„THE FIRE NEXT TIME“
Vorösterlicher so kurzer wie öffentlicher e-Briefwechsel
zur zeitgeschichtlichen Erinnerungskultur und
zur ganzdeutsch-gegenwärtigen Politik-, Medien- und Blogoszene,
hier nochmal spätösterlich dokumentiert
< Vermutliche Nötigung und Erpressung durch AFP und ksp.Rechtsanwälte | Ubuntu 11.04 Natty Narwhal - eine herbe Entäuschung >
"THE FIRE NEXT TIME"
„Er sah die Menschen und er sah, daß sie sich an Illusionen festklammerten, an die sie schon lange nicht mehr glaubten.“ (Wolfgang Koeppen. Das Treibhaus. Roman. 1953 -> http://www.duckhome.de/tb/archives/8734-ILLUSIONEN.html )
I.
„CDU: “Es darf keine Denkverbote mehr geben”
April 16th, 2011
[Klaus Baum]
Seltsam, wenn die Tonangebenden aufhören zu denken, fordern sie die Abschaffung von Denkverboten.
KZs sind für einen mit Empathie ausgestatteten Menschen völlig undenkbar http://nachrichten.t-online.de/bericht-unionspolitiker-wollen-hartz-iv-empfaenger-als-zivi-ersatz/id_45809848/index
PS.: Das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen: Bemerkenswert auch, dass diejenigen, die in unserem Land vorgeben, was gedacht werden darf, so tun, als gäbe es eine andere Macht außer der ihren, die bestimmte, was gedacht werden darf.“
II.
„Richard Albrecht // Apr 16, 2011 at 7:24 pm
Lieber Herr Baum,
wie Sie sich denken können: mir fehlt in nahezu allen der drei, vier Dutzend „Blog“ genannten Netzseiten (bei den drei, vier von mir bevorzugten leider schade auch meist) jedes erkennbares Bemühen um analytisches Durchdringen vor´m Publizieren. Verweise auf Politkabarettisten ersetzen eigne Analysen nicht. Und das Muster: die nächste Sau – dasselbe Dorf wird langweilig und wirkt zunehmend ermüdend.
Zu Sache hinter Ihrem Link im allgemeinen: Was den Alt-Euromarxisten Hobsbawm bedrückt, ist der Antritt neuer rechtsextremistischer Kräfte, die im Gegensatz zu herkömmlichen Konservativen „keine Angst vor Tabubrüchen haben“ und insofern von der „totalen Unsicherheit der Weltordnung“ profitieren. (Eric Hobsbawm, Zwischenwelten und Übergangszeiten. Köln 2009; ²2010).
Worauf Sie hinweisen, könnte einen halben Schritt weitergehn: daß und empirisch meist – Stichwort: Missfeldermechanismus – von den Parteirändern und scheinbar jugendlich daherkommend die „Angst vor Tabubrüchen“ auch im herkömmlichen ganzdeutschen Konservatismus und innert der CDU abnimmt in Richtung „Tabubrüche“.
Mir wärs recht wenn ich irrte … aber der „Vorstoß“ zur Zwangsarbeit von Peter-Hartz-Vierern im Altenbereich „von Kollegen in der Fraktion“ (CDU-BT) könnte drauf hindeuten …
Freundliche Grüße
Richard Albrecht, 160411
http://eingreifendes-denken.net „
[<- http://www.klaus-baum.info/2011/04/16/cdu-es-darf-keine-denkverbote-mehr-geben/#comments]
III.
„Hartz IV – War da nicht mal was?
Klaus Baum April 18th, 2011
Vor einigen Tagen wies Richard Albrecht darauf hin, dass vielen Blogs etwas Entscheidendes fehle, nämlich die Analyse gesellschaftlicher, geschichtlicher Entwicklungen. Die Betonung lag auf Analyse. Ich kann diese etwa im Sinne von Bourdieu oder im Sinne der Studie über The Authoritarian Personality von Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson, R. Nevitt Sanford nicht leisten. Albrecht hatte Mißfelder erwähnt. Das ist der, der den älteren Menschen das Einsetzen künstlicher Hüftgelenke verweigern möchte.
