Wer - warum auch immer - als Weinverkoster und -autor eine schöpferische Pause einlegt, sieht sich alsbald mit respektablen Mengen ungetrunkener Flaschen konfrontiert. Vieles von dem, was die Paketdienstleister da so alles ins Haus schleppen, mag man schon nach dem Blick auf's Etikett nicht trinken wollen. Und wenn man sich dann doch überwindet, werden viele Vorurteile meistens auf das Trefflichste bestätigt.
Wer braucht zum Beispiel einen Baccus-Kabinett, der nahezu reintönig nach Brausepulver schmeckt? Oder einen jener berüchtigten, gedopten Spätburgunder-Auslesen, die man eigentlich nur noch mit Gelatine aufkochen und anschließend in Marmeladengläser abfüllen kann. Es müssen ja nicht immer vinologische Erweckungserlebnisse sein. Man kann schließlich schon zufrieden sein, wenn man angesichts der Schwemme langweiliger bis furchtbarer Weine einen bislang unbekannten, ordentlichen Tropfen ins Glas bekommt, der so etwas wie einen eigenen Charakter hat.
Allzu große Erwartungen hatte ich jedenfalls nicht, als ich die trockene
Schwarzriesling-Spätlese 2009 vom Patrizierhof, zu dem das fränkische Weingut Grebner gehört, auf den Tisch stellte. Denn die Ankündigung auf dem Etikett, dass dieser „im Holzfass gereift" sei, entpuppt sich nur allzu oft als veritable Drohung mit unangemessen dominanten Holz- und Vanillearomen. Und Franken gilt ohnehin nicht als Domäne dieser Rebsorte, die in Deutschland hauptsächlich in Württemberg kultiviert wird.
Doch was Günter Grebner da aus einer Mini-Parzelle (0,15 Hektar) mit Gips-Keuperböden in die Flasche bringt, ist aller Ehren wert. Wilde, im ersten Moment schier überbordende Beerenaromen überrumpeln zunächst den Gaumen. Doch die ganze Sache wird recht bald wesentlich klarer und strukturierter. Alles pegelt sich auf ein schönes Duett von reifen Johannisbeeren und Sauerkirschen ein, zu der sich eine nicht zu kräftige Nelke gesellt. Die 24 Monate im größtenteils gebrauchten Holz haben ihm schmeckbar gut getan; Tannine und Säure sind bereits angemessen gezähmt. Und vor allem: Hier wird kein Pseudo-Spätburgunder offeriert, sondern ein Rotwein, der den eigenständigen Charakter des Schwarzrieslings selbstbewusst demonstriert.
Die ausgesprochen zickige Rebsorte liegt dem Winzer sehr am Herzen. Abgefüllt werden die rund 900 Flaschen nur in guten Jahrgängen, ansonsten wandert der vergorene Most in eine eher einfache Cuvée. 2010 fällt der reinsortige Schwarzriesling beispielsweise aus, da der frühe Wintereinbruch den Trauben doch allzu arg zugesetzt hatte. Vom Jahrgang 2011 erhofft sich Grebner wieder einen Topwein, der allerdings erst 2013 auf die Flaschen gezogen wird. Und angesichts des großen Zuspruchs, den dieser Wein erfährt, plant das Weingut auch die Anlage weiterer mit Schwarzriesling bestockter Parzellen.
Die Schwarzriesling Spätlese 2009 vom
Patrizierhof Grebner, Franken, gibt es für 9,00 € ab Hof. Neun Euro für eine Flasche Wein? Natürlich, wenn er es Wert ist. Ich erspare mir jetzt Abhandlungen über das
Marx’sche Wertgesetz. Dafür aber folgendes: Was bitte soll ein Wein kosten, der nur in qualitativ sehr guten Jahrgängen mit niedrigen Erträgen abgefüllt wird und ohnehin äußerst witterungsanfällig ist? Der in aufwändiger Handarbeit kultiviert und auch von Hand gelesen wird? Das daraus resultierende Endprodukt kann sich nicht jeder leisten, und das macht auch nichts. Und in der nächsten Woche gibt’s wieder eine schöne Literabfüllung für fünf bis sechs Euro – versprochen!
Rainer Balcerowiak lebt und arbeitet als Politikredakteur und Weinpublizist in Berlin und Wandlitz.
Zuletzt erschien von ihm „Das demokratische Weinbuch“ (
Mondo Verlag Heidelberg) 14,95 Euro.
Ferner schreibt er regelmäßig Beiträge bei
Captain Cork.
abseits des Getümmels möchte ich Ihnen hier wünschen, daß Sie - nachdem als ultima ratio ein "bürgerliches" Arbeitsgericht bemüht werden mußte - dort sowohl Ihren arbeit"nehmer"-ähnlichen Status bescheinigt als auch eine ordentliche Abfindung zugesprochen bekommen.
Im Auge behalten werd´ ich´s schon, die DK-CAUSA, auch mit den beiden jW-Richtungsentscheiden 1995 und 2005 ... nur jetzt aktuell kommt von mir keine öffentliche Äußerung mehr,
mit solidarischem Gruß
(Dr. Richard Albrecht)