Immer wieder denke ich daran, wie die Aufständischen im Iran diffamiert wurden. Diese Generation junger Menschen, mit ihrer Facebook- und Twitter-Revolution war von der CIA aufgestachelt, wußten manche ganz schnell und sicher. Wahlweise wurden noch andere Geheimdienste oder sonstige verborgene Mächte angeführt. Bei den ähnlichen Bewegungen in Ägypten, Tunesien, Libyen hört man das nicht mehr. Außer von Gaddafi, der davon faselt, dass die Amerikaner ein paar Jugendliche aufwiegeln, wahlweise auch mal Al Qaida.
Durch die arabische Welt tobt der Sturm der Entrüstung über die Obrigkeit. Ein Despot nach dem anderen wird verjagt. Die Welt ist verblüfft. Alles plagt sich, die Lage einzuschätzen und es scheint dennoch nicht zu gelingen. Ganz offensichtlich hat niemand die Kräfte geahnt, die die Jugend mit Hilfe von Internet und den daraus entwickelten Kommunikationsformen entfaltet. Diese Revolten kennen keine Anführer und auch keine Hierarchie. Das macht es den üblichen Verdächtigen so schwer, Ansatzpunkte zu finden, um wieder in alte Strukturen der Macht hinein zu finden. Die Macht hat sich in der Masse aufgelöst. Wenn es gut geht, wird genau da die Revolution beginnen.
Und was machen wir? Außer staunen und ab und zu ein wenig demonstrieren und streiken? Nein, ich will diese Widerstandsformen nicht kleinreden, ganz im Gegenteil. Ich wünschte, wir hätten mehr davon. Wir haben aber gerade noch was gemacht: wir haben per Internet, Facebook und Twitter einen Politiker aus dem Amt gejagt. Nein, keinen Despoten, nur einen, gegen den jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt. Einen Juristen (ausgerechnet), der Recht und Gesetz verachtet hat um an einen Doktortitel zu kommen.
Die Kanzlerin mixte in ihrer ganz eigenen Art wieder ihren Lieblingscocktail aus Regieren und Moderieren: äußerte größte Achtung vor dem Minister, dann entließ sie den Minister, sprach anschließend wieder von höchster Anerkennung für den Minister, und zwischendrin ernannte sie einen neuen Minister - da wird der einfachen Bürgerin ganz schwindlig von! Ach ja, und der neu ernannte Minister musste erstmal seinen alten Ministerposten räumen, den nun ein ganz neuer einnimmt. Mein Sohn fragte mich diese Woche, ob denn eigentlich jeder Minister werden könne. Er hätte sich immer vorgestellt, dass ein Minister ganz besondere Fachkenntnisse haben müsse, also ein albsoluter Experte für das jeweilige Ministeramt sein müsse. Ja, Sohn, sage ich, so stellt man sich das eigentlich vor. Ist aber leider nicht so, und schämte mich ein wenig.
Nochmal zu Guttenberg und seinem Fall. War das nun lächerlich, im Vergleich zum Verjagen von Despoten im nördilichen Afrika, oder war es das nicht. Man könnte sagen, es gäbe Wichtigeres zu tun. Und man könnte beklagen, dass wichtigerer Widerstand, zum Beispiel gegen die Gentechnik in Lebensmitteln, zu mickrig ausfällt und zu erfolglos ist. Liegt der vergleichsweise schnelle Erfolg beim Fall des Ministers vorwiegend daran, dass die Ebene des Widerstands, und die Mittel die effektiveren sind? Statt "Latsch"-Demos und Streiks zu veranstalten, mit dem ganzen organisatorischen und rechtsstaatlichen Aufwand drumherum?
Es könnte aber auch sein, dass es tatsächlich zu den zentralen Aufgaben mündigen Bürgertums gehört, betrügerische Regierungsmitglieder zu demaskieren, ihnen den Nimbus der Vorbildlichkeit zu nehmen und sie aus dem Amt zu jagen. So wie man in bestimmten arabischen Ländern die Despoten, mitsamt ihren Clans und den streng hierarchischen und strikt patriarchalischen Strukturen verjagen muss. Vielleicht setzen wir hier in Deutschland den Hebel richtig an und es ist eben nicht lächerlich, einen Hochstapler aus der Regierung zu "twittern". Die Wucht der Empörung des gesamten Wissenschaftsbetriebs hat das durchaus bestätigt. Wobei wir jedoch nicht vergessen sollten, dass der größte Teil der "Wissenschaft" integraler Bestandteil der Herrschaft ist. Es handelte sich also eher um einen Kampf unter gleichen, was mich allerdings überhaupt nicht stört. Wenn sie untereinander einen Teil der Arbeit übernehmen, bitte schön, gerne.