Ich bin mir nicht sicher, ob Albrecht auf Generalisierungen abzielt, etwa dergestalt, dass man sagte und fragte: Es gibt eine jüngere Generation von Politikern, die – etwa im Unterschied zu Norbert Blüm – das Soziale als überflüssigen Ballast über Bord werfen möchten, weil es ihnen nur darum geht, dass die Reichen immer noch reicher werden, dass dadurch der Staat finanziell so ausgeblutet wird, dass er keinen müden Euro mehr für soziale Aufgaben übrig hat.
Ich muss sagen, ich persönlich versuche seit meiner Dissertation, also nach dem Abschluss der Promotion, von Generalisierungen wegzukommen. Mein Ziel ist es, das Allgemeine im Einzelschicksal aufzuzeigen beziehungsweise meine Grenzen zu erkennen, die darin bestehen, dass ich über nichts schreiben kann, was ich nicht selbst erlebt habe oder was mir Kunst, Film und Literatur anschaulich nahe gebracht haben.[…]
Am Einzelschicksal kann man die Zwänge erkennen, die ein politisches System den Menschen auferlegt, kann man die Ängste, kann man die vielfältigen Formen der Selbsterhaltung studieren usw.“ […]
[<- http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/]
IV.
„Richard Albrecht // Apr 19, 2011 at 8:54 am
Da Sie mich nach meinem Posting (-> http://www.klaus-baum.info/2011/04/16/cdu-es-darf-keine-denkverbote-mehr-geben/ ) ad pers. ansprachen (-> http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/ ), lieber Herr Baum, antworte ich Ihnen kurz+knapp & plastisch+bildig:
(1) Nun im zwölften Jahr aktiv im Netz, wird mir die „Blogosphäre“ immer gähniger, beliebiger, suspekter. Für eine der (zu) wenigen anregenden Ausnahmen steht Ihre Seite wenn auch mit wenig historisch gesättigter Analytik, freilich mit gelegentlich eigner Themensetzung wie zum Wissmann-Sockelsturz Dammtor Ende 1968 (-> http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/ [war´s auf einem Ihrer Fotos nicht der Oberlercher weiland SDS heute politrechter als rechts?]).
(2) Verallgemeinerbare Beobachtung: Mit fehlender Analytik einhergeht´s fehlende selbstbewußte Themensetzen („agenda-setting“). Stattdessen wird alltäglich nachhechelnd die nächste Politsau durchs selbe Netzdorf gejagt (auch wenn ihr ab+an mal´n neues Etikett angepappt wird …)
(3) Gewiß: ich festhalte am SoWi-Anspruch der Marie Jahoda: Es gilt, „Unsichtbares sichtbar zu machen“. Ich sag das nicht nur. Ich tu das wirklich. Auch im dh-Netz (-> http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht ) wieder seit letzten Herbst vor allem im Ende 2010 abgeschlossenen „Grundkurs Soziologie“ (-> http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/grundkurs+soziologie ) und im seit Anfang 2011 laufenden „FLASCHEN POST“-Projekt mit Gastautor(inn)en (-> http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost ). Auch dazu sind „Anstrengung des Begriffs“ (GFW Hegel) nötig. Und nicht Beschimpfung, Ausgrenzung, Denunziation der wenigen, die´s immer noch und noch immer versuchen.
(4) Daß die breitärschige Depperlnwelt nicht nur bajuwarischer Bazistammtische, sondern auch vermeintlich kritische Amigonetzblogos meinen, Wesen und Erscheinung wärn´s gleiche, ist deren Problem. Nicht meins.
(5) Daß welches anschaulich Einzelne auch immer Allgemeines ausdrücken kann bezweifle ich ebenso wie ich Grenzen von Anschaulichkeit sehe. Für entscheidend erachte ich die vermittelnde Kategorie der Besonderheit. Und weiß auch: klar doch, ein weit-fontane´sches Feld …
(6) Nur wer das Unmögliche fordert ist meiner Erfahrung nach realistisch: „Alles andere ist Zoo“ [ -> http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/kapitalismuskritik1.pdf ]. Und auch da heult Mann mit den Wölfen …
In diesem – präzisen – Sinn, best;-)
Richard Albrecht, 190411 http://gegen-den-strom.org „
[<- http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/#more-9035]
V.
