Von Ecken und Interessen Teil 2
Gestern war nun diese große Demo in vielen Weltmetropolen. Ich war unentschieden, ob ich hingehe, mich daran beteilige. Aufgerufen hatten viele dazu, man ist ja vernetzt. Geschafft hätte ich es auch noch, als ich zum Frühstück das Radio einschaltete.
Doch da erklang das erste Lied. „be nobody's fool“ sang jemand immerfort. Ältere Mitmenschen kennen es, und so müssen es auch junge Popsternchen auf Wunsch ihrer Imageberater immer mal wieder neu interpretieren. Mein großes Vorbild Nietzsche wagte sich absichtlich provokant mit unzeitgemäßen Betrachtungen ans Licht der gebildeten Öffentlichkeit seiner Zeit. Zeitgenossen von mir können meist ein aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat Nietzsches wiedergeben, und halten ihn darob für einen Frauenhasser. Sei s drum.
Heute ist heute, und da hatte ich versprochen, über corners und Impulse für unser Handeln zu schreiben, darüber, wie beide zusammenhängen. Corners sind laut dem deutschen Forbes Magazin vor allem in Asien anzutreffende Gruppen sehr solventer Investoren. Die wollen trotz der Nicht-Existenz von Verkaufsoptionen auf Firmen und Branchen natürlich auch mal richtig viel Geld machen, Geld so richtig fett vermehren, und drücken den Kurs eines Unternehmens, das ehedem im nächsten Abrechnungszeitraum hohe Erfolgsaussichten hat, dergestalt, dass sie mit ihren großen Geldvermögen die Nachfrage am Aktienmarkt vorübergehend verknappen. Sie kaufen einen Großteil der am Markt gehandelten Papiere, (Aktien, aber auch Call-Optionen) und setzen so einen Trend.
Während der achtziger Jahre ging das hier in Zentraleuropa mal so ähnlich: Es gab zwar in der DDR keine Börse mehr, den Platz, die Bahnstation, an der die Börse mal stand, hatten die Behörden umbenannt, und doch ließ sich durch entsprechende Meldungen im Feindsender der geteilten Frontstadt Hysterie und Panik verbreiten. Butter, so hieß es, werde bei den späteren Brüdern und Schwestern im Osten bald richtig rar, und eben jene sollten rasch gehen, sich die letzten noch angebotenen Butterstücken kaufen. Nun war die DDR nicht gerade eine Überflussgesellschaft, in der ständig zu viel produziert und hinterher weggeworfen wurde. Es gab auch keine Obdachlosen, Hartz-IV-Betroffene und Gammelläden, wo von der Sozialpolitik Benachteiligte sich die abgelaufenen Lebensmittel mühsam erstehen mussten, für die die Spender-Firmen extra Umsatzsteuer-Abschreibungen erhalten. Da beinahe jeder DDR-Bürger dem Reiz des Verbotenen, den Feindsender zu hören, erlag, gab 's plötzlich wirklich keine Butter mehr in Konsum und HO-Geschäften...
„I lie down and shiver-
in your golden river.“
(COIL)
Was für ein schlüpfriger Reim, was für eine Überleitung! Um Gold soll es jetzt gehen. Gold müsse man unbedingt haben, ruft es besonders seit dem Konkurs der Gebrüder Lehman im Jahre 2008 von überall her. Wer eine Publikation veröffentlicht, hat in Goldhändlern stets gute Anzeigenkunden. Gold ist das Krisenmetall, weil sein Gehalt in den Münzen für den Handel immer mehr reduziert wurde. Immer mehr in Umlauf befindliche Münzen hatten nicht mal mehr einen goldenen Überzug und büßten notwendig an Wert ein. Während Gold keine Zinsen abwirft, macht es die Angst der Menschen vor jeder Krise richtig teuer. Hier hat man irgendwie akzeptiert, dass es nicht von alleine mehr werde. Nur zu Beginn der neunziger Jahre, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, wurde kurze Zeit kolportiert, das gelbe Edelmetall habe seine Rolle als Krisenmetall verloren. Über die sagenhaften Goldreserven der SED-Führung sprachen manche gern. Hatte da jemand den Kurs künstlich unten gehalten? Pünktlich 1995, am Höhepunkt der verdeckten Aktivitäten in Jugoslawien, die ab 1999 zu den Nato-Bombardements führten, stieg der Goldpreis kontinuierlich an, und hat bis neulich nur eine Richtung gekannt. Ein Schelm, wer da Böses denkt! Theo Waigel, damals gesamtdeutscher Finanzminister, wollte die strategischen Goldreserven der Bundesrepublik verhökern und durfte nicht. War das Gold womöglich gar nicht mehr im Lande, nicht mehr in Europa? „Pfui! Verschwörungstheorie!“ höre ich schon das vielfache Echo auf meine Frage, will sie hier aber gar nicht klären,