Der Anstoss kam aus dem "Netz", sprich aus der Masse. Diese Masse ist nicht kontrollierbar durch die Mächtigen. Und das "Netz" hat was Handfestes getan: nämlich den Betrug aufgedeckt. Dagegen können die Guttenberg-Lobhudler nicht an, auch wenn sie nochmal 500.000 "Freunde" auf ihre Facebook-Seite setzen. Nee, ich glaube inzwischen, Guttenberg zu Fall zu bringen hatte was angemessenes. Die Bürger wollen von sowas nicht mehr regiert werden: nicht von Despoten und nicht von Hochstaplern. Und dann schauen wir mal weiter.
Ich jedenfalls kann heute schon danken für die namhaften Veränderungen im Verteidigungsministerium und nachfolgend auch im Innenministerium Deutschlands. Und vermutlich können dies auch alle Mitarbeiter/-innen aller Polizeien Deutschlands, die nun wohl keine Fusion nach De Maizière zu ertragen haben werden!!! Ob auch die Soldatinnen und Soldaten Afghanistans demnächst auch noch danken können, weil De Maizière nun ihr oberster Vorgesetzter ist, wird sich nun wohlschon bald auch noch weisen...
Unserer Mutti wird derzeit nichts passieren. Die sitzt (noch) fest im Sattel. Die Presse wird aber dann über sie herfallen, wenn sie nicht mehr Bundeskanzlerin ist. Dann kommt DASS! große Donnerwetter. Natürlich wird sie abtauchen, wie auch Herr Guttenberg.
Die Presse hat aber dann genau solche Artikel zur Hand: http://www.n-tv.de/politik/Merkel-ignorierte-Warnungen-article29749.html
Das Frau Merkel, damals als Umweltministerin bis heute noch nicht zur Verantwortung gezogen wurde, zeichnet unsere (nicht) vorhandene Demokratie.
Ich würde mich freuen, wenn man dieser Frau einmal den Prozess machen würde?
Der WDR wollte vor ca. knapp zwei Jahren ein Foto hinsictlich Frau Merkel veröffentlichen, wo sie dabei ertappt wurde, Herrn Havemann auszuspionieren.
Eine kurze Abhandlung:
http://geisteswelt.blogsome.com/2007/06/27/gastbeitrag-ist-angela-merkel-stasi-mitarbeiter-gewesen/
Dein Wort in Gottes Gehörgang. Ich kann mir derzeit nicht vorstellen, dass aus einer Strafanzeige, dann auch ein echtes Strafverfahren durch die Staatsanwaltschaft eingeleitet wird, zumal dann immer noch ein Richter gefunden werden muß, welcher dieses Strafverfahren letztendlich auch noch genehmigen muss. Sollte es doch soweit kommen, dürfte klar sein, dass sich so ein Prozess über Jahrzehnte hinziehen kann. Da sind die Verantwortlichen bereits aus ihren Ämtern, oder der Sargnagel bereits drauf. Ich würde mir nicht soviel Hoffnung machen.
Ich habe Deinen Artikel des n-tv gelesen, kannte ihn natürlich durchaus, da auch ich seit meinem 15. Altersjahr (heute bin ich 53!) Atomkraft-Gegnerin bin und muss Dir sagen, ja, auch da müsste längst schon sauber aufgeräumt werden, selbst wenn Angi zu diesem Thema wesentlich schwieriger der Prozess (sprich ein Strafverfahren!) gemacht werden kann als beim Thema Unterschlagung in Millionenhöhe.
Jener Prozess (jenes Strafverfahren) "gegen die Regierung Deutschlands und explizit gegen die Bundeskanzlerin Angela Merkel wegen Unterschlagung, allenfalls Korruption in Millionenhöhe und massiver Gefährdung des Weltfriedens" (so lautet der genaue Wortlaut der Strafanzeige!) aber läuft bereits... Ihr werdet noch davon hören, auch wenn noch kein Wort in den Medien darüber geschrieben wurde...
Wie man es sieht!
Normalerweise liegt der Unterschied zwischen Freiheitskämpfern und Terroristen darin, ob die Aktivitäten der angelsächsischen Finanzwelt nützt oder schadet - erstere sind Freiheitskämpfer, letztere sind Terroristen!
Gelegentlich kommt es dabei zu falschen Zuordnungen - wenn es sich um die berühmten False-Flag-Unternehmen handelt!
Das Problem als Außenstehender liegt darin, daß man nie weiß, was diese Finanzspekulanten wirklich planen.
