Heute war mein persönliches Anbaden. Endlich. Raus aus den Plünnen, rein in die Fluten - naja, ins blitzsauber gechlorte Wasser des Prinzenbades. Wenn es früh noch leer ist, geht das schon. Und kaum war ich im Wasser, kam er schon angekrault, der Kampfschwimmer. Der rücksichtslose Vollidiot mit dem aufgeblähten Ego. Der Soziopath im Schwimmbecken.
Und ein zweiter gesellte sich bald dazu. Ich spreche übrigens nicht vom sogenannten Sportbecken, wo sie sich meinetwegen gerne gegenseitig die starken Oberarme oder Beine reinrammen dürfen. Sondern vom großen Flachwasserbecken, wo sich Kinder tummeln, ganze Familien, Nichtschwimmer, ältere Leute und wenn nicht viel los ist auch solche wie ich, die in Ruhe ihre Bahnen schwimmen, ohne sportlichen Ehrgeiz oder sonstigen "Absichten". Ja, auch in diesem Becken fühlt er sich heimisch, der Kampfschwimmer, immer schön den Kopf unter Wasser und graulend, als wäre ein Haifisch hinter ihm her. Wohl wissend, dass die anderen Angst vor ihm haben und vorsichtshalber aus dem Weg schwimmen. Und schon hat er sich durchgesetzt.
Hah - aber nicht heute! Da waren nämlich außer mir noch zwei ältere Damen und ein älterer Herr. Und wir machten alle vier keinen Platz. Einmal steuerte er stur und in voller Kampfesmanier durch zwei von uns durch, so dass es richtig knapp wurde. Und hätte er auch nur einen von uns touchiert, dann wäre ein Anschiss beim Bademeister fällig gewesen, ich schwörs. Ich war schon wieder auf 180, und das beim ersten Schwimmbadbesuch in diesem Jahr. Wenn das mal auf Dauer gut geht.
Später beobachtete ich die beiden Schwimm-Soziopathen, wie sie aneinander vorbeischwammen. Und da bemerkte ich, dass die beiden sich sehr gut sehen und keineswegs mit den Köpfen aneinanderdonnern, wie man es eigentlich erwarten würde. Da wurde mir klar, dass sie sehr wohl bemerken, was in ihrer Umgebung noch herumschwimmt. Noch schlimmer, dachte ich. Das Problem ist nicht ihr Kopf-Unter-Wasser sondern ihre Absicht, die anderen Schwimmer so zu verängstigen, dass sie freiwillig die Bahn räumen. Kotzbrocken. Egomanische Arschlöcher.
Einsperren, phanatasiere ich vor mich hin. Damit sie ihre Mitmenschen nicht länger tyrannisieren können. Ich habe das so unglaublich satt, ich kann es gar nicht sagen. Und das, wo hohe Richter gerade fordern, dass man sicherheitsverwahrte Schwerverbrecher freilassen muß. Nein, das muß ich nicht verstehen. Warum erlauben wir, dass einzelne Vollversager viele viele Mitmenschen tyrannisieren können und dürfen? Warum tolerieren wir das?
Die Vertreter der anderen großen Soziopathen-Vereinigungen waren während der Woche auch bereits in Erscheinung getreten: die Hundebesitzer und die Fahrradfahrer. Wobei ich gleich lobend erwähnen möchte, dass es inzwischen viele Hundebesitzer gibt, die die Hinterlassenschaften ihres lieben Haustieres wegmachen. Das ist eine große Erleichterung für ihre Mitmenschen. Bleiben aber noch die einzelnen, die weiterhin ihren Hund überall hinscheißen lassen. So schafft es einer, dass sich den ganzen Tag Hunderte von Mitmenschen ärgern. Aber die Fahrradfahrer sind in ihrer Rücksichtslosigkeit bei weitem schlimmer.
Wie die Berserker rasen sie über Gehwege, vorbei an den Fußgängern und anderen Fahrradfahrern! Und so schnell schaust du nicht, sind sie getürmt, wenn sich mal jemand beschweren will, oder womöglich jemand erwischt wurde. Selbstverständlich halten sie sich an keine Verkehrsregel - und da sind wir am springenden Punkt angelangt: Regeln! Die Menschen können nur zusammen leben, wenn sie sich an ein paar Regeln halten. Keine menschliche Gemeinschaft kommt ohne Regeln aus. Nur unsere Soziopathen halten sich an keine Regel. Und das gibt ihnen diese vermeintliche Stärke, die vorübergehend auch tatsächlich eine ist, solange die anderen nämlich noch mit ihrem Schreck beschäftigt sind.
Den verwahrlosten Hundebesitzern ist schwer beizukommen, weil sie meist zu Zeiten unterwegs sind, wo wenig Leute auf den Straßen sind. Den Fahrradfahrern könnte man mit beherztem Schubsen das Handwerk legen. Und gegen die Kampfschwimmer fällt mir bestimmt auch noch was ein. Ich befrage mal die Furie in mir!
Jegliche Emotionen sind in solchen Fällen fehl am Platz, es sind Kranke.
Ich fahre kein Auto, habe noch nie im Leben einen Führerschein besessen und fahre tagein, tagaus bei Wind und Wetter Fahrrad.