lediglich zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
Die an einer Corner Beteiligten machen es in der Zwischenzeit, nachdem sie einen Wert zu besonderer Steigerung auserkoren haben, ähnlich wie der Liebe Gott: sie lehnen sich zufrieden zurück und freuen sich daran, wie das, was sie so fachkundig angefasst haben, wächst und gedeiht. Und verkaufen ihre Anteile alle auf einmal
Seit März wurden wir der Umsturzpläne in Libyen gewahr, der Aktivitäten einer Koalition der Willigen, die westliche Wertedemokratie auch gegen das Libysche Volk zu verteidigen, federführend war diesmal Frankreich. Sarkozys Frankreich. Inzwischen kann man lesen, dass Oberst Muammar Gaddafi im März libysche, in Frankreich gehaltene Konten habe auflösen wollen, und so der westlichen Wertegemeinschaft gar nichts anderes übrig blieb, als den Volkshelden in seinem Lande zu jagen, sein Volk mit DU-Munition und anderen Hochtechnologiewaffen zu beglücken. Der erste signifikante Einbruch des Goldkurses erfolgte Ende August, und wieder hieß es, der sei dem libyschen Gold zu verdanken, das gefunden, abtransportiert und plötzlich auf den internationalen Goldbörsen gehandelt wurde. Doch, als Gaddafis Gold eskomptiert war, was hat den nächsten, ungleich stärkeren Preiseinbruch hervorgerufen?
Auch das findet man versteckt hier und da in Berichten über Warren Buffett und Co.
Haben Sie davor Gold gekauft, ärgern Sie sich nicht, denn eine vorübergehende Konsolidierung bietet nach altem Börsenlatein stets die Chance, günstiger einzusteigen, eine Position günstig auszubauen. Und außerdem wird der Euro immer schwächer. Wenn das so viele sagen, muss es doch stimmen, nicht wahr?

Es wird wieder Zeit für ein Bibelzitat. Bei Matthäus 25:13 heißt es: „Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde.“ Dieser Vers ist die Schlüsselstelle für Zeugen Jehovas, wahren Fachleuten für den Untergang, den Weltenbrand vor der Entrückung der Guten. Mit „ihr“ waren wie immer wir anderen gemeint. Zeugen Jehovas mit wahrem Gottvertrauen wussten schon dann und wann, wann es so weit sein würde, dass die Welt untergehe. Wegen dieser Stelle aus dem Neuen Testament sieht man Jehovas Zeugen in aller Regel auch nicht lachen, denn wehe dem Zeugen, der zur Stunde der Entrückung lachend angetroffen werde. Dem bliebe in der Folge nur noch das Wehklagen im Angesicht des Fegefeuers.
Nun waren laut der Berliner Zeitung gestern Tausende zu den Protesten erschienen.
Für die Versorgung der heimischen Wirtschaft sind die Volks-, Raiffeisen und Sparkassen viel wichtiger als die internationalen Großbanken. Diese Institutsgruppen haben 2008 bis 2010 die Wirtschaft vor dem Totalkollaps bewahrt. Jetzt senkte Moody's ihr Rating der Nord LB auf D+, die drittletzte Stufe, weiter gibt es noch D, D- und E. Sicher wird es für die Nord LB als einem der Spitzeninstitute der Sparkassen nun schwieriger, sich günstig mit Liquidität zu versorgen. Man darf annehmen, dass bald auch HeLaBa, WestLB, Bayern LB und LBBW wieder beschossen werden. Die Sparkassen werden sich künftig nicht mehr so risikofreudig bei Unternehmenskrediten zeigen. Die Prüfung der Abstufung der Deutschen Bank wird natürlich in den Medien ungleich stärker reflektiert, doch die kleine "Randnotiz" der Nord LB führt in der realen deutschen Geschäftswelt zu größeren Verwerfungen, konnte ich den Worten eines Herzogs vom gelben Blog entnehmen. Danke Volker fürs Weiterleiten!