Dazu würde ich noch einmal eine alte Aussage aus dem Rothschild-Clan zitieren:
”Die Wenigen, die dieses System verstehen, werden entweder so interessiert an seinem Gewinn und so abhängig von seinen Vorteilen sein, daß es von dieser Klasse keinen Widerstand geben wird. Der größte Teil wird verständnislos die Last ohne Klage, und vielleicht sogar ohne Verdacht, daß das System ihren Interessen zuwiderläuft, tragen.”
(Bsp.: Rettungsfallschirme für systemrelevante Banken)
Gab es da nicht einmal so etwas: wer ist der Narr - und wer ist der König?
mfg zdago
Bravo!
"Die oppositionelle Gruppe, die die größte Aufmerksamkeit der Massenmedien bekommt, sind die Sprecher der National Front for the Salvation of Libya (Nationale Front für die Rettung Libyens), eine Gruppe mit einer 31-jährigen Geschichte der Zusammenarbeit mit der CIA der Vereinigten Staaten von Amerika, die schon früher militärische Attacken und Mordattentate gegen Gaddafi unternommen hat."
......
"Gaddafi hatte das Erdöl verstaatlicht, das damals weitgehend in britischen Händen war, nachdem er 1969 einen militärischen Staatstreich angeführt hatte, der eine pro-britische Monarchie verjagte."
Nachzulesen bei: Deirdre Griswold
in antikrig.com
http://www.antikrieg.com/aktuell/2011_03_01_europaeische.htm
Und heute hören wir im Öffentlich Rechtlichen der BRD
Gadhaffis Truppen haben 60 Zivilisten massakriert.
Gestern haben wir einem oberst Klein, der in bester Tradition der "Deutschen Wehrmacht" 149 Benzindiebe, darunter viele Kinder, töten ließ, einen Orden umgehängt.
Diese Benzindiebe waren eben keine *Rebellen*,
sie hatten eben keine Standleitung nach Langley.
Die Großväter dieser "Klaukinder waren übrigens noch "Freiheitskämpfer" mit Standleitung zur CIA.
Weiterführende Lektüre zu Libyen:
Unvermeidlicher Krieg
von F. Castro (Havanna.
http://www.jungewelt.de/2011/03-05/052.php
Ausschnitt:
Angriffspläne
Es ist auffällig, daß in dem Bericht nicht ein Industrie-, Land- oder Bauarbeiter erwähnt wird, irgend jemand, der mit materieller Produktion verbunden ist, oder jemand von den Studenten oder Mitkämpfern, die in den Demonstrationen zu sehen waren. Warum gibt es solche Bemühungen, die Aufständischen als prominente Mitglieder der Gesellschaft zu präsentieren, die US- und NATO-Luftschläge fordern, um Libyer zu töten?
Zur "Ebene" weiter unten, das sehe ich auch so.
Ansonsten: Es liegt wohl eher daran, daß hier einmal mit Nachdruck und vereinter Kraft vorgegangen wurde. Hier stritten sich wenige Geister, der Fall lag eindeutig. Bei anderen Fragen hingegen läßt sich stets wunderbar lobbyisieren und/oder zerreden.
Am Beispiel Guttenberg kann man letztlich auch nur von einem Teilsieg sprechen, denn die Begründung der Uni Bayreuth zur Aberkennung des Doktortitels ist erbärmlich. Im übrigen wird Guttenberg schon wieder als umworbener Berater in den USA gefeiert, die breite Zustimmung könnte er mit medialer Unterstützung sehr schnell wieder zurückgewinnen.
Zu den anderen drängenden Fragen, zu denen umso weniger Protest in dieser Form der Einigkeit herrscht: So lange es hierzulande möglich ist, den Unmut über im Akkord durchgepeitschte Entscheidungen ins Diffuse zu ziehen, also nur dann ein echter Protest mit Wirkung erst dann möglich ist, wenn es entweder an die Existenz Vieler geht oder die Sachlage eindeutig ist, so lange wird es immer schwer bleiben, die Gegenkräfte zu konzentrieren und die notwendige Einigkeit innert der Kräfte aufrecht zu erhalten.
Zumal sich Gegenkräfte gern auch selbst das Wort reden, die selbst geschaffene Konkurrenz gilt genauso dort wie auf "der anderen Seite". Kurzum: Die Vermutung liegt nahe, daß es "die" andere Seite gar nicht gibt - jeder für sich, es sei denn, das eigene Leid ist ein gemeinsames Leid geworden. Somit kommt es weniger auf die Mittel des Widerstands an als auf den Widerstand selbst.
