Ich bin ein Einzelschicksal, das habe ich heute wieder bitterlich erfahren müssen.
Schon in der Kindheit hasste ich meine Schnittlauchlocken, weil man mir immer einen Topf übers Hirn stülpte und drum herum schnippelte. Natürlich ging das nicht ohne Geschrei und Klöppe ab. (Den Teppichklopfer habe ich vergoldet- als ich eine „Goldphase“ hatte. Er wird nicht mehr gebraucht, obwohl ich den manchmal für den Bundestag gebrauchen möchte.)
Nun wird man ja älter, so auch ich und mein Schicksal nahm Haaresmässig seinen Lauf. In der Jugend sagte man mir, ich hätte schönes Haar und man ließ sie mir etwas länger dran. Nun sah ich nicht mehr wie Max von „Max und Moritz“ aus, sondern wie Prinz Eisenherz.
So wurde ich irgendwann wieder älter und konnte selber über meine Haare entscheiden. Bis heute ist das so geblieben.
Mit 16 färbte ich meine Haare selber, sie waren Schulterlang und ich fühlte mich wie eine Marienfigur. Also schmierte ich rote Farbe auf meinen Kopf, denn ich wollte verrucht aussehen. Es ist schief gegangen und ich sah aus wie ein gestreifter Hund.
Nun war ich ja nicht dumm und dachte, „nehm ich halt schwarze Farbe“ und schmierte die über die rote. Es war die Katastrophe, nun sah ich aus, wie ein Indianer auf dem Kriegspfad.
Mit einem Riesenkopftuch bin ich zu einem Friseur, der entsetzt dreinschaute und er hat mir an die 6 Stunden, die Farbe aus den Haaren gezogen. ( Man hat dann orange-gelbe Haare durch die Chemie) Ich wusste, ich krieg niemals einen Mann ab.
Erst nach weiteren 2 Stunden, nachdem meine Haare immer wieder nachgefärbt wurden in meiner Naturfarbe ( dunkelbraun ) hatte ich Hoffnung auf ein glückliches Leben. Meine Güte- was war ich schön! Gekostet hatte mich das 60 DM- aber auch nur, weil man gnädig mit mir war.
Nun vergingen die Jahre und „Frau“ verändert ihre Frisur immer nur, wenn sie einen neuen Mann oder Lebensabschnitt hat. Vielen Dank Schicksal, es reicht mir. ( Es folgten eine fachmännische Färbung in
Rot in
Mahaghoni und 2 Dauerwellen. Ich sah dann aus wie ein Feuermelder und Glück in der Liebe hatte ich auch nicht.) Also- zurück zu den Schnittlauchlocken. „Ach, wie gern hätt ich doch Locken gehabt und einen netten Mann."
Nun bin ich eine ältere Dame, habe kein Geld mehr für den Friseur. Wie auch? Mit Hartz IV? Nee, das geht gar nicht, denn mein schönes Haar ist immer noch lang, aber manchmal muss ich es schneiden und ohne Färben habe ich Silbersträhnchen im Haar.
Mit professioneller Haarschere und 3 Haarspangen mache ich mich auf den Weg ins Bad, wie jedes halbe Jahr. Meine Tränen unterdrücke ich. Ich kann zwar andern die Haare gut schneiden, aber versucht mal, die Arme so zu verrenken, das man über die Fingerspitzen schneiden kann. Es reicht nicht ! Die Haare zu lang und die Arme zu kurz ( wie beim Lesen )
Die 1. Stufe ging ja noch grad’ so.
Schnipp-Schnapp 1. Reihe ab!
Mentaler Status: kurz vor dem Schreien
Die 2. Stufe war schon schlimmer:
Schnipp-Schnapp 2. Reihe ab!
Mentaler Status: gröhlende Wut
Die 3.Stufe ist im wahrsten Sinne des Wortes
verheerend Heute heisst das
ätzend
Schnipp-Schnapp 3.Reihe ab!
Mentaler Status: Tiefe Depression und Hass auf Peter Hartz und die Schröderbande.
Ich hasse mein Jobcenter, ich hasse meinen Ex-Mann, ich hasse das Sozialnetz und natürlich die ganze Welt. Besonders hasse ich aber Ursula von der Leyen, denn die hat Geld für den Friseur, sieht aber trotzdem Scheisse aus. Auch Angela Merkel kommt meiner Frisur sehr nahe… sie hat auch Schnittlauchlocken und natürlich hasse ich die genauso, allerdings auch ohne Haare.
Also dann: Es nützt ja nichts. Haarfestiger drauf, Lockenwickler drauf, einen Kaffee gemacht und gewartet, bis sich die Haare beugen und wenigstens einen Innenknick machen, das es aussieht, wie eine weiche Welle. Da fällt mir Westerwelle und seine spätrömische Dekadenz ein und ich erinnere mich, dass ich den ja auch hasse. Also weine ich ein Viertelstündchen, weil die alle so widerlich fies sind und mir nix gönnen.
Nun sind mal die Lockenwickler draussen und nun hasse ich mich selber, weil ich mich so hässlich fühle.
Ein Einzelschicksal, denke ich und begebe mich an meine Schminkutensilien, versuche mich auf 56 runter zu schminken, aber so recht klappt das nicht.
Nun ja, und nachdem ich mich nun ergeben habe, bürste ich mein Haar und mit der Schminke zusammen kann ich mich sehen lassen. Mann, was bin ich schön !