Doch was haben die Demonstranten erreicht? „Wandelt sich der systemstützende Protest in einen systemstürzenden?“ fragt Robert Grözinger auf eigentümlich frei und vergleicht die Demo von gestern mit der vom 4. November 1989, als SED-Funktionäre, kommunistische Künstler, Schauspieler, Literaten und andere Aktivisten mit einer Großdemonstration versuchten, die brodelnde, systemgefährdende Unruhe in der DDR in reformerische, im Grunde aber systemstützende Bahnen zu lenken. Weiter führt er aus, dass der Wutpegel in den USA, wo die Bewegung entstand, noch nicht mit der damaligen Verbreitung des Zorns in der DDR vergleichbar sei, doch erinnere ihn die reformistische Natur der Forderungen, die Ausklammerung der Wurzeln des Übels gestern, an die Versuche von damals, den drohenden Sturz der herrschenden Klasse doch noch zu verhindern.
Zurück zu meinem gesellschaftlichen Diskurs.
Ist es nicht so, dass Börsianer immer mal kopflos handeln, in wenigen Sekunden Verkaufsaufträge ausgeführt werden, die Verluste minimieren sollen und so eine Kettenreaktion mit anderen Verlustreduzierungsaufträgen auslösen? Oder ist, wie auch oft gehört, der Euro gemessen an der Wirtschaftsleistung der EU-Mitgliedsstaaten unterbewertet?
Wer die Welt mit Angst regiert, lautet der Untertitel eines sehr informativen Buches. Wer die Welt mit Angst regiert, sorgt für steigende wie fallende Goldkurse, für Demonstrationen wie für Staatspleiten, für Präventivkriege und Zustimmung dazu in der Gesellschaft, wenigstens einem Teil davon. Divide et impera. Auch am Handel mit Edelmetallen und Derivaten können viele nicht teilnehmen, bilden die Beteiligten eine kleine Gruppe. Wer die Welt mit Angst regiert, kommt vor Lachen über die ausgelöste Unruhe, die vielen ausgelösten Bewegungen und Gegenbewegungen abends nicht in den Schlaf.
Wollen wir uns in guten wie in schlechten Zeiten manipulieren lassen, oder lernen wir endlich wieder, unsere Urteilskraft zu benutzen?
Heute ist heute, und da hatte ich versprochen, über corners und Impulse für unser Handeln zu schreiben, darüber, wie beide zusammenhängen. Corners sind laut dem deutschen Forbes Magazin vor allem in Asien anzutreffende Gruppen sehr solventer Investoren. Die wollen trotz der Nicht-Existenz von Verkaufsoptionen auf Firmen und Branchen natürlich auch mal richtig viel Geld machen, Geld so richtig fett vermehren, und drücken den Kurs eines Unternehmens, das ehedem im nächsten Abrechnungszeitraum hohe Erfolgsaussichten hat, dergestalt, dass sie mit ihren großen Geldvermögen die Nachfrage am Aktienmarkt vorübergehend verknappen. Sie kaufen einen Großteil der am Markt gehandelten Papiere, (Aktien, aber auch Call-Optionen) und setzen so einen Trend.
Während der achtziger Jahre ging das hier in Zentraleuropa mal so ähnlich: Es gab zwar in der DDR keine Börse mehr, den Platz, die Bahnstation, an der die Börse mal stand, hatten die Behörden umbenannt, und doch ließ sich durch entsprechende Meldungen im Feindsender der geteilten Frontstadt Hysterie und Panik verbreiten. Butter, so hieß es, werde bei den späteren Brüdern und Schwestern im Osten bald richtig rar, und eben jene sollten rasch gehen, sich die letzten noch angebotenen Butterstücken kaufen. Nun war die DDR nicht gerade eine Überflussgesellschaft, in der ständig zu viel produziert und hinterher weggeworfen wurde. Es gab auch keine Obdachlosen, Hartz-IV-Betroffene und Gammelläden, wo von der Sozialpolitik Benachteiligte sich die abgelaufenen Lebensmittel mühsam erstehen mussten, für die die Spender-Firmen extra Umsatzsteuer-Abschreibungen erhalten. Da beinahe jeder DDR-Bürger dem Reiz des Verbotenen, den Feindsender zu hören, erlag, gab 's plötzlich wirklich keine Butter mehr in Konsum und HO-Geschäften...