„Klaus Baum // Apr 19, 2011 at 1:36 pm
@richard albrecht: was den redner auf dem hamburger foto von 1968 betrifft, so kann ich in der tat nicht sagen, wer das ist oder ob es oberlercher ist.
ich war damal gerade mal 4 bis 6 wochen in hamburg. mein täglicher weg führte mich vom jungfernstieg zur kunsthochschule. die lag – vom jungfernstieg aus gesehen – rechts der alster und die uni befand sich links. zwei voneinander getrennte welten.
als ich einige jahre später das philosophiestudium an der uni begann, wohnte ich nicht mehr am jungfernstieg, sondern in der nähe der s-bahn-station othmarschen, so daß mein täglicher weg überwiegend mich zum dammtorbahnhof führte. in dieser zeit bin ich auch herrn oberlercher begegnet, und zwar in einem seminar über die dialexis des protagoras.
oberlercher empfand ich als einen äußerst unangenehmen menschen. er erschien mir als einer der vertreter linken protestes – und nicht selten ging er den prof. aggressiv an. diese aggressivität fand ich unangemessen, fehl am platz, an der person des profs vorbeigehend.
the oberlercher experience hat wesentlich zu meiner abneigung gegenüber den vertretern der sogenannten k-gruppen beigetragen, wowohl der sds ja keine k-, sondern eine s-gruppe war.
ich kam aus kassel, gehört dort der APO an, deren mitglieder untereinander einen familiären, freundlichen, hilfsbereiten kontakt pflegten. die sogenannten hamburger linken studenten, die ich kennenlernte, waren mir wegen ihrer aggressiven, feindlichen grundhaltung schlicht zuwider. […] einfühlungsvermögen war für diese linken studenten in HH im gegensatz zur den APO-Leuten in KS ein absolutes fremdwort.“
[<-http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/]
VI. Postscript
[Richard Albrecht]
Soweit mal Zitiertes und Zitierbares. Auch zu unterschiedlichen Geschichtsauffassungen. In den zitierten Netz-„Notizen aus der Unterwelt“ durftmarkten noch zwei ganzdeutsche Netz(haus)meister: http://www.antiferengi.de/ [und] http://feynsinn.org/. Beide jeweils kurzpostend und nicht nur von der Sache her daneben. Sondern vor allem neben der Sache. Und das war auch gut so: Mein Bedarf an talmikritischem „Gewäsche“ (Ernst Bloch) der actuellen ganzdeutschen Blogosphäre ist schon jetzt bis Ende dieses Jahrzehnts nachhaltig gedeckt.
Als es letztjährig konkret wurde auch in der hier angesprochenen Blogoszene – kam nix und wieder nix und immer noch nix gegen die Dresdner Kunstzensur des Lustbilds – mit Ausnahme zweier Netzseiten: einer verbreiteten -> http://mein-parteibuch.com und einer weniger bekannten -> http://ricalb.files.wordpress.com/2010/03/lustbrief.pdf (später auch hier -> http://www.duckhome.de/tb/archives/8594-LUSTBILD.html).
Das war leider so. Und das war leider nicht gut so.
Der nächste Kunstzensurversuch (in) der Banausenrepublik Deutschland freilich kommt bestimmt.
Insofern gilt auch hier: THE FIRE NEXT TIME …
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres Browser diesen Text als pdf herunterladen, soll(t)en alle Links funktionieren.]