Eigenmotivation ist gefragt bei Hartz IV und mit 57,9 Jahren bin ich immer noch schöner als meine Fallmanagerin, die hat immer die Haare vom Friseur gemacht, tolle Klamotten und sieht aber trotzdem genau so Scheisse aus wie von der Leyen. Also bin ich doch besser dran. "Wusst ich's doch"
Ich hingegen sehe nun aus wie Mireille Mathieu, das ist ja nicht so übel, nur singen kann ich nicht. Sonst ginge ich auf die Strasse und würde das Lied von den Schmuddelkindern singen, denn Scheisse sagt man nicht, und fluchen darf man auch nicht. Leider kann ich aber nicht singen, sonst wäre ich vielleicht zu Dieter Bohlen gekommen, der holt immerhin mehr Arbeitslose aus dem Dreck als die Bundesagentur für Arbeitsverhinderung.
Und wenn ich nachher in die böse Welt gehe, dann fragen mich zig Leute:
Waren Sie beim Friseur? Steht Ihnen aber gut. ( Ob die das ehrlich meinen? )
Neeeeeeeeeeeien, ich war nicht beim Friseur, ich bin in den Sturm gekommen.
Liebe Eifelgrüsse an alle Frauen mit dem selben Schicksal, und bitte- gebt nicht auf, denn…..
Et hätt noch schlimmer kumme künne.
(„Es hätte noch schlimmer kommen können.“)
Gute Nacht...und die Träume bewacht... ;-)
Meist sehen Männer das gar nicht, oder wollen es nicht sehen, wenn Frauen die „Haare schön“ haben. Mein Ex-Mann hat immer gesagt, wenn ich lauthals bemerkte, dass ich beim Friseur war
„Und? Bist Du auch dran gekommen?“ Es sollte ein Witz von ihm sein, aber KEINE Frau lacht darüber.
Und da mein Artikel natürlich Bierernst geschrieben ist, so freue ich mich dennoch, wenn andere lachen. So geht mir das immer! Ich sag ja, ich bin ein Einzelschicksal.
Nun kommt hinzu, wenn ein Machol(ein) mir den Friseur gezahlt hätte, wäre ich da komplett unglücklich raus gekommen, hätte gehofft, dass mich niemand sieht, wäre nach Hause und hätte erstmal meine Haare gebürstet, gefönt und geschimpft, dass der Friseur komplett doof ist und nix kann, obwohl ich ihm ein Bild gezeigt habe, wie ich denn aussehen will. Dann hätte ich die Haare gewaschen, wahrscheinlich nachgeschnitten um dann zufrieden zu sein.
Frauen haben auch nicht unbedingt die Logik, die Du meinst, sie entscheiden oft (wie ich) aus dem Bauch heraus und sehr emotional. Ist doch klar, wenn ich schlecht gelaunt bin, kann ich viel besser auf Merkel und CDU schimpfen, als wenn ich gut gelaunt bin.
Und natürlich ist die Schröderbande schuld und Westerwelle und auch das neue Dreigestirn Steinbrück, Steinmeier und Gabriel. Das sind alles Leut, die mir Hartz IV aufgebrummt haben, respektive es noch verschlechtert haben. Die Politik ist schuld, das ich kein Geld für den Friseur habe, dass ich hätte hingehen können, wenn ich es denn gewollt hätte um dann unglücklich wieder raus zu kommen.
Ich will ja mein Unglück selber bestimmen!
Das Frauen immer ein Geheimnis für euch Männer bleiben, liegt daran, dass ihr uns nicht versteht. LOL Und wir Frauen sind lieber geheimnisvoll, anstatt enttarnt zu werden,denn dann sind wir vielleicht uninteressant und langweilig, wenn ihr Männer und Machos alles wisst.
Männer sind nun für mich nicht direkt ein Geheimnis, aber ein Rätsel- und das kann man leichter„lösen“. Auch hier sind wir Frauen geschickt genug, die Lösung nicht bekannt zu geben, denn sonst wären viele einsam.
Mann und Frau passen nicht zueinander, vom Denken und Fühlen her, aber es ist schön, wenn man eine/einen hat, mit dem man über die spätrömische Dekadenz eines Esels diskutieren kann um auch dann wieder zu erkennen, das man die spätrömische Dekadenz aus zweierlei Ansichten sehen kann. Um den Mann irgendwann nicht zu verärgern, gibt man nach, flucht auf alle Blondinen, die meist gefärbt sind und Exfrauen des Mannes, weil die den nicht behalten haben und weiss genau, das man selber recht hat, aber wieder mal untergebuttert wurde, weil man keine Argumente mehr hatte. Doch logisch, gell?
Das einzige, dass Mann und Frau gemeinsam ergötzen kann, ist ein gutes Essen und ein guter Tropfen. Vielleicht noch Sex, aber davon reden wir heute nicht, denn auch das ist ein „haariges“ Thema.
Freundliche Grüsse an einen Macho ..achja.. lein…!
Dankeschön. Ich glaube, viele Frauen haben solche kleinen Geschichten. Auch Mütter, Tanten und Schwestern.
Ich habe übrigens noch nie gehört, dass ein Mann sich die Haare selber geschnitten hat. ;-)
Wie lieben euch "trotzdem" !
Ihr seid ja schon gestraft durch die tägliche Rasur (?)