitslge/
[46] Gerhard Zwerenz, Der plebejische Intellektuelle. Essays. Frankfurt/Main 1973: 7-33
Anhang (010311)
-RicAlb, 19. Februar 2011
e-Brief an: apuz
Betreff: -> Dr´es Öztürk & Golz <- AutText
"Sehr geehrte/r Frau; Herr Doktor, Sie finden anbei (als doc+pdf) meinen Kürzestessay. Den ich Ihnen hiermit als "Miszelle" zum E r s t druck in APuZ anbiete. Betrachten Sie diese Veröff. bitte als Chance. Für Sie als verantwortl. Redaktors APuZ. Einfach deshalb, weil diese APuZ-Veröff. meines Beitrags empirisch belegen würde: Die APuZ veröffentlichte damals nicht nur belanglosen akademischen Ideologiemüll und scheinwissenschaftlichen SoWiSiff [...] "
-Antwort, 01. März 2011
"Sehr geehrter Herr Dr. Albrecht, vielen Dank für Ihr Angebot. Leider haben wir zurzeit keine passende Themenausgabe in der Planung, so dass ich Ihnen leider keine Publikationsmöglichkeit anbieten kann. Mit freundlichen Grüßen Asiye Öztürk"
-Notiz (Autorenklade)
Steigerungsform von Textbaustein ---> Textbausteiner ?
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres Browser diesen Text als pdf herunterladen, soll(t)en alle Links funktionieren.]
Richard Albrecht, PhD. (1976: Cultural Studies), Dr.rer.pol.habil. (1989: Politikwissenschaft) ist Sozialwissenschaftler & Wissenschaftspublizist, Autor & Editor (unter anderem der unabhängigen Netzmagazine http://www.rechtskulturaktuell.de: 2002/07, http://www.mozart1.de: 2007/09 [und] http://eingreifendes-denken.net: 2009/10). Als historisch arbeitender Sozialforscher beschäftigte sich Richard Albrecht in seinem letzten großen Forschungsprojekt (2005-2009) mit Genozidpolitik im 20. Jahrhundert und veröffentlichte drei Bände (Aachen: Shaker [= Allgemeine Rechtswissenschaft], Bd. 1: Völkermord(en) 2006, ISBN 978-3-8322-5055-3; Bd. 2: Armenozid 2007, ISBN 978-3-8322-5738-5; Bd. 3: Hitlergeheimrede 2008, ISBN 978-3-8322-6695-0) und zahlreiche Zeitschriftenbeiträge: http://ricalb.files.wordpress.com/2010/10/auswahlbibliographie.pdf. - Weitere Buch- und Zeitschriftenveröffentlichungen (seit 2006, unter anderem): Alte Armut - Neue Armut. Theoretische und empirische Aspekte des Pauperismus; Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, 42 (2006) 2/3: 145-161; http://www.forced-labour.de/wp-content/uploads/2008/10/alte-neue-armut-dra-2008-23-p.pdf; Zukunftsperspektiven: (I) Denkauslöser, Realitäten, planende Kreativität bei Marx; (II) Arbeitslosigkeit – Subjekt- und Realanalyse; Forum Wissenschaft, 23 (2006) 4: 51-52; 24 (2007) 1: 61-63; http://www.forced-labour.de/archives/957; „Demoskopie als Demagogie“ – Kritisches aus den achtziger Jahren“ (= Sozialwissenschaft). Aachen: Shaker, 2007 [mit CD-Rom], ISBN 978-3-8322-6324-9; StaatsRache - Justizkritische Beiträge gegen die Dummheit im deutschen Recht(ssystem). München: GRIN Verlag für akademische Texte, ²2007, ISBN 978-3638705011; Crime/s Against Mankind, Humanity, and Civilisation, München: GRIN, 2008, ISBN 978-3638888639; Bürgerrechte – Staatspflichten – Rechtsprechung – Bürokratie (= Justizkritik 1). München: GRIN, 2008, ISBN 978-3638889261; ´Beleidigung´ – Materialien zur Kritik eines justiziellen Phantomdelikts (= Justizkritik 2). München: GRIN, 2008, ISBN 978-3638889629; Such Linge. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert. Aachen: Shaker (= Sozialwissenschaft), 2008, ISBN 978-3-8322-7333-0; „Weltmacht Habermas“: Tönnies-Forum, 18 (2009) 2: 5-25, „Zerstörte Sprache - Zerstörte Kultur“ - Ernst Blochs Exil-Vortrag vor siebzig Jahren: Bloch-Jahrbuch 13 (2009) 223-240; „Zerstörte Sprache“ – Zum 125. von Ernst Bloch: soziologie heute, 3 (2010) 11: 24-26; „Einmal Emigrant - immer Emigrant“ - René König; soziologie heute, 3 (2010) 10: 30-33; „Das totalitäre Phänomen“: Zur politischen Soziologie des Totalitarismus der deutsch-jüdischen Autorin Hannah Arendt; soziologie heute, 3 (2010) 12: 32-35; 13: 36-38; Subjektmarxismus; soziologie heute, 3 (2011) 15: 20-23. - Richard Albrechts literarische post-68er-Textanthologie HELDENTOD. Kurze Texte aus Langen Jahren (Aachen: Shaker Media, 2011, 98 p., 10.90 €, ISBN 978-3-86858-613-8) soll Anfang März 2011 erscheinen. Im www sind neben weiteren Texten kostenfrei zugänglich Richard Albrechts Forschungsbericht zur internationalen vergleichenden Völkermordforschung http://ricalb.wordpress.com/2009/07/murdering-people, seine Projektskizze zur Völkermordverhinderung / Genozidprävention http://www.kritiknetz.de/neuerechte/521-vergleichende-voelkermordforschung-als-beitrag-zur-genozidpraevention und seine Polemik gegen die Phalanx führender ganzdeutscher Ideologen, die nach wie vor als Zeitgeschichtler anerkannt sind, udT. Die WahrheitsLüge http://www.saarbreaker.com/2011/02/die-wahrheitslge/ [und] http://www.duckhome.de/tb/archives/8826-DIE-WAHRHEITSLUEGE.html . - Nach Abschluß seiner Recherchen zu „Textsoziologie als praktische JustizKritik – am Beispiel des deutschen Familien- und Jugendrechts(systems)“ [=> JustizKritik 3], „Rosenholtz – Geschichte einer Fälschung“ und seiner sozialwissenschaftlichen Zeitdiagnose „Open Access, Pisadeutsche & mehr“ arbeitet der Autor sowohl an einer Buchreihe mit Beiträgen zur reflexivhistorischen Sozialforschung (-> http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost) als auch an Theaterprojekten.
DNB-Link -> http://d-nb.info/gnd/132522934
Bio-Bibliographie -> http://ricalb.files.wordpress.com/2011/01/cv1.pdf
GRIN-Autorenlink -> http://www.grin.com/profile/6760/richard-albrecht
Dies ist die duckhome-Textversion der gleichnamigen WissenschaftsKritik aus dem neuen e-Archiv des Autors EINGREIFENDES DENKEN -> http://ricalb.files.wordpress.com/2011/02/flaschenpost6.pdf [Zehnte Flaschenpost an die Nachgeborenen]
(c) Autor (2011)
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