Klaus Baum lebt als Freier Publizist in Kassel. Lehre als Fotograf. Preisträger beim Deutschen Jugendfotopreis 1967. Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg 1968. Arbeit als Fotograf für Christo und Jeanne-Claude auf der documenta 4. Preisträger beim Deutschen Jugendfotopreis 1967. Studium der Fotografie an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst (HfBK, „Lila Lerchenfeld“) in Hamburg. Studium der Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaft an der Uni Hamburg. Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Preisträger beim Nikon Photo Contest International 1979. Die Hamburger Dissertation (1985) erschien als Buch: „Die Transzendierung des Mythos. Zur Philosophie und Ästhetik Schellings und Adornos.“ Würzburg: Königshausen & Neumann, 1988, 438 p. [= Philosophie Band 38, ISBN 3-88479-344-6]. Klaus Baum war Mitarbeiter der documenta 8, Museumspädagogischer Leiter der documenta 9 und Lehrbeauftragter für Fotografie, Kunstwissenschaft und Philosophie an der Universität Kassel. Essays und Hörspiele des Autors wurden vom Süddeutschen Rundfunk (SDR), Südwestrundfunk (SWR) und anderen Anstalten gesendet. Wikipedialink http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Klaus-baum
Richard Albrecht ist ein mit (sozial)wissenschaftlichen Methoden arbeitender Autor, Publizist und Editor. Nach der ´mittleren Reife´ in Harburg 1963/66 Besuch des Wirtschaftsgymnasiums in Hamburg und Sprachlehrer. Ab Winter(semester) 1966/67 Studium der Sozialwissenschaften (Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie, Sozialpsychologie, Statistik) an den Universitäten Kiel, Heidelberg und Mannheim. Externe Promotion (Dr.phil. 1976) und Habilitation (Dr.rer.pol.habil. 1989). Ausbildung als Journalist (Voluntariat). Abhängige Beschäftigungen als Berufsschullehrer, beruflicher Ausbilder und in der kommerziellen empirischen Sozialforschung. Übernahme zahlreicher Forschungsprojekte und Lehraufträge (unter anderem an der FH Köln, fh bund, Universität zu Köln, RU Bochum, GH Siegen, WWU Münster, Universität Mannheim. - Der Autor lebt heute als unabhängiger Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -> duckhome-Beiträge. Letzterschienene Bücher: SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (2008, wiss.); HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (2011, lit.). Anfang Mai 2011 soll die Edition mit Texten zur reflexivhistorischen Sozialforschung aus diesem Blog -> flaschenpost als gedruckte FLASCHEN POST vorliegen (VerKaaT 2011, etwa 104 p., ISBN 978-3-921384-07-9). Netzarchiv des Autors -> eingreifendes-denken
(c) beim jeweiligen Autor (2011)
I.
„CDU: “Es darf keine Denkverbote mehr geben”
April 16th, 2011
[Klaus Baum]
Seltsam, wenn die Tonangebenden aufhören zu denken, fordern sie die Abschaffung von Denkverboten.
KZs sind für einen mit Empathie ausgestatteten Menschen völlig undenkbar http://nachrichten.t-online.de/bericht-unionspolitiker-wollen-hartz-iv-empfaenger-als-zivi-ersatz/id_45809848/index
PS.: Das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen: Bemerkenswert auch, dass diejenigen, die in unserem Land vorgeben, was gedacht werden darf, so tun, als gäbe es eine andere Macht außer der ihren, die bestimmte, was gedacht werden darf.“
II.
„Richard Albrecht // Apr 16, 2011 at 7:24 pm
Lieber Herr Baum,
wie Sie sich denken können: mir fehlt in nahezu allen der drei, vier Dutzend „Blog“ genannten Netzseiten (bei den drei, vier von mir bevorzugten leider schade auch meist) jedes erkennbares Bemühen um analytisches Durchdringen vor´m Publizieren. Verweise auf Politkabarettisten ersetzen eigne Analysen nicht. Und das Muster: die nächste Sau – dasselbe Dorf wird langweilig und wirkt zunehmend ermüdend.
Zu Sache hinter Ihrem Link im allgemeinen: Was den Alt-Euromarxisten Hobsbawm bedrückt, ist der Antritt neuer rechtsextremistischer Kräfte, die im Gegensatz zu herkömmlichen Konservativen „keine Angst vor Tabubrüchen haben“ und insofern von der „totalen Unsicherheit der Weltordnung“ profitieren. (Eric Hobsbawm, Zwischenwelten und Übergangszeiten. Köln 2009; ²2010).
Worauf Sie hinweisen, könnte einen halben Schritt weitergehn: daß und empirisch meist – Stichwort: Missfeldermechanismus – von den Parteirändern und scheinbar jugendlich daherkommend die „Angst vor Tabubrüchen“ auch im herkömmlichen ganzdeutschen Konservatismus und innert der CDU abnimmt in Richtung „Tabubrüche“.
