Eine Polemik gegen Postmodernismus, Pisaismus und Medialdummheit als Beitrag zur kategorialen Flurbereinigung
von
Richard Albrecht
KOPPGÜLLE – nicht zu verwechseln mit Topgülle –, KOPPGÜLLE ist das, was manche grobsinnlich-deftiger
Scheiße im Kopp nennen. Die ist im heutigen Ganzdeutschland reichlich verbreitet. Auch mithilfe so staatstragender Info- und Erzi-Medien wie dem bundesweit größten öffentlich-rechtlichen Sender in Köln. Dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) aus dem größten deutschen Bindestrichland Nordrhein-Westfalen (NRW).
Man(n) muß weder Sinologie studiert haben noch Maoist gewesen sein um das altchinesische Han-Sprichwort zu kennen: Im platten Land wirkt selbst der Hügel wie ein Berg. Denn wenn die Sonne hoch steht kann auch ein Zwerg lange Schatten werfen. Und im deutschen Fernsehen wirkt selbst der gealterte Ex-Bundeskanzler Schmidt-Hamburg wie´n weltläufiger Intellektueller.
In jenen prae- oder vorpisaistischen Zeiten des vergangenen Jahrhunderts v o r den ihnen bald folgenden ganzdeutschen Nullerjahren mußten Frau/Mann weder maturiert sein noch ´n Staatsexamen haben um zu wissen, daß besser nicht vom MEHRWERT gekwatscht wird wenn subjektiver Nutzen gemeint ist.
Nicht so in den letzten Jahren: von „MEHRWERT“ im Sinne subjektiven gefühlten Nutzens wird überall gekwatscht ... grad so als sei MEHRWERT ein postmodernisch-beliebiger Begriff, den jeder Medienhansel nach Gusto oder Schnauze oder nach was-auch-immer frank und frei benützt und der nur noch nachgeplappert werden muß.
Dem ist freilich nicht so: MEHRWERT ist ein Zentralbegriff aus der klassischen Ökonomie und meint in der Marx´schen Kritik der Politischen Ökonomie im Zusammenhang mit der
´objektiven´ Arbeitswertlehre (so das deutschsprachige Netzlexikon de.wikipedia.org):
„In der Marxschen Arbeitswerttheorie bezeichnet Mehrwert den Teil der Wertmenge, den der Lohnarbeiter durch seine Arbeit produziert und der über den Ersatz des Wertes seiner Arbeitskraft und der eingesetzten Produktionsmittel hinausgeht, also die für den Kapitalismus spezifische Form des Mehrprodukts.“
Genauer: „Der Mehrwert ist die im Mehrprodukt vergegenständlichte Mehrarbeit des Lohnarbeiters, d.h. der Wert, den der Lohnarbeiter über den in der notwendigen Arbeit produzierten) Ersatz des Wertes seiner Arbeitskraft hinaus neu produziert; er ist als solcher Vergegenständlichung unbezahlter Arbeitszeit. Nach dem Mehrwertgesetz ist die möglichst große Produktion von Mehrwert (bzw. die möglichst große Ausbeutung der Arbeitskraft) das Ziel der kapitalistischen Produktion. Aus der Rückverwandlung des Mehrwerts in Kapitel entspringt die Akkumulation des Kapitals.“ (Das Marx-Engels-Lexikon. Begriffe von Abstraktion bis Zirkulation. Hg. Konrad Lotter u.a. Köln: PapyRossa, 2006: 237)
Das allgemeine „MEHRWERT“-Gekwatsche wurde, wenn ich mich nicht verhört habe, im WDR diesertage auf die sprachkretinistisch-gedankliche Spitze getrieben: am Freitag, dem 16. Dezember 2011, war im Radio in einer Sendeankündigung von WDR 5 für WDR 5 auf WDR 5 von
MEHRWERTGEFÜHL die Rede: das nenne ich die
öffentlich-rechtliche Verbreitung von KOPPGÜLLE.
So gesehn - lerne ich nachzuempfinden, warum selbst der gealterte Ex-Bundeskanzler Schmidt-Hamburg im deutschen Fernsehn wie´n weltläufiger Intellektueller wirkt. Und wie und woher soll wer jahrzehntelang vierteljährlich brav an die GEZ überweist und Kuchenteile müffelt, denn wissen wie frisches Vollkornbrot schmeckt?
Richard Albrecht ist unabhängiger Sozialforscher & freier Autor in Bad Münstereifel und veröffentlicht seit Oktober 2010 regelmäßig unregelmäßig in diesem Blog ->
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flaschenpost. - Der Autor publizierte in den letzten Jahren vor allem in wissenschaftlichen Zeitschriften wie
soziologie heute (sh),
Zeitschrift für Politik (ZfP) und
Zeitschrift für Weltgeschichte (ZWG). - Letzterschienene Bücher:
SUCH LINGE (2008, wiss.);
HELDENTOD (2011, lit.);
FLASCHEN POST (Editor, 2011, publ.). Netzarchiv des Autors ->
eingreifendes-denken; Kontakt zum Autor ->
eingreifendes.denken@gmx.net (c) Richard Albrecht (2011)
kwatschen schreibt sich quatschen
Mein Herr, Sie posten hier bei richtiger IP unter falscher Flagge.
Ich nehme Ihren "Duden"-Satz nur zum Anlaß für diesen ein(malig)en Hinweis:
Ganzdeutsche STAATSDIENER haben NACH DUDEN zu schreiben. Ich war nie einer ...
Gruß von Luise
Herr Albrecht, Sie meinten sicher das Zitat von Karl Kraus
"Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten."
Aber bitte: Inzwischen konnte in diesem Ganzdeutschland ein Hobbyhistoriker wie der bekannte hanseatische Multimillionario J. Ph. Fürchtegott Reemtsma lange soziologische Schatten werfen;-)
-> http://www.soziologie.de/index.php?id=608
Gruß;-) RicAlb/281211
Neulich im wdr, als in Belgien jemand um sich schoss und natürlich die unvermeidliche Liveschalte nicht ausbleiben durfte, eröffnete die eine Hälfte des Moderatorenpärchens den Dialog mit der Redakteurin vor Ort mit dem in eine Frage verpackten Hinweis, dass Belgien ja lange ohne Regierung gewesen sei und ob man deshalb annehmen müsse, dass Brüssel nunmehr weniger sicher sei als andere europäische Städte.
Ich find das gut, das der wdr soviel Kabarett bringt ;-).
Keine Satire, sondern der neuste Dummpolitsprech der derzeit amtierende Bundesministerin Justiz:
„Sie stellte den Einsatz staatlicher Informanten in der rechtsextremistischen Szene grundsätzlich infrage: "Ich habe meine Zweifel, was den Mehrwert angeht. Das bestehende V-Mann-System jedenfalls kann keine Zukunft haben", sagte Leutheusser-Schnarrenberger““
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,806319,00.html