Anlageempfehlungen zu Sylvester
Der Versicherungskonzern Allianz bewertet italienische Staatsanleihen trotz der Schuldenkrise als attraktives Investment. Der designierte Allianz-Finanzvorstand Maximilian Zimmerer sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", er sehe bei den Papieren kein Ausfallrisiko.
Selbst Börse-Online, die ansonsten ja immer dabei sind, wenn es darum geht, Werbung für fragwürdige Finanzprodukte zu machen und den Wahnsinn in den internationalen Casinos. die fälschlicherweise Börsen genannt werden, sonst immer gut findet, spricht von Zweckoptimismus, da die Allianz laut ihrem letzten Quartalsbericht 25 Milliarden Euro in italienische Staatsanleihen investiert hat, die sie wohl zu großen Teilen abschreiben müssten, wenn sich nicht andere Irre finden, die die Papiere übernehmen. Besonders auffällig und widerwärtig wird diese Lügerei, wenn man sich die Bewertung europäischer Staatsanleihen von Pimco anschaut:
Ein Manager des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco kommt sogar zu dem Schluss, europäische Staatsanleihen hätten denselben Status wie Subprime-Hypothekenpapiere auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. "Es ist fast so wie 2008, als die US-Banken und Investoren nicht mit Beständen an Subprime-Hypotheken oder anderen so genannten faulen Anlagen gesehen werden wollten", sagte Anthony Crescenzi, Executive Vice President der amerikanischen Gesellschaft in einem Interview mit Bloomberg Radio.
Wenn Andrea Cünnen als Finanzkorrespondentin und stellvertretende Leiterin vom Geldanlageteam des Handelsblattes hier so sehr betont von einer amerikanischen Gesellschaft spricht, dann soll dass natürlich nur die Dummen an der Nase herumführen, die die Hintergründe nicht kennen. Schließlich ist die Allianz ein wichtiger Werbekunde des Handelsblattes und Nachrichten sind ja bei diesen Systemmedien nur noch die Texte zwischen der Werbung, die nicht wahr und schon gar nicht klar sein müssen.
Pimco ist nämlich in der Realität kein böses ausländisches Unternehmen wie Wikipedia jedem Interessierten verrät:
Seit 2000 ist PIMCO eine hundertprozentige Tochter der Allianz Global Investors of America L.P., die wiederum zu etwa 97 % der Allianz SE und etwa 3 % der Pacific Life gehört.
Pimco ist also praktisch eine Allianz Tochter und hat als solche im Juli schon einmal wenig erfolgreich versucht der Allianz beim Verkauf ihrer italienischen Staatsanleihen zu helfen, indem Andrew Bosomworth, der Leiter des Portfoliomanagementes von Pimco in München, in einem Welt-Interview halbherzig angab, das Pimco bereits wieder italienische Staatsanleihen kaufe. Die Märkte haben ihm aber nicht geglaubt und so sitzt die Allianz eben immer noch auf 25 Milliarden Schrottanleihen alleine aus Italien. Was dort ansonsten noch an Totalverlusten herumliegt, will man lieber gar nicht wissen. Zahlen werden am Ende die Versicherten und die Täter werden mit hohen Boni belohnt. Wie auch beim "Verkauf" der Dresdner Bank an die Commerzbank, wird sicher auch der Steuerzahler am Ende wieder bluten müssen.
Weil wir gerade so schön beim Thema Commerzbank sind, eine weitere tolle Nachricht in Sachen neuer totsicherer Anlageformen mit denen sich in 2012 die Commerzbank, ihre Tochter die Eurohypo und die Nord-LB auf die armen Anleger stürzen wollen:
Während die Commerzbank an einer Anleihe arbeitet, die mit Mittelstandskrediten besichert sein soll, entwickelt die Eurohypo eine ähnliche Anleihe, die mit Immobilienkrediten gedeckt sein soll.
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Die NordLB bestätigte dem "Handelsblatt", dass sie erstmals einen Flugzeug-Pfandbrief platzieren will Die neuartigen Anleihen, an denen Commerzbank und Eurohypo arbeiten, sollen ähnlich wie Pfandbriefe funktionieren: Das bedeutet, dass nicht nur die Banken selbst für ihre Rückzahlung bürgen, sondern zusätzlich ein Pool von Sicherheiten.
Diese zusätzlichen Sicherheiten machen einen dann doch gleich richtig glücklich und vertrauensseelig. Alleine im Bereich Asset Based Finance mit Eurohypo hat die Commerzbank in diesem Jahr bereits 2,5 Milliarden Euro verloren, was für die tollen zusätzlichen Sicherheiten die sie in Zukunft anbieten wollen auch nicht gerade viel Hoffnung bringt. Über die NordLB spricht man im Zusammenhang mit Sicherheiten besser gar nicht.
