Dioxin in deutschen Futtermitteln war gestern. Jetzt sind EHEC-Erreger in spanischen Gurken in aller Munde. Voller Vorfreude warten wir auf das nächste Gammelfleisch und neue Rekorde bei der Pestizidbelastung von Tomaten. Denn wir brauchen immer neuen und wenn's geht immer härteren Stoff, da wir die einzelnen Verbrechen der Lebensmittelmafia und die fehlende Bereitschaft der Politik, dagegen vorzugehen, in der Regel binnen weniger Wochen verdrängt haben. Und dann essen wir auch wieder fröhlich Gurken aus irgendwoher und wollen lieber gar nicht wissen, wie sie produziert, transportiert und gelagert werden. Hauptsache billig.
Spektakuläre Weinskandale hat es in der jüngeren Vergangenheit nicht gegeben. Lebenserfahrene Bacchusjünger erinnern sich fast mit Wehmut an mit Frostschutzmittel angereicherte deutsche und österreichische „Prädikatsweine“ in der 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Zwar wird gefälscht, manipuliert und Etikettenschwindel betrieben, was das Zeug hält, gesundheitlich bedenklich ist das aber nicht. Auch bei konventionell erzeugten Weinen sind im Endprodukt nur in seltensten Fällen problematische Pflanzengiftrückstände messbar. Und selbst bei arrivierten Hardcore-Weinsäufern wurde bislang kein Fall bekannt, dass die zur Haltbarmachung – übrigens auch in Bio-Weinen - verwendeten Sulfite gesundheitliche Schädigungen hervorgerufen haben.
Natürlich kann auch Weingenuss Übelkeit oder andere Unpässlichkeiten auslösen. Zum einen enthält er nicht unbeträchtliche Mengen eines starken Nervengiftes, nämlich Alkohol, was ab einem gewissen Quantum physische und psychische Beeinträchtigungen verursacht. Durch Verarbeitungsfehler auftretende Nachgärungen können ebenfalls unschöne Folgen zeitigen. Dazu kommen Zeitgenossen, die spezielle Probleme mit Histaminen, Gerbstoffen oder Säure haben. Und bei manchen Weinen muss man sich einfach erbrechen, weil sie so schrecklich schmecken.
Womit wir beim Wein der Woche wären. Eigentlich wollten wir Ihnen die neue Kollektion des Bio-Winzers Ernst Hein präsentieren, der aus den Muschelkalklagen der südlichen Mosel Jahr für Jahr Erstaunliches herausholt. Doch die Probenlieferung ist leider noch nicht eingetroffen, und so müssen wir Sie vertrösten. Bis zum kommenden Freitag dürfen Sie also trinken, was Sie wollen.
Der Autor Rainer Balcerowiak lebt und arbeitet als Politikredakteur und Weinpublizist in Berlin und Wandlitz.
Zuletzt erschien von ihm „Das demokratische Weinbuch“ (
Mondo Verlag Heidelberg) 14,95 Euro