„I lie down and shiver-
in your golden river.“
(COIL)
Was für ein schlüpfriger Reim, was für eine Überleitung! Um Gold soll es jetzt gehen. Gold müsse man unbedingt haben, ruft es besonders seit dem Konkurs der Gebrüder Lehman im Jahre 2008 von überall her. Wer eine Publikation veröffentlicht, hat in Goldhändlern stets gute Anzeigenkunden. Gold ist das Krisenmetall, weil sein Gehalt in den Münzen für den Handel immer mehr reduziert wurde. Immer mehr in Umlauf befindliche Münzen hatten nicht mal mehr einen goldenen Überzug und büßten notwendig an Wert ein. Während Gold keine Zinsen abwirft, macht es die Angst der Menschen vor jeder Krise richtig teuer. Hier hat man irgendwie akzeptiert, dass es nicht von alleine mehr werde. Nur zu Beginn der neunziger Jahre, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, wurde kurze Zeit kolportiert, das gelbe Edelmetall habe seine Rolle als Krisenmetall verloren. Über die sagenhaften Goldreserven der SED-Führung sprachen manche gern. Hatte da jemand den Kurs künstlich unten gehalten? Pünktlich 1995, am Höhepunkt der verdeckten Aktivitäten in Jugoslawien, die ab 1999 zu den Nato-Bombardements führten, stieg der Goldpreis kontinuierlich an, und hat bis neulich nur eine Richtung gekannt. Ein Schelm, wer da Böses denkt! Theo Waigel, damals gesamtdeutscher Finanzminister, wollte die strategischen Goldreserven der Bundesrepublik verhökern und durfte nicht. War das Gold womöglich gar nicht mehr im Lande, nicht mehr in Europa? „Pfui! Verschwörungstheorie!“ höre ich schon das vielfache Echo auf meine Frage, will sie hier aber gar nicht klären,
lediglich zum Nachdenken und Diskutieren anregen.
Die an einer Corner Beteiligten machen es in der Zwischenzeit, nachdem sie einen Wert zu besonderer Steigerung auserkoren haben, ähnlich wie der Liebe Gott: sie lehnen sich zufrieden zurück und freuen sich daran, wie das, was sie so fachkundig angefasst haben, wächst und gedeiht. Und verkaufen ihre Anteile alle auf einmal
Seit März wurden wir der Umsturzpläne in Libyen gewahr, der Aktivitäten einer Koalition der Willigen, die westliche Wertedemokratie auch gegen das Libysche Volk zu verteidigen, federführend war diesmal Frankreich. Sarkozys Frankreich. Inzwischen kann man lesen, dass Oberst Muammar Gaddafi im März libysche, in Frankreich gehaltene Konten habe auflösen wollen, und so der westlichen Wertegemeinschaft gar nichts anderes übrig blieb, als den Volkshelden in seinem Lande zu jagen, sein Volk mit DU-Munition und anderen Hochtechnologiewaffen zu beglücken. Der erste signifikante Einbruch des Goldkurses erfolgte Ende August, und wieder hieß es, der sei dem libyschen Gold zu verdanken, das gefunden, abtransportiert und plötzlich auf den internationalen Goldbörsen gehandelt wurde. Doch, als Gaddafis Gold eskomptiert war, was hat den nächsten, ungleich stärkeren Preiseinbruch hervorgerufen?
Auch das findet man versteckt hier und da in Berichten über Warren Buffett und Co.
Haben Sie davor Gold gekauft, ärgern Sie sich nicht, denn eine vorübergehende Konsolidierung bietet nach altem Börsenlatein stets die Chance, günstiger einzusteigen, eine Position günstig auszubauen. Und außerdem wird der Euro immer schwächer. Wenn das so viele sagen, muss es doch stimmen, nicht wahr?

