MENSCHLICHE KÖRPERZELLEN
ALS „SUBSTANZIELLER BEITRAG ZUM TIERSCHUTZ“
Kurzdokumentation
von
Richard Albrecht
„Mit der Verleihung des Ursula M. Händel-Tierschutzpreises durch die DFG […] stand am 24. Januar 2011 das Thema tierexperimentelle Forschung im Mittelpunkt. [….] Die Verleihung des Tierschutzpreises war für die DFG ein willkommener Anlass, die oft kontrovers diskutierten Fragen rund um den Tierschutz in der Forschung einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. „Die Forschungsarbeiten der Preisträger zeigen, dass Grundlagenforschung einen substanziellen Beitrag zum Tierschutz leisten kann“, sagte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in seiner Begrüßung. […]
Der Vorsitzende der Senatskommission für tierexperimentelle Forschung Professor Gerhard Heldmaier erklärte in seiner Rede das Prinzip 3R: replace, reduce und refine. Heldmaier führte aus, dass die Reduktion auf das notwendige Minimum in der Grundlagenforschung heutzutage gängige Praxis sei. Das größte Problemfeld sei der Ersatz von Tierversuchen durch alternative Methoden. Hier würde heute jedoch überall mit Nachdruck an Zellen und Zellsystemen geforscht, um einzelne Funktionen auf größere Zusammenhänge in Geweben oder Organsystemen vorhersagen zu können. Wie jedoch ein ganzes Lebewesen funktioniere oder wie sich beispielsweise bestimmte Substanzen auf einen Organismus auswirken, sei am Ende weiterhin nur am Gesamtsystem und damit oft im Tierversuch nachzuvollziehen.
Wie konkret Tierversuche vermieden werden können, zeigen die 2011 ausgezeichneten Preisträger des Tierschutzpreises. Professor Thomas Eschenhagen führte für sein Team am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf aus, wie die (Neben-)Wirkungen von Medikamenten an Herzmuskelzellen überprüft werden können. Am Beispiel eines Jungen, der nach der Einnahme eines Hustensaftes unter Herzrhythmusstörungen litt, machte er deutlich, wie wichtig es ist, Arzneimittel genau zu prüfen. Für solche Tests war bislang eine große Zahl an Tierversuchen nötig. Um die notwendigen Tierversuche für die pharmakologische Überprüfung in solchen Fällen deutlich zu reduzieren, setzt das Hamburger Team in seinem neu einwickelten System auf Automatisierung und damit höhere Effizienz und gleichzeitig auf humane embryonale Stammzellen, um die Verhältnisse im menschlichen Körper abzubilden und nicht mehr auf tierische Zellen zurückgreifen zu müssen.“ [1]
[1] Zitiert nach
forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft: 1/2011; auch:
http://www.dfg.de/dfg_magazin/forschungspolitik_standpunkte_perspektiven/tierexperimentelle_forschung/110124_haendel-preis/index.html. „Mit einem jährlichen Etat von inzwischen mehr als zwei Milliarden Euro finanziert und koordiniert die DFG in ihren zahlreichen Programmen über 20 000 Forschungsvorhaben einzelner Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie von Forschungsverbünden an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Dabei liegt der Schwerpunkt in allen Wissenschaftsbereichen in der Grundlagenforschung.“ Zitiert nach
forschung. Das Magazin der Deutschen Forschungsgemeinschaft:4/2010; auch:
http://www.dfg.de/download/pdf/dfg_magazin/wissenschaft_oeffentlichkeit/forschung_magazin/forschung_2010_04.pdf. – Richtlinien zum Gentransfer in menschliche Körperzellen: Richtlinien des Ständigen Arbeitskreises “Biomedizinische Ethik und Technologiefolgenabschätzung” beim Wissenschaftlichen Beirat Arbeitskreis Medizinischer Ethik-Kommissionen in der Bundesrepublik Deutschland” (1995):
http://www.bundesaerztekammer.de/downloads/Gentransferpdf.pdf
Dr. Richard Albrecht (*1945) lebt als unabhängiger Sozialforscher und freier Autor in Bad Münstereifel und veröffentlicht seit Oktober 2010 in diesem Blog ->
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Grundkurs Soziologie ->
flaschenpost. Letzterschienene Bücher:
SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (2008, wiss.);
HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (2011, lit.). In Vorbereitung ist die Druckfassung der Texte zur reflexivhistorischen Sozialforschung ->
FLASCHEN POST (VerKaaT 2011, 104 p., ISBN 978-3-921384-07-9). Netzarchiv des Autors ->
eingreifendes-denken
Es sieht so aus, als würde Tierschutz vor Patientenschutz gestellt werden oder habe ich da etwas falsch verstanden? Außerdem wird ohne Tierversuche alles billiger, bzw. der Profit der Pharmaindustrie noch größer.
Wir wissen nicht, wie oft wir Patienten als Versuchskaninchen mißbraucht wurden und wieviele dabei auf der Strecke blieben. (Tierversuche sind nicht das was ich gut finde, aber ist das oben geschriebene die Alternative?)
Seh & bewerte ich ähnlich. Weniger Tierversuche als "Einfallstor" für erweiterten menschlichen (Stamm- bzw. Körper-) Zelleneinsatz. Und die DFG fördert & auslobt´s als "Tierschutz".
Nötig m.E. eine (von mir in diesem Feld & auf dieser Publikationsschiene nicht ableistbare)
INSTRA = Interessenstrukturanalyse. Ein Arbeitsfeld für Sie?
Besten Gruß
(Dr. Richard Albrecht)