Mir wärs recht wenn ich irrte … aber der „Vorstoß“ zur Zwangsarbeit von Peter-Hartz-Vierern im Altenbereich „von Kollegen in der Fraktion“ (CDU-BT) könnte drauf hindeuten …
Freundliche Grüße
Richard Albrecht, 160411
http://eingreifendes-denken.net „
[<- http://www.klaus-baum.info/2011/04/16/cdu-es-darf-keine-denkverbote-mehr-geben/#comments]
III.
„Hartz IV – War da nicht mal was?
Klaus Baum April 18th, 2011
Vor einigen Tagen wies Richard Albrecht darauf hin, dass vielen Blogs etwas Entscheidendes fehle, nämlich die Analyse gesellschaftlicher, geschichtlicher Entwicklungen. Die Betonung lag auf Analyse. Ich kann diese etwa im Sinne von Bourdieu oder im Sinne der Studie über The Authoritarian Personality von Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson, R. Nevitt Sanford nicht leisten. Albrecht hatte Mißfelder erwähnt. Das ist der, der den älteren Menschen das Einsetzen künstlicher Hüftgelenke verweigern möchte.
Ich bin mir nicht sicher, ob Albrecht auf Generalisierungen abzielt, etwa dergestalt, dass man sagte und fragte: Es gibt eine jüngere Generation von Politikern, die – etwa im Unterschied zu Norbert Blüm – das Soziale als überflüssigen Ballast über Bord werfen möchten, weil es ihnen nur darum geht, dass die Reichen immer noch reicher werden, dass dadurch der Staat finanziell so ausgeblutet wird, dass er keinen müden Euro mehr für soziale Aufgaben übrig hat.
Ich muss sagen, ich persönlich versuche seit meiner Dissertation, also nach dem Abschluss der Promotion, von Generalisierungen wegzukommen. Mein Ziel ist es, das Allgemeine im Einzelschicksal aufzuzeigen beziehungsweise meine Grenzen zu erkennen, die darin bestehen, dass ich über nichts schreiben kann, was ich nicht selbst erlebt habe oder was mir Kunst, Film und Literatur anschaulich nahe gebracht haben.[…]
Am Einzelschicksal kann man die Zwänge erkennen, die ein politisches System den Menschen auferlegt, kann man die Ängste, kann man die vielfältigen Formen der Selbsterhaltung studieren usw.“ […]
[<- http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/]
IV.
„Richard Albrecht // Apr 19, 2011 at 8:54 am
Da Sie mich nach meinem Posting (-> http://www.klaus-baum.info/2011/04/16/cdu-es-darf-keine-denkverbote-mehr-geben/ ) ad pers. ansprachen (-> http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/ ), lieber Herr Baum, antworte ich Ihnen kurz+knapp & plastisch+bildig:
(1) Nun im zwölften Jahr aktiv im Netz, wird mir die „Blogosphäre“ immer gähniger, beliebiger, suspekter. Für eine der (zu) wenigen anregenden Ausnahmen steht Ihre Seite wenn auch mit wenig historisch gesättigter Analytik, freilich mit gelegentlich eigner Themensetzung wie zum Wissmann-Sockelsturz Dammtor Ende 1968 (-> http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/ [war´s auf einem Ihrer Fotos nicht der Oberlercher weiland SDS heute politrechter als rechts?]).
(2) Verallgemeinerbare Beobachtung: Mit fehlender Analytik einhergeht´s fehlende selbstbewußte Themensetzen („agenda-setting“). Stattdessen wird alltäglich nachhechelnd die nächste Politsau durchs selbe Netzdorf gejagt (auch wenn ihr ab+an mal´n neues Etikett angepappt wird …)
(3) Gewiß: ich festhalte am SoWi-Anspruch der Marie Jahoda: Es gilt, „Unsichtbares sichtbar zu machen“. Ich sag das nicht nur. Ich tu das wirklich. Auch im dh-Netz (-> http://www.duckhome.de/tb/authors/56-Richard-Albrecht ) wieder seit letzten Herbst vor allem im Ende 2010 abgeschlossenen „Grundkurs Soziologie“ (-> http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/grundkurs+soziologie ) und im seit Anfang 2011 laufenden „FLASCHEN POST“-Projekt mit Gastautor(inn)en (-> http://www.duckhome.de/tb/plugin/tag/flaschenpost ). Auch dazu sind „Anstrengung des Begriffs“ (GFW Hegel) nötig. Und nicht Beschimpfung, Ausgrenzung, Denunziation der wenigen, die´s immer noch und noch immer versuchen.