Richtig ist, daß alle Jahre wieder im Frühjahr, wenn das Wetter schön ist, all die Vollbekloppten sich auf’s Fahrrad schwingen und keinen blassen Schimmer von etwaigen Verkehrsregeln haben.
Ich sage dazu immer: Das sind alles Autofahrer, die jetzt ihren Arsch auf den Sattel schwingen und ihr asoziales Verhalten, das sie 365 Tage im Jahr mit ihrem Auto ausleben, jetzt auf das Fahrrad übertragen! ;-)
also erstmal: in meiner Jugend bin ich wettkampfmäßig geschwommen. Der Großteil meiner Fortbewegung erfolgt radelnd.
Ich finde es etwas irritierend am Artikel, wieviele Gedanken und Gefühle auf einen fremden Menschen projeziert werden; die ersten Absätze erwecken den Eindruck, als sei jeder, der beim Kraul-Schwimmen den Kopf im Wasser hat schon verdächtig, sozial krankhaft zu sein, dabei ist das sowohl am gesündesten (HWS) als auch technisch am Saubersten. Desgleichen wird über die schnellen Radfahrer geschimpft.
Die Gegenperspektive kommt nicht vor. Daher möchte ich gerne dazu ein paar Worte "verlieren":
gegenseitige Rücksichtnahme ist Grundgebot. Daraus folgt für mich, dass ich in einem Bad, in dem (aus sportlicher Perspektive) die meisten nur "planschen" nicht trainingsorientiert schwimmen kann; dafür sind die abgesperrten Bahnen zu wählen.
Als Radfahrer möchte ich oft schnell voran kommen; sehr häufig verstehen genau das aber sie anderen Verkehrsteilnehmer nicht, was wohl an der Projektion der eigenen Verhältnisse liegt ("Sonntagsradler"). Ein Beispiel, was ich vor kurzem erlebt habe:
ich fahre auf dem Radweg entlang, sehe, dass in ca. 50m eine Familie aus dem Auto steigt und klingele, um rechtzeitig auf die Situation aufmerksam zu machen. Das Klingen wird ignoriert (meine Klingel ist laut!) bis ich auf 10m heran komme, ich muss abbremsen und trotz Dauergeklingel erschrickt eine Dame, die aus dem Auto steigt. Dann meint ein Herr aus der Gruppe, ich solle mal gemütlich machen und mir Zeit lassen...
Zusammengefasst: die meisten sind (aus meiner Sicht) unglaublich träge und dumm und reagieren aggressiv, wenn sie dazu gebracht werden, das zu tun, was Standard sein sollte: auf die Umgebung zu achten.
Der Autor des Artikels scheint mir eher zu den "Autisten" zu gehören, die es als "normal" betrachten, eineinhalb Tonnen Stahl und Plastik um sich herum zu haben und ihre Reaktionszeiten auf diese träge Masse abgestimmt haben.
Regeln können Verhalten lenken, aber der grundlegende Konflikt (überspitzt: alt, fett und träge gegen jung, schnell dynamisch) lässt sich nur durch eine von allen Seiten praktizierte Rücksichtnahme und Vorrausschau lösen.
Von solchen Durchgeknallten habe ich gesprochen. In diesem Fall bin ich übrigens in der Tat froh darüber, eine Menge Blech um mich herum zu haben. Ich hänge nämlich an meinem Leben.
@Luise. Machen sie sich keine Sorgen, solche "dynamischen" Radfahrer sind meistens keine. Die steigen am nächsten Tag wieder in ihre Blechkisten. Das sind nämlich genau die jenigen ohne Gespühr. Die Jugend nehme ich da mal aus. Da haben die Eltern versagt. Das eigene Auto wird gepflegt und gehegt, und der Nachwuchst eiert ohne Licht, Bremsen und Ahnung durch die Gegend. Da kann man schon Angst kriegen. Um sein heiliges Blech, Gell.
Das was mich als Fußgängerin ärgert, ist, dass ich auf dem Gehweg nicht auf Geschwindigkeit eingestellt bin, im Unterschied zum Straßenverkehr. Und das ist das Heimtückische, das mich erbost.
Im Straßenverkehr können natürlich auch Fußgänger (und Fahrradfahrer) durch unangemessenes Verhalten schwere Unfälle provozieren. Das ist dann das Gleiche in Grün. Bloß dass der Mensch, der ohne Blech drumherum unterwegs ist, in diesem Fall sein Leben riskiert.
Und auf Fahrradwegen können frei laufende Hunde zum Desaster werden. Und so weiter. Und noch ein Wort zu den Autofahrern : die sind wenigstens mit einem Kennzeichen unterwegs und man kann den Vollversagern den Führerschein abnehmen und das Fahren verbieten. Im Unterschied zu all den anderen. Ich wurde übrigens als Fahrradfahrerin mal von einem Auto umgenietet. Soviel am Rande zu meinem persönlichen Erfahrungshorizont.
Wenn regelwidriges bzw. unangepaßtes Verhalten, das sich und andere belästigt und gefährdet, zum Normalfall wird, dann steigt der Streßpegel enorm an und nimmt uns allen den Spaß an der Freude! Und dagegen habe ich ganz gewaltig was. Peace!