Denn daß die Wissenschaft zwingend ein Teil der Herrschaft ist, wage ich zu bezweifeln. "Die" Wissenschaft zieht sich in der Regel (zurecht) auf Neutralität und Sachlichkeit zurück, dient also eher mit Ergebnissen und wird derer beraubt, daß Herrschaft sie für sich einsetzen kann.
Zum Beispiel ist das Wissen um die Kernspaltung gut und wichtig - sein Einsatz regelmäßig grottig. Ähnlich könnte man zur Gentechnologie argumentieren.
Mit "Ebene" wird wohl weniger das intellektuelle Niveau gemeint sein?!
Das glaube ich nämlich weniger. Das intellektuelle Niveau definiert sich auch in diesen Kreisen vornehmlich durch die Fähigkeit, mithilfe von Diffusion und Manipulation sich selbst in ein besseres bzw. gutes Licht zu rücken, so daß das Urteil nur ausfallen kann: "Dies ist wertvoll." Summa cum laude. Notfalls mit Bestechung.
Allerdings, und da könnte der Begriff "Ebene" greifen: Hier wurde eine Institution (gemeint ist die der Promotion, neben der Habilitation so ziemlich die eindeutigste Anerkennung von Wissen(schaft)) von der guttenberg'schen Seite in den Schmutz gezogen und medial in weitestgehender Einigkeit bedroht, nicht zuletzt, weil die Wissenschaft als Ganzes in Verruf zu geraten drohte.
Nicht nur in Verruf: Wenn man bedenkt, daß auch die hiesigen "Eliten" ganz zwingend auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen sind, erklärt sich wie von selbst, warum der Fall Guttenberg zu seinem Ergebnis kommen mußte: Die "Elite" sieht ihren eigenen Futtertrog bedroht, aus dem es sich auch in Zukunft noch gelegentlich den ein oder anderen Doktor-Titel zum vorzeigen herausholen möchte, um zu beweisen, daß es zurecht die Elite darstelle, und natürlich auch weiterhin die Ergebnisse der Wissenschaft für sich nutzen will. Daß hat mit den niederen Funktionen der Bachelor- und Masterstudienabschlüsse wenig zu tun - hier werden lediglich Arbeiter produziert.
Im Ergebnis: Ich würde den Fall Guttenbergs weniger dem Widerstand zurechnen als der Ebene, auf der sich sein Betrug abspielt. Wenn man von so einem chaotischen System wie diesem spricht, spricht man auch von der unbedingten Notwendigkeit, den Kern des Fortschritts, die Wissenschaft, zu beschützen.
ich schätze Ihre Beiträge sehr! Seinerzeit war ich auch davon überzeugt, dass "geheimnisvolle" Mächte im Hintergrund den Unmut/Aufstand im Iran provoziert haben. Seinerzeit gaben Sie den Gedankenimpuls, dass es durchaus mit dem unbedingten Freiheitswillen und dem Sehnen nach Demokratie und freier Persönlichkeitsgestaltung zu tun hat. Diesem Gedanken konnte ich mich anschließen. Es ist die Jugend, die die Kraft hat, einen anderen Weg zu gehen, die in Zeiten der Globalisierung mitbekommt, dass es Freiheit durchaus geben kann. Macht, Dominanz und Kontrolle ist allen Gewaltherrschern zu eigen. Ob im Großem oder kleinen. Die Causa G. zeigt, dass das selbst ernannte Elitensystem nicht fortdauernd ist. Ob nun ein Interesse dahintersteckte, dass er - der ehemalige Doktor - seinen Posten verließ oder nicht, das Netz und damit eine große Gemeinschaft von Menschen, die sich Frieden und Gerechtigkeit wünschen, hat sein übriges dazu getan. Das kann man drehen oder wenden wie man will. Die Welt ist kleiner geworden und deshalb wird denen, die meinen die Welt nach ihrem Gusto zu beherrschen, gehörig auf die Finger geguckt. Also glauben wir an die Kraft von vielen und nicht an die Macht weniger. Wir hätten es auch in unserem Land verdient, dass wir friedlich und gerecht weiterleben können. Und unsere Demokratie nicht von selbst ernannten Eliten und ihrer unendlichen Gier nach Macht und Geld kaputt gemacht wird. Übrigens ist mir die Idee, dass man Despoten "gewaltlos" durch Schreiben also mit der Kraft von Worten, vertreiben kann, sympathischer als der Gedanke von blutiger Gewalt. Wäre zu wünschen, dass rohe Gewalt einfach nicht mehr sein müsste. Denn vergessen wir die Toten nicht, die es gegeben hat. Sie waren von der Idee nach Freiheit und Gerechtigkeit derart überzeugt, dass sie ihr Leben gegeben haben.
In diesem Sinne
LG Iphigenie