Der letzte Stresstest ergab bei der NordLB je nach Lesart einen Kapitalbedarf zwischen 600 Millionen und 1,8 Milliarden, für die Commerzbank werden Zahlen zwischen 5,3 und 15 Milliarden genannt, je nachdem wie man die angelegten Staats- und sonstige Anleihen bewertet. Wie hoffnungslos die Lage für die Commerzbank ist, zeigt schon die Tatsache, dass die Commerzbank in Zukunft Kreditprodukte der Konkurrenz verkaufen will. Das ist nur dann logisch, wenn man selbst finanziell nicht mehr in der Lage ist diese Kredite zu vergeben und statt dessen wenigsten noch die Provision für die Vermittlung kassieren will.
In Berlin gibt es wieder einmal Verkaufsgerüchte um die Commerzbank. Dabei sind zur Zeit zwei Varianten im Spiel. Zum einen könnte der Bund die Eurohypo komplett übernehmen und damit deren Totalverlust auf die arbeitenden Menschen verteilen. Dafür soll die Commerzbank im Endeffekt auch noch die 25 Prozent Anteil des Staates zurückbekommen,was mal eben einen Gewinn von mindestens 25 Milliarden Euro bedeuten würde. Dieser Variante aber wird die Europäische Kommission wohl nicht zustimmen, da sie eine indirekte Subvention der Commerzbank wäre.
Etwas anders sieht der Fall aus, wenn die Deutsche Bank die Commerzbank übernimmt und dabei weniger als den aktuellen Kurs zahlt. Die 18 Milliarden Bundesbeteiligung würden damit auf rund 5,4 Milliarden absinken die dann im Gegenzug für die Eurohypo bezahlt würden. Verlierer wäre auch hier der Steuerzahler und für Josef Ackermann wäre dies der letzte große Coup, bei der Abzocke des Staates. Die Deutsche Bank würde das attraktive Geschäft mit den Mittelstandkunden erben, einem Geschäftsbereich in dem sie nie wirklich von Bedeutung war.
Mittlerweile haben viele Unternehmen verstanden, dass man sich bei der Geldbeschaffung keinesfalls mehr auf die Banken verlassen kann und versuchen deshalb direkt Anleihen bei ihren Kunden und an anderen Privatpersonen zu platzieren, was von denen gerne angenommen wird:
Das Interesse der Anleger ist groß: Der Safthersteller Valensina musste bereits nach zweieinhalb Stunden die Ausgabe seiner Anleihen beenden, weil sie bereits fünffach überzeichnet waren. Bei Katjes dauerte es nur eine halbe Stunde, da gab es bereits mehr als doppelt so viele Interessenten als der Süßwarenhersteller mit seinem 30 Millionen Euro schweren Anleihenpaket bedienen konnte.
Natürlich steckt in diesen Anleihen eine große Gefahr für das Geschäft der Banken und des Finanzmarktes. Deshalb wird alles aufgeboten was es überhaupt gibt, um Anleger von solchen Produkten zu vertreiben. Bei der Treibjagd gegen die Wiener Feinbäckerei Heberer, ein Unternehmen aus Mühlheim bei Frankfurt, das mit 350 Filialen vor allem im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin und Thüringen vertreten ist und über eine solche Anleihe 12 Millionen Euro beschaffen will, steht der sogenannte "Verbraucherschützer" Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in der ersten Reihe der Schützen und ballert mit wilden Allgemeinplätzen einfach mal fröhlich drauf los:
Werden die Produkte an der Börse gehandelt, gibt es eine gewisse Kontrolle durch die Finanzmarktteilnehmer.
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Im Insolvenzfall ist das Geld weg.
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Die Bäckerei lässt ihre Anleihen nicht von Rating-Agenturen bewerten. Auch an der Börse wird das Papier nicht gehandelt, somit kann kein Kursverlauf darüber Auskunft geben, wie andere Anleger das Risiko einschätzen.
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Neben den sieben Prozent Rendite, die auf den Werbezetteln angepriesen werden, müsste in dicken, schwarzen Buchstaben stehen: Achtung, Gefahr des Totalverlusts
Ach ja, diese Verbraucherschützer. Wo war eigentlich Herr Neuhauser als der AWD des Wulff Freundes Maschmeyer die Leute abzockte. Wo waren diese Verbraucherschützer als die Subprime-Krise die Vermögen vernichtete und wo fordern sie heute das auf allen Immobilien und Aktienfonds ein Warnhinweis "Gefahr des Totalverlustes" steht. Natürlich können die Bäckerei Heberer, Valensina und Katjes Pleite gehen und das Geld kann verloren sein. Aber diese Gefahr gilt für alle kleineren Unternehmen und auch große sind durchaus gefährdet, wenn sie nicht so groß sind, dass sie sich Bundespräsidenten, Minister und Bundeskanzlerinnen sowie ganze Parteien leisten können.