(4) Daß die breitärschige Depperlnwelt nicht nur bajuwarischer Bazistammtische, sondern auch vermeintlich kritische Amigonetzblogos meinen, Wesen und Erscheinung wärn´s gleiche, ist deren Problem. Nicht meins.
(5) Daß welches anschaulich Einzelne auch immer Allgemeines ausdrücken kann bezweifle ich ebenso wie ich Grenzen von Anschaulichkeit sehe. Für entscheidend erachte ich die vermittelnde Kategorie der Besonderheit. Und weiß auch: klar doch, ein weit-fontane´sches Feld …
(6) Nur wer das Unmögliche fordert ist meiner Erfahrung nach realistisch: „Alles andere ist Zoo“ [ -> http://ricalb.files.wordpress.com/2011/04/kapitalismuskritik1.pdf ]. Und auch da heult Mann mit den Wölfen …
In diesem – präzisen – Sinn, best;-)
Richard Albrecht, 190411 http://gegen-den-strom.org „
[<- http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/#more-9035]
V.
„Klaus Baum // Apr 19, 2011 at 1:36 pm
@richard albrecht: was den redner auf dem hamburger foto von 1968 betrifft, so kann ich in der tat nicht sagen, wer das ist oder ob es oberlercher ist.
ich war damal gerade mal 4 bis 6 wochen in hamburg. mein täglicher weg führte mich vom jungfernstieg zur kunsthochschule. die lag – vom jungfernstieg aus gesehen – rechts der alster und die uni befand sich links. zwei voneinander getrennte welten.
als ich einige jahre später das philosophiestudium an der uni begann, wohnte ich nicht mehr am jungfernstieg, sondern in der nähe der s-bahn-station othmarschen, so daß mein täglicher weg überwiegend mich zum dammtorbahnhof führte. in dieser zeit bin ich auch herrn oberlercher begegnet, und zwar in einem seminar über die dialexis des protagoras.
oberlercher empfand ich als einen äußerst unangenehmen menschen. er erschien mir als einer der vertreter linken protestes – und nicht selten ging er den prof. aggressiv an. diese aggressivität fand ich unangemessen, fehl am platz, an der person des profs vorbeigehend.
the oberlercher experience hat wesentlich zu meiner abneigung gegenüber den vertretern der sogenannten k-gruppen beigetragen, wowohl der sds ja keine k-, sondern eine s-gruppe war.
ich kam aus kassel, gehört dort der APO an, deren mitglieder untereinander einen familiären, freundlichen, hilfsbereiten kontakt pflegten. die sogenannten hamburger linken studenten, die ich kennenlernte, waren mir wegen ihrer aggressiven, feindlichen grundhaltung schlicht zuwider. […] einfühlungsvermögen war für diese linken studenten in HH im gegensatz zur den APO-Leuten in KS ein absolutes fremdwort.“
[<-http://www.klaus-baum.info/2011/04/18/hartz-iv-%E2%80%93-war-da-nicht-mal-was/]
VI. Postscript
[Richard Albrecht]
Soweit mal Zitiertes und Zitierbares. Auch zu unterschiedlichen Geschichtsauffassungen. In den zitierten Netz-„Notizen aus der Unterwelt“ durftmarkten noch zwei ganzdeutsche Netz(haus)meister: http://www.antiferengi.de/ [und] http://feynsinn.org/. Beide jeweils kurzpostend und nicht nur von der Sache her daneben. Sondern vor allem neben der Sache. Und das war auch gut so: Mein Bedarf an talmikritischem „Gewäsche“ (Ernst Bloch) der actuellen ganzdeutschen Blogosphäre ist schon jetzt bis Ende dieses Jahrzehnts nachhaltig gedeckt.