Es wird wieder Zeit für ein Bibelzitat. Bei Matthäus 25:13 heißt es: „Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde.“ Dieser Vers ist die Schlüsselstelle für Zeugen Jehovas, wahren Fachleuten für den Untergang, den Weltenbrand vor der Entrückung der Guten. Mit „ihr“ waren wie immer wir anderen gemeint. Zeugen Jehovas mit wahrem Gottvertrauen wussten schon dann und wann, wann es so weit sein würde, dass die Welt untergehe. Wegen dieser Stelle aus dem Neuen Testament sieht man Jehovas Zeugen in aller Regel auch nicht lachen, denn wehe dem Zeugen, der zur Stunde der Entrückung lachend angetroffen werde. Dem bliebe in der Folge nur noch das Wehklagen im Angesicht des Fegefeuers.
Nun waren laut der Berliner Zeitung gestern Tausende zu den Protesten erschienen.
Für die Versorgung der heimischen Wirtschaft sind die Volks-, Raiffeisen und Sparkassen viel wichtiger als die internationalen Großbanken. Diese Institutsgruppen haben 2008 bis 2010 die Wirtschaft vor dem Totalkollaps bewahrt. Jetzt senkte Moody's ihr Rating der Nord LB auf D+, die drittletzte Stufe, weiter gibt es noch D, D- und E. Sicher wird es für die Nord LB als einem der Spitzeninstitute der Sparkassen nun schwieriger, sich günstig mit Liquidität zu versorgen. Man darf annehmen, dass bald auch HeLaBa, WestLB, Bayern LB und LBBW wieder beschossen werden. Die Sparkassen werden sich künftig nicht mehr so risikofreudig bei Unternehmenskrediten zeigen. Die Prüfung der Abstufung der Deutschen Bank wird natürlich in den Medien ungleich stärker reflektiert, doch die kleine "Randnotiz" der Nord LB führt in der realen deutschen Geschäftswelt zu größeren Verwerfungen, konnte ich den Worten eines Herzogs vom gelben Blog entnehmen. Danke Volker fürs Weiterleiten!
Doch was haben die Demonstranten erreicht? „Wandelt sich der systemstützende Protest in einen systemstürzenden?“ fragt Robert Grözinger auf eigentümlich frei und vergleicht die Demo von gestern mit der vom 4. November 1989, als SED-Funktionäre, kommunistische Künstler, Schauspieler, Literaten und andere Aktivisten mit einer Großdemonstration versuchten, die brodelnde, systemgefährdende Unruhe in der DDR in reformerische, im Grunde aber systemstützende Bahnen zu lenken. Weiter führt er aus, dass der Wutpegel in den USA, wo die Bewegung entstand, noch nicht mit der damaligen Verbreitung des Zorns in der DDR vergleichbar sei, doch erinnere ihn die reformistische Natur der Forderungen, die Ausklammerung der Wurzeln des Übels gestern, an die Versuche von damals, den drohenden Sturz der herrschenden Klasse doch noch zu verhindern.
Zurück zu meinem gesellschaftlichen Diskurs.
Ist es nicht so, dass Börsianer immer mal kopflos handeln, in wenigen Sekunden Verkaufsaufträge ausgeführt werden, die Verluste minimieren sollen und so eine Kettenreaktion mit anderen Verlustreduzierungsaufträgen auslösen? Oder ist, wie auch oft gehört, der Euro gemessen an der Wirtschaftsleistung der EU-Mitgliedsstaaten unterbewertet?
Wer die Welt mit Angst regiert, lautet der Untertitel eines sehr informativen Buches. Wer die Welt mit Angst regiert, sorgt für steigende wie fallende Goldkurse, für Demonstrationen wie für Staatspleiten, für Präventivkriege und Zustimmung dazu in der Gesellschaft, wenigstens einem Teil davon. Divide et impera. Auch am Handel mit Edelmetallen und Derivaten können viele nicht teilnehmen, bilden die Beteiligten eine kleine Gruppe. Wer die Welt mit Angst regiert, kommt vor Lachen über die ausgelöste Unruhe, die vielen ausgelösten Bewegungen und Gegenbewegungen abends nicht in den Schlaf.
Wollen wir uns in guten wie in schlechten Zeiten manipulieren lassen, oder lernen wir endlich wieder, unsere Urteilskraft zu benutzen?
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Emotionale Lieder & Stimmungen sind eine, kühl-wissenschaftliche Beschreibung (auch als Vorarbeiten für weitergehende Analysen) eine andere. Hier mit freundlichem Gruß mein Kürzestbeitrag zur Lage:
Kritik der "Verstaatlichung"sparole
Kurzer sachdienlicher Hinweis zur Sache
I.