Was der "erzürnte" Verbraucherschützer Neuhauser aber nicht erwähnt, ist die Tatsache, das mittelständische Unternehmen sehr viel sorgfältiger mit ihrem Geld umgehen und auch noch einen Ruf zu verlieren haben. Anders als das Großkapital ist da oft auch noch sehr viel Herz mit im Spiel. Natürlich muss man jede Geldanlage prüfen. Aber rein vom Bauchgefühl erscheinen die Anleihen kleinerer und gut eingeführter Unternehmen mit einer starken Marke sehr viel sicherer zu sein, als der schon zu Betrugszwecken aufgemotzte Ramsch, der von den sogenannten seriösen Marktteilnehmern mit einem gut gekauften Rating angeboten wird.
Die beste Geldanlage ist natürlich die als haftender Gesellschafter in einem Unternehmen bei dem man sich mit eigenem Verstand an den Entscheidungfindungen beteiligen kann, oder Anteile an einer Genossenschaft die mit Verstand und von guten Leuten demokratisch geführt wird. Aber wer das nicht kann, sollte durchaus Anlagen außerhalb des Marktes der Finanzhaie suchen, auch wenn das dem Verbraucherschützer Neuhauser nicht passt. Katjes und Valensina sind auf jeden Fall viel sicherer als die italienischen Staatsanleihen der Allianz Versicherung.
Für 2012 gilt das, was schon immer galt. Augen auf bei allen Dingen des Lebens. Aber wer ein festes Bündnis mit dem Strick eingehen will, darf auch das tun. Schließlich ist es sein Geld, dass er verliert. Glauben heißt immer nicht wissen und deshalb sollte man in Geldangelegenheiten keinem glauben. Weder Duckhome noch irgendwelchen Verbraucherschützern und schon gar nicht Banken und Versicherungen. Für sein Geld ist jeder selbstverantwortlich. Die Selbstverantwortung wie jede Verantwortung gilt natürlich nicht für Politiker, Manager und das Großkapital. Die sind nie verantwortlich.

Tags für diesen Artikel: allianz, bestechung, betrug, commerzbank, deutsche bank, euro, eurohypo, italien, staatsanleihen, verbraucherschutz, wulff
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Ich mache mir ja sonst nicht die Mühe, auf der Strasse aufgelesenes auszusortieren, aber eine höhere Konzentration an schlecht recherchierter, wichtigtuerischer Skandalmache mit Manipulationscharakter habe ich wirklich noch nicht gelesen.
Grüsse aus Wien
Aktien: Ja gerne, aber gemischt durch alle Branchen (v.A von Firmen, die man nach dem Knall zum Wiederaufbau vorausichtlich braucht)
Jeder, der Aktien kauft, vernichtet Arbeitsplätze, macht Lebensmittel unbezahlbar, lässt Serviceleistungen auf der Strecke und spült sein sauer verdientes Geld schnell und direkt in die Kassen der Unternehmer.
Denkt mal darüber nach!
Aktienkäufer sind unsoziale Wesen, die wir nicht wollen.
Sollen doch die gierigen Unternehmer sich gegenseitig das Geld abjagen, aber ohne uns.
Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.
Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"
wenn ich mich nicht getäuscht habe, sind die deutschen dazu übergegangen in chinesische Papiere zu investieren. Mit Schwarzpulver und allerlei Alkalimetallen gemischt. Die gehen hoch.
Ich lege auch "Kapital" an - ca 40% meines Umsatzes.
@Anna ich stimme Dir zu - wer investieren möchte sollte in sein eigenes Geschäft, seine Ausbildung oder seine Partner investieren. Sichere Anlagen. Wer Papiere und deren Gewinne nimmt, darf sich nicht wundern wenn er eines Tages ebenso belangt wird wie vor 60 Jahren. Diesmal ist nicht die Frage waren sie Parteimitglied. Besaßen Sie Aktien?. Geld das investiert wird aufgrund von Gewinnoptionen? Da kommt dann doch auch irgendwann die Aussage: Ich wußte ja nicht daßß die das mit meinem Geld gemacht haben. "Ich habe nur Befehle ausgeführt?" kommt mir bekannt vor. Wer sein Geld der Mafia oder einem Drogenkartell (CIA) zur Verfügung stellt, bekommt Gewinn - aber auch irgendwann die Rechnung. Nicht Jammern wenn es soweit ist. Nürnberg findet diesmal in Peking oder Moskau statt (hoffe ich).
Also denne, ein glückliches neues Jahr Euch allen.
Die Wahrscheinlichkeit für den Ausfall einer kleinen Anleihe eines intransparenten Mittelständlers (der anscheinend nicht in der Lage ist, sich am "normalen" Markt bzw. bei Banken zu refinanzieren) ist in der Tat (und das kann man dann auch mal ziemlich pauschal sagen) deutlich höher als die eines Staatsbankrottes in Italien...