Als es letztjährig konkret wurde auch in der hier angesprochenen Blogoszene – kam nix und wieder nix und immer noch nix gegen die Dresdner Kunstzensur des Lustbilds – mit Ausnahme zweier Netzseiten: einer verbreiteten -> http://mein-parteibuch.com und einer weniger bekannten -> http://ricalb.files.wordpress.com/2010/03/lustbrief.pdf (später auch hier -> http://www.duckhome.de/tb/archives/8594-LUSTBILD.html).
Das war leider so. Und das war leider nicht gut so.
Der nächste Kunstzensurversuch (in) der Banausenrepublik Deutschland freilich kommt bestimmt.
Insofern gilt auch hier: THE FIRE NEXT TIME …
[Technischer Hinweis: Wenn Sie mittels Ihres Browser diesen Text als pdf herunterladen, soll(t)en alle Links funktionieren.]
Klaus Baum lebt als Freier Publizist in Kassel. Lehre als Fotograf. Preisträger beim Deutschen Jugendfotopreis 1967. Abitur auf dem Zweiten Bildungsweg 1968. Arbeit als Fotograf für Christo und Jeanne-Claude auf der documenta 4. Preisträger beim Deutschen Jugendfotopreis 1967. Studium der Fotografie an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst (HfBK, „Lila Lerchenfeld“) in Hamburg. Studium der Philosophie, Theologie und Literaturwissenschaft an der Uni Hamburg. Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes. Preisträger beim Nikon Photo Contest International 1979. Die Hamburger Dissertation (1985) erschien als Buch: „Die Transzendierung des Mythos. Zur Philosophie und Ästhetik Schellings und Adornos.“ Würzburg: Königshausen & Neumann, 1988, 438 p. [= Philosophie Band 38, ISBN 3-88479-344-6]. Klaus Baum war Mitarbeiter der documenta 8, Museumspädagogischer Leiter der documenta 9 und Lehrbeauftragter für Fotografie, Kunstwissenschaft und Philosophie an der Universität Kassel. Essays und Hörspiele des Autors wurden vom Süddeutschen Rundfunk (SDR), Südwestrundfunk (SWR) und anderen Anstalten gesendet. Wikipedialink http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Klaus-baum
Richard Albrecht ist ein mit (sozial)wissenschaftlichen Methoden arbeitender Autor, Publizist und Editor. Nach der ´mittleren Reife´ in Harburg 1963/66 Besuch des Wirtschaftsgymnasiums in Hamburg und Sprachlehrer. Ab Winter(semester) 1966/67 Studium der Sozialwissenschaften (Philosophie, Politikwissenschaft, Soziologie, Sozialpsychologie, Statistik) an den Universitäten Kiel, Heidelberg und Mannheim. Externe Promotion (Dr.phil. 1976) und Habilitation (Dr.rer.pol.habil. 1989). Ausbildung als Journalist (Voluntariat). Abhängige Beschäftigungen als Berufsschullehrer, beruflicher Ausbilder und in der kommerziellen empirischen Sozialforschung. Übernahme zahlreicher Forschungsprojekte und Lehraufträge (unter anderem an der FH Köln, fh bund, Universität zu Köln, RU Bochum, GH Siegen, WWU Münster, Universität Mannheim. - Der Autor lebt heute als unabhängiger Sozialforscher und freier sozialwissenschaftlicher Literat in Bad Münstereifel. Er veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog -> duckhome-Beiträge. Letzterschienene Bücher: SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (2008, wiss.); HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (2011, lit.). Anfang Mai 2011 soll die Edition mit Texten zur reflexivhistorischen Sozialforschung aus diesem Blog -> flaschenpost als gedruckte FLASCHEN POST vorliegen (VerKaaT 2011, etwa 104 p., ISBN 978-3-921384-07-9). Netzarchiv des Autors -> eingreifendes-denken
(c) beim jeweiligen Autor (2011)
Tags für diesen Artikel: APO, blogoszene, briefwechsel, erinnerung, erinnerungskultur, hamburg, kultur, medienpolitik, politik, sds, talmikritik, wolfgang koeppen, zeitgeschichte
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