I. Den veralteten Ausdruck TALMI[1] kennen manche noch als Bezeichnung von Mode- oder Glitzerschmuck. Technikgeschichtlich handelte es sich um die zuerst in Paris erprobte Produktion von Falschgold. Über eine Kupfer-Zink-Münze wird eine dünne Goldschicht gezogen, so daß die gesamte Münze als Goldmünze erscheint.
II. Übertragen und verallgemeinert meint TALMI Unechtes und Gefälschtes, das, was im Medienjargon heuer als „fake“ gilt. TALMI hat wie beim Falschgeld immer schon mit Schein, Täuschung und Betrug zu tun.
III. Auch in Wirtschaft und Gesellschaft[2]: Wie sich zuletzt am Beispiel der Havarie im japanischen Atomkraftwerk März/April 2011 erwies … ist die – angeblich mögliche – friedliche Nutzung des (meist verniedlichend Kernenergie) genannten Atoms weder technisch noch gesellschaftlich möglich.
IV. Diese antihumane Technik verkörpert wie ihr sozialökonomischer Träger, der teils national, teils international organisiert tätige ATOM-INDUSTRIE-KOMPLEX mit abfälliger Weiterentwicklung militär-industriellen Atombombenbaus, keinen menschlichen Fortschritt. Sondern Vernichtung und Destruktion.
V. Genau dies veranschaulicht im Sinne von Dr. Robert Jungk (1913-1994) der Ausdruck TALMIWIRTSCHAFT. Eine Sozialökonomie im entwickelten Kapitalismus, der, „seiner ungebändigten Eigenlogik folgend,“ nicht nur „seine kulturellen Grundlagen zunehmend selbst zerstört“[3]. Sondern auch beschleunigt „in die Unmenschlichkeit“ fortschreitet[4].
[1] Etymologisches Wörterbuch des Deutschen. Hg. Wolfgang Pfeifer (dtv ³1995: 1409-1410)
[2] Richard Albrecht, SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (Shaker 2008: 5-18)
[3] Richard Albrecht, Von den Selbstheilungskräften zu den Selbstabschaffungstendenzen des Marktes. Zur Kritik des real-existierenden Kapitalismus; in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 42 (1991) 8: 508-515; erweiterte Netzversion-> http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/kapitalismuskritik1.pdf
[4] Robert Jungk, Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit (Kindler 1977)