Im entwickelten Kapitalismus nimmt Profit die Form des Zinses an und erfordert monopolistische Staatsintervention bei Kapitalakkumulationsprozessen mit einer „neuen Finanzaristokratie, einer neuen Sorte Parasiten in Gestalt von Projektemachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren“ an der Spitze: „ein ganzes System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums“ – „ein sich selbst aufhebender Widerspruch.“
Karl Marx, Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Band 3. Hg.
Friedrich Engels [1894]; hier nach: Marx-Engels-Werke Bd. 25. Berlin: Dietz, ²1968; MEW 25: 454
„Ich schrieb auch einige Monate ein wöchentliches Bulletin für einen sogenannten
Bucketshop, das ist ein von England her übernommener Typ von Schwindelfirmen, die an Kunden gegen Depotzahlung Aktien verkaufen, die sie weder besitzen noch überhaupt zu kaufen beabsichtigen. Der Kunde wird durch Telefongespräche und Telegramme meist in der Provinz angelockt zu ständig neuen Spekulationen, mit Versprechungen hingehalten, bis die Depotzahlung nach dem Kurszettel als Verlust abgerechnet werden kann.“
Franz Jung, Der Weg nach unten. Aufzeichnungen aus einer großen Zeit [1961]. Hamburg: Edition Nautilus, ²1988: 86
„Der Finanzmarkt-Kapitalismus ist ein Produktionsregime, das durch eine spezifische Konfiguration von ökonomischen Institutionen geprägt ist. Zu diesen Institutionen zählen: die Aktienmärkte (Kapitalisierung); die Investment-Fonds (Eigentümer); Analysten und Rating-Agenturen (boundary roles); Transfermechanismen (z.B. feindliche Übernahmen). Das Steuerungszentrum des Finanzmarkt-Kapitalismus sind die Aktienmärkte, auf denen fiktives Kapital gehandelt wird (Kapitalisierung). Aktienmärkte können Unsicherheit immer nur fiktiv in Risiko transformieren. Daher bieten Aktienmärkte eine besondere Gelegenheitsstruktur für Opportunismus (moral hazard). Die Investment-Fonds sind die ‘neuen’ Eigentümer, die in den USA inzwischen die Mehrheit an den großen Aktiengesellschaften besitzen. Sie sind der operatorischen Logik der Finanzmärkte unterworfen und zwingen die Unternehmen zu einer kurzfristigen Strategie der Profitmaximierung. Analysten und Rating-Agenturen besetzen in diesem System wichtige ‘boundary roles’, die Unsicherheit in Risiko transformieren sollen. Feindliche Übernahmen, der Markt für Unternehmenskontrolle und Aktienoptionen sind spezifische Transfermechanismen, die die operatorische Logik der Finanzmärkte auf die Realökonomie übertragen […] Die Kontrolle, die durch Finanzmärkte ausgeübt wird, ist abstrakt, anonym und sachlich, d.h. sie erscheint nicht als persönliche Abhängigkeit, sondern durch anonyme und globale Marktkräfte vermittelt.“
Paul Windolf, Was ist Finanzmarkt-Kapitalismus? (2005):
http://www.uni-trier.de/fileadmin/fb4/prof/SOZ/APO/19-019_01.pdf, 38 p.; Zusammenfassung
Aktueller Nachtrag
Einen vorfestlichen Beitrag unterm Titel
„Die Krise kurz erklärt. Was Sie schon über die Krise wissen wollen, aber nie zu fragen wagten. Die etwas anderen FAQ zur kapitalistischen Dauerkrise“ gab – mit optimistischem Schlußakkord à la „Krise als Chance nutzen“ - am 23. 12. 2011
Tomasz Konicz bei „Telepolis“ [ra: 231211]