Marx & Engels sahen damals die empirische Entwicklung vom unternehmerisch bestimmten produktiven Industriekapitalismus zum (vom mir meist Banksterkapitalismus genannten) so parasitären wie systematischen Schwindelkapitalismus. Im von Engels ediertem „Kapital“ Band III: „Kritik der politischen Ökonomie. Der Gesamtprozeß der kapitalistischen Produktion“ ist von Kapital, Zinsen und „zinstragendem“ Kapital die Rede und von der „Aufhebung der kapitalistischen Produktionsweise innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise selbst“ als „einem sich selbst aufhebenden Widerspruch“, etwa in Form monopolistischer Staatsintervention bei Kapitalakkumulationsprozessen mit einer „neuen Finanzaristokratie, einer neuen Sorte Parasiten in Gestalt von Projektemachern, Gründern und bloß nominellen Direktoren“ an der Spitze, genauer: „einem ganzen System des Schwindels und Betrugs mit Bezug auf Gründungen, Aktienausgabe und Aktienhandel. Es ist Privatproduktion ohne die Kontrolle des Privateigentums.“[1]
II.
Ganz anders sehn das heute Linksparteiideologen und -politiker wie Lafontaine & Flassbeck, der (wieder mal) „Das Ende des Kapitalismus“ behauptet: „Die Marktwirtschaft oder der Kapitalismus ist am Ende. Es gibt kein Wachstum mehr“ infolge eingefrorener Löhne: „Die momentane Krise ist im Kern eine globale Lohnkrise, also eine Krise des Nichtsteigens der Löhne“, was diese Lage schüfe: „fast 70 Prozent der Weltwirtschaft [haben] stagnierende Löhne.“[2] Ja wenns so einfach ginge: über massive Lohnsteigerungen Wachstum schaffen und den „Marktwirtschaft“ genannten Kapitalismus wieder flott machen. Das freilich wird welchem Sozi-„Arzt am Krankenbett des Kapitalismus“ auch immer deshalb nicht gelingen (können), weil geldbezogene Scheinwertschöpfung nach wie vor als das das Gesamtsystem bestimmende Gravitationszentrum der Gesamtwirtschaft (nerves of economy) wirkt. Oder anders gesagt: solange dieses Finanzbankensystems nicht entmachtet bzw. das Finanzbankensystem mit seinen Banksterschwindelmethoden als solches nicht abgeschafft wird, solange wird die nächste Krise mit allen (Folge-) Problemen nächst folgen ... Und was die Verstaatlichung betrifft: die Hypo-Real-Estate Banksterholding (HRE) ist soweit ich weiß seit zwei Jahren als sogenannte bad bank (schlimmer Banksterfinger) nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren komplett verstaatlicht ...
[1] Marx-Engels-Werke (MEW), Dietz, Berlin ²1968, MEW XXV: 454
[2] Heiner Flassbeck, Das Ende des Kapitalismus; in: clara. Hg. Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Heft 21/2011: 8-9
Dr. Richard Albrecht/16. Okt. 2011
http://gegen-den-strom.org
Danke für ihre umfangreiche Reaktion! Marx und Engels schätze ich auch sehr. Was sie unter I. schreiben, hat der junge Karl in seiner Schrift über das Judentum mal relativ garstig und leichter verständlich geschrieben. Sie kennen den Satz sicher, er handelt von Religion. Ich möchte ihn für sich sprechen lassen, ohne Ergänzung. Die HRE ist bestimmt seit 2 Jahren eine verstaatlichte Badbank. Wenn Lafo heute das sagt, ist er dement oder hofft auf unsere Demenz - vor ca. 3 Jahren durfte ich ihn noch im überfüllten tazcafe Berlin erleben, wie er die Rettung der HRE als systemrelevant verteidigte, auf eine Publikumsfrage musste er 5 min später einräumen, eigentlich keine Ahnung von der komplexen Bankenlandschaft und -verquickung mit Wirtschaft und Staat zu haben. Was machen so Zeitgenossen wir er im Aufsichtsrat der KfW, bzw. was haben sie da gemacht? Wenn sich darüber außer mir noch jemand geärgert oder gewundert hat, hat ers für sich behalten.